Citroën-Automobil-Produktionswerk in Poll

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Historisches Foto von 1930: Fahrzeugherstellung im Citroën-Automobil-Produktionswerk in Köln-Poll

    Historisches Foto von 1930: Fahrzeugherstellung im Citroën-Automobil-Produktionswerk in Köln-Poll

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  • Frühe Ausführung des Citroën "Traction Avant" von 1934 im Nationalmuseum Sammlung Schlumpf in Mülhausen im Elsass, Frankreich (2015).

    Frühe Ausführung des Citroën "Traction Avant" von 1934 im Nationalmuseum Sammlung Schlumpf in Mülhausen im Elsass, Frankreich (2015).

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  • Zwei Modelle des 1926-1928 produzierten Personenfahrzeugs Typs Citroën B14 (2007).

    Zwei Modelle des 1926-1928 produzierten Personenfahrzeugs Typs Citroën B14 (2007).

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  • Im Bereich des heutigen Poller Holzwegs in Köln-Poll befand sich von 1927-1935 ein Produktionswerk des Automobilherstellers Citroën (2017).

    Im Bereich des heutigen Poller Holzwegs in Köln-Poll befand sich von 1927-1935 ein Produktionswerk des Automobilherstellers Citroën (2017).

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  • Industriebrache am heutigen Poller Holzweg in Köln-Poll (2017). Hier befand sich von 1927-1935 ein Produktionswerk des französischen Automobilherstellers Citroën.

    Industriebrache am heutigen Poller Holzweg in Köln-Poll (2017). Hier befand sich von 1927-1935 ein Produktionswerk des französischen Automobilherstellers Citroën.

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  • Im Bereich des heutigen Poller Holzwegs befand sich von 1927-1935 das Köln-Poller Produktionswerk des französischen Automobilherstellers Citroën (2017).

    Im Bereich des heutigen Poller Holzwegs befand sich von 1927-1935 das Köln-Poller Produktionswerk des französischen Automobilherstellers Citroën (2017).

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Citroën eröffnete 1927 ein Produktionswerk in Köln-Poll als bis heute einziges deutsches Werk des französischen Automobilherstellers. Wegen zunehmender Beschränkungen für ausländische Firmen endete die Produktion jedoch bereits 1935 nach insgesamt 18.710 Personenfahrzeugen der Typen B14, C4, C6 und „Rosalie“ sowie des Typs „Traction Avant“ (7A, 7B und 7C), der auch „Poller“ oder „Gangsterlimousine“ genannt wurde.

Das „Milchkannen-Gesetz“ und der Standort Poll
Die Produktion von 1927-1935
Niedergang und Produktionsende ab 1934/35
Citroën in Köln seit 1949/50
Quellen / Internet

Das „Milchkannen-Gesetz“ und der Standort Poll
Die seit 1919 in Fließbandproduktion hergestellten Modelle von Citroën in Paris waren nach dem Ersten Weltkrieg auch in Deutschland erfolgreich, zumal französische Fahrzeuge seinerzeit gegenüber den deutschen Automobilen als technisch überlegen, zuverlässig und günstig galten.
Das sogenannte „Milchkannen-Gesetz“ (auch „Milchkannen-Tarif“) belegte jedoch die Einfuhr von Importgütern mit hohen Schutzzöllen, um die deutsche Wirtschaft in der ökonomisch schwierigen Nachkriegszeit zu stärken. Da jedoch importierte Einzelteile und „schmiedeeiserne Teile“ durch einen niedrigeren Zolltarif ausgenommen waren, errichtete die Citroën Automobil AG ein Montagewerk in Köln-Poll, das am 15. Februar 1927 – also noch vor dem amerikanischen Ford-Konzern, der 1929 ein Werk in Niehl eröffnete – seine Produktion startete.
Laut dem Automobil-Historiker und ehemaligen Citroën-Pressesprecher Immo Mikloweit war der Standort in Poll aus mehreren Gründen für Citroën attraktiv: „Entscheidende Pluspunkte waren die Nähe des Rheins, die gute Eisenbahn-Anbindung und die nicht allzu große Entfernung zu Paris.“ Auch ließen die Franzosen sich von der „frankophilen Freundlichkeit des Kölner Raums“ anziehen (ksta.de 2015).
Die weiträumigen und hellen Produktionshallen unweit des Gremberger Wäldchens bestanden bereits zuvor. Sie gehörten zum 38.000 Quadratmeter großen Areal der 1925/26 aufgegebenen Poller Fabrik für Eisenbahnbedarf Rheinwerk Waggonwerk GmbH, das „innerhalb eines Jahres zu einer Fahrzeugfabrik mit einem modernen Automobil-Montagebetrieb und eigenen Gleisanschlüssen umgebaut“ wurde (amicale-citroen.de). Hierhin transportierte Citroën die Fahrzeugteile zur Endmontage der mit „Made in Germany“ beworbenen Automobile.
Die Citroën-Hauptverwaltung zog 1930 nach Berlin.

Das im Jahr 1888 nach Köln eingemeindete Dorf Poll profitierte seinerzeit von seiner Nähe zum Deutzer Hafen und wurde nach dem Ersten Weltkrieg zu dem Kölner Vorort mit der größten Wohnungsbautätigkeit. Die Einwohnerzahl des zuvor landwirtschaftlich geprägten Orts verdoppelte sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis 1930 auf etwa 5.000 (HbHistSt NRW 2006).
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Die Produktion von 1927-1935
Bis zu 500 Beschäftigte produzierten in Poll für zwei Reichsmark pro Stunde plus einem Pfennig pro produziertem Auto – ein Lohn, der rund 20 Prozent über dem üblichen Facharbeitersatz der Zeit lag. Pro Tag entstanden bis zu 32 Fahrzeuge, die als „robust, wartungsfreundlich und günstig“ galten (ksta.de 2015).

Als erster Kölner Citroën wurde der von 1926-1928 produzierte Typ B14 montiert, später dessen Nachfolger C4 (1928-1932), C6 (1928) sowie Fahrzeuge der 1932 bis 1938 produzierten „Rosalie-Reihe“. Die Typen „Rosalie“ wurden in den Jahren von 1932 bis 1934 in der Ausführung „Ganz Deutsch“ gefertigt, d.h. sie wurden vollständig hier hergestellt und bestanden ausschließlich aus deutschem Material. Die Motoren stammten von Siemens in Berlin (Hinweis Herr Mikloweit).
Genau 1.823 Modelle des Typs „Traction Avant“ (französisch für Vorderradantrieb) der Reihen 7A, 7B und 7C wurden ab 1934 am Rhein montiert. Dieses Automobil war für seine Zeit technisch überaus innovativ – es verfügte unter anderem über eine selbsttragende Karosserie, Frontantrieb und doppelte Querlenker mit Drehstabfederung, die eine „hervorragende Straßenlage und ausgezeichneten Komfort“ bewirkten. Citroën bewarb den bis 1957 (!) produzierten Wagen mit dem Spruch „La Traction Avant dompte la force centrifuge“: „Der Traction Avant zähmt die Zentrifugalkräfte“ (de.wikipedia.org). Bekannt wurde der Wagen später vor allem als so genannte „Gangsterlimousine“ – in Deutschland nannte man ihn aufgrund seiner kölschen Herkunft aber auch „der Poller“.
Bis zum Produktionsende entstanden in Köln-Poll insgesamt 18.710 Fahrzeuge. Ferner wurden hier weitere 1.541 Einheiten wie Omnibusse, Pritschenwagen, Sattelschlepper, Viehtransporter und Citroën Kégresse P17 Halbkettenfahrzeuge gefertigt (Hinweis Herr Mikloweit).
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Niedergang und Produktionsende ab 1934/35
Nur kurz nach Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft wurde das deutsch-französische Handelsabkommen 1934 von Deutschland aufgekündigt und in der Folgezeit wurden weitere Handelsbeschränkungen gegen ausländische Firmen erlassen. Citroën ging daher zunächst dazu über, zunehmend auch Teile aus deutscher Produktion zu verwenden. Als schließlich auch das Citroën-Stammwerk in Frankreich in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, stellte man die Kölner Produktion zum 4. Dezember 1935 ein.
Zunächst versuchte der französische Hersteller noch über ein ab 1936 vor Ort betriebenes Reparaturwerk einen Kundendienst und die Ersatzteilversorgung aufrecht zu erhalten. Der Betrieb wurde jedoch 1939 als „Feindvermögen“‘ beschlagnahmt und die Hallen ab 1940 für die Kriegsproduktion der Werke von Klöckner-Humboldt-Deutz genutzt: „Am Poller Holzweg wurden fortan Panzer repariert – die Zeit der Gangsterlimousinen war vorüber.“ (ksta.de 2015)
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Citroën in Köln seit 1949/50
Die Beschlagnahme aus der NS-Zeit wurde 1949 aufgehoben. Der Citroën-Konzern hatte jedoch kein Interesse an einem Wiederaufbau des stark kriegszerstörten Werks und ließ sich mit Grundstücken in der Aachener Straße und Köln-Westhoven entschädigen (Kölner Stadt-Anzeiger 2016).
Das Areal der ehemaligen Citroën-Automobil AG in Porz-Poll übernahm Mitte der 1950er Jahre das Autohaus Jacob Fleischhauer, Generalvertreter für die Marken Volkswagen und Porsche in den Regierungsbezirken Köln und Aachen.
Im Jahr 1950 begann Citroën in Köln mit dem Wiederaufbau der Vertriebsorganisation. Im gleichen Jahr eröffnete eine Verkaufsniederlassung im „Belgischen Haus“ in der Kölner Altstadt sowie ein Kundendienst- und Ersatzteilzentrum, das von 1950-1952 in der Sülzburgstraße 105 (Köln-Sülz) betrieben wurde. Ein deutsches Vertriebszentrum wurde dann 1952 in der Aachener Straße errichtet.

1959 wurde Köln zum Sitz der Citroën Deutschland GmbH, als die Firma ihre neue Zentrale auf einem zuvor von dem Fahrzeugbauer Mannesmann-MULAG AG und dem Landmaschinenhersteller Massey Harris bzw. Ferguson genutzten Gelände an der Nikolausstraße in Porz-Westhoven bezog.
Seit dem Mitte 2013 erfolgten Umzug der Firmenverwaltung ist Citroën in der Edmund-Rumpler-Straße in Gremberghoven (Stadtbezirk Porz) ansässig – nach wie vor nur wenige Kilometer vom 1927 eröffneten ersten Standort in Köln entfernt.

Eine Abzweigung der Westhovener Kölner Straße, die Nikolausstraße, wurde später zu Ehren des Firmengründers André Gustave Citroën (1878-1935) in André-Citroën-Straße umbenannt.

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2016 / freundliche Hinweise von Herrn Immo Mikloweit, Köln, 2017)
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Quellen
Kölns geheimnisvolle Orte: „Franzosen vom Fließband“, in: Kölner Stadt-Anzeiger vom 24./25.03.2016, S. 26.
Auto BILD klassik, Nr. 2 / 2017, S. 71.

Internet
amicale-citroen.de: 85 Jahre Citroën in Poll – die Ausstellung (März 2012, abgerufen 09.01.2017)
www.ksta.de: Citroën Traction Avant Six: Das legendäre Gangsterauto aus Köln Poll (Kölner Stadt-Anzeiger vom 19.02.2015, abgerufen 08.01.2017)
www.ksta.de: Spurensuche in Köln: Als in Köln-Poll ein Citroën-Werk stand (Kölner Stadt-Anzeiger vom 24.03.2016, abgerufen 09.01.2017)
de.wikipedia.org: Citroën-Montagewerk Köln-Poll (abgerufen 08.01.2017)
de.wikipedia.org: Citroën Traction Avant (abgerufen 09.01.2017)

Literatur

Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. S. 610, Stuttgart.
Mikloweit, Immo (2002)
125 Jahre Automobiles aus Köln. Autos, Motorräder & Flugzeuge (1. Auflage). Köln.
Mikloweit, Immo (2000)
Citroën Personenwagen seit 1919. Stuttgart.
Mikloweit, Immo (1991)
Citroën-Automobile. Schrader-Motor-Album. Suderburg-Hösseringen.
Padtberg, Beate-Carola / Industrie- und Handelskammer zu Köln (Hrsg.) (1989)
Auf Frankreichs Spuren in Köln. Anmerkungen zu einer gemeinsamen Wirtschaftsgeschichte. Köln.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 93, Köln.

Citroën-Automobil-Produktionswerk in Poll

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Poller Holzweg 228
Ort
51105 Köln - Poll
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos
Historischer Zeitraum
Beginn 1925 bis 1927, Ende 1935 bis 1940
Koordinate WGS84
50° 55′ 3,19″ N, 7° 00′ 20,2″ O / 50.91755°, 7.00561°
Koordinate UTM
32U 359812.42 5642550.68
Koordinate Gauss/Krüger
2570759.32 5642956.42

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„Citroën-Automobil-Produktionswerk in Poll”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-263126 (Abgerufen: 26. Mai 2018)
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