Zivilschutzanlage und Atombunker im U-Bahnhof Kalk Post

Mehrzweckanlage MZA Kalk-Post, heute Dokumentationsstätte Kalter Krieg (DOKK)

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Bahnsteig und Gleisanlage im U-Bahnhof Kalk Post der Stadtbahn Köln (2008); zur Zeit des "Kalten Krieges" zugleich Zugang zu einer Zivilschutzanlage mit Atombunker.

    Bahnsteig und Gleisanlage im U-Bahnhof Kalk Post der Stadtbahn Köln (2008); zur Zeit des "Kalten Krieges" zugleich Zugang zu einer Zivilschutzanlage mit Atombunker.

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  • Vorderansicht des Kalker Postamtes in der Kalker Hauptstraße (2013)

    Vorderansicht des Kalker Postamtes in der Kalker Hauptstraße (2013)

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Im U-Bahnhof Kalk Post wurde die erste Zivilschutzanlage Kölns während des „Kalten Krieges“ (1945 bis um 1989) angelegt. In der einzig erhaltenen Anlage dieser Art in der Stadt sollten in einem Konfliktfall – allerdings nur, wenn der Gegner seinen Atomschlag auch ankündigt… – 2.366 Menschen für 14 Tage Schutz finden.

Der U-Bahnhof Kalk Post
Der unter der Köln-Kalker Hauptstraße gelegene Bahnhof Kalk Post gehört zur ersten Baustufe der Deutz-Kalker U-Bahn (so genannter „Deutz-Kalker Tunnel“). Durch den am 2. August 1980 in Betrieb genommenen zweigleisigen U-Bahnhof führen die Linien 1 und 9 der Kölner Stadtbahn.
„Die Deutz-Kalker U-Bahn war die erste Tunnelstrecke in Köln, die vollständig nach der Stadtbahnrichtlinie des Landes Nordrhein-Westfalen geplant und gebaut wurde.“ (de.wikipedia.org)

Zivilschutzanlagen des Kalten Krieges in Köln
Neben der nachfolgend beschriebenen Bunkeranlage im U-Bahnhof Kalk Post wurden in Köln weitere Zivilschutzanlagen bzw. Atombunker des Kalten Krieges ausgebaut, die das Überleben von tausenden Menschen sichern sollten:
  • ein Zivilschutzbunker im 1985 eröffneten U-Bahnhof Friesenplatz,
  • ein nicht vollendeter Zivilschutzbunker im benachbarten und ebenfalls 1985 eröffneten U-Bahnhof Rudolfplatz,
  • eine zentrale Bunkeranlage am Neumarkt (offenbar geplant, aber nicht realisiert),
  • verschiedene Bunkerräume für die Einsatzleitung des Katastrophenschutzes unter dem historischen Kölner Rathaus, sowie
  • so genannte „Führungsausweichstellen“ als Bunker für Verwaltungseinheiten der Stadt Köln (erhalten in den Stadtteilen Dellbrück, Ossendorf und Klettenberg, letztere vorgesehen als Quartier für den Kölner Oberbürgermeister).
Bundesweit existierten 1979 insgesamt 1,8 Millionen Schutzplätze, davon 180.158 in Mehrzweckanlagen, die in diesem Jahr vom Bund mit 730 Millionen DM gefördert wurden. Die Kosten für Unterhalt und Betrieb hatten die Kommunen zu leisten (Schwienbacher 2016, S. 7).

Kalk Post – einzige erhaltene Zivilschutzanlage der Stadt
Im U-Bahnhof Kalk Post wurde während seiner Erbauung die erste Kölner Zivilschutzanlage während des Kalten Krieges angelegt. Um 1979 wurden dafür von der Stadt mit Unterstützung des Bundes schätzungsweise sieben Millionen DM aufgewendet.
In einer Zwischenebene der U-Bahn-Station wurde eine Mehrzweckanlage ausgebaut und zum 1. Oktober 1979 in Betrieb genommen (Schwienbacher 2016, S. 7). Die auf einer Fläche von rund 2.500 Quadratmetern eingerichteten Versorgungsräume sollten während eines Konfliktfalls genau 2.366 Menschen für zwei Wochen Schutz vor einem Atomschlag oder Giftgas-Angriffen bieten. Schutzsuchende sollten den über gasdichte Tunnelabschlüsse verschließbaren und atomsicheren Bunker über die heute noch sichtbaren, rund 40 Zentimeter dick gepanzerten Stahltüren der „Bochumer Eisenhütte Heintzmann GmbH & Co“ an den Treppen des Bahnhofs und einen dahinter liegenden 75 Meter langen Gang erreichen.
Laut Robert Schwienbacher, Vorsitzender der Kölner Dokumentationsstätte Kalter Krieg, war die Nutzung des Bunkers allerdings „aberwitzig“ auf einen vorher vom Gegner angekündigten Atomschlag ausgerichtet. Auch hätte das nicht-rechtzeitige Eintreffen der der Bedienmannschaft die gesamte Schutzfunktion in Frage gestellt. Einzig 2.366 Durchreisende des Verkehrsknotenpunkts Deutz / Trimbornstraße sollten hier eingelassen werden (Schwienbacher 2016, S. 5 u. 7 und ksta.de, 2016).
„Die Anwohner sollten ihre eigenen privaten Schutzräume haben. (…) Es war angedacht, 14 Tage vor dem Schutzfall die Betten aufzubauen, Lebensmittel einzulagern und die Öltanks zu befüllen.“ (ksta.de, 2016)

Die Anlage war als „Kleine Stadt unter Stadt“ (Informationsflyer DOKK 2016) für den ABC-Schutzfall gegen atomare, biologische und chemische Kampfmittel ausgerüstet:
„Erhalten sind die Pumpen, die das Wasser aus einem eigenen Tiefbrunnen durch die Leitungen schicken sollten. Erhalten ist der Operationsraum mit bescheidener medizinischer Ausstattung. Aber auch die kleine Küche, die Toiletten und Waschräume, das mächtige Notstromaggregat und die Lüftungsanlage sind unverändert geblieben und noch immer funktionstüchtig.
Im Ernstfall wäre ein kleiner Teil der Atemluft über Rohre im Mittelstreifen der Kalker Hauptstraße angesaugt und von ABC-Filtern gereinigt worden. (…)
Pro Person waren 1,7 Quadratmeter vorgesehen. Geschlafen hätten die Schutzsuchenden unter anderem auf 354 vierstöckigen Sitz-Liege-Kombinationen (“LS-Betten„) auf den Bahnsteigen der U-Bahn-Station und in den Aufenthaltsräumen, weitere 432 Personen in den Zügen, die im Atomfall auf jeder Seite der Station eingefahren wären sowie 354 Personen in der Schalterhalle (Schwienbacher 2016, S. 14-16). Die Schächte wären anschließend hermetisch verriegelt worden.“
(ksta.de, 2016)

Erst im Jahr 2005 wurde die der Stadt Köln gehörende Anlage offiziell außer Dienst gestellt.

Dokumentationsstätte Kalter Krieg (DOKK)
Die Dokumentationsstätte Kalter Krieg, die sich künftig um Kölns einzige komplett erhaltene Zivilschutzanlage aus jener Zeit kümmern wird, ist eine neu gegründete Außenstelle des Kölner Festungsmuseums, welches bisher die Kölner preußischen Forts sowie Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg betreut.
Am 11. September 2016, dem Tag des offenen Denkmals, wurden die vollständig erhaltenen Zivilschutzräume als Dokumentationsstätte eröffnet. Künftig sollen hier monatlich kostenlose Führungen durch die Anlage für interessierte Bürger angeboten werden.

Anmerkung zur Geometrie im Kartenbild
Die hiesige Objektgeometrie kann der Komplexität des unterirdischen Bauwerks naturgemäß nicht gerecht werden. Sie zeigt daher den Umfang des U-Bahnhofs Köln Kalk entsprechend der Deutschen Grundkarte DGK 5.

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2016)

Quelle
„14 Tage überleben“ (Der Kalte Krieg: Überleben im Atombunker), Informationsflyer der Dokumentationsstätte Kalter Krieg, 2016.

Internet
www.do-kk.de: Dokumentationsstätte Kalter Krieg (abgerufen 28.09.2016)
museum.crifa.de: Kölner Festungsmuseum (abgerufen 28.09.2016)
www.ksta.de: „Spurensuche in Köln – Das Geheimnis der U-Bahn-Station Kalk Post“ (Kölner Stadtanzeiger vom 19.08.2016, abgerufen 28.09.2016)
de.wikipedia.org: U-Bahnhof Kalk Post (abgerufen 28.09.2016)
www.fulda-gap.de: MZA HBF FFM, eine ähnliche Anlage in der Tiefgarage des Frankfurter Hauptbahnhofs (abgerufen 04.01.2017)

Literatur

Pötzl, Norbert F. / Traub, Rainer (2010)
Der Kalte Krieg. Wie die Welt den Wahnsinn des Wettrüstens überlebte. München.
Schwienbacher, Robert (2016)
Zivilschutz im Kalten Krieg. Überleben in der Mehrzweckanlage Kalk-Post. Köln.

Zivilschutzanlage und Atombunker im U-Bahnhof Kalk Post

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Robertstraße 2
Ort
51105 Köln - Kalk
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1979 bis 1980, Ende 2005
Koordinate WGS84
50° 56′ 14,75″ N, 6° 59′ 55,39″ O / 50.93743°, 6.99872°
Koordinate UTM
32U 359388.02 5644774.12
Koordinate Gauss/Krüger
2570244.78 5645161.23

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„Zivilschutzanlage und Atombunker im U-Bahnhof Kalk Post”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-255072 (Abgerufen: 27. April 2017)
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