Pulvermühlen im Bergischen Land

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
  • Ruinen der früheren Pulvermühle im Elisenthal bei Windeck (2013).

    Ruinen der früheren Pulvermühle im Elisenthal bei Windeck (2013).

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  • Die Anlage Gut Schiff bei Bergisch Gladbach (2004).

    Die Anlage Gut Schiff bei Bergisch Gladbach (2004).

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  • Funktionsprinzip einer von einem Wasserrad angetriebenen Pulvermühle mit Mechaniken und Mühlsteinen (Kupferstich von Georg Andreas Böckler, 1661).

    Funktionsprinzip einer von einem Wasserrad angetriebenen Pulvermühle mit Mechaniken und Mühlsteinen (Kupferstich von Georg Andreas Böckler, 1661).

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Diese Objektgruppe zeigt Pulvermühlen im Bergischen Land. Eine Pulvermühle ist eine Mühle, in der Salpeter, Schwefel und Holzkohle für die Herstellung von Schwarzpulver zerkleinert und gemischt werden. Häufig ist „Pulvermühle“ auch eine ältere Bezeichnung für eine Schießpulverfabrik.
Eine weitere Objektgruppe versammelt (Schwarz-) Pulvermühlen außerhalb des Bergischen Landes sowie Sprengstofffabriken aus der ab Mitte des 19. Jahrhunderts nachfolgenden Epoche „moderner“ Explosivstoffe wie u.a. Schießbaumwolle, Nitroglycerin, Trinitrotoluol (TNT) und vor allem Dynamit.

Schwarzpulver
Alle Sprengstoffe funktionieren nach dem gleichen chemisch-physikalischen Prinzip: Durch das Zünden verwandelt sich ein explosiver Stoff in Sekundenbruchteilen zu Gas und dehnt sich dabei tausendfach aus - die erwünschte Sprengwirkung.
Über 500 Jahre wurde dazu Schwarzpulver benutzt, eine auch als Schießpulver oder Büchsenpulver bezeichnete Mischung aus Salpeter (meist Kalisalpeter bzw. Kaliumnitrat, selten Natriumnitrat), gemahlener Holzkohle (Pulverholz) und Schwefel. Schwarzpulver war wohl bereits im 11. Jahrhundert im Kaiserreich China bekannt und gelangte im Mittelalter über Handelskontakte über den arabischen Raum nach Europa. Bis heute wird seine Entdeckung gerne einem Mönch namens Berthold Schwarz zugeschrieben, der es Mitte des 14. Jahrhunderts durch Zufall entdeckt haben soll. Inzwischen gilt Schwarz aber als fiktive Gestalt und die ihm zugeschriebene Erfindung als Legende. Urkundlich werden Schwarzpulvermühlen erstmals um 1405/35 im Raum Nürnberg fassbar.
Seit dem Aufkommen des Schwarzpulvers wurde mit diesem auch „Lustfeuerwerkerei“ betrieben, wobei es keine eigenständigen pyrotechnischen Fabriken mit alleiniger Herstellung von Raketen, Leucht- und Knallkörpern gab. Die Produktionsstandorte befanden sich gerne nahe Residenz- oder Badeorten, wo häufig Großfeuerwerke abgebrannt wurden, oder an der Küste, wo Signalmittel für die Schifffahrt benötigt wurden (Trimborn 2002, S. 7-10).

Sehr häufig explodierten Pulvermühlen. Die Ursache dafür konnte schon ein einzelner Funke sein, der z.B. beim Einschlagen eines Nagels entstand, oder eine elektrostatische Aufladung der Luft. So zerstörte eine Explosion am 2. März 1803 das Gut Schiff an der Strunde, in dem seit 1762 eine Pulvermühle betrieben wurde.
Als es nach der Franzosenzeit (1794-1814/15) durchaus üblich war, infolge der Säkularisation leer stehende Kloster als Werkstätten oder Fabriken zu nutzen, zerstörte die Explosion einer wohl auch Explosivstoffe produzierenden Chemiefabrik im November 1815 mehrere Gebäude der Bergischen Abtei Altenberg und das Dach des Doms.

(Claus Weber, LVR-Redaktion KuLaDig, 2014 / Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2026)

Literatur

Gartz, Jochen (2007)
Vom Griechischen Feuer zum Dynamit – Eine Kulturgeschichte der Explosivstoffe. Hamburg, Berlin und Bonn.
Trimborn, Friedrich (2002)
Explosivstoffabriken in Deutschland. Ein Nachschlagewerk zur Geschichte der Explosivstoffindustrie (2. völlig überarbeitete Auflage der Ausgabe von 1995). Köln.

Pulvermühlen im Bergischen Land

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„Pulvermühlen im Bergischen Land”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-231557 (Abgerufen: 21. April 2026)
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