Burgruine Meistersel bei Ramberg

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Fachsicht(en): Denkmalpflege, Landeskunde, Architekturgeschichte
Gemeinde(n): Ramberg
Kreis(e): Südliche Weinstraße
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 16′ 25,06″ N: 8° 01′ 26,1″ O 49,27363°N: 8,02392°O
Koordinate UTM 32.428.999,16 m: 5.458.332,76 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.429.046,24 m: 5.460.077,09 m
  • Burgruine Meistersel bei Ramberg (2022)

    Burgruine Meistersel bei Ramberg (2022)

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    Eingang zur Burg (2022)

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  • Aufgang im Fels zur Hauptburg (2022)

    Aufgang im Fels zur Hauptburg (2022)

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    Oberburg der Meistersel mit Spitzbogenfenster (2022)

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    Reste des Bergfrieds auf der Oberburg (2022)

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  • Schnabeleck der Meistersel (2022)

    Schnabeleck der Meistersel (2022)

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    Südliche Oberburg (2022)

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  • Blick auf die Vorburg (2022)

    Blick auf die Vorburg (2022)

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Die vermutlich im 11. Jahrhundert erbaute Burg Meistersel gehört zu den ältesten Burgen der Pfalz. Sie wurde als Felsenburg in Spornlage nordöstlich von Ramberg erbaut. Die Burg thront über dem Modenbachtal und liegt auf einem schmalen Felsen südöstlich des Drenselbergs auf ca. 491 m ü. NN. Im Volksmund wird sie auch „Burg Modeneck“ und „Modenbacher Schoss“ genannt. Der Name der Burg leitet sich vermutlich von dem ehemaligen Burgweiler Modenbach - auch „Modeneck“ genannt - ab.

Geschichte
Baubeschreibung der Anlage
Renovierung und Erhaltung
Räumliche Lage und Erreichbarkeit
Kulturdenkmal
Internet

Geschichte
Die Burg Meistersel wurde vermutlich im 11. Jahrhundert in direkter Nähe der Burgen Ramburg und Neuscharfeneck erbaut. Sie hatte eine strategisch günstige Lage und bot Blick sowohl auf die Rheinebene als auch auf große Teile des Pfälzerwaldes. Das Gründungsdatum der Burg ist unbekannt. Erstmals erwähnt wird die Meistersel in einer auf das Jahr 1100 datierten Schenkungsurkunde Bischof Johanns I. von Kraichgau., der Burg samt Talsiedlung und Waldungen dem Bistum Speyer übergab.
Im 12. Jahrhundert erhielt die Burg den Status als Reichsburg und diente fortan dem Schutz der Burg Trifels bei Annweiler. Ab dem Jahr 1186 benannten sich die Reichsministeralien nach der Burg, im selben Jahr ist Heinrich von Meistersel als erster Burgvogt nachgewiesen. Im 12. und 13. Jahrhundert stellte das Geschlecht von Meistersel zahlreiche Burgvögte. Als das Geschlecht von Meistersel im Jahr 1277 im Mannesstamm ausstarb, fiel die Burg zurück an König Rudolf von Habsburg. Er gab die Burg zu Beginn des 14. Jahrhunderts als Reichslehen an das elsässische Adelsgeschlecht der Herren von Ochsenstein.
Mitte des 14. Jahrhunderts erlangten die Pfalzgrafen bei Rhein das Öffnungsrecht an Teilen der Burg. In der Folge entwickelte sich die Meistersel zur Ganerbenburg mit mehreren Besitzern. Darunter waren u.a. die Herren von Ochsenstein, Hans von Helmstadt, ab 1391 Kurfürst Ruprecht II. von der Pfalz und ab 1404 der Bischof von Speyer. Anfang des 15. Jahrhunderts wurde die Burganlage ausgebaut und vermutlich um die Vor- und Unterburg erweitert. Im Jahr 1525 wurde die Burg während des Bauernkrieges teilweise niedergebrannt, dann aber wiederaufgebaut. Im Dreißigjährigen Krieg wrude die Burg endgültig zerstört. In den Folgejahren war die Burgruine in Privatbesitz gewesen, bevor sie im Jahr 2010 Staatseigentum des Landes Rheinland-Pfalz wurde. In den folgenden Jahren wurden Sicherungs- und Ausbauarbeiten an der stark einsturzgefährdeten Ruine durch das Land Rheinland-Pfalz ausgeführt. Seit Oktober 2020 ist die Burganlage wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.
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Baubeschreibung der Anlage

Die Burg Meistersel liegt auf einem langen, schmalen Felsen und bezieht als typische Felsenburg ihre natürliche Felsformation in die Konstruktion der Gesamtanlage und Wehranlagen ein. Die Burganlage besteht aus einer zweigeteilten Kernburg (jüngere Unterburg westlich des Zentralfelsens und ältere Oberburg auf dem Felsen) und einer vorgelagerten Vorburg mit Halsgraben. Der Zugang zur Burg erfolgte von Norden über die im 15./16. Jahrhundert errichtete Vorburg und den Halsgraben. Die rechteckige Vorburgwar dem Halsgraben vorgelagert und von Umfassungsmauern umgeben. Der aus dem Felsen herausgeschlagene Halsgraben schloss südlich an und war im Westen mit einer Brücke überspannt. Somit trennte er die Kernburg von der Vorburg und dem Bergrücken ab. An der Südspitze verfügte die Burg über einen weiteren, aber kleineren Graben mit gemauerten Rändern. Dieser diente vermutlich als Zisterne oder Viehtränke. Die Kernburg (Unter- und Oberburg) erstreckt sich auf ca. 70 m Länge und ca. 30 m Breite.
Die Unterburg wurde auf einem Felsplateau westlich des Zentralfelsens errichtet. Der Eingang zur Kernburg erfolgte auf der Westseite der Unterburg über einen kurzen Torzwinger mit einer doppelten Toranlage. Das äußere Tor stand am Ende des Halsgrabens und war in die Ringmauer integriert. Östlich des äußeren Tors schloss sich die Schildmauer aus Buckelquader an. Im Innern der Unterburg befanden sich ein Burghof, diverse Fachwerk- und ein Steingebäude, ein Gewölbekeller und der bis zur Oberburg reichende Brunnenturm. An der Südspitze der Unterburg befand sich ein weiteres Gebäude, das so genannte Schnabeleck, das vermutlich wohnturmartig ausgebaut war. Der Großteil des früheren Gebäudebestands ist allerdings im Laufe der Jahrhunderte abgegangen.

Die Oberburg liegt ca. 15 m über der Unterburg auf dem ca. 50 m langen und ca. 9 m schmalen Zentralfelsen und war nur über eine absperrbare Felsentreppe an der Westseite erreichbar. Die Oberburg war mit zwei mindestens zweigeschossigen Gebäuden bebaut, die den kompletten Felsen einnahmen. Die beiden Gebäude konnten mittels einer Scheidemauer voneinander getrennt werden. Der südliche Bau gehörte im 15. Jahrhundert dem Bischof von Speyer und der nördliche Teil den übrigen Ganerben.
In der Mitte der Oberburg stand vermutlich ein ca. 6 m x 6 m großer Turm aus Buckelquadern, der die Funktion eines Bergfrieds hatte. Das nördliche Gebäude diente als Palas und hatte einen polygonalen Grundriss. Nach Norden ging das Gebäude vermutlich aus Verteidigungsgründen in einen dreieckigen, turmähnlichen Bau über. Der südliche Bau war ca. 22 m lang, bis zu 7 m breit und teilweise unterkellert. Er diente ebenfalls als Palas.
Innerhalb der Oberburg befanden sich noch eine Zisterne auf der Nordostseite sowie der Zugang zur Brunnenkammer. Der Großteil der ursprünglichen Bausubstanz ist nicht mehr vorhanden - nur wenige Mauerreste der Palasbauten, der Zisterne sowie einer Fensternische mit vier Spitzbogenfenstern auf der Ostseite sind erhalten.

Die Wasserversorgung der Anlage wurde über einen zentral in der Kernburg gelegenen Brunnenturm sowie eine Zisterne in der Oberburg sichergestellt. Der Brunnenturm befand sich auf der Westseite des Zentralfelsens und war aufwendig konstruiert. Dabei handelte es sich um einen runden in den Felsen geschroteten Brunnenschacht, der sowohl von der Oberburg als auch von der Unterburg zugänglich war.
Im unteren Bereich war er mit Buckelquader und im oberen Bereich mit flachen Quadern verkleidet. Die Außenmauer des Brunnenschachts weist zahlreiche Lichtschlitze auf. Neben dem Brunnenschacht befand sich im Bereich der Oberburg ein aus dem Felsen geschlagener Raum. Darin stand vermutlich ein Brunnentretrad, mit dem die Wassereimer nach oben gezogen wurden. Eine solche Vorkehrung war für elsässische Burgen kennzeichnend und beim pfälzischen Burgenbau eher die Ausnahme.
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Renovierung und Erhaltung
Die Burgruine war bis zum Jahr 2010 in Privatbesitz. Während dieser Zeit verfiel die im 17. Jahrhundert zerstörte Ruine immer weiter, so dass diese insgesamt in einem desolaten Zustand und sogar einsturzgefährdet war. Seitdem die Ruine Eigentum des Landes Rheinland-Pfalz ist, erfolgten seit 2011 Sicherungs- und Erhaltungsmaßnahmen.
Insgesamt ist nur wenig Bausubstanz erhalten. So sind von der Unterburg das innere Spitzbogentor (14./15. Jahrhundert) der ursprünglichen Toranlage sowie Fragmente eines steinernen Wohnbaus und eines Gewölbekellers erhalten. Von der Oberburg sind neben einer Felsentreppe, dem Brunnenturm noch Fragmente des Palas, eine Zisterne sowie eine frühgotische Fensternische mit vier Spitzbogenfenstern erhalten. Die erhaltene Fensternische ist aus kulturhistorischer Sicht bedeutsam, da sie ein typisches Bauelement des elsässisch-pfälzischen Burgenbaus darstellt und ansonsten nur noch bei Burgen im elsässischen Raum zu finden ist. Von der Vorburg zeugen nur noch Reste der Westmauer.
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Räumliche Lage und Erreichbarkeit
Die Ruine liegt ca. 2,5 km von der Ortsmitte von Ramberg entfernt und ist über die L 506 über das Modenbachtal erreichbar. Kostenlose Parkplätze stehen nach dem Ort Weyher südlich der Ruine auf dem Wanderparkplatz „Drei Buchen“ zur Verfügung. Von hier aus ist die Ruine fußläufig über den ehemaligen Burgweg erreichbar.
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Kulturdenkmal
Die Burgruine Meistersel wird im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Kreis Südliche Weinstraße (Stand 21.06.2022, S. 78) geführt. Der Eintrag lautet:
„Burgruine Meistersel (Modeneck) (Denkmalzone)
im 11. Jh. gegründet; Besitz des Bischofs von Speyer, im Dreißigjährigen Krieg zerstört; die Hauptburg auf schmaler Felsenbank mit Überresten zweier Palasbauten, wohl 2. Hälfte 13. Jh., runder Brunnenschacht, gotische Torreste“
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(Barbara Hillers, Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, Neustadt an der Weinstraße, 2024)

Internet
www.pfalz.de: Burgruine Meistersel bei Ramberg (abgerufen am 12.02.2024)
www.ramberg.de: Meistersel (abgerufen am 12.02.2024)

Literatur

Keddigkeit, Jürgen; Burkhart, U.; Übel, Rolf (2007)
Pfälzisches Burgenlexikon. 4.1. Kaiserslautern.

Burgruine Meistersel bei Ramberg

Schlagwörter
Ort
76857 Ramberg
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Denkmalpflege, Landeskunde, Architekturgeschichte
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung

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Barbara Hillers: „Burgruine Meistersel bei Ramberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-313794 (Abgerufen: 21. April 2024)
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