Luftschiffhafen in Bickendorf

Luftschiffhalle Köln-Bickendorf, „Reichsluftschiffhafen Coeln“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 58′ 5,34″ N: 6° 53′ 30,24″ O / 50,96815°N: 6,89173°O
Koordinate UTM 32.351.969,38 m: 5.648.399,03 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.562.683,42 m: 5.648.482,08 m
  • Historische Aufnahme des Kölner Luftschiffhafens von 1909: Nach seiner Landung in Bickendorf wird das 136 Meter lange Luftschiff LZ 5 / Z II in die Luftschiffhalle verbracht.

    Historische Aufnahme des Kölner Luftschiffhafens von 1909: Nach seiner Landung in Bickendorf wird das 136 Meter lange Luftschiff LZ 5 / Z II in die Luftschiffhalle verbracht.

    Copyright-Hinweis:
    Rheinisches Bildarchiv Köln (Kölnisches Stadtmuseum, rba_mfL010987_20)
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Historische Aufnahme der Kölner Luftschifferkaserne in Bickendorf (um 1914).

    Historische Aufnahme der Kölner Luftschifferkaserne in Bickendorf (um 1914).

    Copyright-Hinweis:
    Historisches Luftfahrtarchiv Köln
    Fotograf/Urheber:
    unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Ein Luftschiffanker des früheren Luftschiffhafens Köln-Bickendorf (2020), aufgestellt in Ossendorf.

    Ein Luftschiffanker des früheren Luftschiffhafens Köln-Bickendorf (2020), aufgestellt in Ossendorf.

    Copyright-Hinweis:
    Knöchel, Franz-Josef / CC-BY-SA-4.0
    Fotograf/Urheber:
    Franz-Josef Knöchel
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Der von den Brüdern Joseph Michel und Jacques Etienne Montgolfier durchgeführte Erstflug eines bemannten Heißluftballons fand am 19. Oktober 1783 bei Paris statt – ein vorheriger Flug am 4. Juni war noch unbemannt erfolgt und am 19. September starteten unter Beobachtung des französischen Köngis Ludwig XVI. lediglich ein Hahn, eine Ente und ein Hammel.
Während diese Pioniertaten noch mit am Boden befestigten („gefesselten“) Ballons erfolgte, startete die erste frei fliegende und mit Menschen besetzte Montgolfière nur wenige Tage später am 21. November 1783. Für den rund 12 Kilometer langen Flug wurden gerade einmal 25 Minuten benötigt – ein neues Zeitalter hatte begonnen.

Frühe Kölner Ballonflugaktivitäten
Die Kölner Zeppelin- bzw. Luftschiffhalle
Der „Reichsluftschiffhafen Coeln“ und die militärische Nutzung
Das Ende der Luftschiffhalle
Internet, Literatur

Frühe Kölner Ballonflugaktivitäten
Von nun an dauerte es nur noch gut zwei Jahre bis zu einem ersten Antrag zur Genehmigung eines Ballonstarts in Köln. Ein von dem französischem Ballonfahrer Jean-Pierre Blanchard (1753-1809) für den Oktober 1785 geplanter Flug wurde allerdings noch von der Stadt Köln untersagt, so dass ein Ballonaufstieg bei Köln erst im Mai oder Juni 1788 unbemannt von Deutz aus erfolgte.
Während der „Franzosenzeit“ setzte das Militär der Besatzungsmacht Fesselballons zur Beobachtung ein und im Jahr 1795 erfolgte schließlich der erste bemannte Ballonstart „vor dem Hahnentor“ (Wilhelm 2008; vermutlich am heutigen Aachener Weiher, wo sich dann später u.a. das Fort VI des inneren Festungsrings und ein Exerzierplatz der Königlich Preußischen Armee befand). Die entscheidenden Nachteil von Ballons, nämlich dass diese nicht lenkbar sind und ihre Eigengeschwindigkeit nicht kontrollierbar ist, wurde mit der Entwicklung motorisierter Luftschiffe ab der Mitte des 19. Jahrhunderts überwunden.

Die inzwischen nicht mehr aufzuhaltenden aeronautischen Aktivitäten in der Domstadt fanden schließlich zum 9. September 1906 mit Gründung des „Kölner Aero-Klub“ ihren Niederschlag. Der wenig später in „Cölner Club für Luftschiffahrt“ (CCfL) umbenannte Verein startete am 9. Februar 1907 erstmals mit einem Ballon von Deutz aus und besteht bis heute als ältester deutscher Fliegerklub „Kölner Klub für Luftsport“ (KKFL).
Etwa gleichzeitig ließ die Nippeser Gummiwarenfabrik Clouth schon im Jahr 1907 auf ihrem Gelände an der Niehler Straße eine erste Halle für ihre verschiedenen (Versuchs-) Ballone und das 1909 erbaute eigene Luftschiff „Clouth 1“ errichten.
nach oben

Die Kölner Zeppelin- bzw. Luftschiffhalle
Im August 1908 stellte man auf Initiative des CCfL erfolgreich die Forderung an die Stadt Köln, „als erste deutsche Stadt dem Grafen Zeppelin eine Luftschiffhalle – mit technischen Anlagen – bereitzustellen“ (Zitate hier und nachfolgend nach www.luftfahrtarchiv-koeln.de).
Die Kölner Bürgerschaft sollte diesen Bau mit Spenden finanzieren. Da zu dieser Zeit einzig Ingenieure der Eisenbahn solche großen Hallen bauen konnten, verhandelte die Stadt mit der Militär-Bauverwaltung und der Mainzer Brückenbauanstalt Gustavsburg wegen des Baus einer Luftschiffhalle zu Köln.
„Am Donnerstag, den 1. April 1909 begann dann das Kriegsministerium in Berlin mit dem Bau bzw. der Fundamentierung der Luftschiffhalle in Köln-Bickendorf zwischen Venloer Straße und Ossendorfer Weg. Die Bauzeit betrug nur vier Monate.“
Mit der Ausführung des Bauwerks und den nahegelegenen Personal- und Werkstattgebäuden war die „Maschinenfabrik und Brückenbauanstalt Augsburg-Nürnberg A.G., Werk Gustavsburg in Mainz“ beauftragt (das MAN Werk Gustavsburg, das auch für den Stahlüberbau der 1913-1915 erbauten „Deutzer Hängebrücke“ verantwortlich war, dem Vorgängerbauwerk der Deutzer Brücke).
Zu der örtlichen Topographie vor dem Bau der Hallen sind die zwischen 1891 und 1912 entstandenen historischen Karten der Preußischen Neuaufnahme ein sehr gutes Zeugnis, zeigen sie doch für diese Jahre noch keinerlei Bebauung im Bereich der nur wenig später hier erbauten Luftschiffhallen und der zugehörigen Kaserne (vgl. Kartenansicht).

Der Hallenbau selbst war eine Konstruktion aus sich stets wiederholenden Gitter- und Stahlträgerelementen. Beginnend an den beiden Eingangstoren wuchs die Halle rasch auf ihre Länge von zunächst 152 Meter. Später wurde sie wegen der gleichzeitig immer weiter in die Länge wachsenden Luftschiffe auf 190 Meter erweitert. Die Breite der Halle betrug rund 50 Meter und die lichte Höhe 30 Meter.
Die jeweils rund 30 Tonnen schweren vierteiligen Flügeltore bestanden aus Wellblech und wurden über einen elektrischen Antrieb auf Zahnradschienen bewegt. Die Dächer der Halle waren mit Ruberoid-Teerpappe gedeckt (eine gegen Feuchtigkeit mit Bitumen getränkte Dachpappe).
„Insgesamt war diese Luftschiffhalle für drei Luftschiffe ausgelegt. Das Besondere in Köln war, dass hier drei unterschiedliche Luftschifftypen ausprobiert werden sollten – das unstarre System von Parseval, das halbstarre Luftschiff von Major Groß und das starre Zeppelin-Luftschiff.“
Anfang 1912 entstanden noch vier freitragende Hangars, die jeweils 60 x 22 Meter maßen (de.wikipedia.org).
Der gut einen Kilometer nördlich gelegene Kölner Flughafen Butzweilerhof wurde 1911 als Notankerplatz für Luftschiffe eingerichtet, die z.B. wetterbedingt oder wegen Vollbelegung nicht in Bickendorf einlaufen konnten.
Zusätzliche Ankervorrichtung für Luftschiffe, die z.B. wetterbedingt nicht gleich in die Halle einfahren konnten, wurden in der Nähe der Halle installiert. Mit dem heute in Ossendorf aufgestellten Luftschiff-Erdanker konnte 1991 der wahrscheinlich letzte seiner Art geborgen und (fast) vor Ort erhalten werden.
nach oben

Der „Reichsluftschiffhafen Coeln“ und die militärische Nutzung
Bereits im Juli 1909 hatte Kaiser Wilhelm II. der Stadt Köln den offiziellen Namen „Reichsluftschiffhafen Coeln“ verliehen und nur wenig später landete am 5. August 1909 Graf Ferdinand von Zeppelin (1838-1917) – der Erfinder und Namensgeber der starren Luftschiffe höchstpersönlich! – mit seiner 136 Meter langen „Z II“ (Werksnummer LZ 5, erbaut 1909) in Bickendorf.
Ab April 1910 wurde vom Luftschiffhafen Köln aus der militärische Manöverbetrieb mit dem Zeppelin-Luftschiff „Z II“ sowie den Luftschiffen „Militär-Groß-Basenach M I“ (65,5 Meter, erbaut 1908) und „Parseval P.II / PL 3“ (70 Meter, erbaut 1909) aufgenommen (de.wikipedia.org).
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs gab es große militärische Hoffnungen in die Flotte der kaiserlichen Luftschiffe, da seinerzeit nur diese in Frage kamen, entsprechend große Bombenlasten zu transportieren. Wohl auch deswegen und weil damit gerechnet werden musste, dass künftig weitere Luftschiffe in die Domstadt – das Hinterland einer möglichen zukünftigen Front – verlegt werden, gab es zeitweise auch Überlegungen zum Bau einer zweiten Halle vor Ort. Dies wurde aber wegen der hohen Kosten auf einen späteren Zeitpunkt nach dem Krieg verschoben und Ende 1914 entstand rund 25 Kilometer entfernt mit der Luftschiffhalle Spich eine Anlage zur Entlastung.

Obgleich der Standort der Luftschiffhalle nach den militärisch-preußischen Richtlinien offiziell „geheim“ war, ließen sich die Starts und Landungen der riesigen Fluggeräte vor Ort natürlich nicht verheimlichen. Und so konnte man für 5 Pfennige Eintritt einen Rundgang durch die Luftschiffhalle machen und vor den Toren machten in Form einer „Dauerkirmes und Volksbelustigung (…) Wurst- und Eisverkäufer, Zauberkünstler und Anbieter von Ansichtskarten gute Geschäfte.“
Dieser Trubel und der Flugbetrieb bereitete jedoch den umliegenden Landwirten Sorgen, die um ihre Felder fürchteten. Schon vor den Eröffnungsfeierlichkeiten des Luftschiffhafens machte daher der Bickendorf-Ossendorfer Bürgerverein besorgt auf mögliche Schäden aufmerksam (nach dem Naturaliengesetz vom 24. Mai 1898 waren einzig durch Militär verursachte Einbußen der Ernte u.ä. versichert).
nach oben

Das Ende der Luftschiffhalle
Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg war dann für einige Zeit Schluss mit der Fliegerei. Die Auflagen des 1919 aufgesetzten Versailler Friedensvertrags verboten Deutschland den Wiederaufbau von Luftstreitkräften und beschränkten damit lange auch die zivile Luftfahrt. Das Gelände und die Hallen in Bickendorf wurden kurz nach Kriegsende Anfang Dezember 1918 geplündert und demoliert, wobei u.a. die Motoren der Tore, Schalttafeln, Werkbänke, Heizungsanalagen, und die gesamte Hallenbeleuchtung gestohlen wurden.
Eine erneute, wenn auch nur kurzen Blüte deutscher Verkehrsluftschiffe gab es um 1930 bis 1937, als es zu dem Feuerunglück der „LZ 129 Hindenburg“ bei dessen Landung in Lakehurst, New Jersey kam. In Köln gab es in diesen Jahren vielbeachtete Vorbeiflüge der gigantischen Starrluftschiffe LZ 127 „Graf Zeppelin“ (1928 mit 236,6 Metern Länge erbaut) und LZ 129 (1931/36, 246,7 Meter), welche allerdings den Flughafen Butzweilerhof zum Postabwurf und nur vereinzelt für dortige Landungen ansteuerten (www.luftfahrtarchiv-koeln.de).
Während des Zweiten Weltkriegs wurden von der Luftwaffe der deutschen Wehrmacht keine Luftschiffe mehr verwendet, zumal sich der Oberbefehlshaber der Luftwaffe Hermann Göring, ein früherer Jagdflieger, sehr abweisend gegenüber den Luftschiffen zeigte. Von den Alliierten wurden indes noch erfolgreich und in großer Stückzahl Militärluftschiffe über Küste und See zur Aufklärung und Bewachung eingesetzt.
Nach dem Krieg kam es in Deutschland nicht zu einer Wiederaufnahme des militärischen oder zivilien Betriebes von Luftschiffen, so dass auch die Anlagen in Köln nicht mehr genutzt wurden. Was im Laufe der folgenden Jahrzehnte aus den Hallengebäuden wurde, ist nicht eindeutig belegt – es ist anzunehmend, dass diese mangels weiterer Nutzung und Erhaltung allmählich verfielen.
Wie auch die Gebäude der benachbarten Luftschifferkaserne wurden die Hallen um 1970/71 zugunsten einer neuen Bebauung in den Stadtteilen Bickendorf und Ossendorf niedergelegt.

Heute werden Luftschiffe noch als Werbeträger oder für touristische Rundfahrten eingesetzt (meist „Blimps“ genannte Prallluftschiffe ohne starres Innengerüst). Um die Jahrtausendwende gab es vereinzelte Vorhaben, die eine Renaissance der Luftschiffe für Fracht- und Schwerlasttransporte zum Ziel hatten, es aber meist nicht zur Umsetzung schafften.

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2020 / freundliche Hinweise von Herrn Werner Müller, Luftfahrtarchiv Köln)

Internet
www.kkfl.de: Kölner Klub für Luftsport e.V., Geschichte (abgerufen 28.08.2020)
www.luftfahrtarchiv-koeln.de: Der Luftschiffhafen Köln Bickendorf, mit zahlreichen Bildern zum Bau der Halle (abgerufen 25.08.2020)
www.luftfahrtarchiv-koeln.de: Der Kölner Luftschiffanker (abgerufen 28.08.2020)
www.jedelsky.de: Vom Heißluftballon zu den ersten Luftschiffentwürfen (abgerufen 28.08.2020)
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Köln im Ersten Weltkrieg (abgerufen 01.09.2020)
de.wikipedia.org: Bickendorf, ehemaliger Luftschiffhafen (abgerufen 25.08.2020)
nach oben

Literatur

Provan, John (2001)
Die deutschen Luftschiffhallen. Kelkheim.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 300, Köln.

Luftschiffhafen in Bickendorf

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Venloer Straße / Ossendorfer Weg
Ort
50827 Köln - Bickendorf
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
Keine Angabe
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1909, Ende nach 1970

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt steht unter der freien Lizenz CC-BY (Namensnennung). Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Luftschiffhafen in Bickendorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-319963 (Abgerufen: 28. Oktober 2020)
Wir verwenden Cookies, um die Nutzbarkeit unserer Seiten zu optimieren. Falls Sie mit der Speicherung von Cookies nicht einverstanden sind, finden Sie weitere Informationen auf unserer Internetseite.
Seitenanfang