Pottscheider Allee und Ferdinand-Mülhens Brücke in Königswinter

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Königswinter
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 40′ 34,22″ N: 7° 12′ 54,07″ O 50,67617°N: 7,21502°O
Koordinate UTM 32.373.882,78 m: 5.615.334,80 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.585.926,21 m: 5.616.327,19 m
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    Pottscheid-Brücke (2019)

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  • Vergleich Pottscheid Allee (1930/2020)

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    Pottscheid-Brücke (um 1920)

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Hintergrund
1896 hatte der kapitalstarke Unternehmer Ferdinand Mülhens (Parfümerie 4711, Hotel Petersberg, Zahnradbahnen Siebengebirge, Gut Wintermühlenhof) große Teile der Wolkenburgkuppe gekauft, um dort ein Hotel zu errichten. In diesem Zusammenhang entstand die Idee eines ausgefeilten Wegekonzeptes rund um die Wolkenburg. Die Hotelpläne mussten bald aufgegeben werden; alte Bergrechte, aber auch der Verschönerungsverein Siebengebirge (VVS) verhinderten den Ausbau.
Mit Erwerb des Getrudenhofs (Milchhäuschen) im Elsigerfeld 1903 von den Erben Paul Sarters (Schloss Drachenburg) richtete sich sein Interesse nun auf den Ausbau des Wegenetzes zwischen dem Wintermühlenhof und seinem neuen Projekt. Dabei sah er den Wegebau immer als Teil eines Gesamtkonzeptes zur Tourismusförderung und der Verschönerung der Landschaft.
Schon zu Beginn der Bauarbeiten am Gertrudenhof 1904 macht sich eine fehlende Zufahrt schmerzhaft bemerkbar. Der VVS verweigert die Nutzung seiner Wege. Das benötigte Baumaterial muss anfangs von der Drachenfelsbahn mit Eseln bis zur Baustelle gebracht werden.

Pottscheider Weg mit Kastanienallee
Zur Erschließung des Gertrudenhofs plant er dann den Bau von zwei neuen Fahrwegen. Der erste soll als neuer „Pottscheider Weg“ von seinem Familiensitz, dem Wintermühlenhof in langen Schleifen durch seine Ländereien bis zum Gertrudenhof im Elsigerfeld führen. Der zweite soll rund 1,5 Kilometer oberhalb des Wintermühlenhofs von der Landstraße abbiegen und in engen Serpentinen ebenfalls den Gertrudenhof erreichen (Ferdinandstraße).

Die Planungen beginnen 1905 mit gerichtlichen Auseinandersetzungen um den Verlauf des Weges. Infrage steht in erster Linie das Eigentum des alten Pottscheider Wegs der auf den ersten Metern tangiert wird. Mülhens betont ein Handeln im öffentlichen Interesse. Die Baumaßnahmen hätten nicht das Ziel gehabt, „den öffentlichen Verkehr auf diesem Wege zu verhindern, sollten höchstens dazu beitragen, einen öffentlichen Verkehr, der bislang auf diesem gänzlich unpassierbarem Wege überhaupt unmöglich war, möglich zu machen.“ (Rechtsanwalt Biesenbach an Bürgermeister, 9.4.1905. HVS-21)
1908 können die Arbeiten an dem neuen Weg beginnen. Die Trasse zweigt oberhalb des Wintermühlenhofs am Pottscheider Hof von der Ittenbacher Landstraße ab. Die benötigten Parzellen hatte Mülhens größtenteils 1903 von den Erben Sarters (Drachenschloß) erworben.
Der Weg verläuft mit kaum nennenswerter Steigung erst in Richtung Süden, um nach längerer Strecke in einer scharfen Kehre wieder nordwärts umzubiegen. Erst mit einer abermaligen Kehre zielt er dann geradlinig auf den Gertrudenhof. In seinem Verlauf durchquert der Weg die ausgedehnten, landwirtschaftlich genutzten Flächen des Guts Wintermühlenhof, die sich bis an den Fuß der Wolkenburg erstrecken. Mülhens lässt den Weg als Kastanienallee ausführen. In einer Zählung von 1937 werden 159 Kastanienbäume aufgeführt. Immer wieder sind weitreichende Ausblicke in das Rheintal oder auch zum Drachenfels möglich. Nicht die kürzeste Verbindung war beim Bau des Weges das Ziel, sondern ein ausgiebiges, langsames Flanieren mit der Kutsche durch die Landschaft: Man sollte verweilen.

Die Pottscheider Brücke / Ferdinand Brücke
Der touristische und landschaftsverschönernde Charakter des Weges wird durch den Bau einer aufwendigen Holzbrücke zur Querung eines flachen, sumpfigen Tals unterstrichen.
Der Entwurf der Ferdinand-Mülhens Brücke oder auch Pottscheider Brücke stammt von dem Honnefer Architekten Ottomar Stein. Er hatte zuvor bereits für Ferdinand Mülhens die Erweiterung des Landschaftsparks am Wintermühlenhof geplant. In seiner Baubeschreibung heißt es: „Die Anlage ist als Holzfachwerksbrücke von Eichenholz auf z. T. mit Natursteinen geblendeten Betonpfeilern geplant und zwar zweispurig und mit Fußgängersteig.“ (Ottomar Stein, 18.7.1908. Archiv des Bauamtes Königswinter)
Die Abnahme des aufwendigen und imposanten Bauwerks überfordert das örtliche Bauamt, welches Bauräte aus Siegburg und Bonn um Mithilfe bittet. Vor allem die weit gespannte Holzkonstruktion gibt Anlass zur Sorge, die „…weder statisch richtig erwogen noch in sicherer Weise ausführbar.“ sei. Der Bonner Baurat Gnuschke urteilt, dass eine solche Konstruktion nur machbar sei, wenn es gelänge, Holz zu beschaffen, das in der geforderten Bogenform gewachsen sei. Da es sich um ein privat genutztes Bauwerk handelt und der Siefen normalerweise kein Wasser führt, kann die Bücke trotz aller Bedenken 1909 fertiggestellt werden.

Bei den Recherchen zu dem Forschungsprojekt „Zeugen der Landschaftsgeschichte, Teil 2“ fand sich im Archiv des Königswinterer Bauamts ein Plan der Anlage und konnte dank der Zustimmung der Familie Mülhens publiziert werden. Der mit Aquarell kolorierte Plan zeigt eine vierbogige Anlage mit drei Pfeilern, die insgesamt nahezu 52 Meter lang ist. Dazu kommen noch die Brückenköpfe. Der Abstand zwischen den Pfeilern beträgt 11, 5 Meter. Die Breite beträgt 6,2 Meter mit einer nutzbaren Fahrbahnbreite von 4,5 Metern. Die lichte Höhe der Gewölbe liegt bei circa 5 Meter. Die Pfeiler sind aufwendig mit Naturstein verblendet, dabei nutzte man offenbar auch Wolkenburger Stein.

Zustand
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges verlaufen über die Brücke die Materialtransporte zu der Rüstungsfabrik „Aerostahl“ in den benachbarten Ofenkaulen (Steinbruch Ofenkaul). Rund 400 Zwangsarbeiter mussten dort unter Tage Flugzeugteile herstellen. Dabei wird die Brücke wahrscheinlich durch den Schwerlastverkehr beschädigt. Nach dem Krieg bricht man die hölzernen Gewölbebögen ab und schüttet einen Damm zur Querung des Siefens an. Es verbleiben die Brückenpfeiler und Brüstungen. Nur sehr wenige Holzteile sind noch erhalten.

Die Kastanienallee hat bis heute Bestand. Nach Aufgabe des landwirtschaftlichen Betriebs des Wintermühlenhofs wurden jedoch die umliegenden Ländereien ab 1960 aufgeforstet und so verläuft der Weg heute durch ein geschlossenes Waldgebiet. Dies ist den vormals freistehenden Alleebäumen abträglich, der in die Landschaft wirkende Charakter einer Allee ist nicht mehr sichtbar.

Der alte Pottscheider Weg, die uralte Verbindung vom Drachenfels in Richtung Heisterbach, diente nach Anlage des neuen Pottscheider Wegs nur noch zur Erschließung der umliegenden Felder und fiel nach Aufgabe der Landwirtschaft brach. Der Wegverlauf ist nicht mehr erkennbar.

Datierung
1908-1910

Zugang
Privatweg, für Fußgänger frei nutzbar

Hinweis
Das Objekt „Pottscheider Allee und Ferdinand Brücke“ ist Element des historischen Kulturlandschaftsbereiches Siebengebirge (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 446).

(Jörn Kling, 2024)

Internet
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Familie Mülhens (Portal Rheinische Geschichte, Text: Gabriele Oepen-Domschky, abgerufen 13.08.2025)
de.wikipedia.org: Ferdinand Mülhens (abgerufen 13.08.2025)

Literatur

Biesing, Winfried (1992)
Der Drachenfels im Siebengebirge. In: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises, S. 42-48. S. 212f, Siegburg.

Pottscheider Allee und Ferdinand-Mülhens Brücke in Königswinter

Schlagwörter
Ort
53639 Königswinter / Deutschland
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1908 bis 1910

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Jörn Kling: „Pottscheider Allee und Ferdinand-Mülhens Brücke in Königswinter”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356183 (Abgerufen: 24. Februar 2026)
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