Luftschifferkaserne Bickendorf

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 58′ 7,8″ N: 6° 53′ 53,36″ O / 50,96883°N: 6,89816°O
Koordinate UTM 32.352.422,43 m: 5.648.462,33 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.563.133,59 m: 5.648.563,77 m
  • Historische Aufnahme der Kölner Luftschifferkaserne in Bickendorf (um 1914).

    Historische Aufnahme der Kölner Luftschifferkaserne in Bickendorf (um 1914).

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    Historisches Luftfahrtarchiv Köln
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Mit der Planung des Luftschiffhafens in Bickendorf stellte sich auch die Frage nach der Kasernierung der Luftschiffer. Der erste Spatenstich für eine Kaserne des Luftschiffer-Bataillons 3 fand am 1. Juni 1913 statt. Der einstige Bereich der Kasernengebäude gehört heute zu Köln-Ossendorf.

Das Kölner Luftschiffer-Bataillon Nr. 3
Bereits mit den ersten Planungen des auch für eine militärische Nutzung vorgesehenen Bickendorfer Luftschiffhafens stellte sich die Frage zu der notwendigen Kasernierung der Luftschiffer. Schon lange vor dem in diesen Jahren bereits fast unaufhaltsam heranziehenden Ersten Weltkrieg wurde im „Reichsluftschiffhafen Coeln“ um 1909/10 der militärische Manöverbetrieb aufgenommen und die verschiedenen Luftschifftypen der Konstrukteure Clouth, Zeppelin, Groß-Basenach und Parseval auf ihre Tauglichkeit für einen möglichen Luftkrieg geprüft, wofür natürlich auch ein umfangreicher militärischer Personalstamm notwendig war.

Anfangs war die als Vorauskommando für die neue Waffe nach Köln verlegte Abteilung des Luftschiffer-Bataillons Berlin noch im Fort IV im Äußeren Grüngürtel in Bocklemünd untergebracht, von wo aus es zu Fuß etwa 15 Minuten bis zur 1909 erbauten Luftschiffhalle dauerte. Am 1. Oktober 1911 wurde aus dem Vorauskommando das Kölner Luftschiffer-Bataillon Nr. 3 (Ls-Btl 3) gebildet (www.frontflieger.de und de.wikipedia.org, Luftschifferkaserne).

Die neue Kaserne
Mit einem ersten Spatenstich am 1. Juli 1913 begann man an der Frohnhofstraße damit, eine eigene Kaserne und die notwendigen Wohngebäude für das Ls-Btl 3 zu bauen (Zitate nach www.luftfahrtarchiv-koeln.de):
„Die Bauleitung lag in den Händen des Militär-Bauamtes. Die ausführende Firma ist Maar & Pöttchen Köln-Ehrenfeld. (…) Die Kaserne erhielt ein Offizier-Kasino, eine Kantine sowie alle erforderlichen modernen Einrichtungen.“
Zur vorherigen Topographie vor Ort geben die 1891-1912 entstandenen historischen Karten der Preußischen Neuaufnahme ein gutes Zeugnis, zeigen diese doch für diese Jahre noch keinerlei Bebauung im Bereich der nur wenig später hier erbauten Kaserne bzw. der Luftschiffhallen (vgl. Kartenansicht). Die topographischen Karten der TK 1936-1945 lassen die Gebäude dann deutlich im Bereich der heute zu Köln-Ossendorf gehörenden Zamenhofstraße bzw. Parsevalstraße erkennen. Die zweitgenannte Straße wurde passend nach einem der damaligen Luftschifftypen bzw. ihres Konstrukteurs August von Parseval (1861-1942, auch Parzeval oder Parceval) benannt.
Südlich der Frohnhofstraße schließen sich im Bereich der heutigen Segmüllerstraße ehemalige Offiziershäuser an.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden die Luftschiffer-Bataillone mit je drei Kompanien in Luftschiffer-Ersatzabteilungen (LEA) umgewandelt und die Kölner Luftschiffer zogen am 28. Juli 1914 in die fertige Kaserne um. Diese bestand aus zwei Gebäuden, dem kleineren Offiziershaus und dem dahinter gelegenen, deutlich größeren Mannschaftshaus. Hinter den beiden Gebäuden befand sich ein Kasernenhof mit zwei Geräteschuppen.

Umwandlung zur Wohnsiedlung
Nach dem Krieg und der anschließenden Besatzungszeit dienten die Gebäude der vormaligen Luftschifferkaserne als (fast) normale Wohnhäuser – sieht man einmal von dem nicht weiter belegten Bericht eines Zeitzeugen ab, der schilderte, dass sich „im Keller der Kaserne ein Tunnel [befand,] der in Richtung Luftschiffhalle führte.“

Etwa zeitgleich mit dem Abriss der letzten Überreste des früheren Luftschiffhafens wurden um 1970/71 auch die Kasernengebäude zugunsten einer neuen Bebauung in den Stadtteilen Bickendorf und Ossendorf abgerissen. Im Bereich der Emilstraße stehen vereinzelt noch heute kleinere Einfamilienhäuser, die einst für die Offiziere und deren Familien erbaut worden waren: „Viele der Häuser wurden im Lauf der Zeit umgebaut und somit auch die Fassade geändert. Dies sind die letzten historischen Gebäude des Luftschiffhafens Cöln.“

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2020/21 / freundliche Hinweise von Herrn Werner Müller, Luftfahrtarchiv Köln, 2020)

Internet
www.luftfahrtarchiv-koeln.de: Luftschifferkaserne (mit ausführlicher Darstellung und zahlreichen historischen Aufnahmen, abgerufen 25.08.2020)
www.luftfahrtarchiv-koeln.de: Das Luftschifferbatallion Nr. 3 (abgerufen 31.08.2020)
www.luftfahrtarchiv-koeln.de: Der Luftschiffhafen Köln Bickendorf (abgerufen 25.08.2020)
www.frontflieger.de: Luftschiffer-Bataillon Nr. 3 (abgerufen 31.08.2020)
de.wikipedia.org: Luftschifferkaserne Köln (abgerufen 25.08.2020)

Literatur

Provan, John (2001)
Die deutschen Luftschiffhallen. Kelkheim.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 300, Köln.

Luftschifferkaserne Bickendorf

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Frohnhofstraße, Parsevalstraße
Ort
50827 Köln - Ossendorf
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
Keine Angabe
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1909, Ende 1970 bis 1971

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Empfohlene Zitierweise
„Luftschifferkaserne Bickendorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-321996 (Abgerufen: 23. April 2021)
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