Riehler Heimstätten

Städtisches Senioren- und Behindertenzentrum Köln-Riehl

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 57′ 58,92″ N: 6° 58′ 52,04″ O 50,96637°N: 6,98112°O
Koordinate UTM 32.358.239,88 m: 5.648.025,17 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.568.965,13 m: 5.648.363,56 m
  • Historische Postkarte (nach 1927): "Wohnstift der Riehler Heimstätten in Köln".

    Historische Postkarte (nach 1927): "Wohnstift der Riehler Heimstätten in Köln".

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    Joachim Brokmeier (Sammlung Brokmeier)
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  • Drohnen-Luftaufnahme der Riehler Heimstätten in Köln (2020).

    Drohnen-Luftaufnahme der Riehler Heimstätten in Köln (2020).

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  • Historische Postkarte (nach 1927): "Köln a. Rh. Wohnstift der Riehler-Heimstätten".

    Historische Postkarte (nach 1927): "Köln a. Rh. Wohnstift der Riehler-Heimstätten".

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  • Historische Postkarte (nach 1927) mit Blick über die Wohn- und Parkanlagen der Riehler Heimstätten in Köln.

    Historische Postkarte (nach 1927) mit Blick über die Wohn- und Parkanlagen der Riehler Heimstätten in Köln.

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  • Ein Gebäude der Sozial- und Wohlfahrtseinrichtung "Riehler Heimstätten", heute Sozialbetriebe Köln gGmbH, in Köln-Riehl (2014).

    Ein Gebäude der Sozial- und Wohlfahrtseinrichtung "Riehler Heimstätten", heute Sozialbetriebe Köln gGmbH, in Köln-Riehl (2014).

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  • Ausschnitt aus einem Stadtplan von Köln aus den 1950ern: Die Fischersiedlung Riehl (später Köln-Niehl) und das Areal der Riehler Heimstätten.

    Ausschnitt aus einem Stadtplan von Köln aus den 1950ern: Die Fischersiedlung Riehl (später Köln-Niehl) und das Areal der Riehler Heimstätten.

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  • Historischer Lageplan (1927) der Kasernenanlage Boltensternstraße in Köln-Riehl.

    Historischer Lageplan (1927) der Kasernenanlage Boltensternstraße in Köln-Riehl.

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So wie der Dom zu Köln gehört, so gehören die „Riehler Heimstätten“ seit 1927 zum Stadtteil Riehl. Zum 1. November 1927 konnte die Einrichtung mit seinerzeit 800 altersgerechten Wohnungen, 550 Altenheimplätzen und 800 Plätzen in Krankenheimen in der ehemaligen preußischen Kasernenanlage bezogen werden.

Gründung und Einrichtung
Die Heimstätten während des Nationalsozialismus
Ende des Zweiten Weltkriegs und Nachkriegszeit
Die heutigen Einrichtungen der Sozialbetriebe Köln und die NaturNischen
Quellen, Internet, Literatur

Gründung und Einrichtung
Nachdem die Englische Besatzungsmacht am 31. Januar 1926 die Kaserne Boltensternstraße verlassen hatte, bestand kein Bedarf mehr für die Kasernenbauten. Sie standen damit leer. Gleichzeitig herrschten in Köln große Wohnungsnot und Armut durch die Folgen der Inflation. Preiswerter Wohnraum wurde gesucht und durch eine Schaffung von altersgerechten Kleinwohnungen sollten so die benötigten größeren Wohnungen im Stadtgebiet frei werden (unser-quartier.de).
So entschied die Stadtverordnetenversammlung 1926, einen Tel der Kasernenbauten in der Boltensternstraße in eine zukunftsweisende dreistufige Einrichtung für alte Menschen umzuwandeln. So sollten 800 altersgerechte Wohnungen, 550 Altenheimplätze und 800 Plätze in Krankenheimen für Kölner Bürger geschaffen werden. Zum 1. November 1927 konnten die ersten Kölner Bürger in die Wohnungen in den Riehler Heimstätten einziehen. Die Einrichtung hatte damals Modellcharakter.
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Die Heimstätten während des Nationalsozialismus
Die Geschichte der Heimstätten während der NS-Zeit in Köln zwischen 1933 und 1945 gilt als schlecht erforscht. Belegte Einzelschicksale von Bewohnern lassen jedoch auf ein sehr dunkles Kapitel schließen. Da Juden ab 1937 nur noch in eigenen Einrichtungen aufgenommen werden sollten, lebten hier wohl nur relativ wenig Menschen jüdischen Glaubens.
Gleich zu Beginn der NS-Zeit wurde noch im Jahr 1933 die Organisation der Heime der Stadt Köln über die nationalsozialistische „Volkswohlfahrt“ von den Riehler Heimstätten übernommen, an die gleichzeitig „die Verwaltung aller übrigen Anstalten“ und die Heimfürsorge angeschlossen wurden. Die bereits 1932 gegründete „NS-Volkswohlfahrt“ (NSV) wurde nur wenige Monate nach der Machtergreifung der Nazis am 3. Mai 1933 in den Rang einer Parteiorganisation der NSDAP erhoben und im Zuge der NS-Gleichschaltung aller sozialen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Kräfte in die einheitliche Organisation der NS-Diktatur als „zuständig für alle Fragen der Volkswohlfahrt und Fürsorge“ erklärt (Recker 1997).
Dem Verwaltungsbericht der Stadt Köln für 1933/34 ist zu entnehmen, dass seinerzeit das „Frauenheim Bickendorf, das Sichtungsheim der Frauenfürsorge, das Barbaraheim und das Ledigenheim Arnoldshöhe geschlossen wurden und gleichzeitig auch die „in den Familienquartieren der großen Kasernen betriebenen Nachbarschaftshäuser“ von der NS-Volkswohlfahrt übernommen wurden. Diese verfügte nun „nur noch über 3 kleinere Altersheime in Dellbrück, Vingst und Buchheim, die Stiftung de Noël, 3 Konvente und die Riehler Heimstätten“.
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„Belegt ist, dass 14 Bewohnerinnen der ‚Riehler Heimstätten' mit geistiger Behinderung bis 1940 zwangssterilisiert wurden. Wie viele Personen in den Folgejahren Opfer von sogenannten ‚Euthanasiemaßnahmen' wurden, ist dagegen unbekannt“ (sbk-koeln .de, Historie).
Für den Bereich der Riehler Heimstätten liegen jedoch keine Nachweise für Tötungen vor.
Wegen der ab 1942 intensivierten alliierten Bombenangriffe auf Köln wurden zwischen Juli 1942 und Oktober 1943 insgesamt 3.000 Bewohnerinnen und Bewohner der Heimstätten in Ausweichquartiere in teils weiter entfernte psychiatrische Einrichtungen verlegt oder evakuiert, darunter in Heil- und Pflegeanstalten wie die einstige „Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Galkhausen“ (heutige LVR-Klinik in Langenfeld) oder die psychiatrische „Krankenanstalt Marienborn“ im Kloster Marienborn in Zülpich-Hoven.

In diesen Pflegeheimen wurden nicht nur „seit dem Sommer 1943 Patientinnen und Patienten (...) sowohl aktiv getötet, als auch ihr Tod durch Vernachlässigung und katastrophale Rahmenbedingungen billigend in Kauf genommen“ (ebd.), auch gingen von hier aus Transporte in die Zwischenanstalten und Tötungsstätten der sogenannten „Euthanasie-Aktion T4“, wie z.B. die hessische Tötungsanstalt Hadamar, in der während der NS-Zeit etwa 14.500 Menschen ermordet wurden.
Gleichzeitig wird aber auch über aktive Fälschungen von Krankenakten durch Ärzte der Riehler Heimstätten berichtet, wobei angeborene geistige Behinderungen von Pfleglingen als Unfallgeschehen umgedeutet wurden und damit deren Verlegungen in die „Anstalten zur Weiterverlegung nach Hadamar“ verhindert werden konnten.
Das Verzeichnis des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln führt die Riehler Heimstätten unter den Zwangsarbeiter-, Kriegsgefangenen- und KZ-Häftlingslagern mit der Funktion als „Lager ausländischer Arbeiter“ um Januar 1943 mit einer Belegschaftsstärke von 41 Ostarbeiterinnen (hier nach museenkoeln.de; bei Kraus 1999 sind die Heimstätten hingegen nicht verzeichnet).
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Ende des Zweiten Weltkriegs und Nachkriegszeit
Durch die Nähe zur damaligen Mülheimer Hängebrücke waren die Riehler Heimstätten häufig Ziel der zunehmenden Luftangriffe, bis am 14. Oktober 1944 die Brücke getroffen wurde und einstürzte.
Während des Krieges wurden Teile des Heimes als Notkrankenhaus genutzt und die Wohnungen oft zur ersten Notversorgung der ausgebombten Kölner Bevölkerung angeboten, so dass jüngere Bürger Aufnahme fanden und zeitweise kaum noch Pfleglinge in den Riehler Heimstätten lebten. Auch wurden durch die Zentralküche viele ausgebombte Kölner mit Essen versorgt.
Die letzten Bewohner wurden dann im Oktober 1944 in der Klosteranlage in Altenberg sowie in Dassel und Markoldendorf (Orte im niedersächsischen Landkreis Northeim) untergebracht und warteten dort das Ende des Krieges ab.

Die erste Zeit nach dem Krieg war von großer Armut gekennzeichnet. Zügig wurde in den ersten Jahren nach dem Krieg an dem Wiederaufbau der zu 40 % zerstörten Riehler Heimstätten gearbeitet.
Die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts dagegen waren durch die Modernisierung der Einrichtung und Anpassung an modere Bedürfnisse geprägt und durch viele Neubauten, die bis heute weiter entwickelt werden.
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Die heutigen Einrichtungen der Sozialbetriebe Köln und die NaturNischen
Heute befindet sich auf dem großzügigen Gelände das größte Seniorenwohnzentrum in Köln mit aktuell 495 Wohnungen und 604 vollstationären Pflegeheimplätzen sowie das größte Wohnzentrum für Menschen mit Behinderung in der Domstadt (insgesamt 9 Appartements und 52 Einzelzimmer in sieben Wohngruppen). In den letzten Jahren wurden durch sieben Neubauten den Erfordernissen des Heimgesetzes nach Einzelzimmern in den Pflegebereichen Rechnung getragen.
Neben den Gebäuden gibt es Vielzahl von Angeboten im Bereich der Freizeitgestaltung, kulturellen Betreuung und Gesundheitsvorsorge. Auch Großveranstaltungen wie Musikvorführungen und - in Köln ganz wichtig - Karnevalssitzungen werden angeboten.
Seit 1994 sendet von hier mit Silberdistel-TV die erste Fernseh-Station in einer Seniorenwohnanlage (www.youtube.com).
Die ehemalige Kasernenanlage ist zugleich der Hauptstandort der diese Einrichtungen betreibenden Sozial-Betriebe-Köln gGmbH (SBK). Hier haben nicht nur Geschäftsführung und Verwaltung, sondern auch zahlreiche weitere Dienstleistungen, Angebote und Initiativen der SBK ihren Sitz (sbk-koeln.de).

Im Rahmen eines Kooperationsprojekts Ökoprofit wurden auf dem weitläufigen und heute weitestgehend als große Parkanlage gestalteten Gelände der Heimstätten so genannte „NaturNischen“ angelegt, auch wenn hier auf einen Teil des historisch wichtigen ehemaligen Exerzierplatzes verzichtet wurde. Diese sollen die ökologische Artenvielfalt am Standort stärken - darunter eine Streuobstwiese, große Beete mit Staudenmischpflanzungen als Nahrung und Lebensraum für Insekten, ein Lehrpfad, auf dem hier heimische Baumsorten vorgestellt werden, sowie drei Bienenstöcke in der betriebseigenen Gärtnerei. Ferner ist ein Bauerngarten in Planung (sbk-koeln.de, NaturNischen).
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Da der Name „Riehler Heimstätten“, der sich in der Bevölkerung eingebürgert hatte, nicht mehr zeitgemäß erschien, benannte sich die Einrichtung in „Städtisches Senioren- und Behindertenzentrum Köln Riehl“ um. Die Bevölkerung hing und hängt aber weiter an dem Namen „Riehler Heimstätten“. Wer wohnt schon gerne in einem „Betrieb“?

(Joachim Brokmeier, Bergisch Gladbach, 2020)

Quellen
  • Joachim Brokmeier: Das Städtische Senioren- und Behindertenzentrum Köln Riehl. Die Entwicklung einer Senioreneinrichtung in Köln (Manuskript, 2013).
  • Verwaltungsberichte der Stadt Köln für 1933/34 und 1939 (Sammlung Herr Brokmeier).

Internet
sbk-koeln.de: SBK Sozial-Betriebe-Köln gemeinnützige GmbH, Hauptsitz Köln-Riehl (abgerufen 07.12.2020)
sbk-koeln.de: Historie 1933-1945 (abgerufen 07.12.2020)
sbk-koeln.de: NaturNischen Riehl (abgerufen 07.12.2020)
youtube.com: Ansichtskarten - die Geschichte von Riehl. Teil 6 - Die Riehler Heimstätten (Silberdistel TV vom 23.09.2020, abgerufen 04.01.2021)
youtube.com: Kanal Silberdistel TV (abgerufen 07.12.2020)
museenkoeln.de: NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, Riehler Heimstätten / Datensatz Nr. 26 (abgerufen 07.01.2020)
de.wikipedia.org: Riehler Heimstätten (abgerufen 07.12.2020)
www.joachim-brokmeier.de: Private Homepage zu Köln-Riehl (abgerufen 07.12.2020)
unser-quartier.de: Die englischen Soldaten verlassen Köln (Text Joachim Brokmeier, 28.01.2022, abgerufen 31.01.2022)
unser-quartier.de: Gründung der Riehler Heimstätten (Text Joachim Brokmeier, 15.02.2021, abgerufen 26.02.2021)
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Literatur

Brokmeier, Joachim (2013)
Köln-Riehl, Geschichte(n) aus dem Veedel. (Heimatarchiv.) Erfurt.
Brokmeier, Joachim (2008)
Köln-Riehl, ein Stadtteil mit langer Tradition. (Heimatarchiv.) Erfurt.
Kraus, Stefan (1999)
NS-Unrechtsstätten in Nordrhein-Westfalen. Ein Forschungsbeitrag zum System der Gewaltherrschaft 1933-1945, Lager und Deportationsstätten. (Schriften zur Bodendenkmalpflege in Nordrhein-Westfalen 4.) Essen.
Recker, Marie-Luise / Benz, Wolfgang; Graml, Hermann; Weiss, Hermann (Hrsg.) (1997)
Enzyklopädie des Nationalsozialismus. München.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 378, Köln.

Riehler Heimstätten

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Boltensternstraße 16
Ort
50735 Köln - Riehl
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1926 bis 1927

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Riehler Heimstätten”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-327205 (Abgerufen: 7. Dezember 2022)
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