Benediktinerabtei Michaelsberg in der Gründungsphase bis um 1200

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Siegburg
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Die Stadt Siegburg mit der Abtei auf dem Michaelsberg, Kreishaus, Polizeiwache und städtischem Mühlengraben im Luftbild (2011)

    Die Stadt Siegburg mit der Abtei auf dem Michaelsberg, Kreishaus, Polizeiwache und städtischem Mühlengraben im Luftbild (2011)

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  • Die Abtei auf dem Michaelsberg mit der am Fuße liegenden Stadt Siegburg (2010)

    Die Abtei auf dem Michaelsberg mit der am Fuße liegenden Stadt Siegburg (2010)

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Patrozinium: Michael, zusätzlich Maria und Mauritius.
Orden: Bedeutende Benediktinerabtei (Männerkloster).

Geschichte (Gründung und Entwicklung bis um 1200):
Der Kölner Erzbischof Anno II. (um 1010-1075) gründete 1064 auf dem Siegberg oberhalb der Siedlung eine Kirche mit angeschlossenem Mönchskloster, das 1065 im Privileg König Heinrichs IV. erstmals erwähnt ist. Er besiedelte das Kloster mit Mönchen aus der Trierer Benediktinerabtei St. Maximin; der erste Abt Erpho stammte aus dem lothringischen Reformkloster Gorze. Auf seiner Romreise lernte Anno 1068 die Reformabtei Fruttuaria kennen und übertrug deren ihm vorbildlich scheinende monastische Formung auf die neue Gründung. Anno hatte zwölf Mönche aus Fruttuaria mitgebracht, denen ein Teil des in Siegburg schon vorhandenen Konventes wegen zähen Widerstandes weichen mußte. Nach seinem Tod (1075) wurde Anno auf Verlangen des Konventes in der Klosterkirche beigesetzt. Seine bischöflichen Nachfolger favorisierten die Abtei sehr. Ihr schnell wachsendes Ansehen hielt das ganze 11. und 12. Jahrhundert hindurch an. Gleich nach dem Tod des Gründers wurde die Abtei in einer Reihe mit Gorze und Cluny genannt.

Seine Bedeutung verdankte Siegburg in erster Linie dem monastisch-sprituellen Erbe, das Anno hinterlassen hatte und das Kloster nicht preisgab. Schon 1076 wurde die „Vita Annonis“ vom Abt Reginhard fertiggestellt, um 1080 folgte das „Annolied“. Abt Gerhard I. (1174-84/85) erbat von Papst Lucius III. die Kanonisation Annos, die 1183 erfolgte. Als erstes hatte Anno die Benediktinerabtei St. Pantaleon in Köln gezwungen, die Siegburger Reform anzunehmen. Sodann hatte er die im thüringischen Saalfeld von ihm selbst eingesetzten Stiftskanoniker nach Köln zurückbeordert, um sie mit Mönchen aus Siegburg und St. Pantaleon auszuwechseln. Indirekt verdankte auch St. Peter in Erfurt vor Annos Tod den Anschluß an die fruttuarische Reform, desgleichen noch 1075 die Abtei Hersfeld, der allerdings mißglückte. Im Zuge des postmortalen Ansehens verordnete 1080 Bischof Benno von Osnabrück seiner Gründung Iburg im Teutoburger Wald die Reform, indem er dort einen Mönch aus St. Pantaleon zum Abt einsetzte und den Konvent mit Mönchen aus St. Moritz in Minden besiedelte, das kurz zuvor der Siegburger Reform zugeführt worden war. Erzbischof Hermann III. (1089-99) gewann die Kölner Abtei Groß-St. Martin für die Reform; unter ihm akzeptierten sie auch die Abteien Gladbach und Brauweiler. 1092 berief der Speyerer Bischof Johann I. Siegburger Mönche in seine Gründung Sinsheim. Nach 1100 wurde ein Siegburger Mönch Abt des Klosters Deutz. 1144 wechselten Benediktinerinnen von Nonnenwerth nach St. Mauritius in Köln. Und Neuwerk sowie Königsdorf wurden von den Siegburg nahestehenden Klöstern Gladbach und St. Pantaleon aus besiedelt. Man könnte die Zahl der von Siegburg aus indirekt über „Zwischenstationen“ beeinflußten Klöster, die bis in das ferne Bayern reichen würde, noch mühelos vermehren. Doch sollte man sich fragen, wie hoch die Mitgliederzahl des Siegburger Konventes angesichts dieses fortlaufenden Abganges gewesen sein muß. Die Zahlen lassen etwas von der Attraktivität der Siegburger Reform erahnen: Der Siegburger Konvent zählte um die Wende zum 12. Jahrhundert 70-80 und schon 1120 etwa 120 Mönche.

Die bisher genannten Klöster waren zwar von der Siegburger Reform erfaßt, aber allesamt keine direkten Gründungen Siegburgs und dieser Abtei auch nicht als Tochterklöster verpflichtet. Darauf muß im Hinblick auf den Kranz von Zellen hingewiesen werden, die als Benediktiner- oder Benediktinerinnenpriorate von Siegburg direkt gegründet worden waren und stets unter der Leitung eines von Siegburg ernannten sowie jederzeit abberufbaren Propstes standen. Unter Abt Kuno I. (1106-25), dem späteren Bischof von Regensburg, entstand die Mehrheit dieser Gründungen. An dieser Stelle seien nur ihre Namen und das jeweilige Gründungsjahr genannt: Hirzenach (1110), Remagen/Apollinarisberg (1110), Oberpleis (um 1110), Nonnenwerth (1112), Fürstenberg (um 1117/21), Zülpich (ca. 1120), Millen (1121/26), Stockum (wahrscheinlich 1119/20, Tüddern (vor 1140), Overath (1256).

1045 hatte König Heinrich III. die Vormachtstellung des rheinischen Pfalzgrafen im Kölner Bistumsgebiet beseitigt, indem er die pfalzgräflichen Erben mit süddeutschen Herzogtümern belehnte. Übrig blieb aus der Familie der Kölner Erzbischof Hermann II. (1036-56), der als Erbe für die Übernahme der pfalzgräflichen Stützpunkte in die Verfügungsgewalt der Kölner Kirche sorgte. Sein Nachfolger Anno II. setzte diese Politik fort, stieß aber auf den Widerstand Heinrichs, des Pfalzgrafen aus dem Hezelinidengeschlecht, der vom befestigten Siegberg aus Raubzüge gegen Güter der Kölner Kirche unternahm, von Erzbischof Anno gefangen genommen wurde, den Siegberg abtreten und sich mit der Ehrenhaft in der Abtei Gorze begnügen mußte. Von dort floh er in die Burg Cochem, sein Widerstand scheiterte jedoch an der von ihm verübten Ermordung seiner Ehefrau, wofür er lebenslänglich im Kloster Echternach büßen mußte. Das Schwergewicht der Pfalzgrafschaft wanderte nach Süden ab und das Vakuum im Norden füllten die Kölner Erzbischöfe mit ihrem umfassenden Lehnsverband, der durch das Priorenkolleg, dem aus den Pröpsten der Stifte und den Äbten der Klöster bestehenden Beratergremium des Erzbischofs, verstärkt wurde. Erzbischof Friedrich I. (1100-31) setzte diese Politik fort; in bestem Einvernehmen mit ihm gründete Abt Kuno I. die Siegburger Propsteien. Nicht zufällig korrespondierten sie räumlich in etwa mit dem Zülpichgau, Eifelgau, Bonngau, Auelgau und Rurgau, wo die alte Pfalzgrafenfamilie schon um die Jahrtausendwende Grafschaftsrechte ausgeübt hatte.

Die Abtei stand im 12. Jahrhundert unter der Botmäßigkeit der Kölner Erzbischöfe, die auch die Obervogtei innehatten, obwohl dem Kloster urkundlich freie Abt- und Vogtwahl zugesichert war. Wohl als erster Untervogt begegnet Gerlach von Wickrath, der zu den Familiaren Erzbischof Annos II. gehörte. In den Urkunden Erzbischof Hermanns III. († 1099) ist Graf Adalbert von Nörvenich als Vogt erwähnt und um 1120 Graf Adolf von Berg. Seit 1225 behaupteten sich dessen Erben als Vögte trotz Widerstand des Erzbischofs und des Abtes vom 13. bis zum 17. Jahrhundert. (Engels 2006)

(LVR-Redaktion KuLaDig, 2011)

Literatur

Engels, Odilo (2006)
Klöster und Stifte von der Merowingerzeit bis um 1200. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, IX.2.) S. 76-77, Bonn.

Benediktinerabtei Michaelsberg in der Gründungsphase bis um 1200

Schlagwörter
Ort
53721 Siegburg
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1064, Ende 1250
Koordinate WGS84
50° 47′ 43,61″ N, 7° 12′ 40,46″ O / 50.79545°, 7.21124°
Koordinate UTM
32U 373936.42 5628603.42
Koordinate Gauss/Krüger
2585441.77 5629590.91

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„Benediktinerabtei Michaelsberg in der Gründungsphase bis um 1200”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-13266-20110712-12 (Abgerufen: 23. November 2017)
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