Bundesautobahn A 555 Köln - Bonn

„Diplomatenrennbahn“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Bonn, Bornheim (Nordrhein-Westfalen), Köln, Wesseling
Kreis(e): Bonn, Köln, Rhein-Erft-Kreis, Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Die alte Trasse der Bundesautobahn A 555 zwischen dem Autobahnkreuz Köln-Süd und dem Verteilerkreis Köln (2012). Hier ist die frühere "Diplomatenrennbahn" als Mittelstreifen der Autobahn erhalten.

    Die alte Trasse der Bundesautobahn A 555 zwischen dem Autobahnkreuz Köln-Süd und dem Verteilerkreis Köln (2012). Hier ist die frühere "Diplomatenrennbahn" als Mittelstreifen der Autobahn erhalten.

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  • Der Potsdamer Platz in Bonn, Endpunkt der Bundesautobahn A 555 (2014). Links das Hauptgebäude von "Verpoorten" und auf der Grünfläche eine rote Stahl-Stele der "Regionale 2010".

    Der Potsdamer Platz in Bonn, Endpunkt der Bundesautobahn A 555 (2014). Links das Hauptgebäude von "Verpoorten" und auf der Grünfläche eine rote Stahl-Stele der "Regionale 2010".

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  • Luftbild mit Fahrradfahrern auf einer Wiese des Köln-Raderthaler Wasserwerkswäldchens, im Hintergrund der Kölner Verteilerkreis (2017)

    Luftbild mit Fahrradfahrern auf einer Wiese des Köln-Raderthaler Wasserwerkswäldchens, im Hintergrund der Kölner Verteilerkreis (2017)

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Am 2. August 1932 eröffnete der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer (1876-1967) Deutschlands erste Autobahn im heutigen Sinne mit den Worten: „So werden die Straßen der Zukunft aussehen“ – und er sollte damit Recht behalten.
Formal ist die „erste kreuzungsfreie Autostraße Europas“ (HBHistSt NRW, S. 150) allerdings erst seit dem 1. April 1959 eine Autobahn nach dem 1953 inkraft getretenen Bundesfernstraßengesetz. Zuvor war sie als L 185 lediglich eine „Landesstraße erster Ordnung“, wenngleich der Volksmund sie schon immer „Autobahn“ nannte (www.rundschau-online.de).
In den Jahren 1948 und 1949 fungierte ein Teilabschnitt der schnellen „Diplomatenrennbahn“ auch als Rennstrecke für das Auto- und Motorradrennen „Kölner Kurs“. Heute ist die A 555 in ein 12.400 Kilometer langes Autobahnnetz eingebunden.

Baugeschichte
Aufgrund der zunehmenden Verkehrsbelastung der alten Landstraße zwischen Köln und Bonn in den 1920er Jahren initiierte der Landeshauptmann der Rheinprovinz, Johannes Horion (1876-1933), den Bau einer kreuzungsfreien Schnellstraße zwischen Bonn und Köln.
Die Baugenehmigung wurde unter der Auflage erteilt, Arbeitslose einzusetzen und keine Großgeräte zu verwenden; Bauträger war die preußische Rheinprovinz. So arbeiteten zwischen Herbst 1929 und Sommer 1932 5.540 sogenannte Notstandsarbeiter auf der ca. 20 Kilometer langen Trasse und in den Steinbrüchen zur Gewinnung von Baumaterial. Der Bau der Kraftwagenstraße sollte neben der Verkehrsentlastung und einer Reduzierung der Unfallzahlen auch als Wirtschaftsmotor in den Krisenjahren um 1920 fungieren (www.ksta.de).

Die anfangs 12 Meter breite, vierstreifige Trasse wurde an ihren beiden Endpunkten im Kölner Süden und Bonner Norden mit je einem für damalige Zeiten innovativen Kreisverkehr versehen und war bereits für Geschwindigkeiten von 120 km/h ausgelegt. Der Straßenbelag bestand aus Basaltpflaster, dessen Zwischenräume mit einer Splitschicht bedeckt waren. 1934 erhielt die kreuzungsfreie, sehr gerade verlaufende Strecke mit 28 Unter- sowie drei Überführungen und einer Auffahrt an der Straße von Brühl nach Wesseling einen Teerbelag (strassen.nrw.de und www.ksta.de).
Die zunächst unter der Bezeichnung „kreuzungsfreie Kraftfahr-Straße“ geführte L 185 wurde in der Zeit der Nationalsozialisten zu einer Landstraße herabgestuft, um den Bau der „ersten Autobahn“ zu Propagandazwecken zu nutzen. Erst 1958 wurde die Straße wieder zur Bundesautobahn unter der Bezeichnung A 72 heraufgestuft. Mit Neuordnung der Autobahnzählsystems in Deutschland 1974 erhielt sie mit der Bezifferung A 555 ihren bis heute geltenden Namen und die Einstufung einer Autobahn von regionaler Bedeutung (de.wikipedia.org).

Zeitgleich mit der Strecke wurde 1932 auch die westliche Tankstelle am Kreisverkehr Köln eröffnet, die bereits zwei Jahre später erweitert wurde. 1950 erfolgte ein weiterer Umbau sowie die Ergänzung um ein Rasthaus; 1953 eröffnete die Tankstelle auf der östlichen Trassenseite: der ehemalige Rasthof „Im Eichkamp“, auf dessen Gelände sich heute ein Verkehrssicherheitszentrum des TÜV Rheinland befindet (www.tuv.de). Die Autobahn dient(e) zudem als Teststrecke für Autobahnbeleuchtungen und Mauterfassungssysteme.

Die „Diplomatenrennbahn“
In Zeiten der Bonner Republik erhielt die A 555 auch die Bezeichnung „Diplomatenrennbahn“ – viele Institutionen ließen sich in Köln nieder, um die Nähe zur Hauptstadt zu nutzen und ihre Vertreter legten, so die Legende, die Strecke zwischen Köln und Bonn in ihren Dienstwagen gerne in Hochgeschwindigkeit zurück. Generell nahm der Verkehr in den 1960er Jahren auf der Strecke so zu, dass ein dreistreifiger Ausbau in jede Richtung zwischen 1964 und 1966 notwendig wurde (www.ksta.de und de.wikipedia.org).

Im Rahmen der Regionale 2010 wurden die beiden Kreisverkehre im September 2008 mit je einer roten Stahl-Stele des Künstlers Lutz Fritsch versehen. Die 50 Meter hohen, 48 Tonnen schweren und 90 Zentimeter dicken Kunstobjekte mit dem Titel „Standortmitte“ sollen die beiden Städte in einen künstlerischen Dialog bringen (de.wikipedia.org und www.ksta.de).

Die Bundesautobahn 555 Köln - Bonn ist wertgebendes Merkmal des Kulturlandschaftsbereichs „Autobahn Köln – Bonn“ (Regionalplan Köln 423).

(Nicole Schmitz, LVR-Fachbereich Umwelt, 2014)

Internet
strassen.nrw.de: A555, „Diplomatenrennbahn“ wird 75 (abgerufen 11.09.2014, Inhalt nicht mehr verfügbar 08.11.2017)
www.rundschau-online.de: „80 Jahre Autobahn von Köln nach Bonn“ (Ulrich Soénius, Kölnische Rundschau vom 02.08.2012, abgerufen 11.09.2014 und 08.11.2017)
www.ksta.de: „Tiere zu treiben war strengstens untersagt“ (Kölner Stadtanzeiger vom 31.07.2012, abgerufen 11.09.2014)
de.wikipedia.org: Bundesautobahn 555 (abgerufen 11.09.2014)
www.tuv.com: Verkehrs-Sicherheits-Zentrum Köln / Bonn (Bornheim) (abgerufen 08.11.2017)
www.spiegel.de: „A 555, Europas erste Autobahn“ (einestages vom 14.08.2007, abgerufen 02.01.2018)

Literatur

Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. Stuttgart.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 41, Köln.

Bundesautobahn A 555 Köln - Bonn

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1929 bis 1932
Koordinate WGS84
50° 46′ 48,27″ N, 7° 01′ 6,23″ O / 50.78007°, 7.0184°
Koordinate UTM
32U 360300.91 5627240.67
Koordinate Gauss/Krüger
2571869.33 5627675.6

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„Bundesautobahn A 555 Köln - Bonn”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-105207-20141008-4 (Abgerufen: 26. Mai 2018)
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