Grabhügelfelder im Köln-Dünnwalder Wald

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 00′ 18,25″ N: 7° 03′ 17,1″ O 51,00507°N: 7,05475°O
Koordinate UTM 32.363.522,93 m: 5.652.189,55 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.574.075,51 m: 5.652.740,39 m
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Im Wald östlich der Köln-Dünnwalder Siedlungsgrenze haben sich zwei Gruppen vorgeschichtlicher Grabhügel erhalten. Sie liegen nördlich und südlich eines flachen Tälchens, das vom Katterbach durchflossen wird. Die Gräber werden in die Zeit zwischen etwa 900 und 400 v. Chr. datiert und gehören damit in die ausgehende Bronzezeit und die ältere Eisenzeit (KStA.de).

Lage auf der Bergischen Heideterrasse
Räumlicher Zusammenhang
Bestattungsritual
Frühe Untersuchung und das „Urnenstechen“
Kulturhistorische Bedeutung
Hinweise

Lage auf der Bergischen Heideterrasse
Der Dünnwalder Wald ist naturräumlich betrachtet Teil der Bergischen Heideterrasse. Diese erstreckt sich als zwei bis sieben Kilometer breites, annähernd geradliniges Band über rund 50 Kilometer von Siegburg über Köln-Dellbrück und Opladen bis Hilden. Sie bildet den Übergang zwischen der tiefer gelegenen Kölner Bucht im Westen und der Bergischen Hochfläche im Osten. Sandige und kiesige Terrassenablagerungen des Rheins, feuchte Senken und Bachläufe prägen diesen Landschaftsraum. Durch die intensive Ausdehnung von Siedlungs-, Gewerbe- und Verkehrsflächen der Rheinschiene im 20. Jahrhundert ist die Heideterrasse insbesondere stark überprägt worden. Der Dünnwalder Wald ist einer der wenigen verbliebenen größeren Freiraumkomplexe der Heideterrasse.

Räumlicher Zusammenhang
Die Gräberfelder stehen in einem größeren regionalen Zusammenhang. Ähnliche Anlagen sind unter anderem aus dem Königsforst, der Wahner Heide und dem Lohmarer Wald bekannt. Ihre prominente Lage auf den hochwasserfreien Terrassenflächen des Rheins verweist auf eine bereits in vorgeschichtlicher Zeit ausgeprägte Kulturlandschaft, in deren Zusammenhang auch der nahe gelegene Mauspfad gehört, der über weite Strecken dem Terrassenrand folgt. In seinem Wegeverlauf finden sich mehrere Gräberfelder. Daher wurde der Mauspfad als mögliche vorrömische „Totenstraße“ gedeutet (vgl. Wyrich 1974; vgl. KStA.de).

Bestattungsritual
Bei Bestattungen in Hügelgräbern wurden die Toten zunächst verbrannt. Der Leichenbrand wurde in der Regel in keramischen Gefäßen niedergelegt und mit einer Schale abgedeckt. Über den Urnen wurde Erde und Sand zu Hügeln aufgeschüttet – manchmal auch mehrere Urnen in einem Grab – wobei die Hügel in ihrer Größe und im Abstand zueinander variierten. Grabbeigaben aus Metall waren selten. In Anbetracht des Aufwandes bei der Materialumlagerung wurden die Gräber vermutlich für hochrangige Menschen errichtet (KSTA.de).
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Frühe Untersuchung und das „Urnenstechen“
Eine frühe Untersuchung der Grabhügelfelder in Dünnwald ist mit einer Publikation von Hermann Schaaffhausen – dem Mitbegründer des Rheinischen Landesmuseums – aus dem Jahr 1872 belegt. Der Anthropologe und Naturwissenschaftler begab sich im Juni 1872

„nach Dünwald bei Mülheim am Rhein, um unter Führung des Herrn Pastor Bertram daselbst die im nahen Walde, im Leuchtebruch, befindlichen altgermanischen Gräber in Augenschein zu nehmen und einige Ausgrabungen zu veranstalten, wozu der Besitzer dieser Waldungen Herr Graf E. von Fürstenberg-Stammheim nicht nur die Erlaubniss gegeben hatte, sondern sich selbst einfand, um an der Untersuchung Theil zu nehmen. […] Es wurden 8 Grabhügel geöffnet, nur in einem von diesen wurde die Urne nicht gefunden“ (Schaaffhausen 1872).

Carl Rademacher untersuchte 1893 weitere Hügel; weitere Grabungen für das Bonner Provinzialmuseum folgten. 1901 beschrieb Paul Clemen, der Provinzialkonservator der Rheinprovinz, etwa 100 sichtbare Hügel (Clemen 1901); aktuelle geht man von rund 400 Grabstellen aus (KStA.de).
Bei vielen frühen Öffnungen von Hügelgräbern stand die Bergung vollständiger Urnen und anderer sammelwürdiger Gegenstände, insbesondere aus Metall, im Vordergrund. Schon ab dem 16. Jahrhundert gab es dieses, häufig als „Urnenstechen“ bezeichnete Vorgehen. Damit gingen häufig Fundzusammenhänge verloren und die Funde gelangten in verschiedene Museen oder Privatsammlungen. Für das Jahr 1956 wird berichtet, dass Kinder der Volksschule Köln-Höhenhaus im Dünnwald eine unerlaubte Grabung an einem Grab durchführten und auch heute werden Hügelgräber immer wieder von privaten „Raubgräbern“ aufgesucht (KSTA.de; de.wikipedia.org).

Kulturhistorische Bedeutung
Auch wenn zahlreiche Grabhügel geöffnet wurden und archäologische Fundzusammenhänge verloren gingen, haben sich das Relief der Hügel und ihre räumliche Gruppierung als Relikte in einer ansonsten stark vom Menschen überprägten Landschaft erhalten. Sie dokumentieren nicht nur eine mehr als 2.400 Jahre alten Bestattungskultur, sondern sind zugleich Zeugen einer vorgeschichtlichen Kulturlandschaft und daher von besonderem Wert.

Hinweise
Die Grabhügelfelder sind gesetzlich als Bodendenkmäler geschützt. Private Grabungen, der Einsatz von Suchgeräten sowie die Bergung von Funden sind verboten. Die Grabhügel liegen in einem Landschaftsschutzgebiet.
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(Nico Wagner, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2026)

Internet
www.ksta.de: Friedhof aus grauer Vorzeit – 2000 Jahre alte Hügelgräber bei Dünnwald (Abrufdatum: 29.10.2026)
de.wikipedia.org: Dünnwalder Grabhügelfelder (Abrufdatum: 29.10.2026)

Literatur

Renard, Edmund / Clemen, Paul (Hrsg.) (1901)
Die Kunstdenkmäler des Kreises Mülheim am Rhein. (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band 5.2.) Düsseldorf.
Schaaffhausen, Hermann (1872)
Hügelgräber bei Dünwald. (Bonner Jahrbücher 52.) S. 178-181. Bonn.
Wyrich, Philipp (1978)
Mauspfad. In: Niederwupper, Historische Beiträge, S. 10-12. o. O.

Grabhügelfelder im Köln-Dünnwalder Wald

Schlagwörter
Ort
51069 Köln - Dünnwald
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Literaturauswertung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn -900, Ende -400

Empfohlene Zitierweise

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Nico Wagner (2026): „Grabhügelfelder im Köln-Dünnwalder Wald”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360769 (Abgerufen: 30. Oktober 2026)
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