Gefängnis Klingelpütz

„Arrest- und Correctionshaus am Klingelpütz zu Cöln“, heute Klingelpützpark

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Historische Luftbildaufnahme des Kölner Zentralgefängnisses „Arrest- und Correctionshaus am Klingelpütz“ (undatiert, vermutlich 1900-1930).

    Historische Luftbildaufnahme des Kölner Zentralgefängnisses „Arrest- und Correctionshaus am Klingelpütz“ (undatiert, vermutlich 1900-1930).

    Copyright-Hinweis:
    unbekannt / gemeinfrei
    Fotograf/Urheber:
    unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Historische Zeichnung: Grundriss des Kölner Gefängnisses „Arrest- und Correctionshaus am Klingelpütz zu Cöln“ (undatiert, vermutlich um 1900).

    Historische Zeichnung: Grundriss des Kölner Gefängnisses „Arrest- und Correctionshaus am Klingelpütz zu Cöln“ (undatiert, vermutlich um 1900).

    Copyright-Hinweis:
    unbekannt / gemeinfrei
    Fotograf/Urheber:
    unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Historischer "Lageplan zum Neubau des Kölner Arrest- und Korrektionshauses" am Klingelpütz mit seiner Umgebung (undatierter Katasterauszug).

    Historischer "Lageplan zum Neubau des Kölner Arrest- und Korrektionshauses" am Klingelpütz mit seiner Umgebung (undatierter Katasterauszug).

    Copyright-Hinweis:
    unbekannt / gemeinfrei
    Fotograf/Urheber:
    unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Der Klingelpützpark in Köln (2012), bis 1969 Standort des Gefängnisses "Arrest- und Correctionshaus am Klingelpütz zu Cöln". Im Hintergrund der Kölnturm im Mediapark.

    Der Klingelpützpark in Köln (2012), bis 1969 Standort des Gefängnisses "Arrest- und Correctionshaus am Klingelpütz zu Cöln". Im Hintergrund der Kölnturm im Mediapark.

    Copyright-Hinweis:
    Horsch, Willy / CC-BY-SA 4.0
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Der in der Eifel als „Stumpfarm“ bekannte fünffache Mörder Johann Mayer (1886-1923), rechts im Bild nach seiner Festnahme 1922.

    Der in der Eifel als „Stumpfarm“ bekannte fünffache Mörder Johann Mayer (1886-1923), rechts im Bild nach seiner Festnahme 1922.

    Copyright-Hinweis:
    Urheber unbekannt / gemeinfrei
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Amtliche Bekanntmachung der Oberstaatsanwaltschaft Koblenz über den Vollzug der Hinrichtung des als "Stumpfarm" bekannten fünffachen Mörders Johann Mayer im Kölner Gefängnis "Klingelpütz" (1923)

    Amtliche Bekanntmachung der Oberstaatsanwaltschaft Koblenz über den Vollzug der Hinrichtung des als "Stumpfarm" bekannten fünffachen Mörders Johann Mayer im Kölner Gefängnis "Klingelpütz" (1923)

    Copyright-Hinweis:
    Urheber unbekannt / gemeinfrei
    Fotograf/Urheber:
    unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Der Name der über eine Länge von knapp 500 Metern von Südwest nach Nordost verlaufenden Kölner Straße „Klingelpütz“ und der hier befindliche gleichnamige Park erinnern an das aus preußischer Zeit stammende und von 1838 bis 1969 betriebene Kölner Gefängnis.

Name und Lage
Baugeschichte
Preußische, Weimarer und NS-Zeit
Ende der Haftanstalt und heutige Situation
Internet

Name und Lage
Der Begriff „Pütz“ bezeichnet im Rheinländischen Dialekt in der Regel einen kleinen Brunnen, eine Quelle oder eine Grube (von lateinisch puteus, u.a. noch erhalten im hochdeutschen Wort „Pfütze“). Der Namensbestandteil „Klingel“ wiederum geht auf eine Familie Clingelmann zurück, die im 13. Jahrhundert Eigentümer des Areals war, auf dem sich offenbar mehrere Brunnen befanden (de.wikipedia.org, Klingelpütz).
Die heutige Straße „Klingelpütz“ am Hansaring in der Kölner Altstadt-Nord verläuft über knapp 500 Meter zwischen der kleinen Parkanlage Gereonsdriesch am Stift St. Gereon und dem früheren Bereich der Bastion XII der inneren preußischen Wallanlage.
Die Kartenblätter der zwischen 1836 und 1850 erarbeiteten preußischen Uraufnahme und der preußischen Neuaufnahme von 1891-1912 zeigen deutlich das hier zwischen 1838 und 1969 betriebene Gefängnis mit seinem sternförmigen Zentralbau (vgl. die historischen Hintergrundkarten in der Kartenansicht).
Nach dem Umzug in die etwa vier Kilometer entfernt liegende moderne Justizvollzugsanstalt Köln-Ossendorf wurde das alte Gefängnis abgerissen und der heutige Klingelpützpark mit Spielplatz und einem Jugendzentrum eingerichtet.
nach oben

Baugeschichte
Die Stadt Köln ging nach der Franzosenzeit 1815 an das Königreich Preußen. Zuvor nutzte man gerne säkularisierte Klöster als Haftanstalten, so in Köln das ehemalige Klarissenkloster „Zu den Schutzengeln“ (Schildergasse / Ecke Neumarkt), in dem um 1800 das „Rheinische Arrest- und Korrektionshaus“ eingerichtet wurde. Dieses diente nach einem Umbau 1846/48 noch länger als Frauengefängnis, entsprach aber schon vorher „weder räumlich und organisatorisch noch in hygienischer Hinsicht den damaligen Anforderungen an den Strafvollzug“ (Braun 2003, S. 121 ff. u. 156 f.).
Preußen erwarb am 28. Juni 1833 von der Stadt das bis zum Ende des 18. Jahrhunderts als Standort eines Augustiner-Chorherrenstifts „Herrenleichnahm“ dienende 26.267 Quadratmeter große Grundstück Klingelpütz 21 für den ersten Neubau einer Strafanstalt in der preußischen Rheinprovinz. Die Bauarbeiten begannen am 29. Mai 1835 nach Entwürfen des Kölner Regierungsbaumeisters Matthias Biercher (1797-1869) und der fertige Bau wurde am 15. Oktober 1838 als „Arrest- und Correctionshaus am Klingelpütz zu Cöln“ übergeben.
„Der dreigeschossige Ziegelsteinbau für 300 “Zwangs-Arbeitsstraffällige„ und 500 “Correktionäre„ (Gefangene) hatte einen voll ausgebauten Keller und zwei Gefängnismauern. Die Innenmauer hatte eine Höhe von 5,02 Metern, die äußere war 6,28 m hoch. Das Mittelgebäude war in Form eines Oktagons gestaltet. (…) Ab März 1843 erfolgte die Erweiterung um den Südflügel, auch Isolierhaft­flügel genannt, mit Einzelzellen für 180 Personen, die 1845 vollendet war.“ (de.wikipedia.org, ausführlich bei Braun 2003)
Obgleich die Anstalt Platz für rund 800 Insassen bot, erwies sie sich bereits 1841 als zu klein – Notgefängnisse wurden seinerzeit in der Severinstorburg und im Bayenturm eingerichtet. Zu beachten ist hierbei allerdings, dass seinerzeit neben Straftätern auch „Geistes- und andere Kranke, Bettler, Menschen ohne festen Wohnsitz, sowie Waisenkinder und so genannte Fürsorgezöglinge“ in den Anstalten untergebracht wurden (Braun 2003, S. 132).
nach oben

Preußische, Weimarer und NS-Zeit
Der wohl berühmteste Insasse des 19. Jahrhunderts war Kardinal Paulus Melchers (1813-1895, Kölner Erzbischof 1866-1885) im Rahmen des Kulturkampfes. Der bei den Katholiken außerordentlich populäre Melchers wurde nach seiner spektakulären und Aufsehen erregenden Verhaftung am 31. Mai 1874 für etwas mehr als ein halbes Jahr im Klingelpütz inhaftiert.
Da sie über einen von außen nicht einsehbaren Hof verfügte, wurden in der Kölner Anstalt auch Todesurteile anderer Justizeinrichtungen im Rheinland vollstreckt. So wurden hier am 29. Dezember 1923 der in der Eifel als „Stumpfarm“ bekannte fünffache Mörder Johann Mayer (1886-1923) durch Enthauptung hingerichtet (dpsg-kaisersesch.de) und am 2. Juli 1931 der als „Vampir von Düsseldorf“ bekannte (mindestens) neunfache Serienmörder Peter Kürten (1883-1931).

Während der NS-Diktatur wurde diese Praxis für Verurteilungen durch Sondergerichte (Aachen, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Hagen, Koblenz, Köln, Münster, Wuppertal), den Berliner Volksgerichtshof und das Leipziger Reichsgericht fortgesetzt – vermutlich kamen hier über 1.000 Menschen mit dem Fallbeil zu Tode.
Für die Nutzung durch die Geheime Staatspolizei war ab 1944 ein ganzer Flügel der Haftanstalt reserviert. Die durch andauernde Überbelegung ohnehin sehr beengten Haftbedingungen – für 1940 bis 1944 ist von zeitgleich 10.000 bis 15.000 Gefangenen die Rede! – verschlimmerten sich nochmals durch einen Bombentreffer im gleichen Jahr.
Nach dem Fund von sieben ausländischen Toten kurz nach der Befreiung (25. Mai 1945) wurden im Oktober und November nochmals weitere 80 Leichen im Gefängnishof ausgegraben. Es handelte sich wahrscheinlich um politische Häftlinge, die offenbar für eine Verlegung in das Konzentrationslager Buchenwald als „transportunfähig“ angesehen und noch am 15. Januar 1945 ermordet wurden (Kraus 1999).
nach oben

Ende der Haftanstalt und heutige Situation
In der Nachkriegszeit galt die mittlerweile 120 Jahre alte Anstalt als deutlich zu klein und in der Mitte der 1960er Jahre häuften sich auch negative Schlagzeilen rund um körperliche Übergriffe von Vollzugsbediensteten auf Gefangene und um Gewalt unter Häftlingen. Den Vorwürfen in der so genannten „Klingelpütz-Affäre“ konnte der Justizvollzug im veralteten Klingelpütz nur bedingt begegnen.
Auch Ausbrüche aus dem Gefängnis häuften sich in dieser Zeit – alleine zwischen 1960 und 1969 flohen 27 Gefangene. Eine letzte spektakulären Flucht gelang sieben Insassen am 23. August 1968 nur kurz vor der Schließung des Klingelpütz (youtu.be, „Chicago am Rhein“).

Gleichwohl galt für die schweren Jungs des Kölner kriminellen Untergrunds: „Ein richtiger Kölscher aus dem Milieu, der musste mal im Klingelpütz gewesen sein. Das musste sein, um mitsprechen zu können“ – so der Kölner Geldfälscher Hans-Jürgen „de Duv“ Kuhl (*1941), der seine sechsjährige Haftstrafe ab 2007 allerdings in der Justizvollzugsanstalt Euskirchen verbrachte. Die Kölner Rotlichtgröße Anton „Lange Tünn“ Claahsen (*1947) verbrachte hingegen zweieinhalb Jahre Haft im Klingelpütz (Müller / Mueller 2011, S. 12 und 93-113).

Die bereits seit Ende der 1950er Jahre geplante neue Kölner Justizvollzugsanstalt in Ossendorf nahm 1968/69 ihren Betrieb auf, so dass nach der Verlegung der Gefangenen dorthin der Abriss des alten Klingelpütz erfolgen konnte – unter anderem durch eine große Sprengung am 4. Juni 1969.
Auf dem ehemaligen Gelände wurde 1969-1971 der heutige, rund zwei Hektar große Klingelpützpark eingerichtet. Der innerstädtische Landschaftspark gilt aufgrund seiner großräumigen Anlage als zeittypisches Beispiel stadträumlicher Gestaltung.

Zum 40. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges wurde am 1. September 1979 ein von dem Künstler Hans Karl Burgeff (1928-2005) gestalteter Gedenkstein der Öffentlichkeit übergeben. Dieser erinnert an den Klingelpütz als NS-Hinrichtungsstätte, seine Inschrift lautet:
„Hier wurden von 1933-1945 über tausend von der nationalsozialistischen Willkürjustiz unschuldig zum Tod Verurteilte hingerichtet.“

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2016)
nach oben

Internet
www.jva-koeln.nrw.de: Die neue JVA Köln (abgerufen 22.02.2016)
deu.archinform.net: Internationale Architektur-Datenbank (abgerufen 24.02.2016)
youtu.be: „Chicago am Rhein – Von großen und kleinen Ganoven in Köln“ (Dokumentation von einsfestival über die Zuhälter in Köln, Teil 1), zeitgenössische Originalaufnahmen zum Klingelpütz ab 9:00 (abgerufen 28.02.2017)
de.wikipedia.org: Klingelpütz (abgerufen 12.02.2016)
de.wikipedia.org: Klingelpützpark (abgerufen 24.02.2016)
de.wikipedia.org: Johann Mayer (Serienmörder) (abgerufen 17.02.2017)
www.dpsg-kaisersesch.de: Trierischer Volksfreund vom 21./22. September 1996, „Stumpfarm“ hinterließ eine blutige Fährte (abgerufen 26.01.2013)
nach oben

Literatur

Braun, Susanne (2003)
Das Gefängnis als staatliche Bauaufgabe dargestellt am Beispiel der Kölner Strafanstalt "Der Klingelpütz" (1834-1838 und 1843-1845), zugl. Diss. phil. Universität zu Köln. o. O. Online verfügbar: kups.ub.uni-koeln.de, abgerufen am 24.02.2016
Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. S. 580 ff., Stuttgart.
Kraus, Stefan (1999)
NS-Unrechtsstätten in Nordrhein-Westfalen: Ein Forschungsbeitrag zum System der Gewaltherrschaft 1933-1945, Lager und Deportationsstätten. (Schriften zur Bodendenkmalpflege in Nordrhein-Westfalen 4.) S. 73-74, Essen.
Müller, Peter F.; Mueller, Michael (2011)
Chicago am Rhein - Geschichten aus dem kölschen Milieu. Köln.

Gefängnis Klingelpütz

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Klingelpütz
Ort
50670 Köln - Altstadt-Nord
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1835 bis 1838, Ende 1969
Koordinate WGS84
50° 56′ 46,69″ N, 6° 57′ 1,13″ O / 50.9463°, 6.95031°
Koordinate UTM
32U 356014.76 5645854.05
Koordinate Gauss/Krüger
2566829.71 5646103.29

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Gefängnis Klingelpütz”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-247187 (Abgerufen: 20. November 2018)
Wir verwenden Cookies, um die Nutzbarkeit unserer Seiten zu optimieren. Falls Sie mit der Speicherung von Cookies nicht einverstanden sind, finden Sie weitere Informationen auf unserer Internetseite.
Seitenanfang