Stadtteil Köln-Niehl

Stadtteil 506 im Kölner Stadtbezirk 5 Nippes

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln, Leverkusen
Kreis(e): Köln, Leverkusen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Blick von Süden auf die Kirche Alt Sankt Katharina in Köln-Niel, auch "Niehler Dömchen" genannt (2007).

    Blick von Süden auf die Kirche Alt Sankt Katharina in Köln-Niel, auch "Niehler Dömchen" genannt (2007).

    Copyright-Hinweis:
    Annette Heusch-Altenstein
    Fotograf/Urheber:
    Anntte Heusch-Altenstein
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Blick auf die hinter den Fühlinger Seen liegenden Ford Werke in Köln-Niehl (2018).

    Blick auf die hinter den Fühlinger Seen liegenden Ford Werke in Köln-Niehl (2018).

    Copyright-Hinweis:
    Weber, Florian / Landschaftsverband Rheinland
    Fotograf/Urheber:
    Florian Weber
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Fließbandproduktion im Ford-Autowerk in Köln-Niehl (2017), der Einbau des Fahrersitzes in einen Ford Fiesta wird durch eine hydraulische Hubvorrichtung unterstützt.

    Fließbandproduktion im Ford-Autowerk in Köln-Niehl (2017), der Einbau des Fahrersitzes in einen Ford Fiesta wird durch eine hydraulische Hubvorrichtung unterstützt.

    Copyright-Hinweis:
    Stark, Friedrich / Ford Deutschland (Pressefoto)
    Fotograf/Urheber:
    Friedrich Stark
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Der Stadtteil 506 Niehl gehört zum Kölner Stadtbezirk 5 Nippes. Im 1888 nach Köln eingemeindeten früheren Fischerdorf leben heute etwa 20.000 Menschen auf einer Fläche von 12,07 Quadratkilometern (18.249 Einwohner zum 31.12.2009, 19.935 zum 31.12.2015 und 20.204 zum 31.12.2017; nach www.stadt-koeln.de und de.wikipedia.org).

Lage
Der alte Ortskern von Niehl – heute zwischen den Ford-Werken und dem Hafen gelegen – geht auf ein Fischerdorf zurück, das am hochwasserfreien Prallhang des Rheins zwischen dessen Ufer und römischen und mittelalterlichen Altstraßen lag, die von Köln in Richtung Neuss verliefen.
Die von Nippes kommende und über Mehrheim an Niehl vorbei nach Fühlingen führende Neusser Landstraße, die heute zumeist der Bundestraße B 9 entspricht, geht auf eine wichtige Altstraße zurück, die in den Karten der Topographischen Aufnahme der Rheinlande von 1801-1828 als „Grande Route de Neuss à Cologne“ bezeichnet wird (vgl. die historischen Karten in der Kartenansicht ). Ebendort wird auch ein linksrheinisch aus Riehl kommender Weg nach Niehl eigentlich untypisch als „Mauspfad“ bezeichnet (dessen klassischer Verlauf eigentlich rechtsrheinisch liegt).
Der heutige Stadtteil ist im Laufe der Zeit mit seinen Nachbarstadtteilen fast übergangslos zusammengewachsen; von Süden her sind dies Riehl, Nippes, Weidenpesch, Longerich, Seeberg, Fühlingen und Merkenich. Niehl liegt zwischen dem Niehler Gürtel im Süden und dem Kölner Ölhafen im Norden und wird im Osten vom Rhein sowie im Nordwesten von den sich hier kreuzenden Fernstraßen Bundesautobahn A 1 und Bundestraße B 9 begrenzt.

Ortsgeschichte
Erstmals urkundlich erwähnt wird Niehl im Jahr 927. Im Mittelalter lag die Pfarrhoheit über Niehl seit dem 11. Jahrhundert beim Kölner Kunibertstift. Die im 12. Jahrhundert als dreischiffige romanische Basilika mit Westturm errichtete Dorfkirche Alt St. Katharina war seinerzeit die Pfarrkirche für das Gebiet von Nippes bis Niehl. Das um 1892/1894 weitestgehend rekonstruierte Kirchengebäude am Rheinufer wird als Wahrzeichen des Ortes auch „Niehler Dömchen“ genannt.

Bis zur Zeit der französischen Besatzung gehörte Niehl politisch als Hauptort einer Unterherrschaft und Sitz eines Gerichts mit landgerichtlicher unterherrlicher Kompetenz zum Kurkölnischen Amt Hülchrath (Janssen 2008), bevor der Ort von 1794 bis 1815 ein Teil der Mairie de Longerich (Bürgermeisterei) wurde. Danach gehörte Niehl ab 1815 zur preußischen Bürgermeisterei Longerich im Landkreis Köln, deren größter Ort es mit 796 von 2.229 Einwohnern im Jahr 1816 war (Kisky u.a. 1966, S. 13).
Mit der Bürgermeisterei Longerich wurde Niehl dann während der zweiten Grenzveränderung der ersten Eingemeindungsaktion zum 1. April 1888 nach Köln eingemeindet (ebd., S. 20).

Das 20. Jahrhundert: Niehler Hafen, Fordwerke, Bundesgartenschau
Bis in das 20. Jahrhundert hinein entsprach Niehl noch weitgehend seinem Ursprung als idyllisches Fischerdorf am Rhein. Durch das stetige Anwachsen der Gemeinde auf etwa 3.000 Einwohner nach 1890 bedingt, errichtete man 1892-1894 die neuromanische Kirche St. Katharina. 1903 entstand das Niehler Waisenhaus, das spätere Krankenhaus Sankt Agatha.
Die Entwicklung zum Industriestandort setzte dann in den 1920er Jahren geradezu vehement ein. Der 1922-1925 ausgebaute Niehler Rheinhafen sollte den erst Ende des 19. Jahrhunderts vor der Südstadt angelegten Rheinauhafen entlasten, der bereits „an seine Kapazitätsgrenzen gekommen war und durch die umgebende Stadtbebauung keine Fläche zur Expansion bot“ (Regionalplan Köln 2016, S. 98).
Ganz anders hingegen die Situation in Niehl: Für den Bau des komplett neuen Ford-Automobilwerks ab 1929/1930 konnten dem erfolgreich von Berlin nach Köln gelockten Unternehmen in Niehl gleich mehrere hunderttausend Quadratmeter bisher ungenutzter Flächen unmittelbar am Rhein zur Verfügung gestellt werden – mitsamt einem frisch für den Frachtverkehr erschlossenen Hafen. Nachfolgend siedelten zahlreiche weitere Großunternehmen in Niehl an, darunter insbesondere auch Firmen der Petrochemie, was wiederum den späteren Ausbau des Kölner Ölhafens „Niehl II“ ab 1957 zur Folge hatte.
Weitere Großbetriebe in Niehl sind das 1977 in Betrieb genommene und 2005 umfassend modernisierte Heizkraftwerk und die Restmüllverbrennungsanlage Köln, die 1998 in Betrieb gegangen war.
„Der Industrieschwerpunkt Niehl stellt im Stadtgebiet Köln das flächenmäßig größte und mit Arbeitsplätzen am dichtesten besetzte Gewerbe- und Industrieareal dar. In den Geländebereichen beiderseits der Emdener Straße und der Industriestraße dominieren die Werks- und Produktionsanlagen der Ford-Werke-AG Köln, die hier seit 1929 städtische Industriegeschichte mitgestaltet haben.“ (www.stadt-koeln.de, Niehl)

Während sich die erste Bundesgartenschau in Nordrhein-Westfalen im Jahr 1957 noch auf die Fläche des Deutzer Rheinparks beschränkte, wurde zur zweiten Kölner „BUGA“ vom 29. April bis zum 24. Oktober 1971 neben diesem auch das Gebiet der linksrheinisch-nördlich der Mülheimer Brücke gelegenen „Riehler Aue“ mit dem in Niehl liegenden Cranachwäldchen und dem Vergnügungspark Tivoli einbezogen.

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2018)

Internet
www.stadt-koeln.de: Stadtteil Niehl (abgerufen 25.06.2018)
www.stadt-koeln.de: Kölner Stadtteilinformationen. Einwohnerzahlen 2017 (PDF-Datei; 1,80 MB, Stand 31.12.2017, abgerufen 25.06.2018)
www.stadt-koeln.de: Kölner Stadtteile in Zahlen, 2. Jahrgang 2010 (PDF-Datei; 1,62 MB, abgerufen 25.06.2018)
de.wikipedia.org: Stadtteil Niehl (abgerufen 25.06.2018)

Literatur

Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. S. 608-610, Stuttgart.
Janssen, Wilhelm (2008)
Die Entwicklung des Territoriums Kurköln. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, V.14-15.) Nr. 122, Köln.
Kisky, Hans; Köllen, Johann; Steimel, Robert (1966)
Siegel und Wappen, Burgen und Schlösser im Landkreis Köln. Festschrift zum 150jährigen Bestehen am 16. April 1966. S. 13, Köln-Zollstock.
Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.) (2016)
Fachbeitrag Kulturlandschaft zum Regionalplan Köln. Erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung. Köln.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 335-336, Köln.

Stadtteil Köln-Niehl

Schlagwörter
Ort
50735 Köln - Niehl
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 927
Koordinate WGS84
50° 59′ 34,28″ N, 6° 57′ 40,65″ O / 50.99286°, 6.96129°
Koordinate UTM
32U 356929 5651008.71
Koordinate Gauss/Krüger
2567533.67 5651291.89

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Stadtteil Köln-Niehl”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-281114 (Abgerufen: 20. Oktober 2018)
Wir verwenden Cookies, um die Nutzbarkeit unserer Seiten zu optimieren. Falls Sie mit der Speicherung von Cookies nicht einverstanden sind, finden Sie weitere Informationen auf unserer Internetseite.
Seitenanfang