Die Bedeutung der Salier und Staufer für die Stadt Annweiler am Trifels

Maxima Vis Regni – die größte Kraft des Stauferreiches

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Fachsicht(en): Landeskunde
  • Video zur Geschichte der Stadtrechtsurkunde Friedrichs II. in Annweiler am Trifels (2020)

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  • Abguss der Skulptur Kaiser Friedrich II. vom Brückentor in Capua im "Museum unterm Trifels" in Annweiler am Trifels (2020)

    Abguss der Skulptur Kaiser Friedrich II. vom Brückentor in Capua im "Museum unterm Trifels" in Annweiler am Trifels (2020)

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  • Darstellung Kaiser Friedrichs II. aus dem Geschlecht der Staufer an einer Hausfassade an der Queich in Annweiler (2020)

    Darstellung Kaiser Friedrichs II. aus dem Geschlecht der Staufer an einer Hausfassade an der Queich in Annweiler (2020)

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  • Darstellung der Konstanze von Sizilien an einer Hausfassade an der Queich in Annweiler (2020)

    Darstellung der Konstanze von Sizilien an einer Hausfassade an der Queich in Annweiler (2020)

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  • Replik der Kernstücke der Reichskleinodien, hier das Reichskreuz, in der Reichsburg Trifels (2020)

    Replik der Kernstücke der Reichskleinodien, hier das Reichskreuz, in der Reichsburg Trifels (2020)

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  • Replik der Kernstücke der Reichskleinodien, hier die Reichskrone, in der Reichsburg Trifels (2020)

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  • Replik der Kernstücke der Reichskleinodien, hier das Reichszepter, in der Reichsburg Trifels (2020)

    Replik der Kernstücke der Reichskleinodien, hier das Reichszepter, in der Reichsburg Trifels (2020)

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  • Kopie der Stadtrechtsurkunde Friedrichs II. von 1219, ausgestellt im Jahre 1748 (2020)

    Kopie der Stadtrechtsurkunde Friedrichs II. von 1219, ausgestellt im Jahre 1748 (2020)

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Die Zeit der Salier (1024-1125) und Staufer (1138-1254) gilt als die glanzvollste Epoche des Hochmittelalters. Fast 250 Jahre lang regierten die Herrscher dieser beiden verwandten Dynastien mit nur kurzen Ausnahmen das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und prägten diese Epoche nachhaltig. Insbesondere für die Staufer besaß Annweiler eine herausragende Bedeutung.

Kaisertum und Reichseinheit, Rittertum und Minnesang, Turnier und Burgenbau sind mit den Herrschern der Salier und Staufer untrennbar verbunden. Herausragende Herrscher wie Konrad III., Heinrich IV., Friedrich I. Barbarossa und Friedrich II. sind bis heute über die Fachwelt hinaus bekannt. Ebenso bieten sie reichhaltigen Stoff für Sagen und Legenden. Bereits zu ihren Lebzeiten waren Mitglieder dieser Herrscherhäuser als bedeutende Herrscher beschrieben: So trug Friedrich II. den Beinamen „Stupor mundi“, das Staunen der Welt. Mit dem Tode des letzten Stauferkönigs Konrad IV. im Jahr 1254 begann das Interregnum. Diese Zeit ist besser bekannt als die „kaiserlose, schreckliche Zeit“. Die Wiedererlangung einer Einheit wie unter den Staufern gelang Rudolf von Habsburg und seinen Nachfolgern nicht mehr. Dieser Umstand trägt dazu bei, dass die Zeit der beiden hochmittelalterlichen Dynastien als einzigartig wahrgenommen wird. Die Geschichtswahrnehmung der späteren Zeit, hier vornehmlich des 19. Jahrhunderts, verklärte und überhöhte diese Epoche. Dennoch prägen diese Traditionsstränge das Bild des Hochmittelalters bis heute. Vor allem in der Pfalz haben die Salier und Staufer die Habsburger und alle anderen Herrscher des Mittelalters in den Schatten gestellt. Begriffe wie „Stauferburg“ oder „Stauferland“ künden von den heute nicht mehr hinterfragten Topoi.

Die Salier
Die Staufer
Die Staufer erlangen die Macht
Annweiler als Zentrum staufischer Herrschaft
Heinrich rebelliert gegen den Vater
Der Niedergang der Staufer
Nach den Staufern

Die Salier
Bei den Saliern handelt es sich um ein ostfränkisches Geschlecht. Dieses war zuerst im Speyergau, Wormsgau und Nahegau begütert. Verwandt waren sie mit den Ottonen oder Liudolfingern, die als Herrschergeschlecht das 10. Jahrhundert dominierten. Dies führte dazu, dass mit Konrad II., ein Enkel Otto des Großen, im Jahre 1024 der erste Salier den Thron bestieg.
In den 101 Jahren der salischen Herrschaft bildete sich der Pfälzer Raum zu einem Zentrum ihrer Macht aus. Zuerst stand Worms im Mittelpunkt. Dort findet sich die Grablege der frühen Salier im Dom. Später wurde Speyer mit dem zu Beginn der Salierherrschaft begonnenen Kaiser-Dom zu einer bedeutenden Stadt für das Geschlecht. Alle vier Salierkaiser liegen in der Krypta des Gotteshauses bestattet. Die Salier ließen die Limburg bei Bad Dürkheim zu einem Benediktinerkloster umbauen, förderten den Burgenbau und waren in zahlreichen Dörfern der Region begütert. Die Burgen Trifels, Neukastel, Madenburg, Meistersel, Kestenburg, Anebos unter weiteren, entstanden in der salischen Zeit.
Die Epoche der Salier wird mit der lang andauernden Auseinandersetzung mit dem Papsttum (Investiturstreit) oder auch die ständigen Kämpfe innerhalb der Familie verbunden. Für das Gebiet um Annweiler und für die Pfalz brachten die Salier eine Zeit der Konsolidierung und der Machtsicherung.
Diese geschah zuerst durch den Burgenbau, aber auch durch die Förderung der Klöster der Region wie Weißenburg oder Klingenmünster. Die Nähe zu den urbanen Zentren der Salier im Reich, wie Speyer und Worms, in denen sich die Herrscher auch öfters aufhielten, taten dazu bei.
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Die Staufer
Aus der Zeit der Salier reicht auch die Verbindung des Gebiets mit den Staufern. Die Stammlande des Geschlechts befanden sich in Schwaben, im heutigen Baden-Württemberg in der Nähe von Göppingen am Nordrand der Schwäbischen Alb. Als ihre Stammburg gilt die Burg Hohenstaufen. Neben Besitzungen in Schwaben waren sie auch im Elsass begütert. Dort hatten sie vor allem um Schlettstadt und Hagenau Besitz. Auch die heute wegen ihres Wiederaufbaus berühmte Burg Hochkönigsburg bei Schlettstadt zählte zu ihrem Besitz. Das Geschlecht der Staufer gehörte der salischen Ministerialität an und stellte mit Friedrich I. von Hohenstaufen ab 1079 den Herzog von Schwaben. Als treuer Gefolgsmann Heinrichs IV., wurde er sogar dessen Schwiegersohn. Somit konnte er den Einfluss der Staufer in der Pfalz und im Elsass ausweiten. Vor allem die Regionen des Klosters Weißenburg und der Stadt Speyer stellten die Machtzentren der Familie dar. Somit bildeten die salischen und staufischen Besitzungen fast eine Landbrücke im Bereich der heutigen Pfalz. Den Saliern gelang es auch, den Einfluss anderer Geschlechter zurück zu drängen, vor allem der Grafen von Saarbrücken.

Friedrich II., Sohn Friedrich I. und Herzog von Schwaben, nannte man wegen eines fehlenden Auges „Monoculus“. Er führte die Arrondierungspolitik, also die Ausdehnungspolitik des staufischen Besitzes kontinuierlich fort. Ein übliches Mittel zum Ausbau des Einflussgebietes stellte der Burgenbau dar. Wie viele Burgen tatsächlich eine frühe staufische Gründung sind, ist wegen der fehlenden Quellenlage unklar. Dennoch gilt Friedrich II. als der Burgenbauer in der Pfalz.
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Die Staufer erlangen die Macht
Mit dem Tode Heinrichs V. endete die Salierherrschaft. Die Staufer galten als die ersten Thronprätendenten. Allerdings wählten die Mächtigen des Reiches Lothar von Süpplinburg als neuen König. Erst mit seinem Tod gelangte 1138 mit Konrad III. der erste Staufer zur Königswürde. Unter ihm und seinen staufischen Nachfolgern Friedrich I., Heinrich VI., Philipp von Schwaben, Friedrich II., Heinrich VII. und Konrad IV. wurde das Oberrheingebiet, insbesondere das Elsass und die Pfalz, immer mehr zum Kraftzentrum des Reiches.
Die Bezeichnung „Maxima vis regni“ hat der hochmittelalterliche Zeitgenosse Otto von Freising für das Gebiet von Basel bis Mainz geprägt. Der Region um die Reichsstadt Annweiler und der Reichsfeste Trifels kam hierin eine besondere Bedeutung zu. Im 12. und 13. Jahrhundert bildete sie eines der wichtigsten Zentren der Staufermacht im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. „Wer den Trifels hat, hat das Reich“, sollte später zu einem geflügelten Wort werden.
Wichtige Pfalzen wie Hagenau (Elsaß) und Lautern (Kaiserslautern) lagen in der Pfalz und im Elsass, die Burgendichte war eine der höchsten im Reich. Der Trifels über Annweiler wurde zu einer der bedeutendsten Reichsburgen.
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Annweiler als Zentrum staufischer Herrschaft
Vor allem unter Friedrich I. Barbarossa, seinem Sohn Heinrich VI. und seinem Enkel Friedrich II. erfuhr das Land um die Burg Trifels wie auch die Burg selbst eine Aufwertung gegenüber anderen Gebieten des Reiches. Die Burg wurde zu einer pfalzähnlichen Anlage ausgebaut. Den Herrschern, die als „Reisekaiser“ keine feste Residenz hatten, diente sie zeitweise zum längeren Aufenthalt. Zu diesem Zwecke wurde der Trifels im 12. und 13. Jahrhundert ausgebaut, erweitert und verstärkt. In dem Herrschaftsgefüge der Staufer hatte der Trifels verschiedene Funktionen und diente auch zur Verwaltung der reichen Region. Diese wurde von Ministerialen geleistet, die wiederum auf Burgen der näheren und weiteren Umgebung saßen. Das „Offizium Trifels“, also das Amt der Region Annweiler, war einer der steuerkräftigsten Verwaltungsbezirke im Reich überhaupt. Leider ist sein genauer Zuschnitt unbekannt. Den Höhepunkt der Bedeutung für die Reichspolitik des römisch-deutschen Königs war wohl in der Zeit von Heinrich (VII.). Unter dessen Vater Friedrich II. hatte eine deutliche Südverschiebung der Stauferherrschaft eingesetzt. Sizilien und Apulien wurden zum Kernlande des „Römischen Reiches Deutscher Nation“.
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Heinrich rebelliert gegen den Vater
Kaiser Friedrich II. hielt sich mit zwei Ausnahmen nicht in Deutschland auf, das er durch seinen Sohn Heinrich regieren ließ. Heinrich sah die Pfalz und den Trifels als Zentrum seiner Macht. Er versuchte die Interessen des Reiches gegenüber Italien und dem Vater zu stärken. Der erfolglose Versuch, sich gegen den Stauferkaiser aufzulehnen, misslang. Heinrich beendete sein Leben, aller Macht beraubt, als Gefangener des eigenen Vaters.
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Der Niedergang der Staufer
Die Reichspolitik Friedrichs stieß aber nicht nur bei dem Sohn auf Widerstand. Deutsche Fürsten setzten mit Heinrich Raspe einen Gegenkönig gegen König Konrad IV. von Hohenstaufen ein. Konrad war im Jahre 1237 auf den gefangenen Bruder gefolgt, fand aber vor allem bei süddeutschen Kirchenfürsten kaum Unterstützung. Dennoch konnte er sich behaupten. Nach dem Tod des Vaters wurde Konrad auch König von Sizilien, starb aber schon im Jahre 1254. Mit seinem Sohn Konradin starb der letzte legitime Spross der staufischen Dynastie. Als Sechszehnjähriger wurde Konradin hingerichtet. Zuvor hatte er erfolglos versucht, die staufische Macht in Italien wieder zu festigen.
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Nach den Staufern
Mit Konrads Tod begann im Reich die Zeit des Interregnums, die als Zwischenherrschaft oder Zwischenzeit gilt. Diese Epoche wurde als „kaiserlose und schreckliche Zeit“ wahrgenommen. Heinrich Raspe wurde ebenso wie Wilhelm von Holland, Alfons von Kastillien und Richard von Cornwall zum König gewählt. Keiner von ihnen vermochte es jedoch, das Reich zu einen und wirkliche Herrschaft auszuüben. Erst die Wahl Rudolf von Habsburgs beendete das Interregnum. Mit der Dynastie der Habsburger begann auch die Ostverschiebung der Stammlande, die Pfalz verlor zusehends an Bedeutung. Die Zersplitterung des Reiches begann. Die Territorialherren übernahmen immer mehr vormals königliche Rechte und weiteten ihre Selbständigkeit aus. Annweiler verlor im Jahre 1330 seine Rechte als Reichsstadt, der Trifels büßte seine herausragende Bedeutung ein. Die ehemalige „maxima vis regni“ war aus dem Sichtkreis der späteren Herrscher weitgehend herausgerückt.
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(Rolf Übel, Annweiler, 2020)

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„Die Bedeutung der Salier und Staufer für die Stadt Annweiler am Trifels”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-327229 (Abgerufen: 1. Dezember 2021)
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