Hochkreuz im Norden von Bad Godesberg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Hochkreuz im Norden von Bad Godesberg an der Godesberger Allee, Ansicht von Süden (2016).

    Hochkreuz im Norden von Bad Godesberg an der Godesberger Allee, Ansicht von Süden (2016).

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  • Das Hochkreuz im Norden von Bonn-Bad Godesberg (2008), vor Ort steht eine Nachbildung von 1981.

    Das Hochkreuz im Norden von Bonn-Bad Godesberg (2008), vor Ort steht eine Nachbildung von 1981.

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  • Aquarell des Hochkreuzes nahe Bonn-Bad Godesberg um 1817 von William Turner.

    Aquarell des Hochkreuzes nahe Bonn-Bad Godesberg um 1817 von William Turner.

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    Turner, William; Repro: Vogel, Jürgen / LVR-LandesMuseum Bonn
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  • Brustbild-Porträt des Architekten und Kölner Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner (1802-1861), aus einem 1911 erschienenen Buch "Der Dom zu Köln" von Max Hasak (1856-1934).

    Brustbild-Porträt des Architekten und Kölner Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner (1802-1861), aus einem 1911 erschienenen Buch "Der Dom zu Köln" von Max Hasak (1856-1934).

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  • Das Original des Bad Godesberger Hochkreuzes befindet sich heute im LVR-Landesmuseum Bonn (2008).

    Das Original des Bad Godesberger Hochkreuzes befindet sich heute im LVR-Landesmuseum Bonn (2008).

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Verschiedene Sagen, die von ritterlicher Liebe, dramatischen Todesfällen und tiefer Reue handeln, ranken sich um das Hochkreuz, das in Kopie an der Godesberger Allee und als Original im Rheinischen Landesmuseum Bonn zu sehen ist. Bereits William Turner ließ sich von diesem Werk inspirieren.

Kurzbeschreibung des LVR-Amts für Denkmalpflege im Rheinland
Zur Lage des Hochkreuzes
Deutungsversuch der Form
Legenden zur Entstehung
Der Zustand im 19. Jahrhundert
William Turner malt das Hochkreuz
Die Restaurierungsmaßnahmen
Die Versetzung des Hochkreuzes
Die Versetzung des Hochkreuzes

Kurzbeschreibung des LVR-Amts für Denkmalpflege im Rheinland

Hochkreuz, Nachbildung, Original im LVR-Landesmuseum Bonn
1332/49 vom Kölner Erzbischof Walram von Jülich gestiftet
1859 Restaurierung durch Ernst Friedrich Zwirner, Figuren von Chr. Mohr
1981 Nachbildung und Ersatz

Über quadratischem Grundriss hoher vierseitiger Trachytpfeiler mit Fialspitze, profilierte Ecken, gleichwertige Gestaltung der Seiten: Figurenblendnischen mit Dreipassabschluss, spitzwinklig zulaufende, von Fialen gefasste und mit Krabben besetzte Wimpergen-Aufsätze, bekrönt durch Kreuzblumen; vollplastische Figuren: Christus, Johannes der Täufer, zwei Engel, in den Wimpergen Reliefs der vier Evangelisten und musizierender Engel.
William Turner stellt das Hochkreuz in einem Aquarell 1817 dar.

(Angelika Schyma und Elke Janßen-Schnabel, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, 2005)
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Zur Lage des Hochkreuzes
An der Stelle in Bad Godesberg, wo sich die Godesberger Allee mit der Hochkreuzallee / Kennedyallee kreuzt, steht das Hochkreuz. Bei diesem aus Trachytstein in gotischem Stil gefertigten Wegekreuz in der Gestalt eines Pfeilers, handelt es sich jedoch um eine Nachbildung, während das originale Hochkreuz im Jahre 1981 im Foyer des LVR- Landesmuseums in Bonn aufgestellt wurde. Zuvor war es zwei Mal restauriert und sogar von seinem ursprünglichen Standort an der Landstraße, die von Bonn nach Godesberg führte, ca. 50 Meter in südliche Richtung versetzt worden. Diese Versetzung erfolgte im Rahmen des 1957 erfolgten Ausbaus der Bundesstraße B 9. (Weitershausen 1983, S. 9f. und de.wikipedia.org)
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Deutungsversuch der Form
Die pfeilerartige Gestalt des Hochkreuzes gibt Anlass für verschiedene Deutungsversuche, die auch die ursprüngliche Funktion des Monumentes mit in Betracht ziehen. So schreibt Schmidt in seinem Aufsatz zu mittelalterlichen Denkmälern:

Aber auffallend ist (…) daß vom späten 13. Jahrhundert an bis um die Mitte des 14. Jahrhunderts bei verschiedenen Kleinarchitekturen und liturgischen Geräten, ob bei Totenleuchten, Sakramentshäusern, Brunnen oder bei Reliquiaren, Monstranzen und Tabernakelaltären, eine bemerkenswerte Neigung zu turmartigen Gebilden ganz unter dem Eindruck der Kathedralarchitektur der Zeit, mit Blendarkaden, Tabernakeln, Filialen, Wimpergen und krabbenbesetzten Turmspitzen, zu verzeichnen ist. (Schmidt 1983, S. 30f.)
Bezugnehmend auf weitere ähnlich gestaltete Objekte und Hochkreuze, so beispielsweise die Totenlaterne im Kreuzgang des Domes zu Trier oder die Turmmonstranz der St. Martinikirche in Emmerich, schreibt Schmidt:
Geht man von den mit ihren Skulpturen erhaltenden Hochkreuzen aus, so ist es sehr wahrscheinlich, daß auch das Godesberger Hochkreuz ein plastisches Programm hatte, das den Erlösungstod des Heilands am Kreuz vor Augen führte. Die eng mit der Kathedrale verknüpfte turmartige Gestalt des Monuments wurde gewiß in ihrer Zeit analog zu vielen anderen ähnlich geprägten Werken (…) als sinnerfüllendes Gebilde verstanden, als ein den Weg weisendes Sinnbild der Ecclesia, der damals noch ganz allgemein so erfahrenen einzig seligmachenden Kirche. (ebd., S. 32.).
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Legenden zur Entstehung
Vier verschiedene Sagen ranken sich um die Entstehung des Hochkreuzes, die im Folgenden kurz dargestellt werden sollen:

Im Klufterhof (unter Klochterhof in der Tranchot- v. Müfflingkarte 1801-1828 verzeichnet, einsehbar in den historischen Karten), sollen zwei Brüder, die Junker Huy von Kluchterhof gelebt haben. Diese waren einander sehr verbunden. Eines Abends tauschten sich die beiden Brüder darüber aus, was sie am nächsten Tage verrichten wollten. Der ältere Bruder fasste den Entschluss am nächsten Morgen im Wald, der sich damals noch zwischen Friesdorf und dem Rhein befand, einen bestimmten Eber zu jagen. Der Jüngere dagegen wollte in die Stadt Bonn gehen, um verschiedene Besorgungen zu verrichten. Am nächsten Tage schritt er die Straße von Bonn nach Godesberg entlang und erinnerte sich des Ebers, von dem der Bruder am Abend gesprochen hatte. Er legte sich im Gebüsch auf die Lauer. Der ältere Bruder kam nun aber unglücklicherweise zu diesem Ort und sah, dass sich etwas im Busch bewegte. Da er annahm, es handele sich um den Eber, schoss er direkt einen Pfeil ins Gebüsch. Er fand den vom Pfeil tödlich getroffenen Bruder im Gebüsch und verlor sich in seiner Trauer. Er kehrte der Welt den Rücken und beschloss sein Leben als Mönch im Kloster Heisterbach. Der Erzbischof von Köln errichtete daraufhin an dem Ort des dramatischen Todesfalls das Hochkreuz. (Weitershausen 1983, S. 2)

Als Stoff für ein Gedicht von Laurenz Lersch aus dem frühen 19. Jahrhundert, diente eine weitere Sage zur Entstehung des Hochkreuzes: Ein Liebespaar, eine junge Dame aus ritterlichem Geschlecht namens Maria und ein Ritter namens Ebbo wurden vom Bruder der jungen Frau, einem Ritter Walter, in liebevoller Umarmung auf einem Felsen nahe dem Drachenfels überrascht. Zornentbrant riss der Bruder das Paar auseinander, woraufhin sich Ebbo auf die Löwenburg zurückzog. Seit diesem Erlebnis waren sich die beiden Ritter feindlich gesonnen. Eines Tages trafen die Kontrahenten aufeinander und duellierten sich. Walter streckte Eppo nieder an einem Ort, der von Lersch mit den Worten „Wo am Bach die Weiden wehn“ spezifiziert wird. Daraufhin aber plagte Walter das Gewissen und er errichtete das Hochkreuz an der Stelle wo Ebbo durch seine Hand zu Tode gekommen war. Die Schwester aber trat dem Benediktinerinnenkloster auf der Insel Nonnenwerth bei. (Das Gedicht ist vollständig abgedruckt in: Weitershausen 1983, S. 1)

Eine ähnliche Sage lässt sich in Kaspar Anton von Mastiauxs Werk Historisch geographische Beschreibung des Erzstiftes Koeln aus dem Jahre 1783 finden:

Merkwürdig ist noch auf dem Wege von Godesberg nach Bonn das sogenannte Hochkreuz, ein Monument im gothischen Geschmacke, wovon der gemeine Mann (doch zuverläßig ohne Grund) sagt, daß da der Marktplatz des ältern Bonns gewesen sei; wovon aber ein, nun verlorenes Missale in der Dorfkirche zu Friesdorf erzählet haben solle, daß ein sicherer von Hochkirchen auf dieser Stelle einen Ritter im Duell erleget habe, und daher zur Strafe für diese That vom Erzbischoffe Theoderich von Heinsberg verdammet worden sei, das Kreuz hinzusetzen. Es habe eigentlich sonst das Hochkircher Kreuz geheissen. Die alte kölnische Chronik erwähnet desselben mit folgenden Worten: „Um die Zeit von 1333 richtete Kurfürst Wallram von Jülich das grosse Kreuz zwischen Bonn und Godesberg auf.“ (Mastiaux 1783, S. 70f.)

In der Tat scheint die Legende vom Ritter von Hochkirchen im 18. und 19. Die bekannteste Entstehungslegende um das Hochkreuz gewesen zu sein, wie eine ebenfalls aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert stammende zweite Beschreibung des Hochkreuzes zeigt: In seinem Werk Mahlerische Reise am Nieder-Rhein widmet Freiherr Adolf von Hüpsch 1789 dem Hochkreuz das Kapitel Das hohe Kreutz, ein altes Denkmal zwischen Bonn und Godesberg und nimmt ebenfalls Bezug auf die Legende des Ritterkampfes:

Von dem Erbauer weiß man nichts Zuverlässiges. Einer in dem Meßbuche der benachbarten Kirche zu Frießdorf befindlich gewesen seyn sollenden schriftlichen Nachricht zufolge, soll dieses Monument ein Edelmann, Namens von Hochkirchen, Herr zu Frießdorf, der einen andern im Zweykampf getödtet habe, zur Abbüßung seines Verbrechens, im Anfang des XIII. Jahrhunderts, errichtet haben, und hiezu von dem Churfürsten Theoderich I. verdammt worden seyn. Es kann seyn. Aber man weiß doch überhaupt, wie wenig man dergleichen Nachrichten und Sagen aus dem Mittelalter trauen dürfe. Aberglaube und Wunderglaube und kindische Leichtgläubigkeit charakterisieren dieses Zeitalter. Und das Monument scheint doch, so viel sich aus der Bauart schließen läßt, 400 bis 500 Jahre gestanden zu haben. (Hüpsch 1789, S. 7-9)

Alle aufgeführten Sagen um das Hochkreuz rücken das Bauwerk in den Kontext der Bußleistung, die aufgrund eines Totschlags erfolgt ist. Eine weitere Entstehungssage birgt einen vollkommen anderen Hintergrund, der den Ort in einem heidnischen Verständnis begreift: Zwei Frauen, denen Hexerei vorgeworfen wurde gaben, wohl unter den gängigen martialischen Verhörmethoden an, beim Hochkreuz ihren Versammlungsort gehabt zu haben. Diese Aussage gibt eine damals gängige Annahme wider, der zufolge das Hochkreuz „(…) am Schnittpunkt zweier ‚uralter‘ Wege, der Landstraße von Bonn nach Godesburg und des Weges von Plittersdorf nach Friesdorf aufgestellt worden [sei]. Es solle zum Schutz vor gefährlichen Geistern dienen, die im Volksglauben an solchen Kreuzungen hausten.“ (Weitershausen 1983, S. 3) Demnach besagt die vierte Entstehungssage, das Hochkreuz sei aufgestellt worden, um Magie an einem für diese, anfälligen Ort zu bannen. In der Tat scheint die Errichtung des Hochkreuzes unter Walram von Jülich (1304-1349, Erzbischof von 1332-1349) oder dessen Nachfolger Wilhelm von Gennep (Geburtsdatum unbekannt-1362, Erzbischof von 1349-1362) erfolgt zu sein: Somit kann die Errichtung des Hochkreuzes im Zeitraum von 1332 bis 1362/63 angenommen werden. (Weitershausen 1983, S. 3f.)
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Der Zustand im 18./19. Jahrhundert
Von Hüpsch beschreibt 1789 den Zustand und die Verortung des Hochkreuzes folgendermaßen:

Es steht eine Viertelstunde ober Bonn und ist von Königswinterer Steinen, welche allem Anscheine nach vulkanischen Ursprungs sind, erbaut. Seine Gothische Structur ist nicht zu verkennen. Es ist viereckig, und hat drey Absätze mit einer Spitze, worauf ein Kreutz steht. Man nennt es daher das hohe Kreutz. Jeder Absatz hat vier Nischen. In jeder Nische hat ehedem eine Statue eines Heiligen, (vielleicht eines Apostels,) gestanden. Dieses ist daraus zu schliessen, weil dieses Denkmal gerade zwölf Nischen hat, und also vermuthlich den zwölf Aposteln zu Ehren errichtet worden. Jetzt erblickt man nur noch einige verstümmelte Statuen in demselben. Auch sieht man ganz deutlich, daß es durch Kanonenkugeln beschädigt worden, entweder in den Unruhen des Churfürsten Gebhard von Truchseß […] oder im dreysigjährigen Kriege, oder aber auch bey den Französischen und Holländischen Verheerungen am Ende des vorigen und am Anfang dieses Jahrhunderts. Bey diesen Gelegenheiten mögen auch wohl der Heiligen Bilder von den protestantischen Truppen verstümmelt worden und verloren gegangen seyn. (Hüpsch 1789, S. 7-9)

Wie in der Passage angedeutet wird, war das Hochkreuz zu dieser Zeit noch von einem eisernen Kreuz bekrönt, das im Jahr 1842 abgenommen und ins Königliche Museum Vaterländischer Altertümer (später Provinzialmuseum und heute Landesmuseum Bonn) überführt wurde. (Weitershausen 1983, S. 6)
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William Turner malt das Hochkreuz
Um das Jahr 1817 unternahm der englische Maler Joseph Mallord William Turner (1775-1851), der heute als der Wegbereiter einer modernen Malerei in England gilt, seine erste Rheinreise. (Wagner 2011, S. 7)
Damit folgte er einer Mode, die von vielen seiner Landsleute geteilt wurde, stellte doch das Rheinland mit seinen Sagen, Burgen und pittoresken kleinen Städtchen ein Sehnsuchtsort vieler Engländer im Zeitalter der Romantik dar.
Horst Johannes Tümmer schreibt: „Alsbald glich der Ansturm der Engländer auf das Festland und den Rhein, wie Thomas Hood erzählt, einer ‚geographical panic‘. Es waren nun nicht mehr nur die privilegierten Schichten der Gesellschaft, die ihre Grand Tour zur Vervollkommnung der Bildung antraten, sondern alle, die es sich leisten konnten: Die Rheinreise wurde eine Form der Selbstdarstellung der Emporgekommenen; man mußte den Rhein gesehen haben, wollte man daheim etwas gelten.“ (Tümmers 1999, S. 199)
Monika Wagner schildert, dass es den Engländern speziell auch um den Reiz des Verfalls gegangen war. Ruinen standen ganz hoch im Interesse, es gab eine expandierende Reiseliteratur, die besonders die Ruinen und Schauplätze von Sagen thematisierte. Auch Turner orientierte sich an solcher Guidenliteratur (Wagner 2011, S. 30 und Tümmers 1999, S. 199.) und es kann nicht verwundern, dass auch das Hochkreuz mit seiner Entstehungslegende die von Liebe, Totschlag und Buße berichtete und in seiner Gestalt ebenfalls ruinenhafte Züge trug in den Fokus dieser Reiseliteratur geriet. So unternahm der Maler während seiner ausgedehnten Spaziergänge auch eine Wanderung zum Hochkreuz, dass im frühen 19. Jahrhundert noch inmitten von Feldern, ein paar Kilometer vor Godesberg lag. Turner fertigte während seiner Reise ins Rheinland 51 skizzenartige Zeichnungen an, die er dann bei seiner Rückkehr in England mit Aquarellfarben farblich akzentuierte. Auf gleiche Weise agierte Turner auch mit seiner Darstellung des Hochkreuzes von 1817 (siehe Mediengalerie).

Turners Aquarell verdeutlicht, wie sehr sich der Standort des Hochkreuzes mit der Zeit geändert hat. Im frühen 19. Jahrhundert stand das Hochkreuz in einer ländlichen Umgebung, ein Umstand der mit einem Blick in die Tranchot- v. Müfflingkarte 1801-1828 (einsehbar in den historischen Karten) seine Bestätigung findet. Den Mittelpunkt des Aquarells markiert das Hochkreuz, dessen Größe durch den Soldaten-Tross veranschaulicht wird, der von Godesberg kommend, dem Betrachter entgegen marschiert. Der in den Quellen aus dem späten 18. Jahrhundert beschriebene baufällige Zustand des Hochkreuzes findet in Turners Bild seine Entsprechung: Die Bekreuzung fehlte ebenso wie die seitlichen Filialen und die Skulpturen. Im Hintergrund fällt der Blick auf den Godesberg, bekrönt von der schemenhaft dargestellten Ruine der Godesburg. Links vom Hochkreuz hat Turner zwischen mehreren Bäumen eine Senke dargestellt, in der sich Wasser gesammelt hat. Kaum zu erkennen ist die Brücke, die über diese Senke führt und somit dem Vorgängerweg der heutigen Hochkreuzallee / Kennedyallee entspricht. Zwischen den Ästen der Bäume lässt sich das sagenumwobene Siebengebirge und die Ruine des Drachenfelses, einer der Lieblingsorte Turners, erkennen.
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Die Restaurierungsmaßnahmen
Während des 18. Jahrhunderts entsprachen Zeugnisse und Kunstwerke des Mittelalters nicht dem Geschmack der Zeit, so dass Bauwerke wie der Kölner Dom und auch das Hochkreuz zunehmend in Verfall gerieten. Erst im frühen 19. Jahrhundert zeichnete sich ein Wandel ab. Die aufkommende Romantik und das Keimen eines deutschnationalen Bewusstseins brachten der lange vernachlässigten Kultur des Mittelalters endlich eine gewisse Wertschätzung entgegen. 1829 wurde innerhalb einer Konservierungsmaßnahme, von Karl Freiherr von Ingersleben (1753-1831) initiiert, das Hochkreuz vor weiterem Verfall zu schützen. Ab den 1850er Jahren wurde das Hochkreuz restauriert, wobei „Restaurierung“ im 19. Jahrhundert in erster Linie nicht auf die Wiederherstellung eines Objektes sondern häufig auf eine „Verbesserung“ im Stil der Neugotik abzielte. Als Beispiel kann die von Ernst Friedrich Zwirners (1802-1861) konzeptionierte Kreuzblume genannt werden, die anstelle des Eisenkreuzes das Hochkreuz bekrönt. (Weitershausen 1983, S. 7 und de.wikipedia.org)

Das heutige Hochkreuz entspricht demnach nicht dem ursprünglichen, mittelalterlichen Werk, was alleine durch die starken Schäden oder sogar den Verlust einiger Teile auch nicht realisierbar gewesen wäre. Ausgeführt wurden die Arbeiten wahrscheinlich nach Zeichnungen Zwirners. Dieser beauftragte den Architekten Albert Dietrich mit der Leitung. Die Skulpturen wurden von Christian Mohr und Peter Fuchs ausgeführt, die ebenfalls am Skulpturenprogramm des Kölner Doms mitgewirkt hatten. Bereits 1890 musste eine weitere Restaurierungsmaßnahme erfolgen, für die die Stadt Bonn als Besitzer (seit 1889) die Verantwortung tragen musste. Nur zwei Jahre später wurden die Schienen der Schmalspurbahn von Bonn nach Bad Godesberg unmittelbar am Hochkreuz vorbeigeführt. Ruß und Erschütterung schädigten das Bauwerk, sodass seit dem frühen 20. Jahrhundert immer wieder am Hochkreuz gearbeitet wurde. Auch der Zweite Weltkrieg hinterließ seine Spuren an der steinernen Oberfläche.
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Die Versetzung des Hochkreuzes
Im Jahr 1956 wurde das Hochkreuz saniert und im Rahmen des Ausbaus der Bundesstraße B 9 um 50 Meter nach Süden versetzt. Der ursprüngliche Standort befindet sich in der Kreuzungsmitte von Hochkreuzallee und Godesberger Allee. Die unmittelbare Nähe zu der vielbefahrenen Bundesstraße führte zur weiteren Schädigung des Steines, so dass ab 1977 offen über eine Verlegung des Hochkreuzes in eine geschützte Umgebung diskutiert wurde. Sowohl die Versetzung des Standortes in den 1950er Jahren, als auch die Demontierung und Neuverortung des Denkmals riefen auch kritische Stimmen hervor, bestand doch eine Jahrhunderte lange Präsenz dieses Bauwerkes an diesem Ort. Heute befindet sich eine maßstabstreue Nachbildung des Hochkreuzes am Standort der 1950er Jahre. Das originale Hochkreuz befindet sich seit 1981 im Foyer des Landesmuseums in Bonn und ist somit frei und auch ohne Eintritt zugänglich. William Turners Aquarell des Hochkreuzes ist Bestandteil der Dauerausstellung des Museums.
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(Florian Weber, LVR-Redaktion KuLaDig, 2018)

Internet
de.wikipedia.org: Hochkreuz (Wegekreuz in Bonn) (abgerufen 02.08.2018)

Hochkreuz im Norden von Bad Godesberg

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Godesberger Allee 97
Ort
53175 Bonn
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1981
Koordinate WGS84
50° 41′ 49,19″ N, 7° 08′ 28,46″ O / 50.697°, 7.14124°
Koordinate UTM
32U 368728.41 5617778.58
Koordinate Gauss/Krüger
2580675.62 5618560.77

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„Hochkreuz im Norden von Bad Godesberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-20783-20111107-37 (Abgerufen: 19. September 2018)
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