Arbeitersiedlungen im Essener Nordosten

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Zeugnisse des frühen Arbeiterwohnungsbaus aus der Zeit vor 1850 sind im Essener Norden nicht erhalten. Die für das Ruhrgebiet charakteristische Wohnform des Bergmannskottens, von dem im Ruhrtal ganze Ortschaften wie Altendorf, Stiepel und Heisingen gekennzeichnet waren gab es nicht. Aus den Bauakten überliefert ist aber der Bau privater Bergarbeiterwohnhäuser seit spätestens 1840/1850.

1860-1900
Die Zeit nach 1850 war industriegeschichtlich eine Art erster Gründerzeit mit einer regen Bautätigkeit im Fabrik- und Siedlungsbereich. In den ländlichen Industrierevieren wurden aufgelockerte Kleinhaussiedlungen angelegt, in denen noch eine starke gedankliche Verbindung zu den Koloniedörfern des 18. und frühen 19. Jahrhunderts spürbar wird (vgl. Pfalzdorf und Louisendorf am Niederrhein). Die Architekturformen wurden von klassizistischen Vorstellungen geprägt. Verwirklicht wurden schlichte, kubische Putzarchitekturen mit rechteckig in die Fassade eingeschnittenen Fenster- und Türöffnungen. Horizontale Gesimsbänder und zuweilen rechteckige Blendnischen im Drempel gliedern die Architektur. Das bekannteste Beispiel für diese Siedlungsarchitektur wurde 1846 mit den leider nicht erhaltenen Meisterhäuser der Siedlung Eisenheim in Oberhausen verwirklicht. Im Außenbild glichen die ersten Häuser der Zollverein-Siedlung Hegemannshof diesen Pionierbauten, die schon Bruno Taut wegen ihrer schlichten Geradlinigkeit aus der Sicht der klassischen Moderne faszinierten (Bruno Taut in: Bauen, der neue Wohnbau, 1927). Von diesen ersten Häusern der Siedlung Hegemannshof an der Victoriastraße sind keine Beispiele erhalten geblieben. Die zur Zeche Carl gehörende Siedlung an der Lampferhofstraße in Altenessen von 1867 vermittelt ein - allerdings durch Sanierungs- und Umbaumaßnahmen stark gestörtes - Bild dieser Architekturauffassung im Siedlungsbau.

Die Rückbezüge der ersten Arbeitersiedlungen zur vorindustriellen Zeit lassen sich mehr noch als in den Gesamtanlagen der Siedlungen in den Grundrissen der Haustypen nachspüren. Mit den in die Häuser integrierten Stallbereichen und den herdraumartig angeordneten Küchen (Lampferhofsiedlung der Zeche Carl) finden sich starke Hinweise auf die vorindustrielle Kottenarchitektur. Aber auch städtische Kleinhausformen, wie etwa das Dreifensterhaus, waren Vorbilder für Wohnformen im frühen Arbeitersiedlungsbau.

Die Jahrzehnte nach 1860 waren in städtebaulicher Hinsicht im Essener Nordosten – beginnend mit der Siedlung Hegemannhof – gekennzeichnet durch geradlinige Siedlungsanlagen mit reiner Backsteinarchitektur. Diese Anlagen waren verständlich als Ausdruck der technischen, wirtschaftlichen und nutzungsmaximierenden Zielsetzungen jener Zeit. Die Gleichartigkeit der Häuser sollte die Lebenssituation und soziale Stellung der Siedlungsbewohner zum Ausdruck bringen. Nur die innerhalb des Siedlungsverbandes liegenden Meister bzw. Steiger- und Angestelltenhäuser durften in Größe und Lage den anderen Häusern überlegen sein. In den sachlichen Architekturformen und den regelmäßigen Siedlungsanlagen kam auch das Weltbild der Auftraggeber zum Ausdruck. Das Industriebürgertum war stolz auf den von Technik und Industrialisierung bewirkten Fortschritt, und es war zu jener Zeit nahe liegend, die in diesem Prozess enthaltenen Werte wie Zweckmäßigkeit und serielle Produktion auch auf andere Lebensbereiche und Lebensäußerungen zu übertragen. Die Zeche Zollverein baute im Essener Norden große Siedlungen in diesem Stil, von denen noch eindrucksvolle Reste in den Siedlungen Hegemannshof, Ottekampshof, Colonie III (Schlägel- und Eisenstraße) und Beisen erhalten sind. In den Siedlungsnamen schlägt sich nieder, dass Zollverein ganze Hofanlagen mit zugehörigem Grundbesitz aufkaufte, um die Siedlungen errichten zu können.

Es ist beeindruckend, wie stark sich der für Mülhausen im Elsaß weiter entwickelte Haustyp des Vierhauses mit Kreuzgrundriss im rheinisch-westfälischen Industriegebiet und damit auch im Essener Norden durchsetzte. Dieser Haustyp war bereits in vorindustrieller Zeit bekannt, wurde nun aber auf die Bedürfnisse der Industriearbeiterschaft neu zugeschnitten. Nach Wiederentdeckung für die Arbeiterstadt Mülhausen im Elsaß seit 1853 und Präsentation auf den Weltausstellungen 1855 und 1867 fand dieser Haustyp starke Verbreitung, besonders im Ruhrgebiet. Das Vierhaus vereinigte vier Wohnungen unter einem Dach und zwar so, dass sich im Grundriss als Trennungslinie zwischen den Wohnungen ein Kreuz ergibt. Mit vier separaten Eingängen wollte man den Familien Privatheit und Abgeschiedenheit von den Nachbarn ermöglichen. Das Vierhaus war eine ökonomische und praktische Wohnungsform und kam dem damals schon stark verbreiteten Ideal der englischen Cottage-Architektur nahe. Für die Unterbringung von Ställen war innerhalb dieser Vierhausgrundrisse kein Platz. Dennoch ähnelten die ersten Vierhäuser für die Siedlung Hegemannshof in der Grundstruktur noch der in der Lampferhofsiedlung realisierten Kottenarchitektur, von der man sich dann aber stetig entfernte. Die verschiedenen Variationen der Vierhaustypen in den Zollverein-Siedlungen unterscheiden sich besonders in der Anordnung der Hauseingänge und Zuordnung der Stall- und Abortgebäude.

Im Übergang von einer agrarisch geprägten Gesellschaft zur Industriegesellschaft mussten sich neue Wohn- und Lebensformen herausbilden. Diese neuen Lebensformen lösten sich nur langsam von den traditionellen aus vorindustrieller Zeit stammenden Gewohnheiten und entwickelten sich aus den neu entstehenden Wohnbedürfnissen der Industriegesellschaft und den eher kleinbürgerlich geprägten Vorstellungen der Wohnungsreformer und Industrieherren. Die Arbeitersiedlungen dokumentieren in ihren Grundrissformen den nur langsam voranschreitenden Ablösungsprozess von einer Agrar- zur Industriegesellschaft.

Ställe und Gärten
Charakteristisch blieben über die Jahrzehnte hinweg bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg die aus ländlich-bäuerlichen Lebensweisen übernommenen Stallbauten. Interessant sind die verschiedenen Lösungen, wie die Stall- und Abortbauten zum Wohnhaus lagen.

Ebenso sind die großen, zur Eigenversorgung der Bewohner mit Lebensmittel dienenden Gärten wichtig. Kennzeichnend für die Zollverein-Siedlungen waren – wie auch in anderen Siedlungen des Ruhrgebiets – die großzügig bemessenen Gärten hinter den Häusern. Schon für die Siedlung Hegemannshof gab es 640 qm große Gärten und noch für die Siedlung „Glückauf“ wurden nach dem Zweiten Weltkrieg 600qm große Gärten verwirklicht. Üblich war die Haltung von Schweinen, Ziegen und Hühnern, teilweise auch Rindern und Schafen. 1893 wurden unter den Zollverein-Bergleuten 600 Schweine, 310 Ziegen, 44 Rinder, 6 Schafe und auch 2 Pferde gezählt. Einige Familien hielten auch Kaninchen. Im Herbst war Schlachtfest. Im Garten wurde Melde (ähnlich wie Spinat), Kartoffeln, Möhren, Bohnen, Erbsen, Zwiebeln und Rhabarber angebaut. Es gab auch Johannisbeeren und Birnbäume in den Gärten.

Infrastruktur/Konsumanstalten
Auch für die Infrastruktur sorgte das Unternehmen. Bau und Entstehung der Evangelischen und Katholischen Kirche wurde mit finanziellen Zuwendungen unterstützt. Zu den Kirchen gehörten Versammlungssäle, Büchereien mit Lesehalle und Kleinkinderschulen. Zur Versorgung mit Lebensmitteln wurden Konsumanstalten gebaut. 1895 hatte Zollverein drei Verkaufsstellen, 1913 schon sechs und 1926 acht. In den Verkaufsräumen wurden fast alle Waren lose angeboten: Sauerkraut im Fass, Essig und Öl in Korbflaschen, Salzheringe im Fass, Schweinfutter in Säcken, Mehl, Reis, Erbsen und Linsen in großen Kippläden unter der Theke. Auch Butter, Marmelade und Kaffee wurde abgewogen. Die Konsumanstalten wurden bis in die 1950er Jahre betrieben. Zusätzlich gab es in den Siedlungen auch eine Versorgung durch Straßenhändler, die Stroh und Tierfutter, Milch, Gebäck und Heringe brachten.

1900-1920
Aus der Kritik an der schlichten Backsteinarchitektur und den geradlinigen Rastersystemen entwickelte sich seit 1890 eine ganz entgegen gesetzte Tendenz. Die neuen Siedlungen waren generell im europäischen Arbeiterwohnungsbau durch eine Abkehr von den starren geometrischen Straßennetzen zugunsten weich geschwungener Wegeführungen gekennzeichnet. Durch das Abweichen von der geraden Fluchtlinie und dem Vor- und Zurückspringen der Häuser und einzelner Hausteile entstanden vielfältige Straßenräume. Der Abwechslungsreichtum in den Hauskörpergliederungen ergab malerische Massenkompositionen. Der Eindruck des Malerischen wurde durch die Hinwendung zu bodenständigen ländlichen Bauformen mit Zierfachwerk und Schieferflächen noch unterstrichen. Obwohl in Essen mit der Krupp-Siedlung Altenhof (1893-1900) ein überregional stark beachteter Vorreiter dieser Entwicklung auch den Bauherrn der Siedlungen im Essener Norden gegenwärtig war, wurden diese neuen Formprinzipien nur zögernd und zurückhaltend übernommen. Der Siedlungsbau im Essener Norden war konservativ und vollzog nur zögerlich die Neuerungen in Architektur und Städtebau der Siedlungen nach.

Schon bald nach der Jahrhundertwende wurde die nun als überzogener Romantizismus kritisierte malerische Architektur der vorhergehenden Entwicklungsphase durch eine neue Richtung abgelöst. In der städtebaulichen Anlage erfolgte eine Beruhigung und Vereinheitlichung der Formen. Es wurden zusammenhängende Stadtbilder angestrebt, mit in sich geschlossenen Straßen- und Platzräumen. Der Einzelbau hatte sich deutlich dem Gesamtbild unterzuordnen. Seit etwa 1915 kam es zu einer noch stärkeren Vereinfachung der Formen und tendenziell zu strengeren Kompositionen mit einer Zusammenfassung der Hauszeilen zu Straßenfluchten und Platzräumen.

Der zu diesen stark städtebaulich orientierten Zielsetzungen passende Haustyp war der Gruppenbau mit vier und mehr nebeneinander addierten Hauseinheiten. Dieser Haustyp ließ sich auch in die Leitbilder der Gartenstadtbewegung mit einer noch verstärkten Hinwendung zu einer aufgelockerten Haus- und Gartenarchitektur mit Grünflächen und Baumpflanzungen im Straßenraum einordnen.

In den Architekturformen wurde generell im Wohnungs- und Siedlungsbau seit 1905 eine schlichte Putzarchitektur mit nur noch schwachen Anklängen an historische Vorbilder bevorzugt. In Verbindung mit der Heimatbewegung wurden regional unterschiedlich aber auch Fachwerkkonstruktionen, verschieferte Bauformen und schlichte Backsteinbauweisen verwendet. Die verhaltene Verwendung von Putzarchitekturen findet sich im Essener Norden in den Siedlungen Hegemannshof und Schalker Straße. Sichtfachwerk gab es seit 1907 für die Siedlung Stiftsdamenwald. Andeutungsweise kamen die städtebaulichen Tendenzen in der Siedlung Theobaldstraße zum Ausdruck, viel stärker aber noch in der zur folgenden Periode gehörenden, seit 1921 ausgeführten Siedlung Heinrich-Lersch-Platz.

Die Zeche Zollverein hatte bis zum Ersten Weltkrieg 4.000 Wohnungen in 700 Häusern geschaffen. Etwa 40% der Belegschaft fand in den Siedlungen Unterkunft.

1920er/1930er Jahre
Der Arbeitersiedlungs- und Werkswohnungsbau im klassischen Sinne endet in Deutschland mit der Kaiserzeit. Die Vernachlässigung des Wohnungsbaus während des Krieges, Kriegsheimkehrer, Flüchtlinge, die Blockade alter Wohnungen durch Kriegerwitwen bewirkten auch im Essener Norden einen hohen Bedarf an neuen Wohnungen.

In der Weimarer Republik gab es eine Vielzahl von gesetzlichen und förderrechtlichen Regelungen, mit denen die direkte Kopplung von Wohnung und Arbeitsplatz getrennt wurde. Anstelle von nur noch sporadisch gebauten Werkssiedlungen gab es nun aber einen Wohnungsbau für spezifische Berufsgruppen – die Wohnungen waren also nicht mehr zechen- oder werksgebunden, sondern an Berufsgruppen wie den Bergleuten orientiert. Im Ruhrgebiet wirkten die Treuhandstellen für Bergmannswohnstätten. Auch die gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften in den Industrierevieren und Industriestädten produzierten ausschließlich oder hauptsächlich Arbeiterwohnungen. Hinter der Ruhr-Wohnungsbau AG in Dortmund (1928) standen die großen Montanwerke, um einen Wohnungsbau mit staatlicher Förderung analog zur Treuhandstelle auch für andere Industriebetriebe ausführen zu können. Die im Essener Nordosten erbauten Wohnungen standen damit allen Bergleuten offen, wurden aber sicher vorrangig für die Zollverein-Mitarbeiter errichtet.

In den 1920er Jahren dominierten im Rheinland generell die traditionellen Bauformen, teilweise vermischt mit Elementen des Funktionalismus und des Expressionismus. Es gab barockisierende Tendenzen und Anlehnungen an regionale Bauweisen vergangener Perioden. Es dominierte jetzt der Geschoßwohnungsbau, wie er auch in der Siedlung Heinrich-Lersch-Platz realisiert wurde. Als städtebauliche Grundrissfigur wird häufig der Wohnhof gewählt. Sonst überwiegen modifizierte Blockbebauungen. Die reine Zeilenbauweise ist selten.

In den 1930er Jahren gab es im Essener Nordosten nur wenig Wohnungsbau. 1937-39 entstanden einige Häuser am Imbuschweg/Alte Kirch Straße, südlich der Kolonie Ottekampshof, an der Siedlung Heinrich-Lersch-Platz (Viktoriastraße und Distelbeckhof) und an der Kolonie Beisen (Bonnekampstraße).

Wichtige Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnstandards auch in den alten Siedlungen war die in den 1920er/30er Jahren realisierte Versorgung mit Wasser, Strom und Kanalisation.

Die Zeit nach 1945
Kriegszerstörungen, Kriegsheimkehrer, Flüchtlinge und die Förderung des Bergbaus als Motor des Wiederaufbaus ergaben nach 1945 einen hohen Bedarf an neuen Wohnungen für 6.000 Bergleute im Essener Nordosten.

1947-55 entstand durch den Siedlerring „Glückauf“ eine große Selbsthilfesiedlung aus zuletzt 141 Doppelhäusern mit großzügigen Gartengrundstücken (600 Quadratmeter). Die Kleinsiedlung „Glückauf“ war noch dem Gedanken des Siedlungsbau der Vorkriegszeit verhaftet mit eingeschossigen Doppelhäusern unter steilen Satteldächern, großen Gartengrundstücken und kleinen Stallbauten hinter den Häusern. Folgerichtig sprach man hier wie in den 1920er und 1930er Jahren von „Siedlerstellen“, die an durchgrünten Wegen zu Wohnhöfen zusammengefasst waren.

Doch die Flächen für den Bau neuer Wohnanlagen im Umfeld der Zeche Zollverein wurden knapp. Zur Schaffung von neuem Wohnraum wurden schon 1951/52 die großräumig angelegten Siedlungen des 19. Jahrhunderts durch Bebauung der Zwischenräume und damit Überbauung der alten Hausgärten verdichtet. In Schonnebeck entstand seit 1952 mit Mitteln aus dem Marshall-Plan eine große Wohnanlage mit Eigenheimen (ECA-Siedlung). Bemerkenswert in städtebaulich/architektonischer Hinsicht und als soziale Gebilde sind auch die beiden seit 1953 entstandenen Pestalozzidörfer für Jungbergleute. Die aus vielen Teilen Deutschland angeworbenen Bewohner wurden hier nach Schweizer Vorbild in dorfähnlich geformten Siedlungen durch Pestalozzieltern betreut.

Die Tendenz aber ging in den 1950er Jahren zur intensiveren Bodenausnutzung und damit zum Geschoßwohnungsbau. Damit wurde die enge Bindung des Bergmanns zum eigenen Gartenland mit Tierhaltung unterbrochen. Schrebergärten und „Grabeland“ dienten als Ersatz. Großzügige Neubausiedlungen für die Bergleute der Zeche Zollverein entstanden südlich der Schachtanlage Zollverein 12 (Siedlung Kaldekirche), nördlich der Schachtanlage 9/11 (Siedlung Kapitelwiese) und westlich des Heinrich-Lersch-Platzes (Siedlung Im Westerbruch). Beherrscht wurde das Siedlungsbild in diesen drei neuen Zollverein-Großsiedlungen von zwei- und dreigeschossigen Mehrfamilienhäusern. Die Putz- und Ziegelbauten mit flachen Satteldächern waren überwiegend in Zeilenbauweise rechtwinklig zu den begleitenden Erschließungsstraßen gruppiert und orientierten sich zu gärtnerisch gestalteten Höfen und Freiflächen zwischen den Häusern. Kleine Nachbarschaftszentren bereicherten die neuen Wohnsiedlungen Kaldekiche, Bonnekampstraße und das Pestalozzidorf Neuhof.

So, wie große Teile der alten Siedlung Ottekampshof durch Neubauten stetig verdrängt wurden, setzte sich auch für die Siedlung Hegemannshof eine Neubebauung der alten Siedlungsstraßen durch. Seit den 1960er Jahren wurden Siedlungshäuser in der Siedlung Hegemannshof abgebrochen. Letztlich blieb von dieser größten Zollvereinsiedlung des 19. Jahrhunderts nur die Meerbruchstraße weitgehend unversehrt. Siedlungsteile finden sich aber noch in der Viktoria- und Zollvereinstraße und Teermerhöfe. Der vollständige Abbruch der Siedlung Ottekampshof wurde 1978 durch Bewohnerproteste verhindert.

Allein in den Jahren 1948 bis 1952 wurde durch die Rheinische-Westfälische Wohnstätten AG 3.266 Miet- und Eigentumswohnungen für die Bergleute der Zeche Zollverein geschaffen. Die Siedlungstätigkeit für die Zeche Zollverein bis 1960 belegt analog zu den Zechen- und vor allem den Kokereibauten an den Zollverein-Standorten die Boomphase des Bergbaus in der Wiederaufbauzeit nach dem Krieg.

(Walter Buschmann, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, 2010)

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Arbeitersiedlungen im Essener Nordosten

Schlagwörter
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1902 bis 1965
Koordinate WGS84
51° 29′ 33,27″ N, 7° 02′ 52,44″ O / 51.49258°, 7.0479°
Koordinate UTM
32U 364483.32 5706410.28
Koordinate Gauss/Krüger
2572820.71 5706967.73

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„Arbeitersiedlungen im Essener Nordosten”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/P-WBuschmann-20100920-0001 (Abgerufen: 28. Juli 2017)
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