Benediktinerabtei Sankt Maximin

Reichsabtei St. Maximin

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Trier
Kreis(e): Trier
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Bearbeiteter Ausschnitt "Plan von Trier" aus der Karte "Kirchliche Organisation und Verteilung der Confessionen im Bereich der heutigen Rheinprovinz um das Jahr 1610" (1903).

    Bearbeiteter Ausschnitt "Plan von Trier" aus der Karte "Kirchliche Organisation und Verteilung der Confessionen im Bereich der heutigen Rheinprovinz um das Jahr 1610" (1903).

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  • Ansicht von Trier ('Treviris') vor dem Petersberg ('Mons Martis') auf einem Stich von Matthäus Merian (1646). Dargestellt sind St. Paulin (A), St. Maximin (B), Simeonstift (C), Porta Nigra (D), Martinskloster (E), Deutschordenskommende (F), Dom (G), Liebfrauenkirche (H), St. Gangolf (I), Konstantinbasilika (K), Porta Alba (eigentlich das Alttor an den Kaiserthermen, L), St. Alban (M), Barbarathermen (N), St. Barbara (O) und St. Matthias (P).

    Ansicht von Trier ('Treviris') vor dem Petersberg ('Mons Martis') auf einem Stich von Matthäus Merian (1646). Dargestellt sind St. Paulin (A), St. Maximin (B), Simeonstift (C), Porta Nigra (D), Martinskloster (E), Deutschordenskommende (F), Dom (G), Liebfrauenkirche (H), St. Gangolf (I), Konstantinbasilika (K), Porta Alba (eigentlich das Alttor an den Kaiserthermen, L), St. Alban (M), Barbarathermen (N), St. Barbara (O) und St. Matthias (P).

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  • Ausschnitt der Stadtrekonstruktion "Trier um 1120" (Ausschnitt aus der Plakatbeilage in Lukas Clemens, Trier um 1120. Prolegomena zum Versuch einer Stadtrekonstruktion, Trier 1998).

    Ausschnitt der Stadtrekonstruktion "Trier um 1120" (Ausschnitt aus der Plakatbeilage in Lukas Clemens, Trier um 1120. Prolegomena zum Versuch einer Stadtrekonstruktion, Trier 1998).

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  • Bearbeiteter Ausschnitt "Trier und Umgebung" aus der Karte "Kirchliche Organisation im Bereich der heutigen Rheinprovinz am Ende des Mittelalters, um das Jahr 1450" (1909).

    Bearbeiteter Ausschnitt "Trier und Umgebung" aus der Karte "Kirchliche Organisation im Bereich der heutigen Rheinprovinz am Ende des Mittelalters, um das Jahr 1450" (1909).

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  • Karte der Stadt Trier um das Jahr 1500 mit den Kirchen und geistlichen Niederlassungen sowie dem damaligen Straßennetz und der Befestigungsmauer (PDF-Datei, 58 kB, 2003).

    Karte der Stadt Trier um das Jahr 1500 mit den Kirchen und geistlichen Niederlassungen sowie dem damaligen Straßennetz und der Befestigungsmauer (PDF-Datei, 58 kB, 2003).

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  • Reichsabtei St. Maximin bei Trier in einer Ansicht aus dem 18. Jahrhundert

    Reichsabtei St. Maximin bei Trier in einer Ansicht aus dem 18. Jahrhundert

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Die nach dem Trierer Bischof Maximinus (Episkopat um 330-346/347) benannte Benediktinerabtei St. Maximin befindet sich im Norden Triers vor den Toren der Stadt im nördlichen römischen Gräberfeld auf dem Areal der ältesten Grabplätzen der Trierer Christengemeinde des vierten Jahrhunderts, ganz in der Nähe des heutigen Hauptbahnhofes der Stadt Trier.

Bei St. Maximin handelt es sich „aller Wahrscheinlichkeit nach um das älteste Benediktinerkloster auf deutschem Boden“ (Lenhart / Brück 1979, S. 1). Während der karolingischen Zeit gehörte St. Maximin zu den reichsten und angesehensten Benediktinerklöstern des fränkischen Reiches. Die Abtei hatte eine herausragende Stellung inne, die sich daraus ergab, dass der Klosterbesitz zahlreich und weit verstreut war. Zudem konnte sie sich durch ihr Alter und ihre Geschichte von anderen Abteien absetzten und war durch eine enge Verbindung zu den Königen des Reiches privilegiert. Dies war der entscheidende Unterschied, der auch politisches Gewicht hatte, gegenüber den anderen drei Benediktinerklöstern, St. Eucharius / St. Matthias, St. Maria zu den Märtyrern und St. Martin in Trier, denn das Kloster St. Maximin war eine zeitlang Reichsabtei und auf Grund dessen nicht dem Trierer Erzbischof unterstellt.
Die reiche Abtei St. Maximin ging 934 samt den Privilegien in den Besitz des Königs über. Erst „im Jahre 1669 verzichtete die Abtei förmlich und endgültig auf die Reichsunmittelbarkeit und erkannte den Erzbischof als Landesherren an.“ (Thomas 1968, S. 71) Indizien dafür, dass das St. Maximin „tatsächlich bis in das 9. Jahrhundert hinein ein bischöfliches Kloster“ war (Lenhart / Brück 1979, S. 9), sind, dass einige Trierer Bischöfe im siebten und achten Jahrhundert zugleich Äbte des Klosters waren. Somit wurden einige Äbte eines der bedeutendsten Klöster in der Metropolitankirche Trier zu Bischöfen ernannt, behielten jedoch dann das Amt des Abtes bei. Deutlich wird dies auch dadurch, „daß die Trierer Erzbischöfe Basin und Wiomad in S. Maximin ihre letzte Ruhestätte gefunden haben“ (Lenhart / Brück 1979, S. 13) – ein weiterer Hinweis auf die enge Verbindung des Klosters mit dem Bischofsstuhl. Festzuhalten ist jedoch, dass diese ganzen Erkenntnisse, die die Zeit vor 882 betreffen, größtenteils nur aus Sekundärquellen erschlossen werden können, da es durch den Normanneneinfall an Gründonnerstag 882 zum Totalverlust des Archivs kam, wodurch sich die Klostergeschichte vor diesem Ereignis nur schwerlich rekonstruieren lassen kann, da keine Originaldokumente mehr vorhanden sind.

Frühgeschichte des Klosters
Der Vorläufer des späteren Klosters war eine christliche Kultstätte aus der spätrömischen Zeit, deren Patron der Evangelist Johannes war. Laut Gregor von Tours (538/39-594), dem Geschichtsschreiber des Frankenreiches, stand an dieser Stelle gegen Ende des sechsten Jahrhunderts eine Kirche, in der das Grab Sankt Maximins verehrt wurde. Es kam schon recht früh dazu, dass die Gläubigen zu jener Zeit zu dieser christlichen Kultstätte pilgerten. Ein christliches Vorgängergebäude befand sich schon seit dem Ende des vierten Jahrhunderts an dieser Stelle, das jedoch durch die fränkische Landnahme im fünften Jahrhundert in Mitleidenschaft gezogen worden war und durch den Trierer Bischof Nicetius (dieser steht an 23. Stelle der Trierer Bischofsliste und amtierte 526-566) wiederhergestellt wurde. Da das Archiv des Klosters keine Rückschlüsse auf diese Zeit ermöglicht, ist neben dem zeitgenössischen Geschichtsschreiber, die andere vergleichende Möglichkeit, durch archäologische Funde die bauliche Vorgeschichte der Abtei ansatzweise zu klären. Am Anfang stand ein römisches Wohnhaus, das „auf eine Schenkung des Kaisers Konstantin zurückgehen“ soll (Cüppers 1990, S. 642) und zu einer christlichen Kultstätte umgewandelt wurde. Eine Entwicklung, die für die frühchristliche Zeit charakteristisch und somit als wahrscheinlich zutreffend anzusehen ist. In dieser Anlage fand der Trierer Bischof Maximin seine letzte Ruhestätte (dieser steht an 5. Stelle der Trierer Bischofsliste und amtierte 329-346).

Die fränkische Epoche
In der fränkischen Zeit folgte zuerst ein Gotteshaus, das räumlich vor dem römischen Haus errichtet wurde, um dann in der Folge an die gleiche Stelle einen größeren Erweiterungsbau zu setzen. „Bis zum Normanneneinfall und der Zerstörung 882 wird die Anlage als aus mehreren Teilen gewachsene Struktur bestanden haben“ (Cüppers 1990, S. 646). Von dieser zweiten Kirche zur fränkischen Zeit kann angenommen werden, dass ihre Entstehung stark mit dem Auftreten des benediktinischen Mönchtums korrelierte, das die vorherige Klerikergemeinschaft ablöste. Dies geschah vermutlich in der Mitte des siebten Jahrhunderts.

In der Mitte des neunten Jahrhunderts begann der schleichende Prozess der Loslösung von den Erzbischöfen von Trier, die durch enger werdende Beziehungen zu den Reichskönigen begleitet wurde. Dabei kam es zur Loslösung vom innerkirchlichen Verhältnis zu der Trierer Kirche und zur Vergabe „an nicht reguläre Äbte durch die staatliche Gewalt“ (Lenhart / Brück 1979, S. 23). Um 847 hatte Lothar der Erste, der überwiegend in Aachen residierte, den Grafen Adalhard als Laienabt in den Klöstern St. Maximin und Echternach eingesetzt und ihn zugleich zum Grafen von Trier- und Bitgau ernannt. Begünstigend dazu beigetragen hat aller Wahrscheinlichkeit nach auch, dass die Abtei mit ihrer Lage vor den schützenden Stadtmauern von den zahlreichen Zerstörungen nicht verschont blieb. Als exemplarisch kann wiederum der Normannensturm im Jahre 882 genannt werden, bei dem auch der Trierer Dom stark beschädigt wurde. Dies brachte es mit sich, dass die Abtei sich dann ab 887 in Besitz wechselnder weltlicher Herrscher befand, vorzugsweise Grafen, die das Kloster als ihr eigen erachteten und sich als Äbte des Klosters sahen und es infolgedessen als Pfalz benutzten.
Unter diesem Zustand litt der klösterliche Rhythmus stark und folglich wurde das Kloster an den Rand der Auflösung gedrängt. Dies änderte sich erst wieder unter König Heinrich I. (876-936, ostfränkischer König 919-936), der sich dieses Thema zu eigen machte und die alte Klosterordnung mit einem gewählten Mönch an der Spitze als Abt wieder etablierte. Der Abt Ogo war 934 wieder der erste zum Abt gewählte Mönch des Klosters und so kam es zum Wiederaufbau von 942 bis 949 unter seiner Leitung, bei dem zuerst der Ostbau und anschließend ein westlicher Trakt neu errichtet und geweiht wurden. Dies hatte einen Aufschwung des klösterlichen Lebens in St. Maximin zur Folge, sodass schon in kurzer Zeit 70 Mönche Dienst im Kloster taten.

Der endgültige Übergang von St. Maximin an das Reich war somit der entscheidende Grund, warum eine Blütezeit des Klosters einsetzte und es zum kirchlichen Neubau und zur romanisch künstlerischen Ausgestaltung des Klostergebäudes kam, die in Teilen bis heute überdauert haben.
Die Benediktiner-Reichsabtei St. Maximin besaß hohes Ansehen und galt lange Zeit als ein Zentrum des klösterlichen Lebens in Deutschland. Erkennbar ist dies auch daran, dass zahlreiche Mönche aus der Abtei St. Maximin in andere Klöster entsandt wurden oder Neugründungen vornahmen. Außerdem kam es im Jahr 968 zur „Berufung des Maximiner Reußenmissionars Adalbert auf den neuen Erzstuhl Magdeburg“ (Laufner 1964, S. 4).

Mittelalter und Frühe Neuzeit
In der Folgezeit kam es zu zahlreichen baulichen Veränderungen, bis 1240 durch einen Großbrand eine grundlegende Neugestaltung vorgenommen wurde, die in den Grundzügen bis ins 16. Jahrhundert bestand. Eine wichtige damalige Gegebenheit, die noch Erwähnung finden sollte, war, dass das Kloster St. Maximin im Gegensatz zur Benediktinerabtei St. Eucharius / St. Matthias am Anfang des 15. Jahrhunderts ein reines Adelskloster blieb. Es öffnete sich somit nicht, wodurch es einen sozial herkunftsbedingten Unterschied im Mönchskolleg zwischen den Klöstern gab.

Im Jahr 1522 kam es durch Franz von Sickingen und nochmals 1552 durch Markgraf Albrecht von Brandenburg zu Belagerungen der Stadt Trier. St. Maximin überstand diese Belagerungen, jedoch wurde die außerhalb der schützenden Stadtmauer liegende Reichsabtei in Brand gesteckt. Die Mönche errichteten von 1581 bis 1613 einen Neubau des Klosters, der 1621 geweiht wurde.
Dieser Neubau hatte jedoch nur bis September 1673 Bestand, da er von französischen Truppen zerstört wurde: Zur besseren Verteidigung der besetzten Stadt veranlasste der französische Kommandant Vignory, die im Norden vorgelagerten Vororte und Kirchen niederzureißen, um ein freies Schussfeld vor den Toren der Stadt nach Norden hin zu schaffen. In den Jahren 1680 bis 1698 erfolgte die abermalige Errichtung der Abtei. In der Folge veränderte sich das Leben im Kloster grundlegend, da im August 1794 französische Revolutionstruppen einmarschierten und das Kloster zunächst bis 1801 als Hospital genutzt wurde. Nach der Säkularisation dienten die Klostergebäude als Kaserne, Werkstatt, Handwerkerschule und als Garnisonskirche, die erst wieder 1876 eingeweiht wurde.

Aktuelle Situation
Heute befindet sich im Zentrum des früheren Abteigeländes noch diese alte Garnisonskirche unter der ein antikes Gräberfeld liegt; sie wird als Turn- und Konzerthalle genutzt – unter anderem mehrfach als Ausweich-Aufführungsort der Trierer „Antikenfestspiele“ bei schlechtem Wetter.

Daneben gibt es eine Privatschule des Bistums im Norden und verwaltungstechnische Gebäude im Süden und Osten. Nahe der Kirche des 17. Jahrhunderts ist im Nordwesten an der Maximinstraße noch ein Eingangsportal erhalten. Außerdem verlaufen noch die Petrusstraße, die Alkuinstraße und die Thebäerstraße sternförmig zum Eingangsportal.

Der Name der Straße „In der Reichsabtei“ östlich der Kirche kündet noch von der alten Stellung St. Maximins als Reichsabtei.

(Christoph Jürgens, Universität Koblenz-Landau, 2014)


Name / Patrozinium: Sankt Maximin / Johannes Evangelist und Maximin.
Orden: Benediktinerabtei.

Geschichte (Gründung und Entwicklung bis um 1200):
Das bedeutendste Kloster der Stadt. Seine Gründung durch Kaiser Konstantin ca. 314 ist wenig wahrscheinlich. Vermutlich handelte es sich im 4. Jahrhundert um eine Coementerialkirche mit dem Patrozinium St. Johannes Evangelist; das Patrozinium St. Maximin ist erst zum 6. Jahrhundert belegt. Da auch die Bischöfe Agricius und Maximinus (329-46) dort beigesetzt sind, ist eher an eine Klerikergemeinschaft zu denken mit dem Titel „sancti Hilarii“. Eine große Kirche wurde vielleicht im 7./8. Jahrhundert errichtet.
Das Kloster befand sich von Anfang an in der Herrschaft des Trierer Bischofs. Alle frühen Trierer Bischöfe fanden dort ihr Grab; zwei Bischöfe waren zugleich Äbte von St. Maximin. 772 gewährte Karl der Große ein Immunitätsprivileg für den Bischof Weomad, worin das Petruspatrozinium des Domes mit dem Maximinuspatrozinium verbunden war. Anläßlich der Teilung des lotharingischen Reiches (870) jedoch nahm König Ludwig der Deutsche die Abtei an sich, weswegen sie seitdem zu den königlichen Abteien zählte, freilich ab wann genau, muß offen bleiben. dass zur Zeit Ludwigs des Frommen der Kanzler Helisachar auch Abt von St. Maximin war, könnte als ein Indiz gelten. Der „Codex regularum“ des Benedikt von Aniane, der in St. Maximin geschrieben wurde, deutet auf eine vorbildliche Funktion in der monastischen Reform unter diesem Kaiser hin. Dennoch blieb die Abtei von der Zuweisung von Laienäbten nicht verschont; als erster ist der Graf und Seneschalk Adalhard (853) bekannt. 882 wurde die Abtei im Zuge des Normanneneinfalls verwüstet. Zwecks Restauration gewährte König Karl III. 885 Königsschutz und Recht der freien Abtwahl. In der Schenkung König Arnulfs von 893 wird die Teilung zwischen der Mensa des Abtes und des Konvents als bestehend vorausgesetzt, vielleicht ein Überrest aus der Zeit der Laienäbte. Jedenfalls erfreute sich die Abtei wieder der alten bewährten Disziplin. Wie lange dieser Zustand anhielt, ist unsicher. Auf der einen Seite heißt es, der Propst Ogonis von St. Maximin habe auf Betreiben des Herzogs Gislebert im 10. Jahrhundert das Kloster zur alten Regeltreue zurückgeführt; auf der anderen Seite soll der Herzog die Mönche regelrecht unterdrückt haben, weswegen man sich, wenn auch ohne Erfolg, an König Heinrich I. gewandt habe; erst die Hilfe des hl. Maximin habe die Rückerstattung des Geraubten bewirkt. Adalbert, der Fortsetzer Reginos von Prüm, schreibt zu 934, Heinrich I. habe den Mönchen die Abtwahl zurückgegeben, die regelwidrig lebenden Mönche und der Abt Hugo seien aus dem Kloster vertrieben worden.
Die Reformfreudigkeit Heinrichs I. scheint in der Tat ihre Wirkung getan zu haben. Die 934 vom Sturm stark beschädigte Kirche wurde wieder instandgesetzt und 942 konsekriert. Außer Privilegien von den Herrschern Heinrich I., Otto II. und Otto III. erhielt die Abtei 982 erneut den Papstschutz mit Bestätigung des Besitzes und der freien Abtwahl. Der Konvent zählte damals 70 und mehr Mönche, von denen viele zur Erneuerung von Reichsabteien ausgeschickt wurden. In welchem Maße sich die Abtei St. Maximin zu einem Reformzentrum entwickelte, machen einige Beispiele deutlich. Kurz nach der Mitte des 10. Jahrhunderts gründete St. Maximin eine Zelle bei Taben mit 20 Mönchen, 973 berief Kaiser Otto I. den Maximiner Mönch Ravengerus zum Abt von Echternach, wo die Kanoniker vertrieben worden waren, der 40 Mönche, zum großen Teil aus St. Maximin, mitbrachte. 1023 wurde von Kaiser Heinrich II. der Abt Poppo von Stablo zum Abt von St. Maximin befördert; auch der Abt Berengosus verdankte seit 1107 das Abtsamt Kaiser Heinrich V. Interessant ist demgegenüber, dass St. Maximin nach 1142 die „Consuetudines“ nicht direkt von Cluny, sondern über Maria Laach übernahm. Über die Vogtei ist erstmals zum Jahre 962 zu erfahren, als Heinrich I. einen Volmar aus Worms zum Vogt einsetzte. 973 erlangte St. Maximin von Otto II. die Erlaubnis, die Vögte selbst einzusetzen. Seit dem Ende des 10. Jahrhunderts hatten die Grafen von Luxemburg die Vogtei über St. Maximin inne.
Es muß auffallen, dass mehr und mehr der Herrscher als gebietender Patron der Abtei in Erscheinung trat und die Zuständigkeit des Erzbischofs so gut wie nicht mehr präsent war. Schon im 10. Jahrhundert bemühten sich die Trierer Erzbischöfe um eine Reaktivierung ihrer Hoheitsrechte über die Abtei; die Bemühungen dauerten bis in das frühe 12. Jahrhundert an und lösten eine Fülle von Urkundenfälschungen aus. 1139, nach der vom Trierer Erzbischof Albero von Montreuil trickreich eingefädelten Königswahl in Koblenz, bedankte sich Konrad III. damit, dem Erzbischof die Abtei St. Maximin zu schenken. Die Mönche von St. Maximin allerdings waren mit dieser Änderung ihres Rechtstatus nicht einverstanden und kämpften ungeachtet des Friedensabkommens zwischen Erzbischof, König und Vogt (1147), das 1148 der Papst bestätigte, fünf Jahrhunderte lang um ihre „libertas“ und darum, unmittelbar dem Herrscher untergeordnet, d. h. eine Reichsabtei zu sein (Engels 2006).

Literatur

Brück, Anton Philipp / Lenhart, Ludwig (1979)
Untersuchungen zur frühen Geschichte der Abtei S. Maximin bei Trier von den Anfängen bis etwa 1150. (Mittelrheinische Kirchengeschichte 12.) S. 1ff, Mainz.
Droege, Georg / Frühwald, Wolfgang / Pauly, Ferdinand (1973)
Verführung zur Geschichte, Festschrift zum 500. Jahrestag der Eröffnung einer Universität in Trier, 1473, 1973. S. 132, Trier.
Engels, Odilo (2006)
Klöster und Stifte von der Merowingerzeit bis um 1200. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, IX.2.) Bonn.
Laufner, Richard (1964)
Geschichte des Trierer Landes. (Schriftenreihe zur Trierischen Landesgeschichte und Volkskunde, Band 10.) S. 4, Trier.
Müller, Gerhard (2002)
Theologische Realenzyklopädie (TRE), Band 34. S. 75, Berlin.
Thomas, Alois (1968)
Aus der Geschichte des Bistums Trier, Von der spätrömischen Zeit bis zum 12. Jahrhundert. S. 69ff, Trier.

Benediktinerabtei Sankt Maximin

Schlagwörter
Ort
Trier
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 500 bis 600, Ende nach 1801
Koordinate WGS84
49° 45′ 34,04″ N, 6° 39′ 6,98″ O / 49.75946°, 6.65194°
Koordinate UTM
32U 330891.02 5514532.3
Koordinate Gauss/Krüger
2547018.26 5513858.05

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„Benediktinerabtei Sankt Maximin”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-94154-20140613-6 (Abgerufen: 20. Februar 2018)
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