Stadtteil Köln-Zollstock

Stadtteil 205 im Kölner Stadtbezirk 2 Rodenkirchen

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 54′ 15,54″ N: 6° 56′ 25,98″ O / 50,90432°N: 6,94055°O
Koordinate UTM 32.355.198,45 m: 5.641.204,71 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.566.202,95 m: 5.641.423,72 m
  • Blick von oben auf das Südstadion in Köln-Zollstock während einer Ballonfahrt über Köln (2013).

    Blick von oben auf das Südstadion in Köln-Zollstock während einer Ballonfahrt über Köln (2013).

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  • Ausschnitt der "Schweid(t)karte" oder "Cöllnischer Schweidt" von 1609 des Abraham Hogenberg; die Karte zeigt die "Keyserliche Freye Reichs Statt Kölln" samt Umland und Vororten.

    Ausschnitt der "Schweid(t)karte" oder "Cöllnischer Schweidt" von 1609 des Abraham Hogenberg; die Karte zeigt die "Keyserliche Freye Reichs Statt Kölln" samt Umland und Vororten.

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Zollstock gehört als Kölner Stadtteil 205 zum Stadtbezirk 2 Rodenkirchen. In dem linksrheinischen Stadtteil leben heute etwa 23.000 Menschen auf einer Fläche von 5,03 Quadratkilometern.

Siedlungsgeschichte
Die Besiedlung des Zollstocker Gebiets südlich der Kölner Innenstadt erfolgte erst recht spät ab den 1870er Jahren. Aufgrund reicher Lehmvorkommen vor Ort siedelten sich hier Ziegeleien an und auf diese folgend entstanden zugehörige Arbeiterunterkünfte und -siedlungen.
Erst im Jahr 1877 verzeichnet das Kölner Adressbuch den Ort, dessen Name sich von einem kleineren Zollhaus ableitet und keineswegs von einem für gewöhnlich als Zollstock bezeichneten Gliedermaßstab. Die als „Zollstock“ bezeichnete Zollstation befand sich einst am Schnittpunkt von Wegen des um die Stadt Köln herum führenden mittelalterlichen Bischofswegs, der die Grenze zwischen der Reichsstadt Köln und den erzbischöflichen Territorien markierte (Wilhelm 2008).
Der örtliche Bürgerverein berichtet dazu ferner: „Seit etwa 1770 erhoben die Reichsstädte und die Landesfürsten von den in ihr Gebiet eingeführten Waren, wie Fleisch, Mehl, Tabak und andere, Abgaben, die so genannten Binnenzölle. Kurz vor den Stadttoren Kölns waren zu diesem Zweck die stadtkölnischen Schlagbäume aufgestellt. Der Erzbischof und Kurfürst von Köln ließ an der Grenze seines Bezirks kurkölnische Schlagbäume aufstellen. Da der Bischofsweg rund um Köln die Grenze zwischen der Stadt und Kurköln bildete, stand an der Bonner Straße, Ecke Brühler Straße, ein kurkölnisches Zollhaus. Noch 1926 gab es dort eine Gaststätte 'Zum neuen Zollhaus', vorher bis 1883 'Zum alten Zollhaus', das der Erweiterung der Bonner Straße weichen musste. (...) Damit nun kein Bauer oder Händler auf diesem Weg unter Umgehung des Zollhauses an der Bonner Straße zollpflichtige Ware ins Kurkölnische bringen konnte, errichtete man an der Stelle, wo der Feldweg den Bischofsweg kreuzte, ein kleineres Zollhaus, einen Zollstock.“ (zollstocker-buergerverein.de)

Lage in Altkarten
Der „Bischoffs Weg“ und das „Zoll Haus“ südlich der Stadt Köln sind bereits gut zu erkennen auf der so genannten Schweid(t)karte oder Cöllnischer Schweidt des Abraham Hogenberg (~1578-1653), einer kartographischen Erfassung der Keyserlichen Freyen Reichs Statt Kölln samt Umland und Vororten von 1609 (vgl. Abbildung, das Zollhaus links in der gewesteten Karte).
Die dagegen jüngeren historischen Karten der Topographischen Aufnahme der Rheinlande (1801-1828) und der Preußischen Uraufnahme (1836-1850) zeigen auf dem Areal des heutigen Stadtteils einzig ganz im Süden eine Hofsiedlung „Hünningen“ westlich der über Meschenich nach Brühl führenden Straße. Erst die Karten der Preußischen Neuaufnahme (1891-1912) zeigen dann einige Ziegeleien („Zgl.“) und Fabriken („Fbr.“), ferner „Mörtelwerke“, Bahnbetriebswerke („B.W.“) und einen militärischen Exerzierplatz („Ex.Pl.“).
Bis heute wird die westliche Grenze von Zollstock durch die zwischen 1843 und 1859 begonnene Linke Rheinstrecke der Bahn markiert, die als „Bonn – Cölner – Eisenbahn“ ebenfalls bereits in der Neuaufnahme eingezeichnet ist (vgl. Kartenansicht).

Kölner Stadtteil ab 1888
Das Zollstocker Gebiet gehörte zu der in nachfranzösischer Zeit ab 1815/16 gebildeten Bürgermeisterei Rondorf im Landkreis Köln, für die der vorgenannte Ort Hünningen im Verzeichnis der Ortschaften und Wohnplätze vom 20. April 1816 mit 30 Einwohnern angeführt wird (Kisky u.a. 1966, S. 14).
Im Zuge der Eingemeindungen nach Köln wurden Teile der Landgemeinde Rondorf im Rahmen der „zweiten Grenzveränderung der ersten Eingemeindungsaktion“ zum 1. April 1888 als Stadtteil nach Köln eingemeindet (ebd., S. 20), wobei zugleich der Stadtteil Zollstock begründet wurde.

„Die ältesten Häuser Zollstocks, aus der Zeit um 1900, stehen am Höninger Weg, der zusammen mit dem erst 1894/1895 angelegten Gottesweg in Höhe der Kirche Sankt Pius auch das Ortszentrum bildet.
Bedeutend für die Entwicklung von Zollstock war unter anderem die Anlegung des 1896 eingeweihten Südfriedhofes. Er brachte den Anschluss an das Straßenbahnnetz mit sich. Außerdem wurden neue und bestehende Straßenzüge ausgebaut, so beispielsweise die Vorgebirgsstraße.
War dies noch für den gesamten Siedlungsbau dieser Zeit in Köln typisch, wurden ab etwa 1925 ausschließlich Mehrfamilienhaus-Siedlungen errichtet. Die Industriebetriebe Zollstocks konzentrierten sich wesentlich im nördlichen Bereich, in der Umgebung der Pohligstraße. Seit dem Ende der 1980er Jahre erfolgen hier Abbruch, Um- und Neubauten, so unter anderem in den 1990er Jahren die Zentrale der Gothaer Versicherungen.“
(www.stadt-koeln.de)

Die Einwohnerentwicklung verlief offenbar mit stetigem Anstieg: Wurden für das Jahr 1888 erst 210 Einwohner genannt (zollstocker-buergerverein.de), so waren es 1920 schon 4.856 und 1939 bereits 16.390 (Wilhelm 2008). Zum 31. Dezember 2009 wurden 21.049 bzw. zum 31. Dezember 2017 insgesamt 22.925 Einwohner gezählt (www.stadt-koeln.de).

Ortswappen
Zollstock führt ein eigenes Wappen, das in seinem unteren Teil stilisiert eine gepflasterte Straße mit Zollhäuschen und Schranke und in seinem oberen Teil die drei Kronen des Kölner Stadtwappens zeigt.

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2019)

Internet
stadt-koeln.de: Stadtteil Zollstock (abgerufen 11.03.2019)
stadt-koeln.de: Kölner Stadtteilinformationen. Einwohnerzahlen 2017 (PDF-Datei; 1,80 MB, Stand 31.12.2017, abgerufen 11.03.2019)
stadt-koeln.de: Kölner Stadtteile in Zahlen, 2. Jahrgang 2010 (PDF-Datei; 1,62 MB, abgerufen 11.03.2019)
zollstocker-buergerverein.de: Allgemeiner Bürgerverein Köln-Zollstock e.V., Geschichte (abgerufen 12.03.2019)
de.wikipedia.org: Zollstock (Köln) (abgerufen 11.03.2019)
de.wikipedia.org: Bischofsweg Köln (abgerufen 11.03.2019)

Literatur

Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. S. 585 u. 614f., Stuttgart.
Kisky, Hans; Köllen, Johann; Steimel, Robert (1966)
Siegel und Wappen, Burgen und Schlösser im Landkreis Köln. Festschrift zum 150jährigen Bestehen am 16. April 1966. Köln-Zollstock.
Rosenzweig, Josef / Heimatverein Alt-Köln (Hrsg.) (1976)
Zollstock wie es war und wie es wurde. (Beiträge zur kölnischen Geschichte, Sprache, Eigenart A 1.) Köln.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 481, Köln.

Stadtteil Köln-Zollstock

Schlagwörter
Ort
50969 Köln - Zollstock
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1877

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Stadtteil Köln-Zollstock”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-290368 (Abgerufen: 16. Juli 2019)
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