Eisenwerk Gienanth Eisenberg

Gienanth-Werke, Eisenhüttenwerk Gienanth

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Eisenberg (Pfalz)
Kreis(e): Donnersbergkreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 32′ 56,21″ N: 8° 03′ 18,95″ O / 49,54895°N: 8,05526°O
Koordinate UTM 32.431.662,76 m: 5.488.911,34 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.431.710,72 m: 5.490.667,77 m
  • Historisches Gruppenfoto mit achtzehn Formern des Eisenwerks Gienanth Eisenberg (1898)

    Historisches Gruppenfoto mit achtzehn Formern des Eisenwerks Gienanth Eisenberg (1898)

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  • Historische Postkarte mit Blick von Osten auf das Eisenwerk Gienanth (gelaufen um 1910)

    Historische Postkarte mit Blick von Osten auf das Eisenwerk Gienanth (gelaufen um 1910)

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  • Blick von Süden auf Werksgebäude der Eisenwerke Gienanth in Eisenberg (Pfalz), mit historischer Turmuhr (2020).

    Blick von Süden auf Werksgebäude der Eisenwerke Gienanth in Eisenberg (Pfalz), mit historischer Turmuhr (2020).

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  • Historische Postkarte mit Blick von Westen auf das Eisenwerk Gienanth (gelaufen um 1910)

    Historische Postkarte mit Blick von Westen auf das Eisenwerk Gienanth (gelaufen um 1910)

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  • Eisenwerk Gienanth in Eisenberg und Landschaftspark Friedrich von Gienanth (1880).

    Eisenwerk Gienanth in Eisenberg und Landschaftspark Friedrich von Gienanth (1880).

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Südwestlich der Stadt Eisenberg in der Pfalz, unmittelbar an der Ramsener Straße, befindet sich das Eisenwerk Gienanth. Das unter dem Namen Gienanth GmbH firmierende Unternehmen ist Teil der Gienanth-Group. Bekannt ist die Firma für die Verarbeitung und Produktion von Gusseisenwaren. Gegründet wurde das Unternehmen bereits im Jahr 1742 in Hochstein durch Johann Nikolaus II. Gienanth. Es ging dort aus einem Großhammer (Oberhammer) hervor. Die Gienanth-Werke gelten auch heute noch als eines der angesehensten Unternehmen in der Eisenindustrie Deutschlands.

Standort des Eisenwerks
Werksgelände
Geschichte
Produktion
Entwicklung
Internet

Standort des Eisenwerks
Im frühen 19. Jahrhundert lagen die Gebäude des Eisenwerks Gienanth 1,6 Kilometer von der Stadt Eisenberg entfernt, direkt am Eisbach. Dieser wurde an zwei Stellen aufgestaut und bot der Eisenverhüttung einen idealen Standort. An dem der Stadt zugewandten Weiher befand sich die „Pappier Mühle“, am Ufer des zweiten Stauweihers befanden sich die Hüttenwerke, gekennzeichnet mit „Hamer“ für Eisenhammer (siehe Tranchot- v. Müffling-Karte 1803-1820 (RLP) im Kartenwerk von KuLaDig). In nur wenigen Jahrzehnten wurde die Anlage ausgebaut. Es entstanden mehrere längliche Gebäude, die rechtwinklig aneinander angrenzten und der Produktion, Verwaltung und Lagerung dienten (siehe Karte „Topogr. Aufnahme Bayern Pfälzische Gebiete (1836-1841).
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Werksgelände
Heute umfasst das gesamte Fabrikgelände eine Fläche von 87 000 Quadratmetern. Es ist ca. 580 Meter lang und 150 Meter breit. Das Gelände besteht aus mehreren Produktionshallen, dem Herrenhaus, dem Arbeiterhaus und einem Landschaftspark, mit Mausoleum, Schweizerhaus, Gewächshaus und Orangerie. Das Herrenhaus dient heute als Verwaltungsgebäude. Im Arbeiterhaus ist die Lehrwerkstatt untergebracht.
Der heutige Baubestand besteht sowohl aus modernen als auch historischen Gebäuden. Bei den historischen Gebäuden handelt es sich um zumeist langgestreckte, ein- bis viergeschossige Gebäude aus Backstein, teilweise verputzt. Das älteste Gebäude auf dem Areal stellt der eingeschossige “Didierbau„ von 1784 dar. Gedeckt sind die historischen Gebäude mit Satteldächern. Früher zeugten mehrere hohe Schornsteine von den Eisenverarbeitungs- und Schmelzprozessen im Werk. Von den historischen Schornsteinen ist heute keiner mehr erhalten. Über einem der historischen Werksgebäude thront noch heute der weiße hölzerne Turmaufbau mit einer Uhr.
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Geschichte
Die Geschichte der Gienanth-Werke begann mit einem Schmied und Müller namens Pierre Guinand. Dieser wanderte im Jahre 1656 aus Cortaillod am Neuenburgersee in der Schweiz ein. Sein Enkel, Johann Nikolaus Gienanth II. (1685- 1750) suchte ab dem Jahr 1729 nach Eisenerz für seine Eisenschmelz. In Hochstein (Ortsteil von Winnweiler), rund um den Donnersberg, wurde er fündig. Der Sohn von Johann Nikolaus war Johann Jakob II. Gienanth (1713-1777). Dieser schloss im Jahr 1753 einen Pachtvertrag mit dem Bischof von Worms über den Eisenberger Großhammer (Oberhammer). Das war das erste Werk in Eisenberg, das von einem Gienanth geleitet wurde. Dieses Werk wurde 1770 von Franz Didier (1730-1786) übernommen. Johann Ludwig Michael von Gienanth (1767-1848) war der erste Eigentümer des Eisenberger Werkes aus der Familie Gienanth. Er kaufte im Jahre 1800 die Eisenberger Schmelz (Hochofen mit Gießerei, Groß- und Kleinhammer).
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Produktion
Im ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhundert stand der Name “Eisenwerke Gienanth„ besonders für die Produktion von Roheisen, Formguss und Herdgussplatten als Ofen-, Taken- und Kaminplatten. Diese sind bekannt für ihre auffälligen Ornamente und Verzierungen. Die Produkte wiesen eine sehr hohe Qualität auf und wurden mit mehreren Auszeichnungen und Medaillen international geehrt. Neben der aufwändigen Produktion von Spindeltreppen, Geländern und Öfen, stellte das Unternehmen auch Töpfe, Brunnen, Brunnenteile, Waffeleisen und Schrauben her. Zahlreiche Produkte sind auf öffentlichen Plätzen zu sehen, wie der Trinkwasserbrunnen in Bobenthal oder die Wetterfahne aus Eisen vom Kriegerdenkmal auf dem Leisbühl. Zum einem der schönsten Objekte zählt der Andreasbrunnen in Deidesheim. Heute ist das Unternehmen bekannt für die Produktion von Gusseisen. Produziert werden unter anderem Kfz.-Teile, Motorblöcke, Gehäuse für Pumpen und Geräte.
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Entwicklung
Die Eisenwerke Gienanth passten ihre Produktionserzeugnisse und somit auch die Produktionsbedingungen stets den aktuellen Anforderungen an. Im Jahre 1837 besaß das Unternehmen einen zehn Meter hohen Hochofen und verarbeitete 1840 bis zu 5.500 Tonnen Eisenerz pro Jahr. Heute produziert das Unternehmen bis zu 197.000 Tonnen Stahl pro Jahr. Dafür kommen acht verschiedene Öfen zum Einsatz.
Das Unternehmen musste aber auch einige Krisenzeiten durchstehen. Die Besetzung der Pfalz durch Frankreich bis zum Jahr 1815, der Erste und Zweite Weltkrieg (1914 bis 1918 und 1939 bis 1945) sowie eine Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 stellten auch das Eisenwerk Gienanth vor große Herausforderungen. Teilweise mussten die Werke zeitweise geschlossen und Mitarbeiter entlassen werden. In der Nachkriegszeit prosperierte das Unternehmen von neuem. Heute ist das Unternehmen international tätig. Neben den Standorten in Eisenberg, Fronberg (Oberpfalz) und Steyr (Österreich), verfügt die Gienanth GmbH über Produktionsstandorte in den USA und in Indien.

Das Eisenwerk Gienanth wird im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Landkreis Donnersbergkreis (Stand 2018) geführt. Der Eintrag lautet: “Ramsener Straße Eisenwerk Gienanth (Denkmalzone) im Wesentlichen unter Ludwig (1767-1848), Friedrich (1805-42) und Eugen (1846-93) von Gienanth planvoll konzipierte Gesamtanlage mit klassizistischem Herrenhaus (1826-29) mit Ökonomie (1835) und ummauertem Landschaftspark, 1833/34 von Garteninspektor Metzger, Heidelberg, und Hofgärtner Stiehl, Mannheim, mit Orangerie und neuklassizistischem Mausoleum Fam. Gienanth (1912), Häuserzeile mit Arbeiterwohnungen (ab 1818), Verwaltungs-, Magazin- und Produktionsbauten einschl. der Hofräume und des Stauweihers des frühen 18. Jh.; ältester Kern der eingeschossige spätbarocke „Didierbau“, bez. 1784 (Erweiterungen 1801 und 1812).„

(Katharina Laux, Amira Assenmacher und Lisa-Marie Lösch, Universität Koblenz-Landau, 2020)

Internet
www.gienanth.com: Gienanth Group (abgerufen 26.11.2020)
www.wirtschaftsgeschichte-rlp.de: Gienanth (abgerufen 26.11.2020)
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Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2018)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler - Donnersbergkreis (Denkmalverzeichnis vom 27. November 2018). Mainz. Online verfügbar: https://gdke.rlp.de/denkmalliste-rheinland-pfalz/
Gienanth, Ulrich von (1986)
250 Jahre Eisenwerk Eisenberg. Die Geschichte der Eisengießer-Familie Gienanth. o. O.

Eisenwerk Gienanth Eisenberg

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Ramsener Straße 1
Ort
67304 Eisenberg (Pfalz)
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Denkmalzone gem. § 5 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1800 bis 1830

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
Katharina Laux, Amira Assenmacher und Lisa-Marie Lösch, „Eisenwerk Gienanth Eisenberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-326183 (Abgerufen: 14. April 2021)
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