Ernst Heinrich Geist Elektrizitäts AG in Zollstock

Fahrzeug-Hersteller ‚Dyna-Geist‘ und ‚Dynamobil‘

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 54′ 51,33″ N: 6° 56′ 28,8″ O / 50,91426°N: 6,94133°O
Koordinate UTM 32.355.284,47 m: 5.642.308,62 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.566.244,04 m: 5.642.530,42 m
  • Das Firmenzeichen "EHG" der "Ernst Heinrich Geist Elektrizitäts-Aktien-Gesellschaft" in Köln-Zollstock (zwischen 1901 und 1911).

    Das Firmenzeichen "EHG" der "Ernst Heinrich Geist Elektrizitäts-Aktien-Gesellschaft" in Köln-Zollstock (zwischen 1901 und 1911).

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  • Als Werbeannonce gestalteter Eintrag der Köln-Zollstocker "Ernst Heinrich Geist, Elektricitäts-Aktien-Gesellschaft" in von Greven's Kölner Adressbuch von 1906.

    Als Werbeannonce gestalteter Eintrag der Köln-Zollstocker "Ernst Heinrich Geist, Elektricitäts-Aktien-Gesellschaft" in von Greven's Kölner Adressbuch von 1906.

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Bei dem zwischen 1890 und 1912 bestehenden Kölner Elektrotechnik-Unternehmen Ernst Heinrich Geist Elektrizitäts- Aktiengesellschaft wurden bereits in den Jahren 1900 bis 1909 mit benzin-elektrischer Hybridtechnik angetriebene Nutz- und Personenfahrzeuge hergestellt und vertrieben – wenn auch ohne nachhaltigen Erfolg.

Firmengründung und Firmengeschichte
Das Unternehmen geht auf den in Frankfurt am Main geborenen Elektroingenieur und Unternehmer Ernst Heinrich Geist (1860-1928, vereinzelt auch Heinrich Ernst benannt) zurück, der zuvor bei der Ehrenfelder Helios AG tätig war (König 1995). Geists 1890 unter der Anschrift Höningerweg 133 gegründete eigene Firma stellte zunächst Dynamomaschinen her, ferner Transformatoren für Gleich-, Wechsel- und Drehspannung. Mit Elektromotoren beliefert wurde uter anderem auch die Kölner Wagenfabrik Heinrich Scheele, die bereits seit 1898 Elektrofahrzeuge herstellte.
Bereits im Jahr 1900 waren 62 Mitarbeiter beschäftigt; für diese entstanden „aus sozialer Einstellung zur Belegschaft fünf Wohnhäuser am Höninger Weg“ (Mikloweit 2002).
Die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft mit 500.000 Mark Geschäftskapital erfolgte zum 12. Februar 1901. Der Bilanzgewinn der AG im ersten Jahr betrug 41.394,66 Mark. 1905 wurde das Kapital auf 750.000 Mark und 1907 nochmals auf 1.100.000 Mark erhöht. Wegen der allgemeinen „Geschäftsunlust“ des Folgejahres musste das Aktienkapital 1908 im Verhältnis 2:1 zusammengelegt werden, wurde aber gleichzeitig wieder auf 812.000 Mark erhöht (ebd.).

Der Eintrag der Firma im Kölner Adressbuch von 1906 nennt ein weitumfassendes Spekturm von Tätigkeitsfeldern der AG (zitiert nach von Greven 1906; E = Eigentümer, II = zweiter Stock, die abschließende Nummer ist die der Fernsprechverbindung):

Ernst Heinrich Geist, Elektricitäts-Aktien-Gesellschaft (E)
(Vorstand: Ernst Heinrich Geist),
Fabrik f. elektr. Maschinen aller Art, Transformatoren, Akkumulatoren,
Beleucht.=Anl. f. Städte, Fabr. u. dergl. Elektr. Kraftübertr. Aufzüge u. Hebevorricht.,
elektr. Bahnen, elektr. Wagen f. Personen u. Lasten, Anl. z. Ausscheid. v. Metallen.
Köln=Zollstock, Höningerweg 127. 1098.

Und gleich in der Folgezeile findet sich Geists privater Adresseintrag (im heutigen Stadtteil Neustadt-Süd gelegen):
- Ernst Heinr., (E), siehe vorst., Mozartstr. 1.II. 1056.

Nach der 1904/05 erfolgten Liquidation und Übernahme der Elektro-Sparte des örtlichen Konkurrenten Helios durch Siemens und AEG, war Geist „die einzige Kölner Elektromaschinenfabrik und konnte daher seinen Geschäftsumfang vergrößern“ (Mikloweit 2002). Zu diesem Zweck erwarb die Geist AG einige Patente, nahm dafür aber gleichzeitig auch hohe Anleihen auf.
Bis 1906 erfolgte eine Verdopplung der Arbeiterzahl und über eine neu errichtete Betriebsstätte im Höningerweg 127 konnte der Grundbesitz auf nunmehr 15.000 Quadratmeter vergrößert werden.

Hersteller von Hybrid-Fahrzeugen
Bereits 1900 hatte man bei der E. H. Geist AG mit der Produktion von in der Mehrzahl schweren lastwagenähnlichen Fahrzeugen begonnen, die mit sogenannten Gemischt-Antrieben (Benzin-und Elektroantrieb) geliefert wurden (www.gtue-classic.de). Die Lastwagen wurden zumeist unter dem Namen ‚Dyna-Geist‘ vertrieben und sollen über einen Vierradantrieb verfügt haben (ebd., Mikloweit 2002 hingegen beschreibt einen Hinterrradantrieb).
Über eine elastische Kupplung aus Leder trieb ein von der Aachener Stahlwarenfabrik AG (Fafnir-Werke) oder von der Berliner Firma Internationale Automobil-Zentrale Jeannin & Co. (ab 1904 Argus Motoren-Gesellschaft Jeannin & Co.) zugekaufter 28/32 PS Benzinmotor einen Dynamo mit Generator an, dessen Energie über Zahnräder an Gleichstrom-Elektromotoren an den Hinterrädern der Nutzfahrzeuge weitergeleitet wurde (Mikloweit 2002, vgl. vorab). Zumindest theoretisch konnten diese LKW damit vorwärts und rückwärts gleich schnell fahren.
„Neben Lastkraftwagen entstanden auch Omnibusse. Geist lieferte einen Bus für die erste Autobuslinie der Bahnen der Stadt Köln, die am 20. Dezember 1907 eröffnet wurde.“ (de.wikipedia.org)

Ab 1906 entstanden unter dem Namen ‚Dynamobil‘ auch Hybrid-Personenwagen, die ebenfalls von einem Benzinmotor mit 24 PS und zwei mit Akkumulatoren betriebenen Elektromotoren mit jeweils 12 PS Leistung angetrieben wurden (zusammen also 48 PS bzw. 35 Kilowatt):
„Dank der Unterstützung durch den Elektromotor konnte der Benzinmotor auch bei Beschleunigung laufen und war dadurch sehr sparsam. Wegen der komplizierten und anfälligen Technik war diesem Fahrzeug jedoch kein großer Erfolg vergönnt.“ (Mikloweit 2002).

Ende des Unternehmens
Trotz der technischen Innovationen blieb ein nachhaltiger unternehmerischer Erfolg für die Ernst Heinrich Geist Elektrizitäts AG aus, während zugleich über die großen Berliner Elektrokonzerne – zu nennen wären etwa Siemens oder AEG – am Markt ein großer Druck auf die Preise ausgeübt wurde. Die Produktion der Fahrzeuge endete 1909.
Nach einem Bilanzverlust von 480.115 Mark für 1910/11 stimmte die Generalversammlung der Geist-Aktionäre schließlich der Liquidation des Unternehmens zu, das 1911 die Produktion einstellte und zum 1. Januar 1912 von der Elektrizitätsgesellschaft Colonia übernommen wurde. Deren Geschäfte wiederum wurden 1969 von der niedersächsischen Kentler & Co. aus Hannoversch-Münden übernommen, die 1975 in Konkurs ging (ebd.).

In Frechen, wo Geist ebenfalls tätig war, erinnert heute die Ernst-Heinrich-Geist-Straße an den Unternehmer. Als weiterer Wirkungsort des Elektrotechnik-Pioniers wird Treis-Karden an der Mosel genannt (Layendecker 2016). Ernst Heinrich Geist starb 1928 nicht weit entfernt in Cochem.

Lage / Objektgeometrie
In den historischen Karten der von 1891 bis 1912 erstellten Preußischen Neuaufnahme sind die Standorte der Firma im Bereich Höningerweg 133 bzw. 127 in Zollstock (heutige Schreibung Höninger Weg) nicht eindeutig ausgewiesen; dies gilt auch für die topographischen Karten TK 1936-1945 (vgl. Kartenansicht).
Ein 1938 von einem Kölner Kaufhaus Peters vertriebener „Plan von Köln“ lässt zwar anschaulich-deutlich Betriebsgelände vor Ort erkennen, zeigt die Situation allerdings erst Jahrzehnte nach dem Ende der E. H. Geist AG.

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2019)

Quelle
Informationstafeln in der Ausstellung des automobilen Dienstleistungszentrums Motorworld Köln – Rheinland (Stand 30.08.2019).

Internet
d-nb.info: Deutsche Nationalbibliothek, Ernst Heinrich Geist (abgerufen 09.09.2019)
www.gtue-classic.de: GTÜ Classic, Fahrzeugarchiv, Dinamobil (abgerufen 16.09.2019)
de.wikipedia.org: Ernst Heinrich Geist Elektrizität (abgerufen 06.09.2019)
landkartenarchiv.de: Plan von Köln 1938, Verlag Ernst Moißl sen. (abgerufen 09.09.2019)

Literatur

König, Wolfgang (1995)
Technikwissenschaften. Die Entstehung der Elektrotechnik aus Industrie und Wissenschaft zwischen 1880 und 1914. (Technik interdisziplinär 1.) S. 91, Chur.
Layendecker, Klaus (2016)
Treis-Kardener Persönlichkeiten: Ernst Heinrich Geist - Pionier der Elektrotechnik. In: Von "Häckedetz und Stiftshere", Geschichte und Geschichten von Treis-Karden (hrsg. von der Ortsgemeinde), Bd. 7, S. 87-90. Treis-Karden.
Mikloweit, Immo (2002)
125 Jahre Automobiles aus Köln. Autos, Motorräder & Flugzeuge (1. Auflage). Köln.
von Greven's Kölner Adressbuch-Verlag (Hrsg.) (1906)
Adreßbuch von Köln und Umgebung 1906 insbesondere auch Mülheim am Rhein und Kalk. II. Teil, S. 205, Köln. Online verfügbar: wiki-de.genealogy.net, Koeln-AB-1906, abgerufen am 14.08.2019
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 41-43, Köln.

Ernst Heinrich Geist Elektrizitäts AG in Zollstock

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Höninger Weg 133
Ort
50969 Köln - Zollstock
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1890, Ende 1911 bis 1912

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Empfohlene Zitierweise
„Ernst Heinrich Geist Elektrizitäts AG in Zollstock”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-297030 (Abgerufen: 21. November 2019)
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