Stadtteil Köln-Bayenthal

Stadtteil 201 im Kölner Stadtbezirk 2 Rodenkirchen

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 54′ 34,32″ N: 6° 58′ 2,68″ O / 50,90953°N: 6,96741°O
Koordinate UTM 32.357.103,01 m: 5.641.732,30 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.568.084,86 m: 5.642.028,40 m
  • Aufnahme aus einem Heißluftballon über Köln: Im Vordergrund die "Cologne Oval Offices" am Gustav-Heinemann-Ufer, mittig die Kirche St. Matthias in Köln-Bayenthal und im Hintergrund das Deutsche Welle-Funkhaus Köln und das Hochhaus des Deutschlandfunks (2013).

    Aufnahme aus einem Heißluftballon über Köln: Im Vordergrund die "Cologne Oval Offices" am Gustav-Heinemann-Ufer, mittig die Kirche St. Matthias in Köln-Bayenthal und im Hintergrund das Deutsche Welle-Funkhaus Köln und das Hochhaus des Deutschlandfunks (2013).

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    CC BY-SA 3.0 de / Hasenläufer
    Fotograf/Urheber:
    Eckhard Henkel
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Der Kölner Stadtteil 201 Bayenthal gehört zum Stadtbezirk 2 Rodenkirchen. In Bayenthal leben auf einer Fläche von 1,28 Quadratkilometern knapp 10.000 Menschen (8.508 Einwohner zum 31.12.2009 bzw. 9.947 Einwohner zum 31.12.2017 nach stadt-koeln.de).

Ortsgeschichte
Bayenthal auf historischen Karten
Siedlungsentwicklung
Brauereien in Bayenthal
Weitere „Wohnvorortentwicklung“
Internet, Literatur

Ortsgeschichte
Die erste urkundliche Erwähnung einer Flurbezeichnung ‚Bayenthal‘ erfolgte im Jahre 1307. Im Mittelalter war das seinerzeit unbesiedelte Bayenthaler Gebiet südlich des Kölner Bonntors Teil des kurkölnischen Amtes Brühl (Janssen 2008).
Nach der Franzosenzeit, in der die Mairie (= Bürgermeisterei) Rondorf samt der Bayenthaler Flur zum Kanton Brühl gehörte, wurde diese 1815 dem Landkreis Köln zugeordnet. Im Verzeichnis der Ortschaften und Wohnplätze vom 20. April 1816 wird Bayenthal noch nicht unter den Ortschaften und Wohnplätzen der Bürgermeisterei Rondorf angeführt (Kisky u.a. 1966, S. 14). Noch im Jahr 1830 werden lediglich „drei Häuser und ein Kalkofen“ auf Bayenthaler Gebiet genannt (www.stadt-koeln.de).
Ebenso wie die Ortschaften Klettenberg, Marienburg, Raderberg, Raderthal und Zollstock wurde auch Bayenthal als Teil der Landgemeinde Rondorf im Rahmen der „zweiten Grenzveränderung der ersten Eingemeindungsaktion“ zum 1. April 1888 aus Rondorf ausgegliedert und als nun eigenständiger Stadtteil nach Köln eingemeindet (Kisky u.a. 1966, S. 20-21).
Zum 1. Januar 1975 wurde Köln-Bayenthal Teil des neu gegründeten Stadtbezirks Köln-Rodenkirchen.
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Bayenthal auf historischen Karten
Auf den historischen Karten der Topographischen Aufnahme der Rheinlande (1801-1828) zeigt sich das Gebiet des heutigen Stadtteils östlich der Grande Route de Bonn (Bonner Straße) noch völlig unbesiedelt. Auf der zwischen 1836 und 1850 erarbeiteten Preußischen Uraufnahme sind dann am Rheinufer bereits kleinere (Werks-) Siedlungen erkennbar, aber erst die Karten der Preußischen Neuaufnahme (1891-1912) zeigen eine dichtere Besiedlung des Bayenthaler Areals (vgl. Kartenansicht).
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Siedlungsentwicklung
Zur Mitte des 19. Jahrhunderts hin entwickelte sich der Ort allmählich zu einem Industriestandort. Ab 1835 entstanden am Rheinufer zwei Holzschneidemühlen, eine davon war die Mühle Boisserée.
Daneben siedelten sich Maschinenwerkstätten und Eisengießereien an, so auch Mitte der 1840er Jahre eine Dampfkesselfabrik E. Baehrens, die als Gießerei und Maschinenfabrik Grundstock der für die Ortsgeschichte bedeutenden Ansiedlung der Kölnischen Maschinenbau-AG war (Wilhelm 2008, S. 50). Das 1856 von dem Ingenieur Martin Goltstein (1824-1867) und dem Kaufmann und Politiker Gustav Mevissen (1815-1899) gegründete Unternehmen war bis zu seiner Fusionierung 1909 an zahlreichen Großbauprojekten im Raum Köln beteiligt, darunter einige Bahnhofsgebäude und Brückenbauten.
„Beschäftigt waren in dieser Fabrik gegen Ende der 1860er Jahre über tausend Arbeiterinnen und Arbeiter. Sie wohnten zum großen Teil in Köln, siedelten sich teilweise aber auch in Fabriknähe an.“ (www.stadt-koeln.de)
In diesen Jahrzehnten entstanden an der Alteburger Straße auch die ersten Arbeiterhäuser, die teils bis heute erhalten sind. Ferner erhielt Bayenthal eine erste Schule (1861), eine erste Kirche (1863 nach Plänen von Vincenz Statz an der Ecke Goltstein- / Bonifazstraße, um 1904 abgerissen), ein Postamt (1863) und ein erstes Krankenhaus (1869).

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Entwicklung Bayenthals zu einem eigenständigen Kölner Vorort war die verkehrsmäßige Erschließung mit der Kölner Pferdebahn. Die zunächst ab 1877 privat und dann seit 1900 von der Stadt Köln betriebene „Päädsbahn“ verband zahlreiche seinerzeit noch nicht eingemeindete Orte mit der Innenstadt (Wilhelm 2008, S. 349). Die Anbindung von Bayenthal erfolgte durch eine 1885 aufgenommene Linie der Pferdebahn, die vom Waidmarkt in der Südstadt aus über die Bonner Straße zur Arnoldshöhe in der damaligen Villenkolonie Marienburg führte.
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Brauereien in Bayenthal
In Bayenthal hatten sich bereits seit 1870 gleich mehrere kleinere Brauereien angesiedelt.
Im Jahr 1894 folgte die auf die zwei älteren Kölner Hausbrauereien Johann Joseph Creischer und Cornelius Schieffer zurückgehende Hirsch-Brauerei Göter & Steingröver, die wiederum 1931 mit der Adler-Brauerei zur Adler- und Hirsch-Brauerei AG fusionierte. Hauptaktionär der Aktiengesellschaft war die während der NS-Zeit emigrierte jüdische Familie Feitel, deren Unternehmen wenig später unter dem Namen Dom-Brauerei „arisiert“ wurde.
Die in Wuppertal 1845 als Hausbrauerei begründete Wicküler Brauerei Aktien-Gesellschaft (ab 1887) vertrieb bereits seit 1893 Exportbier in Flaschen über eine Kölner Niederlassung (Brunostraße in der Altstadt) und hatte 1913 ein 4.000 Quadratmeter großes Grundstück mit Gleisanschluss an der Alteburger Straße in Bayenthal erworben. Ihr ab 1962 angebotenes Küppers Kölsch braute das seit 1916 als Wicküler-Küpper Brauerei GmbH fimierende Unternehmen zunächst als „Lohnsud“ im Auftrag der traditionellen Cölner Hofbräu P. Josef Früh (gegründet 1904). Als Wicküler dann allerdings 1964 selbst damit begann, sein „Kölsch“ im knapp 50 Kilometer von Köln entfernten Wuppertal zu brauen, gingen Kölner Brauereien erfolgreich dagegen vor. Nachdem das Kölner Landgericht 1963 entschieden hatte, dass „Kölsch“ nicht alleine den Typ des Biers bezeichne, sondern auch dessen Herkunft aus der Domstadt (LG Köln, Az. 24 O 53/62), errichtete Wicküler 1965 in Bayenthal eine eigene Brauerei für sein Küppers.
Die Anlagen wurden 2001 von der Dom-Brauerei übernommen und 2005 endete die Produktion in Bayenthal. Küppers wird seither im Verbund des Hauses Kölscher Brautradition (die frühere Kölner Verbund Brauereien GmbH) in Köln-Mülheim gebraut.
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Weitere „Wohnvorortentwicklung“
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde Bayenthal durch die Aufstellung eines Bebauungsplanes strukturell mit seinem südlichen Nachbarort verbunden, dem 1888 ebenfalls als Stadtteil nach Köln eingemeindeten Marienburg. Hiermit wurde seinerzeit bewusst „die Entwicklung zu einem Industrievorort beendet und die zu einem Wohnvorort begonnen“ (www.stadt-koeln.de).
Im Zuge dieser „Wohnvorortentwicklung“ (Wilhelm 2008, S. 50) entstanden nachfolgend neben weiterer Wohnbebauung ein der angewachsenen Bayenthaler Gemeinde adäquater Kirchenneubau mit der Pfarrkirche St. Matthias (um 1904 am Mathiaskirchplatz), das größere St. Antonius Krankenhaus (1909) und das Wohnheim St. Josefshaus in der Bernhardstraße.
„Anfang der 1920er Jahre entstanden britische Besatzungsbauten und am Rheinufer Villen, die in den letzten Jahrzehnten durch Bürogroßbauten ersetzt wurden. In den 1970er Jahren wurde das Firmengelände der einstigen Maschinenfabrik zwischen Goltsteinstraße und Alteburger Straße mit dem Allianz-Wohnpark Bayenthal, einem Hochhauskomplex mit 800 Wohnungen überbaut.“ (ebd.)
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(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2019)

Internet
www.stadt-koeln.de: Bayenthal (abgerufen 14.03.2019)
www.stadt-koeln.de: Kölner Stadtteile in Zahlen, 2. Jahrgang 2010 (PDF-Datei; 1,62 MB, abgerufen 14.03.2019)
www.stadt-koeln.de: Kölner Stadtteilinformationen. Einwohnerzahlen 2017 (PDF-Datei; 1,80 MB, Stand 31.12.2017, abgerufen 14.03.2019)
de.wikipedia.org: Bayenthal (abgerufen 14.03.2019)
de.wikipedia.org: Geschichte der Kölner Straßenbahn (abgerufen 15.03.2019)
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Literatur

Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. S. 612-614, Stuttgart.
Janssen, Wilhelm (2008)
Die Entwicklung des Territoriums Kurköln. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, V.14-15.) S. 30-31, Köln.
Kisky, Hans; Köllen, Johann; Steimel, Robert (1966)
Siegel und Wappen, Burgen und Schlösser im Landkreis Köln. Festschrift zum 150jährigen Bestehen am 16. April 1966. Köln-Zollstock.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). Köln.

Stadtteil Köln-Bayenthal

Schlagwörter
Ort
50968 Köln - Bayenthal
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1307

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Stadtteil Köln-Bayenthal”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-290382 (Abgerufen: 22. November 2019)
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