Poststadion Bonn mit Radrennbahn

Stadion am Lievelingsweg, Schmidt-Schneiders-Stadion

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 44′ 43,16″ N: 7° 04′ 49,23″ O / 50,74532°N: 7,08034°O
Koordinate UTM 32.364.567,39 m: 5.623.261,61 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.576.294,68 m: 5.623.871,98 m
  • Das im Verfall begriffene frühere Bonner Poststadion mit den erhöhten Steilkurven der die Rasenspielfläche umlaufenden Radrennbahn (2005).

    Das im Verfall begriffene frühere Bonner Poststadion mit den erhöhten Steilkurven der die Rasenspielfläche umlaufenden Radrennbahn (2005).

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  • Gedenkstele für Ferdinand August Schmidt (1852-1929) am früheren Bonner Poststadion (2005)

    Gedenkstele für Ferdinand August Schmidt (1852-1929) am früheren Bonner Poststadion (2005)

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  • Blick in nördliche Richtung auf das erkennbar im Verfall begriffene frühere Bonner Poststadion, in dem sich auch eine Radrennbahn befand (2005).

    Blick in nördliche Richtung auf das erkennbar im Verfall begriffene frühere Bonner Poststadion, in dem sich auch eine Radrennbahn befand (2005).

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  • Das im Verfall begriffene frühere Bonner Poststadion mit den erhöhten Steilkurven der die Rasenspielfläche umlaufenden Radrennbahn (2005)

    Das im Verfall begriffene frühere Bonner Poststadion mit den erhöhten Steilkurven der die Rasenspielfläche umlaufenden Radrennbahn (2005)

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  • Das im Verfall begriffene Bonner Poststadion mit den umlaufenden Steilkurven der Radrennbahn (2005), links die Gedenkstele für Ferdinand August Schmidt

    Das im Verfall begriffene Bonner Poststadion mit den umlaufenden Steilkurven der Radrennbahn (2005), links die Gedenkstele für Ferdinand August Schmidt

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Das alte Poststadion in der Bonner Nordstadt lag in unmittelbarer Nähe des heutigen Verteilerkreises am Potsdamer Platz, es entstand 1920/21. Ab 1927 hieß es Schmidt-Schneiders-Stadion und ab 1938 Poststadion. Rund um die Rasenspielfläche war eine Beton-Radrennbahn angelegt.

Um die Wende von 19. zum 20. Jahrhundert galt Bonn nach Frankfurt am Main, Charlottenburg (bis zur Eingemeindung 1920 nach Groß-Berlin eigenständige Großstadt) und Wiesbaden als die viertreichste Stadt in Preußen. Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts entstanden neben städtischen Verwaltungsgebäuden wie dem alten Stadthaus, der ersten deutschen Autobahn Bonn – Köln und mehreren Institutsgebäuden der Universität auch einige Kultur-, Freizeit-, Erholungs- und Sportstätten.

Stadion am Lievelingsweg (ab 1921) und Schmidt-Schneiders-Stadion (ab 1927)
Bereits im Jahr 1920 hatte der Bonner Turnverein 1860 (BTV) das Areal am Lievelingsweg gekauft.
Lieveling, das niederländische Wort für „Liebling“, ist zugleich auch eine mundartliche Bezeichnung für den Sperlingsvogel Lerche. Die Straße hieß von 1903 bis 1928 zunächst Liefelingsweg und dann von 1928 bis 1935 und erneut ab 1945 Lievelingsweg (stadtplan.bonn.de).
Zwischen 1935 und 1945 wurde die damalige Teilstrecke des Wegs zwischen Kölnstraße und Stefan-George-Platz zu Ehren des Gründers und Führers eines „Stoßtrupps Buer“ gegen Truppen der Rheinlandbesetzung in Ludwig-Knickmann-Straße umbenannt. Ludwig Knickmann (1897-1923), ein frühes Mitglied der NSDAP seit 1922, wurde bei einem Zusammenstoß mit einer belgischen Patrouille angeschossen und ertrank bei seiner anschließenden Flucht in der Lippe. Von der NS-Propaganda zu einem „Märtyrer der Bewegung“ stilisiert, wurden in Westfalen und im Rheinland bis 1945 zahlreiche Straßen und Einrichtungen nach ihm benannt (www.lwl.org).

Nach einer einjährigen Bauphase konnte am 8. Mai 1921 das neue Stadion mit einem Fassungsvermögen von etwa 10.000 Zuschauern offiziell eingeweiht werden.
Nach der Fertigstellung einiger Erweiterungsarbeiten in den Folgejahren wurde das Stadion dann am 24. Juli 1927 unter dem nunmehrigen Namen „Schmidt-Schneiders-Stadion“ nochmals eröffnet (nach de.wikipedia.org, andernorts wird vereinzelt ohne Beleg auch der 14. Juli genannt).
Der erste Teil des neuen Namens der Sportanlage geht auf den seit 1880 in Bonn als Sportarzt und Physiologen wirkenden Geheimen Sanitätsrat Ferdinand August Schmidt (1852-1929) zurück. F. A. Schmidt gilt als Mitbegründer der wissenschaftlichen Leibeserziehung, war seit 1883 Herausgeber des Nachrichtenblattes des „Rheinisch-westfälischen Spielverbandes“ und zeitweise auch Vorsitzender des BTV.
Über den ebenfalls als BTV-Vorsitzenden tätigen zweiten Namensgeber Heinrich Schneiders finden sich hingegen kaum biographische Angaben (Hinweise sind willkommen!).

Poststadion (ab 1938)
Der Fußballabteilung des BTV, der sich bereits 1919 der FC Normannia Bonn angeschlossen hatte, war nur drei Tage vor der Stadioneinweihung 1921 mit dem 1904 als FC Borussia Bonn gegründeten Club für Rasenspiele 04 zum Bonner Turnverein e.V., Abteilung Turn- und Rasenspiele (kurz TuRa Bonn) fusioniert.
Für die TuRa war die Saison 1937/38 der Gauliga Mittelrhein die vorläufig letzte Spielzeit im vereinseigenen Schmidt-Schneiders-Stadion, das aus finanziellen Nöten für 85.000 Mark an den Post-Sportverein Bonn 1926 e.V. zwangsversteigert und anschließend in „Poststadion“ umbenannt wurde. Von 1941/42 bis zum Ende des Krieges trat die TuRa gemeinsam mit dem Post-SV als Kriegsspielgemeinschaft Bonn (KSG) an.
Wiederum durch Fusion entstand im Mai/Juni 1965 aus der TuRa und dem bereits 1901 gegründeten Bonner FV (BFV) der Bonner Sport-Club 01/04 e.V.. Der SC ist heute im Bonner Sportpark Nord beheimatet.

Noch lange Zeit in Erinnerung blieben bedeutende Fußballspiele der TuRa im Poststadion – so u.a. 1933 ein 2:4 gegen den FC Schalke 04 mit Fritz Sczepan und Ernst Kuzorra oder am 6. Mai 1948 im nach Kriegsschäden wieder hergestellten Stadion gegen den Meister der französischen Besatzungszone, den 1. FC Kaiserslautern mit den späteren Weltmeistern von 1954 Werner Kohlmeyer, Werner Liebrich, Fritz und Ottmar Walter (die Bonner verloren vor 16.000 Zuschauern deutlich mit 3:12).
Daneben fanden hier seit September 1948 auch zahlreiche Bahnrad- und Steherrennen auf der 400 Meter langen Beton-Radrennbahn statt, die nicht selten mehr als 10.000 Zuschauer anzogen (www.general-anzeiger-bonn.de und www.bonner-geschichtswerkstatt.de).

Der Post-SV, der lange noch seine Geschäftsstelle im Clubhaus am Lievelingsweg unterhielt, verkaufte das Stadion 2003 an einen privaten Investor aus Aachen. Seinerzeit war die Anlage zumindest noch so weit intakt, dass in ihr Teile der 2004 erschienenen Kino-Komödie um eine schwule Fußballmannschaft „Lattenknaller – Männer wie wir“ unter der Regie von Sherry Hormann gedreht werden konnten.
In den anschließenden Jahren verfielen das frühere Stadion und die ungenutzte Radrennbahn jedoch zusehends, Müll und Unrat machten sich auf dem Gelände breit. Weder das Stadion noch die Radrennbahn waren als Denkmale geschützt (www.bonn.de, Denkmalliste), so dass einem Abriss mit anschließender Überbauung des Geländes nichts im Wege stand.
Pläne zur weiteren Nutzung des Areals sahen zu Beginn der 2010er Jahre u.a. vor, dass „das Poststadion komplett verschwinden [solle], denn das ganze Areal wird zugeschüttet und das Clubhaus abgebrochen. Ursprünglich war geplant gewesen, das tiefer liegende Stadiongelände so zu belassen und von unten aus ein viergeschossiges Gebäude zu errichten - also zwei Geschosse über Straßenniveau. Von der alten Radrennbahn, die inzwischen verfallen und an vielen Stellen nur noch zu erahnen ist, wird dann nichts mehr zu sehen sein.“ (www.general-anzeiger-bonn.de, 2011)

Denkmal für F. A. Schmidt
Eine 1930 am Stadion errichtete Erinnerungsstele für den im Jahr zuvor verstorbenen Ferdinand August Schmidt stand bis vor wenigen Jahren noch in der Mittelachse der Gesamtanlage zwischen den beiden Sportplätzen (vgl. Abbildungen). Die einfach gehaltene Tuffstein-Stele mit umlaufender Sockelinschrift und vorgesetztem Kalksteinblock zeigte seitlich das Turnermotto „Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei“.
An seiner Front war der Gedenkstein mit einem Duplikat des 1907 geschaffenen bronzenen Reliefbildnis F. A. Schmidts des Bonner Bildhauers Albert Hermann Küppers (1842-1929) geschmückt, dessen Original sich an Schmidts Grab auf dem Bonner Alten Friedhof befindet. Das Relief befindet sich heute auf einem Gedenkstein auf dem „Hertha-Platz“ genannten Sportplatz des F.C. Hertha Bonn 1918 e.V. in Dottendorf.

Aktuelle Situation
Nach der inzwischen erfolgten Neubebauung des Geländes eröffnete auf dem Areal des früheren Poststadions 2018 ein großer Verbauchermarkt mit umliegenden kleineren Geschäften (www.edeka-mohr.de). Im heute durch moderne Wohnbebauung geprägten Nordwesten des früheren Stadionareals erinnert seit 2006 der Straßenname „Am alten Poststadion“ an den 1927-1960 genutzten früheren Weg zu der einstigen Sportstätte (stadtplan.bonn.de).

Lage / Objektgeometrie
Die hier verzeichnete Lage des Stadions mit der umlaufenden Radrennbahn folgt dem Eintrag „Sportplatz“ auf den topographischen Karten TK 1936-1945 (vgl. Kartenansicht, zur aktuellen Karte technisch bedingt etwas verschoben). Die älteren historischen Karten der Preußischen Neuaufnahme (1891-1912) zeigen das Areal noch völlig unbebaut.
Das Luftbild / Orthofoto Nordrhein-Westfalen 1988-1994 zeigt die inzwischen überbaute frühere Sportanlage noch deutlich (ebd.).

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2019)

Internet
www.cycling4fans.de: Radrennbahn Bonn (abgerufen 21.10.2019)
www.lwl.org: Datenbank der Straßenbenennungen 1933-1945, Ludwig Knickmann (abgerufen 22.10.2019)
stadtplan.bonn.de: Straßennamen in Bonn, Lievelingsweg (abgerufen 22.10.2019)
www.bonn.de: Stadt Bonn, Denkmalliste (PDF-Datei, Stand 15.03.0219, abgerufen 22.10.2019)
d-nb.info: Ferdinand August Schmidt in der Deutschen Nationalbibliothek (abgerufen 21.10.2019)
www.bonner-geschichtswerkstatt.de: Bonn 1948/49 (abgerufen 21.10.2019)
www.general-anzeiger-bonn.de: „Einst Bonner Sport-Tempel, heute Ruine“ (General-Anzeiger vom 18.02.2010, abgerufen 21.10.2019)
www.general-anzeiger-bonn.de: „Lievelingsweg in Bonn: Poststadion soll komplett verschwinden“ (General-Anzeiger vom 13.08.2011, abgerufen 21.10.2019)
www.edeka-mohr.de: EDEKA Mohr, Bonn, Lievelingsweg (abgerufen 21.10.2019)
www.postsportvereinbonn.de: Post-Sportverein Bonn 1926 e.V. (abgerufen 21.10.2019)
de.wikipedia.org: Bonner SC (abgerufen 21.10.2019)
de.wikipedia.org: Albert Küppers (abgerufen 21.10.2019)
de.wikipedia.org: Männer wie wir, Produktion (abgerufen 22.10.2019)

Literatur

Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. Stuttgart.

Poststadion Bonn mit Radrennbahn

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Lievelingsweg / Am alten Poststadion
Ort
53119 Bonn - Nordstadt
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1927, Ende 2018

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„Poststadion Bonn mit Radrennbahn”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-298082 (Abgerufen: 15. Dezember 2019)
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