Luftschiffhalle in Spich

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Troisdorf
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Undatierte historische Aufnahme (zwischen 1915 und 1921): Blick in die Luftschiffhalle in Spich.

    Undatierte historische Aufnahme (zwischen 1915 und 1921): Blick in die Luftschiffhalle in Spich.

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Der Bau der Luftschiffhalle
Der Luftschiffhafen in Spich wurde ab Dezember 1914 gebaut, da die bereits bestehende Luftschiffhalle in Köln-Bickendorf für die immer größer werdenden Militärluftschiffe zu klein geworden war. Man hatte aber eine neue Halle benötigte, um Reparaturen an Luftschiffen durchführen zu können. Die Halle in Spich war ein Standartbau mit 184 Metern Länge, 32 Metern Breite und 28 Metern Höhe sowie einem eigenen Bahnanschluss. Hallen gleicher Bauweise gab es beispielsweise in Düsseldorf, Mannheim, Hannover und Dresden. Gebaut wurde sie von der Zeppelin-Hallenbau GmbH. Die Ingenieure der Firma leiteten die Baustelle, während Subunternehmer Bauteile, Material und Arbeitskräfte bereitstellten. Im April 1915 weihte der Entwickler und Begründer des Starrluftschiffbaus Ferdinand Graf von Zeppelin (1838-1917) die neue Halle ein.

Die Nutzung der Luftschiffhalle
Der Luftschiffertrupp 19 des Heeres war in Spich stationiert. Weitere 39 Soldaten und vier Offiziere wurden zur Verteidigung der Anlage eingesetzt. Das erste Luftschiff, das LZ (Luftschiff Zeppelin) 47 (LZ 77), landete am 25. August 1915 in Spich. Die erstgenannte Nummer der Luftschiffbezeichnung ist die Produktionsnummer, die zweite die militärische Bezeichnung des Luftschiffs. Das LZ 47 (LZ 77) startete bereits zwei Tage später, am 27. August 1915 zum ersten Feindflug an die Westfront.
Von 1915 bis 1917 waren neun Luftschiffe in wechselnder Belegung in Spich stationiert. Von Spich aus wurde Paris am 28./29. Januar 1916 vom LZ 49 (LZ 79) und am 30./31. Januar 1916 vom LZ 47 (LZ 77) angeflogen. Das LZ 47 (LZ 77) griff von Spich aus am 13./14. Oktober 1915 Chalons, Frankreich, und Creuzot/Epernay, Frankreich, am 25./26. Januar 1916 an. Der Luftschiffertrupp 19 wurde am 16. April 1917 aufgelöst. Statt auf Luftschiffe setzte das Militär nun auf Flugzeuge.

Weitere Geschichte der Halle
Das Gelände wurde im August/September 1917 für Kampfflugzeuge umgerüstet. Zu Kriegseinsätzen kam es aber von Spich aus nicht mehr. Das Areal wurde nach dem Waffenstillstand von den Briten übernommen. 1921 demontierte man die Halle und brachte sie als Reparationsleistung nach Frankreich, von wo aus sie vermutlich nach Marokko verschifft wurde. In den Unterkunftsgebäuden richtete man zivile Wohnungen ein und baute die Bahngleise zurück. Die Fundamente der Halle wurden im Mai 1937 gesprengt, um die Fläche für den Wohnungsbau zu nutzen.

Heutiger Zustand
Im heutigen Wohngebiet erinnern noch die Straßennamen an den ehemaligen Standort als Luftschiffhafen. Die Dr.-Eckener-Straße trägt den Namen des Luftschiffpioniers Hugo Eckener (1868-1954). Zwischen 1910 und 1914 führte Eckener als Fahrtenleiter und Luftschiffkapitän über 2.000 Fahrten durch und bildete Luftschiffkapitäne und Steuerleute aus. Während des Ersten Weltkrieges leitete er zudem den Bau von 88 Luftschiffen. Mit der Überführung des als Teil der Reparationsschulden gebauten Luftschiffs LZ 126 (Z III) gelang ihm die erste Atlantiküberquerung mit einem Luftschiff.
Die Ernst-Lehmann-Straße erinnert an Ernst August Lehmann (1886-1937). Lehmann wurde von Hugo Eckener als Luftschiffführer ausgebildet und flog während des Ersten Weltkrieges Aufklärungs- und Angriffsfahrten. Er starb bei der Luftschiffkatastrophe von Lakehurst (New Jersey, USA), bei der das Luftschiff LZ 129 „Hindenburg“ verbrannte.

(Wiebke Hoppe, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2014)

Literatur

Huck, Jürgen (1962)
Die Frühzeit der Luftfahrt im Raume Wahn (bis 1919). In: Heimatverein Porz e.V. (Hrsg.): Unser Porz. Beiträge zur Geschichte von Amt und Stadt Porz 4, S. 63-89. o. O.
Provan, John (2001)
Die deutschen Luftschiffhallen. Kelkheim.

Luftschiffhalle in Spich

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Dr.-Eckener-Straße
Ort
53842 Troisdorf - Spich
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
Keine Angabe
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos
Historischer Zeitraum
Beginn 1914, Ende 1921
Koordinate WGS84
50° 49′ 27,45″ N, 7° 06′ 12,34″ O / 50.82429°, 7.10343°
Koordinate UTM
32U 366421.18 5631999.84
Koordinate Gauss/Krüger
2577792.82 5632680.37

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„Luftschiffhalle in Spich”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-106179-20141029-2 (Abgerufen: 17. November 2018)
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