Synagoge Deutz

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 56′ 9,32″ N: 6° 58′ 34,39″ O / 50,93592°N: 6,97622°O
Koordinate UTM 32.357.802,71 m: 5.644.649,41 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.568.665,52 m: 5.644.972,13 m
  • Gedenktafel zur Erinnerung an die Deutzer Synagoge am Reischplatz (2007).

    Gedenktafel zur Erinnerung an die Deutzer Synagoge am Reischplatz (2007).

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    Horsch, Willy / CC BY 3.0
    Fotograf/Urheber:
    Willy Horsch
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Im Jahr 1424 erfolgte die Ausweisung der Juden aus der Stadt Köln „up ewige tzyden“ („auf alle Zeiten“), wonach viele Juden in den rechtsrheinischen Raum umsiedelten, unter anderem in das seinerzeit noch eigenständige Deutz. Der Zuzug von vertriebenen Juden machte Deutz mit einem jüdischen Bevölkerungsanteil von bis zu 10% zu einem Zentrum des Judentums im damaligen Kurköln.

Die jüdische Gemeinde Deutz seit dem frühen 19. Jahrhundert
Die jüdische Gemeinde in Deutz war in der Frühen Neuzeit eine der wichtigsten Gemeinden in Kurköln. Nach der Wiederansiedlung von Juden in Köln verlor sie an Bedeutung. 1927 traten die Deutzer Juden der Kölner Gemeinde bei. Die in Kalk lebenden Juden gehörten zur Deutzer Gemeinde (1871 49 u. 1895 119). 1891 und 1894 wurden Gesuche, einen eigenen Begräbnisplatz in Kalk einrichten zu dürfen, abgelehnt; 1904 scheiterte der Versuch, eine eigene Synagogengemeinde zu gründen.
Gemeindegröße um 1815: 160 (1790) / 225 (1817), um 1880: 213 (1871), 1932: o. A., 2006: – (vorstehende Angaben alle nach Reuter 2007).

Die erste und zweite Synagoge (bis 1784 und 1786-1914)
Eine erste Synagoge in dem kleinen Deutzer Judenviertel wird 1426 erstmals erwähnt. Diese bestand bis zu ihrer Zerstörung durch das katastrophale Hochwasser von 1784. Möglicherweise hat sich ein Überrest der zugehörigen Mikwe (ein brunnenartig angelegtes jüdisches Ritualbad) noch bis heute unter der Aufschüttung der Rampe zur Deutzer Brücke erhalten (de.wikipedia.org).

Vor allem die Stadt Köln war von dem auch als „Jahrhundert-Eisgang“ oder „Eisflut“ bezeichneten Hochwasser im Frühjahr 1784 betroffen, das als eine der größten Naturkatastrophen der frühen Neuzeit in Mitteleuropa gilt. Nach dem überaus harten Winter von 1783/84 ließ ein plötzlicher Temperatursprung im Frühjahr den Kölner Rhein von seinem normalen Pegel von 3,48 Metern auf 13,55 Meter ansteigen. In der Stadt waren 65 Tote zu beklagen. Den zahlreichen Zerstörungen fielen fast alle Gebäude im Ort Mülheim zum Opfer, darunter auch das dortige jüdische Gotteshaus, das etwa zeitgleich mit der Deutzer Synagoge neu errichtet wurde.

Der Neubau am westlichen Ende der so genannten „Freiheit“ (in etwa entlang der heutigen Straße Deutzer Freiheit) konnte bereits 1786 eingeweiht werden. Das Gebäude wurde wegen des 1913 bis 1915 erfolgten Baus der Hängebrücke (ein Vorgängerbau der heutigen Deutzer Brücke) im Jahr 1914 abgerissen.

Die dritte Synagoge (1915-1938)
Ein als Ersatz errichtetes Gebetshaus entstand 1915 am Reischplatz 6, das während der NS-Novemberpogrome am 9. November 1938 stark beschädigt wurde. Dieses letzte Gotteshaus der Gemeinde wurde nach dem Zweiten Weltkrieg „in veränderter Form wieder aufgebaut und diente dann, da es die jüdische Gemeinde Deutz nicht mehr gab, anderen Zwecken.“ (de.wikipedia.org)

Gedenktafel
Eine an dem Haus befindliche undatierte Gedenkplatte erinnert an die Deutzer Judengemeinde mit ihrem letzten Gotteshaus. Die Tafel aus Stein trägt die Inschrift:
Im Jahre 1915 wurde anlässlich / des Brückenbaues die nach dem / grossen Eisgang des Jahres / 1786 an der Freiheit wieder / aufgebaute Deutzer Synagoge / an diese Stelle verlegt / Am 9.11.1938 wurde die / Synagoge ebenso wie / die mit ihr verbundene / Religionsschule zerstört.

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2020)

Internet
de.wikipedia.org: Jüdische Geschichte in Köln (abgerufen 17.01.2020)
de.wikipedia.org: Winter 1783/84 (abgerufen 17.01.2020)
www.future-history.eu: Ansicht der Synagoge Köln-Deutz 1900/2018 (abgerufen 20.01.2020)

Literatur

Jellinek, Adolf (1881)
Märtyrer- und Memorbuch. Verzeichniss der Märtyrergemeinden aus den Jahren 1096 und 1349, das alte Memorbuch der Deutzer Gemeinde von 1581 bis 1784 nebst Auszügen aus dem neuen von 1786 bis 1816. Wien.
Meynen, Henriette (1992)
Kalk. (Rheinischer Städteatlas, Lieferung X, Nr. 54.) S. 8, Köln.
Pracht, Elfi (1997)
Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil I: Regierungsbezirk Köln. (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern im Rheinland 34.1.) Köln.
Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) S. 33, Bonn.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 438-439, Köln.

Synagoge Deutz

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Reischplatz 6
Ort
50679 Köln - Deutz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Auswertung historischer Karten
Historischer Zeitraum
Beginn 1915, Ende nach 1945

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Synagoge Deutz”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-305448 (Abgerufen: 4. Juli 2020)
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