St. Anna Kapelle in den Riehler Heimstätten

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 57′ 57,73″ N: 6° 58′ 55,44″ O 50,96604°N: 6,98207°O
Koordinate UTM 32.358.305,12 m: 5.647.986,66 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.569.031,89 m: 5.648.327,72 m
  • Die St. Anna Kapelle in den Köln-Riehler Heimstätten mit ihrem markanten Glockenturm an der Südwestseite (2014).

    Die St. Anna Kapelle in den Köln-Riehler Heimstätten mit ihrem markanten Glockenturm an der Südwestseite (2014).

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  • Die St. Anna Kapelle in den Köln-Riehler Heimstätten, Ansicht von Nordwesten (2014).

    Die St. Anna Kapelle in den Köln-Riehler Heimstätten, Ansicht von Nordwesten (2014).

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  • Drohnen-Luftaufnahme der Riehler Heimstätten in Köln (2020).

    Drohnen-Luftaufnahme der Riehler Heimstätten in Köln (2020).

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Die als katholisches Kirchlein erbaute St. Anna Kapelle auf dem Gelände der Riehler Heimstätten wird heute von der katholischen Gemeinde und den evangelischen Bewohnern gemeinsam ökumenisch genutzt.

Vorgängerbauten
Bereits 1929 wurde in den ab 1926/27 in den früheren Kasernenbauten eingerichteten Riehler Heimstätten für die seelsorgerische Betreuung der Bewohner in dem ehemaligen Offizierskasino des Infanterieregiments 65 eine katholische Kapelle mit 240 Plätzen eingerichtet:
„In diesem Hause lebten auch die Schwestern der Gemeinschaft der Vinzentinerinnen, die die Pflege der Bewohner durchführten. Im gleichen Jahr wurde im Haus J ... ein Betsaal mit 120 Plätzen der evangelischen Gemeinde zur Verfügung gestellt.“ (www.riehler-geschichten.koeln)
Nachdem das Gebäude der katholischen Kapelle im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört wurde, fanden die Ordensschwestern aus der römisch-katholischen Vinzentinerinnen-Gemeinschaft der 'Genossenschaft der Töchter der christlichen Liebe vom heiligen Vinzenz von Paul' im benachbarten Direktorenhaus (später abgebrochen) Unterkunft, bis 1954/55 ein Neubau als Schwesternhaus hergerichtet wurde.
„Bis zu einem Neubau der katholischen Kirche - zwischen dem oben erwähnten neuen Schwesternhaus und dem heutigen Haus 5 - im Jahre 1959 fanden die Messen im alten Klubhaus (Seniorentreff / heute Riehler Treff) statt. Der dazugehörige hölzerne Glockenturm stand gegenüber auf der großen Wiese (heute Grüne Mitte) etwa da, wo sich heute der Festsaal befindet.“ (ebd.)

Das bereits genannte Gebäude des Offizierskasinos befand sich zwischen dem heutigen Gebäude „W 8“ und der Slabystraße, dem heutigen Neubau „Haus 8“. Das „Haus J“ (später „W 6“), eine ehemalige Kantine der Infanterie, lag an der heutigen die Freifläche zwischen den Häusern „H“ und „K“, es wurde Anfang der 1980er-Jahre abgebrochen. Das frühere „Haus P 3“ entspricht dem heutigen „Haus 10 / Service 1“ (vgl. den Lage- und Gebäudeplan unter sbk-koeln.de).

Baugeschichte und -beschreibung
Der Grundstein der neuen St. Anna Kirche konnte nach Baubeginn am 4. Februar 1958 bereits zum 27. Juli des gleichen Jahres gelegt werden. Die Urkunde zur Grundsteinlegung wurde vom Kölner Oberbürgermeister Theodor „Theo“ Burauen (1906-1987, amtierte 1956-1973) und dem Oberstadtdirektor von 1953 bis 1965 Max Adenauer (1910-2004) unterzeichnet, die beide wenige Monate später auch persönlich zur feierlichen Weihe des Gotteshauses am 27. Mai 1959 einluden (Brokmeier 2013, S. 48).

Das vergleichsweise recht kleine, nur gut 500 Quadratmeter Grundfläche einnehmende Kirchenbauwerk geht auf Pläne des Architekten und bildenden Künstlers Johann Hubert „Hans“ Hansen (1889-1966) zurück. Der anerkannte Kirchenbaumeister, auf den im Rheinland zahlreiche Bauten und Entwürfe zurückgehen, war auch unter seinem Pseudonym „Antischmitz“ bekannt. Dieses stammte aus dem unter Decknamen erfolgten Austausch der Künstlergemeinschaft „Gläserne Kette“ um 1919/20.
Die Ausführung und Fertigstellung erfolgte ausweislich der im Grundstein hinterlegten Urkunde unter dem Kölner Architekten Wolf-Dieter Denthoven und dem Bauunternehmer Willy Optiz.
Das Altarbild stammt von dem freischaffenden Kölner Künstler Wilhelm „Will“ Thonett (1931-1973). Es zeigt in zeitgenössischem Stil einen erhöht über fünf Heiligen thronenden segnenden Christus.

Glocken und Orgel
Das frei hängende Geläut von St. Anna in dem markanten Glockenturm an der Südwestseite der Kapelle wurde laut der Chronik der Vinzentinerinnen im Juli 1960 geweiht (www.riehler-geschichten.koeln).
Die oberste und zugleich älteste der drei Glocken wurde 1730 von dem Glockengiesser Johann Dinckelmeyer, Cöln gegossen. Die 150 Kilogramm schwere Glocke mit einem Durchmesser von 599 Millimetern stammt wahrscheinlich aus der zwischen 1943 und 1945 fast vollständig zerstörten und erst 1961/63 neu erbauten Kirche St. Johann Baptist im Kölner Severinsviertel.
Der Guss der beiden neuen Glocken „Anna“ (270 Kilogramm, 754 Millimeter) und „Maria“ (150 Kilogramm, 620 Millimeter) erfolgte 1960 in der westfälischen Glockenstadt Gescher (Kreis Borken) in der Gießerei Petit & Gebr. Edelbrock durch Hans Georg Hermann Maria Hüesker (geboren1979).

Am 8. September 1961 erfolgte die Weihe der sogenannten „Peter Orgel“, die über 12 auf zwei Manuale verteilte Register verfügt. Der Name des Instruments geht auf ihren Erbauer zurück, den als „Orjelspitter“ bekannten Orgelbauer Willi Peter (1907-1978) aus Köln-Mülheim, dessen Werkstatt bis heute existiert (seit 2018 in Lindlar-Schmitzhöhe ansässig, orgelbauwillipeter.net). Zur Einweihung wurde die Orgel durch den Organisten am Kölner Dom und Professor für Orgelspiel Josef Zimmermann (1906-1998) bespielt.

Heutige Nutzung der Kapelle
Die Schwestern der 1633 in Paris als Genossenschaft der „Töchter der christlichen Liebe“ in Paris gegründeten Vinzentinerinnen wirkten von 1928 bis zum 31. Dezember 1974 in den Riehler Heimstätten. Als dortige Tätigkeiten werden „Invalidenhaus, ambulante Krankenpflege, Altenheim, Altenpflegeschule“ angeführt (Schaffer 2008, S. 68). Die Ordensgemeinschaft führt heute noch vier Wohnstifte in Köln (www.vinzentinerinnen.de).
Nach dem Abbruch des Hauses „J / W 6“ Anfang der 1980er Jahre konnten die evangelischen Bewohner die St. Anna-Kirche zunächst provisorisch zusammen mit der katholischen Gemeinde ökumenisch nutzen. Nachdem die evangelischen Bewohner vorübergehend im ehemaligen Schwesternhaus beheimatet waren, galt die Regelung zur Nutzung durch beide Konfessionen dann ab Mitte der 1990er Jahre dauerhaft.

(Joachim Brokmeier, Bergisch Gladbach und Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2022)

Quellen
Unterlagen im privaten Archiv von Herrn Joachim Brokmeier, darunter Kopien der Grundstein-Urkunde und des Glockenbuches.

Internet
www.riehler-geschichten.koeln: Die St. Anna Kirche im Heimgelände, mit historischen Abbildungen (Text Joachim Brokmeier, abgerufen 07.02.2022)
sbk-koeln.de: Detailplan des SBK-Geländes Riehl (PDF-Datei, 631 kB, abgerufen 01.02.2022)
www.vinzentinerinnen.de: Vinzentinerinnen, Zentralverwaltung und Provinzialat Köln (abgerufen 01.02.2022)
www.sankt-engelbert-und-sankt-bonifatius.de: Katholische Kirchengemeinde St. Engelbert und St. Bonifatius. Unsere Kirchen, St. Anna, Köln-Riehl (Text Uta Heinz und Ulrich Oligschläger, abgerufen 02.02.2022)
deu.archinform.net: Hans Hansen, Architekt, Bildhauer, Maler, Kunsthandwerker, Zeichner und Graphiker (abgerufen 01.02.2022)
geo.muelheim-ruhr.de: Will Thonett (abgerufen 01.02.2022)
orgelbauwillipeter.net: Willi Peter Orgelbauwerkstätten GmbH & Co KG (abgerufen 01.02.2022)
www.hermann-schroeder.de: Hermann-Schroeder-Gesellschaft, Biographie Josef Zimmermann (abgerufen 01.02.2022)

Literatur

Brokmeier, Joachim (2013)
Köln-Riehl, Geschichte(n) aus dem Veedel. (Heimatarchiv.) S. 48, Erfurt.
Brokmeier, Joachim (2008)
Köln-Riehl, ein Stadtteil mit langer Tradition. (Heimatarchiv.) Erfurt.
Schaffer, Wolfgang (2008)
Ordensentwicklung seit dem 19. Jahrhundert. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, IX.5.) Bonn.

St. Anna Kapelle in den Riehler Heimstätten

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Boltensternstraße 16
Ort
50735 Köln - Riehl
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Auswertung historischer Schriften, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1958 bis 1959

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„St. Anna Kapelle in den Riehler Heimstätten”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343441 (Abgerufen: 9. August 2022)
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