Luftschiffanker in Ossendorf

Relikt des Luftschiffhafens Köln-Bickendorf

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 58′ 17,45″ N: 6° 53′ 26,48″ O / 50,97151°N: 6,89069°O
Koordinate UTM 32.351.906,87 m: 5.648.775,24 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.562.605,64 m: 5.648.855,51 m
  • Ein Luftschiffanker des früheren Luftschiffhafens Köln-Bickendorf (2020), aufgestellt in Ossendorf.

    Ein Luftschiffanker des früheren Luftschiffhafens Köln-Bickendorf (2020), aufgestellt in Ossendorf.

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    Knöchel, Franz-Josef / CC-BY-SA-4.0
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    Franz-Josef Knöchel
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  • Informationstafel zu dem in Köln-Ossendorf aufgestellten einstigen Luftschiffanker des früheren Luftschiffhafens Köln-Bickendorf (2020).

    Informationstafel zu dem in Köln-Ossendorf aufgestellten einstigen Luftschiffanker des früheren Luftschiffhafens Köln-Bickendorf (2020).

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  • Historische Aufnahme des Kölner Luftschiffhafens von 1909: Nach seiner Landung in Bickendorf wird das 136 Meter lange Luftschiff LZ 5 / Z II in die Luftschiffhalle verbracht.

    Historische Aufnahme des Kölner Luftschiffhafens von 1909: Nach seiner Landung in Bickendorf wird das 136 Meter lange Luftschiff LZ 5 / Z II in die Luftschiffhalle verbracht.

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    Rheinisches Bildarchiv Köln (Kölnisches Stadtmuseum, rba_mfL010987_20)
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  • Ein Luftschiffanker des früheren Luftschiffhafens Köln-Bickendorf (2020), aufgestellt in Ossendorf.

    Ein Luftschiffanker des früheren Luftschiffhafens Köln-Bickendorf (2020), aufgestellt in Ossendorf.

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    Franz-Josef Knöchel
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Der Luftschiffanker in Ossendorf ist ein Relikt des früheren Luftschiffhafens Köln-Bickendorf, dessen Hallen für drei unterschiedliche Luftschifftypen ausgelegt waren: „das unstarre System von Parseval, das halbstarre Luftschiff von Major Groß und das starre Zeppelin-Luftschiff“ (vgl. dort, Zitate hier und nachfolgend nach www.luftfahrtarchiv-koeln.de).

Verwendung der Anker gegen die Windanfälligkeit der Luftschiffe
Aufgrund ihrer Bauart und Größe von teils deutlich über 200 Metern Länge besitzen Luftschiffe eine hohe Anfälligkeit für Wind und benötigen daher neben kräftigen Haltemannschaften bei Start und Landung auch besondere bauliche Maßnahmen, um sie bei kurzen Aufenthalten zu „parken“ oder bei starkem Wind günstig auszurichten.
Zur Verdeutlichung: Die beiden zum Ende der Luftschiffära 1936 bzw. 1938 in Dienst gestellten Schwesterschiffe LZ 129 „Hindenburg“ und LZ 130 „Graf Zeppelin II“ hatten eine Länge von 245 Metern (die großen Verkehrsflugzeuge Boeing 747 bzw. Airbus A 380 sind jeweils „nur“ rund 75 Meter lang) bei einem Durchmesser von 41,2 Meter und standen mit einem Leergewicht von deutlich mehr als 100 Tonnen mit einem Volumen von 200.000 Kubikmetern im Wind!

Massive Haltevorrichtung sollten also dafür sorgen, dass die Luftschiffe auch bei Wind und Sturm sicher verankert werden und sich in alle Windrichtungen drehen konnten. Dafür mußte der Ankerplatz natürlich mindestens einen Radius in der Länge der Luftfahrzeuge haben und zusätzlich einen ausreichenden Sicherheitsabstand zu allen Gebäuden oder Bäumen in der Umgebung aufweisen.
Einschwebende Luftschiffe wurden von den Bodenmannschaften mit herabgelassenen Tauen an massiven Stahlstäben angebunden, die als Ösen in Würfeln aus Magerbeton eingegossen waren. Diese würfelförmigen Luftschiffanker hatten eine Kantenlänge von ca. 1,7 Metern.
„Da dieser Luftschiffanker aber keine Stolperfalle bilden durfte, umgab eine Art Metallkragen die Metallöse. Dieses Loch wurde durch eine Metallplatte abgedeckt die, an einem Punkt befestigt, einfach zur Seite geschwenkt werden konnte.“

Windbedingte Unfälle von Kölner Luftschiffen
Zahlreiche Unfälle mit Luftschiffen gehen auf deren gefährliche Windanfälligkeit zurück:

  • Ein trauriges Beispiel ist das Schicksal des mit einer Länge von bereits immerhin 136 Metern im Jahr 1909 erbauten Zeppelins „Z II“ (Werksnummer LZ 5). Das Luftschiff hatte noch am 5. August 1909 von seinem Erfinder und Namensgeber Graf Ferdinand von Zeppelin (1838-1917) persönlich gesteuert in Bickendorf angelegt. Nach einer Inspektion durch Kaiser Wilhelm II. bei Weilburg an der Lahn, riss sich LZ 5 am 24. April 1910 während eines Sturmes aus seinen Befestigungen, wurde vom Wind um einen Berg herum gedrückt und dabei vollständig zerstört.
  • Bei einem Betriebsunfall des von April bis Mai 1915 in Köln stationierten und bereits 161,4 Meter langen Luftschiffs LZ 37, konnte nur durch das beherzte Eingreifen des Musketiers Lipski, eines Ersatzrekruten aus Ostpreußen, Schlimmeres verhindert werden. LZ 37 war wenig später am 7. Juni 1915 das erste Luftschiff, das von einem Flugzeug in der Luft vernichtet wurde.
  • Ein weiterer schwerer Unfall ereignete sich 1916 in Bickendorf, „als morgens bei verfrühtem ‚Anlassen‘ eines Luftschiffs einer der haltenden russischen Kriegsgefangenen mit hoch gezogen wurde. Über den Ziegelfeldern in Köln-Bickendorf verließen ihn seine Kräfte und er stürzte tödlich ab.“

Die Auffindung des Ossendorfer bzw. Bickendorfer Luftschiffankers
Bei Erdbarbeiten in der unmittelbar westlich des früheren Luftschiffhafens gelegenen Clemens-Hastrich-Straße tauchte im Jahr 1991 ein historischer Luftschiffanker auf und wurde nur durch Zufall als solcher erkannt. Dem Feuerwehrmann, Heimatforscher und Gründer des Kölner Luftfahrtarchivs Aerocron Bernhard Faßbender (1935-2015) fiel während eines Spaziergangs entlang der Baustelle die merkwürdige Eisenkonstruktion auf einem Betonklotz auf, „den ein Bagger gerade zertrümmern wollte. (Er) sah sofort, dass es sich um den Luftschiffanker des ehemaligen Luftschiffhafens handeln mußte.“
Da die umgehend informierten Vertreter der Stadt Köln nicht reagierten, wurde der Luftschiffanker mitsamt des Abdeckkranzes am 31. Juli 1991 in einer spontan anberaumten Aus- und Weiterbildungsübung der Feuerwehr unter Hilfe eines LKW der Baufirma Schröder geborgen und zum 1986 eröffneten Luftfahrtmuseum Butzweilerhof transportiert und dort zum Schutz gegen Witterungseinflüsse mit einem dazu gesponserten Gewächshaus umgeben.
„Wie sich bei Nachforschungen später heraus stellte, handelte es sich um den einzigen erhaltenen Luftschiffanker in Europa. (...) Der Abdeckkranz ging später bei der Auflösung des Luftfahrtmuseums Butzweilerhof leider verloren.“

Der heutige Standort
Infolge der Schließung des Luftfahrtmuseums 1996 wurde der Luftschiffanker vor ein Gebäude der Firma Colonia Spezialfahrzeuge in der Ossendorfer Mathias-Brüggen-Straße umgesetzt, wo er seitdem etwa 400 Meter von seinem ursprünglichen Fundort entfernt steht. Vor Ort erläutert eine in dem Gewächshaus angebrachte Informationstafel die Geschichte des früheren Luftschiffankers des Luftschiffhafens Bickendorf.
Traurig, aber wahr: „Leider wird das Gewächshaus durch Vandalismus immer wieder beschädigt. Wie Mitarbeiter der Firma Colonia berichten, treten wütende Autofahrer, die dort ihre abgeschleppten Autos abholen, die Scheiben ein um ihren Frust abzureagieren.“

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2020 / freundliche Hinweise von Herrn Werner Müller, Luftfahrtarchiv Köln)

Internet
www.luftfahrtarchiv-koeln.de: Der Kölner Luftschiffanker, mit zahlreichen zeitgenössischen Aufnahmen und Bildern von der Bergung des Luftschiffankers (abgerufen 28.08.2020)
www.luftfahrtarchiv-koeln.de: Die Luftschiffrettung des tapferen Musketiers Lipski (abgerufen 28.08.2020)
www.luftfahrtarchiv-koeln.de: Bernhard Fassbender (abgerufen 28.08.2020)
www.luftfahrtarchiv-koeln.de: Der Luftschiffhafen Köln Bickendorf (abgerufen 25.08.2020)
de.wikipedia.org: Liste der Zeppeline (abgerufen 27.08.2020)

Literatur

Provan, John (2001)
Die deutschen Luftschiffhallen. Kelkheim.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 300, Köln.

Luftschiffanker in Ossendorf

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Mathias-Brüggen-Straße 37
Ort
50827 Köln - Ossendorf
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
Keine Angabe
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1909 bis 1918

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Luftschiffanker in Ossendorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-321993 (Abgerufen: 23. April 2021)
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