Lage und Datierung der Steinbrüche
Brüche im Gipfelbereich
Brüche an der Südseite
Tiefer Bruch Südseite
Brüche der Vogelskaul (Rübenkämpchen)
Tiefer Bruch der Ostseite
Das Ende des Abbaus
Ein Kuriosum - das Hotel
Ein Biotop
Internet, Literatur
Lage und Datierung der Steinbrüche
In einem LVR-Forschungsprojekt (Zeugen der Landschaftsgeschichte 2019) konnten die Brüche in ihrer Lage, der Betriebszeit und in den Besitzverhältnissen relativ genau definiert werden. Einen Überblick der wichtigsten Brüche gibt die nachstehende Liste:
- Brüche im Gipfelbereich: ca. 1648-1800,
- Pachtbrüche der Rhöndorfer Südseite: ca. 1700-1855,
- Brüche der Vogelskaul (Südseite): ca. 1830-1900,
- Tiefer Bruch Bachem & Co. der Südseite: ca. 1855-1912,
- Tiefer Bruch Spindler & Co. der Ostseite: ca. 1855-1905.
Brüche im Gipfelbereich
Mit der Aufgabe der Burg werden beginnt der Steinabbau, da nun keine Rücksicht mehr auf den Burgbetrieb genommen werden muss. Zunächst beschränken sich die Steinbrüche, auf den hochwertigen Latit des Gipfels, der häufig einen leichten Rotstich besitzt. Der filigran bearbeitbare Stein war vor allem im Barock beliebt zur Verkleidung repräsentativer Fassaden (z. B. Siebengebirgsmuseum Königswinter, 1732; Bonner Rathaus, 1737), für Fenster- und Türgewände sowie Treppenstufen, aber auch für hochwertige Steinmetzarbeiten. Denn im Gegensatz zum Drachenfelser Trachyt ist er frei von Sanidin-Einschlüssen, die störende Ausführungsfehler verursachen können.
Die Organisation des Steinabbaus liegt ab 1697 fest in der Hand der Königswinterer Steinhauerzunft. In ihrem Siegel tragen sie stolz eine Abbildung der Burg mit der Inschrift „Wolkenburger Steinhauer und Maurer Ambt Königswinter“. Die aus 18 Meistern bestehende Zunft pachtete von dem damaligen Grundherrn, dem Graf von Drachenfels, Otto Freiherr Walbott und Bassenheim, die Brüche auf der Nordseite und dem Plateau der Wolkenburg auf zwölf Jahre zur sogenannten Halbscheid. Die Hälfte des Gewinns musste ihm als Pacht gezahlt werden.
Zeitgenössische Federzeichnungen von Renier Roidkin Anfang des 18. Jahrhunderts zeigen, wie das Plateau in einer hohen Stufe nach und nach abgetragen wird (RBA: Roidkin fol. 136 u. 336), bis der verbliebene Bergfried 1740 dem Steinabbau zum Opfer fällt. Die gebrochenen Steine werden über die sogenannte „Wolkenburger Schleiff“ nach Königswinter zu den Arbeitsplätzen der „Fahr“ am Rhein gebracht. Die Trasse ist als Hohlweg streckenweise tief in den Untergrund eingeschnitten (vgl. Abfuhrwege).
Den anfallenden Schutt kippte man einfach den Hang hinunter. Auf zahlreichen historischen Darstellungen der Wolkenburg sind die weithin sichtbaren Halden der Südseite ein charakteristisches Merkmal.
Der Geologe Jean André de Luc gibt 1782 eine erste Beschreibung der Brüche. Er habe von weitem „… auf dem Gipfel Basalte zu sehen geglaubt. Dies waren aber nichts anderes als die an manchen Orten tief hinein gehenden Steinbrüche. Der Granit ist rötlich und nicht sehr hart, man bricht ihn in großen Blöcken, oder schneidet ihn in Platten, um die Mauern damit zu belegen. Den Schutt wirft man aus den Brüchen heraus und dieses Auswerfen mag dem Berg wohl die kegelförmige Gestalt gegeben haben.“
1789 besucht auch der Geognost Carl Wilhelm Nose die Wolkenburg, auf der sich einer der „ansehlichsten Steinbrüche“ befände: „Mehrere Steinhauer in Königswinter lassen ihn bearbeiten, Hausteine verschiedener Art davon fertigen, und verschicken sie weit und breit vorzuglich den Rhein hinab. An vielen, zumal neuen Häusern in Cölln, an den meisten in Düßeldorf, Mühlheim u.s.w., wenn sie wie mehrentheils masiv sind, finden Sie die Treppensteine Thür-und Fenster-Einfassungen, mit einem Wort, alles was sich aus einem gehauenen Stein machen läßt, aus diesem Bruche gefertigt: man nennt ihn auch schlechtweg den Königswinterer Stein. Der unbrauchbare Schutt wird über die Abhänge der Wolkenburg gestürzt, deswegen erscheint sie in der Ferne von einigen Seiten weiß.“
Ferner beschreibt er die Lagerungsverhältnisse des anstehenden Gesteins und die Abbaumethoden. Selbst Sprengpulver kam demnach zur Anwendung: „Der Steinbruch ähnelt ziemlich dem Stenzelberger, nur ist er um vieles größer. Man sieht keine Bänke, keine regulären, sondern unordentliche, meist vertikale Spaltungen. Man bricht die Steine entweder von oben herab mit Brechstangen, oder man schießt sie los“.
Seine Beschreibungen illustriert Nose mit einem Kupferstich, in dem der Berg als stumpf gekappter Kegel dargestellt wird, aus dem nur vereinzelt kleine Felspartien herausragen. Eine realistische Abbildung, die schon weitestgehend dem heutigen Zustand entspricht, denn die nutzbaren Gesteinsvorkommen im Gipfelbereich sind gegen Ende des 18. Jahrhunderts nahezu erschöpft und 1804 gibt Freiherr von Gudenau als Pachtherr den arbeitslos gewordenen Hauern die Steinbrüche am benachbarten Drachenfels frei.
Die weithin kolportierte Annahme, dass die Wolkenburg ehemals 30 m höher gewesen sei, kann in das Reich der Legenden verwiesen werden. Schon 1844 hat der Bonner Geologe Johann Jakob Noeggerath berechtigte Zweifel daran: „… der Betrieb dieser Brüche kann nicht weit über ein paar Jahrhunderte reichen, wie nach der Anwendung des Gesteins bei der Architektur zu schließen ist, und deßhalb kann ich auch die angebliche Abtragung des Gipfels des Berges nur für eine Sage halten, der es an factischer Begründung fehlt. Der Berg mag wohl schon ursprünglich ziemlich die gegen seine Nachbarn etwas abweichende Form gehabt haben …“
Neuere Geländeauswertungen und Profilschnitte zeigen, dass der Berg ausgehend vom höchsten Punkt (323,3 Meter ü. NN) nur rund 6 Meter höher gewesen sein kann. Dies bedeutet, bezogen auf das heutige mittleren Plateauniveau (312 Meter ü. NN), dass zumindest im zentralen Bereich der Wolkenburg bis zu 17 Meter Stein abgetragen wurden. Eine beachtliche Menge!
Eine weitere Veränderung erfährt der Gipfelbereich noch einmal rund hundert Jahr später. Aufgrund eines Hotelprojekts von Ferdinand Mülhens sind (da ab 1897 große Teile des Plateaus von Ferdinand Mülhens für die Parkanlage eines geplanten Hotels umgestaltet werden) nur im Südosten des Gipfels noch Reste der alten Steinbrüche erhalten. Sie besitzen eine kleinräumige Morphologie mit Trockenmauern, Schutt, Felspartien und Halden, wie sie für einen älteren Steinabbau typisch sind.
Brüche an der Südseite
An der Südseite der Wolkenburg setzt der Steinabbau erst später ein und wird erstmals 1692 im Zusammenhang mit den Planungen für einen Abfuhrweg neu angelegter Brüche am sogenannten Rübenkämpchen (bzw. der Vogelskaule) erwähnt. Ab Ende des 17. Jahrhunderts gibt es nun also zwei Steinbruchgebiete an der Wolkenburg: Eines im Gipfelbereich und eines an der Südseite. Pikanterweise verlief die Territoriumsgrenze zwischen kurkölnischen Königswinterer Brüchen und den bergischen Rhöndorfer Brüchen der Südseite quer über den Berg.
Der Revierobersteiger Behner bemerkt 1835 dazu, dass man auf dem alten Karrenweg der Wolkenburg „… mit einem Rad im Bergischen und mit dem anderen im Curcölnischen“ stehe. Die beiden Bruchreviere standen zudem in Konkurrenz zueinander, denn die Steinhauer aus dem südlichen Nachbarort arbeiteten zunftfrei ohne Meistertitel. Auch galt der Rhöndorfer Stein als günstiger.
Ab 1717 verpachtet die Bergische Hofkammer weitere Brüche an der Südseite. Nach überlieferten Namenslisten der Pächter 1783 und 1789 teilen sich elf Steinhauer die Brüche. Sechs davon kamen aus Königswinter, vier aus Rhöndorf und einer aus Mehlem. Die Pachtparzellen bestanden aus langen, schmalen, parallel verlaufenden Streifen, die sich über den gesamten oberen Hang zogen. Dies erschwerte die Zuwegung und auch den Abbau. Vor allem die Schuttbeseitigung stellte ein großes Problem dar und wurde in den Pachtverträgen daher detailliert geregelt.
Nach den politischen Umbrüchen der französischen Zeit (1794-1814/15) werden die Brüche 1816 erneut zur Pacht ausgeschrieben und die neu gegründete Königswinterer Steinhauergewerkschaft pachtet acht der Bruchparzellen, die zuvor zum Nachbarterritorium gehört hatten. Die alte Steinhauerzunft war Anfang des 19. Jahrhunderts unter der französischen Regentschaft mit Einführung der Gewerbefreiheit aufgelöst worden. Letztendlich beschließt die Steinhauergewerkschaft die „zu einem Ganzen vereinigten Steinbrüche“ nach den alten Zunftstatuten gemeinsam auszubeuten. Die Gewerkschaft erlangt schnell einen monopolartigen Status und diktiert Arbeitsbedingungen, Frachttarife, etc.
Der Stein aus den südlichen Brüchen war von schöner, leicht bläulicher Färbung, galt aber als nicht so haltbar wie der Stein vom Gipfel. Zur Abbaumethode an der Südseite äußert sich Christian Keferstein 1820: „denn um die Steine zu gewinnen arbeitet man den untersten Theil eines pfeilerförmigen Stücks weg, und nun fällt der ganze übrige Pfeiler von 200 Fuß Höhe nach, dessen Brocken man zu den mannigfaltigsten Gegenständen verarbeitet …“
Die Abbaufront wird immer weiter gegen das Gipfelplateau getrieben, so dass auch der aufliegende Schutt der alten Brüche des Gipfelplateaus bewältigt werden muss. Schnell bildet sich eine große Halde aus, die das Rhöndorfer Tal dominiert. Der Abbau zieht sich in einer 170 Meter breiten Front in einem Bogen bis auf die Südostseite des Berges. Über zwei lange Abfuhrwege brachte man die Steine an den Rhein zur Verarbeitung und Verschiffung.
Eine Übersichtskarte des Obersteigers Joh. Bernat (Bernhard) Wellener (1817) dokumentiert die damalige Situation an der Wolkenburger Südseite. Unter dem zwischen Drachenfels und Wolkenburg liegenden Sattel verzeichnet er die „Alten Steinbrüche am Rübenkämpchen“. Rechts am Wolkenburger Südhang sind insgesamt 10 Bruchparzellen eingetragen, die mit einem als „projektiert“ bzw. „neu anzulegender Fahrweg“ erschlossen werden sollen. Der „alte Fuhrweg“ am Gipfel spielt keine Rolle mehr.
Die mehrfach wechselnde Rechtslage (kurkölnisch, bergisch, napoleonisch, preußisch) an der Wolkenburg Anfang des 19. Jahrhunderts sorgt immer wieder für Verwirrung, Ärger und Rechtsunsicherheiten. Als die Königswinterer Brüder Clemens August (Bürgermeister) und Philipp Josef (Domänenrentmeister) Schäfer 1811 die Wolkenburg aus dem Besitz des Freiherrn von der Gudenau erwerben, fehlt ihnen das Steinbruchrecht. Erst nachdem sie dieses 1826 ebenfalls in ihren Besitz bringen können, gelingt es Ihnen, endlich die Steinbrüche zu verkaufen.
Die Bruchparzellen gehen an sechs Mitglieder der Königswinterer Steinhauergewerkschaft. Noch komplizierter wird es, weil in oberirdischen und unterirdischen Besitz differenziert wird.
Eine amtliche Statistik listet 1836 für „Rhöndorf und Umgebung“ acht Steinhauermeister, die 90 Gesellen und Lehrlinge sowie 130 Bergleute beschäftigten. 1835 löst sich die Steinhauergewerkschaft auf, der gemeinschaftliche Besitz wird 1837 per Losverfahren aufgeteilt.
Aus vier Losen entstehen durch Aufkäufe und Zusammenlegungen die Firmen Bachem & Co. sowie Spindler & Dell. Beide Firmen spielen für den Steinabbau im Siebengebirge in den nächsten Jahrzehnten eine gewichtige Rolle. So besitzen sie zahlreiche weitere Brüche an Stenzelberg, Perlenhardt, Rosenau etc. Ein Bericht gibt 1849 für Bachem & Co. 120 sowie für Spindler & Dell 100 Mitarbeiter an.
Um 1860 sind die alten Pachtbrüche am Südhang erschöpft und werden aufgegeben. Der Abbau verlagert sich in die Vogelskaule und neue tiefer angesetzte Brüche.
Tiefer Bruch Südseite
Um 1855 beginnt die Firma Bachem & Co., an der Südseite einen neuen tiefer angesetzten Bruch zu anzulegen, da die Parzellen des oberen Pachtbruchs weitestgehend ausgebeutet sind. Mit Hilfe einer Feldbahn fährt man den in Unmengen lagernden Schutt aus den älteren Brüchen ab, um an brauchbaren Stein zu gelangen. Zwei Fotos von 1905 und 1910 zeigen die Situation im Bruch. Das anfallende Material schüttet man in einem Bogen vor die Halden der älteren Brüche. Als letzter Betrieb an der Wolkenburg stellt Bachem den Abbau 1912 ein.
Im Jahr 1930, rund zwanzig Jahre nach Ende des Abbaus setzt sich die riesige Halde in Bewegung und stürzt zu Tal (vgl. hier).
Brüche der Vogelskaul (Rübenkämpchen)
Die Brüche der Vogelskaul befanden sich zusammen mit den alten Brüchen des Rübenkämpchens unterhalb des Sattels von Wolkenburg und Drachenfels, lagen jedoch tiefer am Hang. Die Lokalitäten gehen ineinander über. Nach der Karte von Wellener liegen die Brüche 1817 still, müssen jedoch bald danach wieder in Betrieb gegangen sein, denn eine Lithographie von August Karstein (1859) zeigt mehrere aktive Abbaukessel mit großen Schutthalden. Um 1850 sind an der Vogelskaul sechs Bruchbetreiber nachzuweisen. Ähnlich wie bei den Pachtbrüchen der Südseite entstehen hier im Laufe der Zeit durch Zusammenlegung von Grundstücken und Aufkäufe größere Betriebseinheiten. Letztendlich verbleiben nur die Steinbruchunternehmer Spindler und Söhne, Peter Bachem sowie Bachem & Co.
Der Stein der Vogelskaul geht in der Farbe eher ins Blaugraue und soll angeblich nicht frostsicher gewesen sein. In einem Bauhandbuch des Professor Johann Friedrich Benzenberg (1837) findet sich dann auch ein arger Verriss der Wolkenburger Steine: „Diese verwittern, indem im Winter der Frost die Feuchtigkeit aufzieht, und denn im Frühjahr, wenn der Frost verschwunden ist, die Schale sich löst und abfällt.“ Man gehe wie „auf Ruinen“.
Der Stein wird trotzdem gerne für Innenausbauten genutzt und eignet sich hervorragend zur Herstellung mehrere Meter langer Treppenstufen in Innenräumen, die u.a. für repräsentative Gebäude im Düsseldorfer Raum Verwendung finden. Die Vermarktung erfolgt dementsprechend separat und wird durch Peter Bachem in großen Anzeigen als „Vogelskaul-Trachit“ betrieben.
In der renommierten „Deutschen Bauzeitung“ verweist man 1867 auf Spindler und Söhne als Baumeister der neuen Elberfelder Post - und auf die fünf Meter langen Treppensteine aus Vogelskauler Trachyt. Auch Peter Bachem vertreibt seine Steine in den 1860er Jahren überregional. Referenzen in seinen Anzeigen verweisen auf Bauprojekte in Stralsund oder auf den Gürzenich in Köln, dessen Haupttreppe ebenfalls aus Vogelskauler Stein errichtet wurde. Die in den 1830er Jahren geäußerten Bedenken gegen die Qualität des Steins haben keinen Bestand mehr. In der Bauzeitung schneidet der Wolkenburger Stein besser ab als der Drachenfelser. 1862 wird eine Gewerbeausstellung in London mit Vogelskauler und Wolkenburger Stein von Bachem & Co. und Spindler & Co. beschickt. Auch für Ölmühlen soll er geeignet gewesen sein. Sowohl Bachem & Co. als auch Peter Bachem werben mit dem Stein der Vogelskaul, der lange als einer der vorzüglichsten Steine für freitragende Treppen gilt, rutschfest und dauerhaft. 1883 ist Bachem & Co. mit Wolkenburger Trachyt auf einer Ausstellung in Amsterdam vertreten. „Unter den verschiedenen Steinarten zeichnen sich besonders mehrere an der Wolkenburg gewonnene Trittstufen aus, die in behauenem Zustande nicht weniger als 6,20 Meter lang sind.“ Und noch um 1890 erschien ein Prospekt der Firma Bachem & Co., in dem weiterhin Wolkenburger Stein angeboten wurde.
Gegen 1910 endet der Abbau in den Brüchen der Vogelskaul. Heute können dort drei ehemals voneinander unabhängig betriebene Bruchkessel unterschieden werden.
Tiefer Bruch der Ostseite
Mitte des 19. Jahrhunderts entsteht ungefähr zeitgleich mit der Anlage des neuen tiefen Bruchs der Firma Bachem & Co. an der Südseite auch an der Ostseite der Wolkenburg ein weiterer tief angesetzter Bruch. Hintergrund ist wie bei Bachem, dass die alten Pachtbrüche weitestgehend ausgebeutet sind. Um noch an brauchbares Gestein zu gelangen, müssen zuvor große Mengen des darüber liegenden Schutts aus den darüber liegenden Pachtbrüchen abgetragen werden. Das führte zur Entstehung einer für den Bruch völlig überdimensioniert erscheinenden Halde, die weit in das Tal reicht. Die Steingewinnung lag hier in der Hand der Firma Spindler & Co., später geht der Bruch an Peter Bachem. der Abbau Anfang des 20. Jahrhunderts.
Um 1940 bepflanzt man die Halde mit Douglasien. Bei den Rodungsarbeiten 2016 werden die Reste einer alten Schmiede leider stark beschädigt.
Das Ende des Abbaus
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lässt die wirtschaftliche Bedeutung der Wolkenburger Brüche langsam nach. Noch 1849 werden für Bachem & Co. 120 sowie für Spindler & Dell 100 Mitarbeiter angegeben. Ein Verzeichnis des Verschönerungsvereins für das Siebengebirge (VVS) listet 1887 an der Wolkenburg für Spindler & Co und Peter Bachem jeweils zwölf Arbeiter, sowie für Bachem & Co. 15 Arbeiter. In den Folgejahren geht die Zahl der Arbeiter stetig weiter nach unten. 1906 sind bei Peter Bachem nur noch drei und bei Bachem & Co. noch sieben Arbeiter beschäftigt. Die erfolgreich tätige Firma Bachem & Co. besitzt neben dem Stenzelberg längst zahlreiche Brüche auch außerhalb des Siebengebirges. Als letztes Unternehmen betreibt sie bis zur Einstellung 1912 mit wenigen Arbeitern den tiefen Steinbruch an der Wolkenburger Südseite. Der Steinabbau ist damit Geschichte. Ferdinand Mülhens nutzt die am Gipfelplateau verbliebenen Steine 1912 für den Neubau des Gertrudenhofs und zur Befestigung seiner Straßenprojekte wie der Ferdinandstraße und dem Pottscheider Weg in Königswinter.
Schon zuvor fordert der vom Verschönerungsverein für das Siebengebirge vorangetriebene Naturschutz die Einstellung der Brucharbeiten auch an der Wolkenburg. So dürfen nach der Polizeiverordnung vom 26. Oktober 1899 keine neuen Brüche im Schonbezirk Siebengebirge angelegt und bestehende nicht erweitert werden. Der VVS beginnt mit den aus einer Lotterie erstandenen Geldern im großen Stil Steinbrüche aufzukaufen.
Auch aus Sicherheitsaspekten geraten Bruchbetriebe zunehmend in den Blick der Behörden. Die Gewerbeaufsicht fordert die aufwendige Sicherung der Schutthalden und Einzäunung der Bruchkanten.
Zunehmend sind nun Touristen unterwegs, die sich auf die Wolkenburg und in die Brüche begeben. Die Steinwüstenei wird allerdings keineswegs nur als störend empfunden, sondern weckt vor allem im 19. Jahrhundert ein wissenschaftliches Interesse. Bereits der Geologe Zehler (1836) stellt in seiner Abhandlung zum Siebengebirge geologische Wandertouren vor. Autoren wie Ernst von Weyden (1864) äußern sich begeistert über „… kolossale Steinmassen, … wilde kluftige Felsenrisse und die hoch zu Tage tretenden Steinsäulen ...“ sowie das „wirre[n], geschäftig, rüstig, klippernde[n] und gefährliche Leben der Steinhauer.“ Ab 1864 entstehen erste Wege auf die Wolkenburg, die in der Regel von den Steinhauern toleriert werden. Der VVS verlegt ab 1870 den in zahlreichen Auflagen erscheinenden „Kleinen Führer durch das Siebengebirge“ Seine Routenvorschläge entwickelt er gerne entlang der Steinbrüche, die in der Regel noch in Betrieb waren. Erst später ändert sich die Wahrnehmung und der Steinabbau im Siebengebirge wird als Bedrohung der Natur gesehen.
Auch auf den Kölner Fotografen August Sander hatte die Wolkenburg eine hohe Anziehungskraft, zahlreiche Motive entstehen hier. Sander nannte die Wolkenburg gar seinen „Lieblingsberg“.
Ab 1908 gelingt es dem VVS, größere Teile der alten Brüche aufzukaufen. Sogleich beginnen die Planungen für eine Begrünung der als störend empfundenen Schutthalden. 25 Ahorn- und Lindenbäume, 1.250 Stück dreijährige Akazien (Robinien) und 75 Pappeln werden gepflanzt. Im nächsten Jahr folgen 100 Birken, 300 Brombeeren, 300 wilde Holunder und 100 wilde Rosen. Für die Pflanzungen auf den Halden muss der Schutt zerkleinert werden und Erde aus dem Tal herbeigebracht werden. Auf den Halden der Vogelskaule entsteht ab 1916 eine Parkanlage zu Gedenken des langjährigen VVS-Mitglieds und Vorsitzenden Bernhard Stürtz (1845-1928), der Stürtzplatz. Erst 1939 gelingt es dem VVS, auch die Bruchparzellen von Bachem & Co. zu erwerben.
Ein Kuriosum - das Hotel
Der Unternehmer Ferdinand Mülhens (4711 - Kölnisch-Wasser) ersteht 1896 von Peter Bachem eine große Parzelle am Gipfel, um dort ein Hotel zu errichten. Bald beginnen die Arbeiten mit dem Bau einer langen Fahrstraße, die in Serpentinen bis auf den Gipfel führt, sowie die Anlage eines ausgedehnten Landschaftsparks.
Das Projekt wird jedoch von Wilhelm Bachem torpediert, der am Gipfel noch Bruchrechte im sogenannten Unterirdischen besitzt und in Folge beginnt, dort einen kleinen Steinbruch zu eröffnen. Der Streit geht vor Gericht und zieht sich über mehrere Instanzen. Die Rechtsprechung kapituliert letztendlich vor den komplizierten Rechtsverhältnissen an der Wolkenburg und gibt beiden Parteien Recht. Mülhens darf sein Hotel bauen und Bachem darf weiterhin Steine brechen. Mülhens gibt daraufhin das Projekt an der Wolkenburg auf und erwirbt dafür wenig später den Petersberg, um dort sein Hotel zu verwirklichen (das spätere Bundesgästehaus).
Ein Biotop
Noch bis weit in das 20. Jahrhundert stellte die Wolkenburg einen weitestgehend kahlen Stein- und Schuttkegel im Siebengebirge dar. Ein Teil der Begrünungsmaßnahmen des VVS werden 1930 durch den Hangrutsch wieder zunichte gemacht. Erst ab den 1970er-Jahren beginnt die Vegetation sich zunehmend zu schließen. Als weithin sichtbare charakteristische Landmarke sind bis heute die hohen Felswände der alten Pachtbrüche an der Südseite sichtbar.
Im Rahmen des LVR-Projektes „Zeugen der Landschaftsgeschichte“ erfolgt 2019 nicht nur eine Rekonstruktion der Abbaugeschichte, sondern durch die Botanikerin Barbara Bouillon auch eine detaillierte botanische Aufnahme und Bewertung (ausführlich in Bouillon/Kling/Lamberty 2019).
Die Süd exponierten, trocken-warmen Standortbedingungen auf den Schutthalden haben eine entsprechend hochangepasste Flora und Fauna eines typischen Offenlandbiotops hervorgebracht. Darunter sind zahlreiche stark gefährdete Arten. Die Pflanzengesellschaften der Felsbiotope an der Wolkenburg gehören daher zu den geschützten FFH-Lebensräumen. Diese hochspezialisierten Pflanzengesellschaften sind im Siebengebirge ausschließlich an ehemalige Steinbrüche gebunden, wie z.B. auch am Stenzelberg.
Der Bewuchs der Schutthalden hatte bis 2000 derartig zugenommen, dass von 2001 bis 2010 erstmals Freistellungen vorgenommen werden. Problematisch sind die Stockausschläge der sich nach einem Schnitt schnell regenerierenden Büsche. Eine regelmäßige Pflege oder besser noch periodische Beweidung mit Ziegen ist daher unabdingbar, um die Offenflächen und damit die Artenvielfalt zu erhalten. Die Wolkenburg ist heute Teil des Naturschutzprojektes Chance7, welche die weitere Pflege koordiniert.
2014 erwirbt das Göttinger Vogelschutz-Komitee e.V. von der Familie Streve-Mülhens 14 Hektar Land im Gipfelbereich, um sie so dauerhaft zu schützen. Der BUND Rhein-Sieg betreut die Fläche und überwacht das Betretungsverbot.
Zugang: Die Wolkenburg ist als Teil des Naturschutzgebiets Siebengebirge nicht zugänglich. Ein Wanderweg führt an der Nordseite des Berges vorbei. Vom Drachenfels aus ist ein Blick in die oberen Brüche der Südseite möglich. Einen ausgesprochen schönen Überblick gibt die Aussicht vom gegenüberliegenden Breiberg.
(Jörn Kling, 2025)
Quellen
- Landesarchiv Nordrhein-Westfalen (LAV NRW):
- BR 0043-479; BR 0009-2139.
- Großherzogtum Berg AA 0637, Nr. 5617. (1697-1768), 1810. Beglaubigte Auszüge aus dem Zunftbuch der Steinhauerzunft zu Königswinter.
- R Jülich Berg AA_0036, Hofrat Nr. BXII_0027, Karte Jacob Meurer, 1789/90.
- R Jülich Berg BXII 23, § 4 Rechtlicher Vortrag zur Prüfungs-Sache Freiherrn von Vorst-Lombeck-Gudenau […] wider den Hofkammer-Fiskal-Appellanten Amt Lowenberg, 4.4.1789.
- W, Altes Bergamt Siegen 85. - Siebengebirgsmuseum Königswinter:
- Wellener (1817): Grund und Saigerriß der Porphyrsteinbrüche an der Wolkenburg bey Königswinter im Bergrevier Linz.
- Prozess Bachem / Mülhens, Urteil vom 17.2.1912. Juli 1912. - Stadtarchiv Königswinter: StAKW-KW-26 - Explosive Stoffe, 2896 - Steinbrüche 1904-1907.
- Archiv für das Zivil- und Kriminalrecht der Königlich-Preußischen Rheinprovinzen, Neue Folge, Bd. 8, (1826): Steinbrüche - Regalien. Köln, S. 63-71.
- Sandfort, Hermann (1772): Landkarte von dem kurkölnischen Amt Wolkenburg. 1772 (= LAV NRW, RW Karten Nr. 4302).
- Schneider, Adolf (1881): Karte des Siebengebirges, angefertigt unter Benutzung des amtlichen Materials, Bonn.
- Ueber Stein-Baumaterialien am Mittelrhein (Forts.), in: Deutsche Bauzeitung, 31.1.1868.
Internet
de.wikipedia.org: Burg Wolkenburg (abgerufen 13.04.2026)
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Portal Rheinische Geschichte, Familie Mülhens, Unternehmerfamilie (Text Gabriele Oepen-Domschky, abgerufen 13.04.2026):
www.kulturelles-erbe-koeln.de: René Roidkin, Ansicht des Siebengebirges; rba_mf104907 (abgerufen 13.04.2026)
www.kulturelles-erbe-koeln.de: René Roidkin, Ansicht des Siebengebirges, rba_mf105138 (abgerufen 13.04.2026)