Colonie III, Schlägel-/Eisenstraße in Katernberg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Colonie III der Zeche Zollverein, Schlägel-/Eisenstraße 1 in Essen-Katernberg (2009)

    Colonie III der Zeche Zollverein, Schlägel-/Eisenstraße 1 in Essen-Katernberg (2009)

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  • Eintragungsblatt Untere Denkmalbehörde Essen Arbeitersiedlung Colonie III in Katernberg

    Eintragungsblatt Untere Denkmalbehörde Essen Arbeitersiedlung Colonie III in Katernberg

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  • Colonie III der Zeche Zollverein, Schlägel-/Eisenstraße 3 in Essen-Katernberg (2005)

    Colonie III der Zeche Zollverein, Schlägel-/Eisenstraße 3 in Essen-Katernberg (2005)

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  • Colonie III der Zeche Zollverein, Schlägel-/Eisenstraße 1 in Essen-Katernberg (2005)

    Colonie III der Zeche Zollverein, Schlägel-/Eisenstraße 1 in Essen-Katernberg (2005)

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  • Colonie III der Zeche Zollverein, Schlägel-/Eisenstraße 3 in Essen-Katernberg (2009)

    Colonie III der Zeche Zollverein, Schlägel-/Eisenstraße 3 in Essen-Katernberg (2009)

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  • Colonie III der Zeche Zollverein, Schlägel-/Eisenstraße in Essen-Katernberg, Grundriss und Vorderansicht

    Colonie III der Zeche Zollverein, Schlägel-/Eisenstraße in Essen-Katernberg, Grundriss und Vorderansicht

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Im zeitlichen und räumlichen Zusammenhang mit der 1880 bis 1882 entstandenen Schachtanlage Zollverein 3 wurde nach einem Bauantrag von 1883 die Kolonie III mit Arbeiterhäusern an Schlägel- und Eisenstraße, Dortmannhof sowie Beamtenhäusern an der Ückendorfer Straße angelegt. Die Siedlung lag so, dass von hier auch die Schachtanlage 1/2 gut erreichbar war.

Der Bauantrag von 1883 lautete auf 16 vierfache Arbeiterhäuser und drei zweifache Beamtenhäuser und war unterzeichnet von Theobald Haniel und Friedrich Wilhelm Haniel. Ähnlich wie bei der Kolonie Hegemannshof wurden zur Anlage der Kolonie III von der bestehenden Ückendorfer Straße zwei parallel angeordnete Wege ins freie Feld geführt. Dazwischen verläuft in Tieflage die Anschlussbahn zwischen den Zollverein-Schächten 1/2 und 4/5/11 mit einer Brücke im Verlauf der Ückendorfer Straße.

Für die Siedlung entstand ein neuer Haustyp mit vier nebeneinander liegenden Wohneinheiten. Jede Wohneinheit besteht analog zu entsprechenden Reihenhaustypen im Erd- und Dachgeschoß aus je zwei hintereinander liegenden Räumen. Die mittleren Wohneinheiten sind durch direkt zur Straße liegende Eingangstüren erschlossen mit lang gestreckten, zur Küche führenden Fluren. In der Küche führt eine zweiläufig Treppe ins Dachgeschoss. Die seitlichen Wohnungen werden über Türen vom Seitenweg aus erschlossen. Daher entspricht dieser Haustyp auch nicht dem aus England und Belgien bekannten klassischen Reihenhaus. Hinter den Türen liegt ein kleiner, quadratischer Flur mit der Treppe zum Dachgeschoß. An den Hauskörper sind kammartig die vier Stall- und Abortanbauten direkt angebaut. Über dem Treppenpodest ist eine weitere, über dem Stall liegende Kammer erschlossen. Die Wohnungen sind nur im Bereich der Küche unterkellert.

Die Formensprache der Häuser wird geprägt von einer aufwendigen Backsteinarchitektur die noch beeinflusst ist von spätklassizistischen Leitbildern. So wird das aufwendige, aus Ziegelformsteinen gefügte Konsolgesims bei den gereihten Vierhäusern aus der Traufe in die Giebel hineingeführt und endet am Wohnhauskörper mit einem Treppenfries und in den Giebelflächen der Stallausbauten mit einem geschlossenen Dreiecksfries. Über den segmentbogigen und von Archievolten begleiteten Tür- und Fensteröffnungen sind im Drempel gekuppelte Zwillingsfenster angeordnet. Die Zimmer im Dachgeschoß werden durch diese Kleinfenster auf Fußbodenhöhe belichten.

An der Eisenstraße sind nur zwei Exemplare dieses Haustyps erhalten. Südlich davon sind nach Kriegszerstörungen neue Siedlungshäuser in Putzarchitektur entstanden. Im weiteren Verlauf der Eisenstraße wurden 1901 acht Vierhäuser mit Kreuzgrundriss errichtet. Verwendet wurde hier der gleiche Haustyp wie bei den etwa gleichzeitig entstandenen Häusern an der Schalker Straße und in der Siedlung Beisen. Die eingeschossigen Häuser haben jeweils vier breite Segmentbogenfenster in den Trauffassaden. Die Hauseingänge liegen an den Giebelseiten. Der Zugang erfolgt über später in dieser Form angefügte Freitreppen mit eingeschossigen Anbauten.

Die Häuser werden in den Fassaden variiert durch unterschiedlich angeordnete Putz- und Backsteinflächen. Die Ziegelflächen reichen alternativ bis zu den Fenstersohlbänken, bis auf etwa halbe Höhe Fenster oder bis zum Drempel. Über den Ziegelflächen sind die Wände verputzt. Gebäudeecken und Fenster sind durch Laibungen aus Ziegelstein bzw. rustikaartige Wandvorlagen betont. Der Sockel ist halbsteinstark vorstehend ausgebildet mit Kellerfenster in jeder Fensterachse. Das Dachgeschoss wird durch Fenster im Giebeldreieck mit mittig angeordneten Rundfenstern belichtet. Die Grundrisse für die etwa 62 m2 großen Wohnungen bestehen aus vier etwa gleich großen Räumen.

Beginnend mit einem größer ausgebildeten Wohnhaus mit Seitenrisalite überwiegen bei den ebenfalls seit 1883 an der Ückendorfer Straße errichteten Beamtenwohnhäuser mit insgesamt zehn erhaltenen Bauten die zweigeschossige Backstein-Doppelhäuser mit seitlich angefügten Stall- und Abortgebäuden. Die Fassaden sind durch Wandvorlagen und Geschoss- und Sohlbankgesimse gegliedert. Zwischen die Wandvorlagen spannt sich unter den Traufen ein Methophenfries. Die Traufgesime werden in die Giebelflächen verkröpft. Ebenfalls zu den größeren Häusern zählen die beiden Doppelhäuser am Dortmannhof.

Um 1900 entstanden gegenüber der Schlägelstraße zwei weitere Beamtenwohnhäuser mit Putzflächen im zusätzlichen Dachgeschoss. Die Dachflächen werden durch Zwerchhäuser und Dachgauben belebt.

Die Bedeutung der Zollverein-Kolonie III wird geprägt durch die aufwendige, an spätklassizistischen Vorbildern orientiert Backsteinarchitektur. Die Hausform des gereihten Vierhauses ist entwicklungsgeschichtlich äußerst interessant und als Vorgriff auf die erst später einsetzende Gruppenbauweise zu verstehen.

Das Objekt Colonie III ist ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalliste Essen, laufende Nummer 918, Eintragungstext siehe PDF-Datei in der Mediengalerie).

(Walter Buschmann, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, 2010)

Literatur

Biecker, Johannes / Buschmann, Walter (1985)
Arbeitersiedlungen im 19. Jahrhundert - Historische Entwicklung und Bedeutung. Bochum.
Bollerey, Franziska / Hartmann, Katharina (1980)
Siedlungen aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf. Essen.
Buschmann, Walter (1995)
Arbeitersiedlungen. Historische Bedeutung und denkmalpflegerisches Erhaltungsinteresse. In: Rheinische Denkmalpflege 32, S. 263-271. Pulheim.
Großmann, Joachim (1999)
Wanderungen durch Zollverein. Das Bergwerk und seine industrielle Landschaft. Essen.
Hundt, Robert / Verein für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund (Hrsg.) (1901)
Arbeiterwohnungen auf den Zechen des Ruhrreviers, Denkschrift zum 8. Allg. deutschen Bergmannstag in Dortmund 1901. Dortmund, Essen.
Kastorff-Viehmann, Renate (1980)
Wohnung, Wohnhaus und Siedlung für Arbeiter-Bevölkerung im Ruhrgebiet in der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des 1. Weltkrieges, Diss.. Aachen.
Meyer, Carl (1914)
Geschichte der Bürgermeistereien Stoppenberg, Rotthausen und Kray-Leithe, ihrer Gemeinden, Höfe und Industrien (3. Aufl.). Essen.
Ruhrlandmuseum (Hrsg.) (1988)
Vom Hausen zum Wohnen. Wohnungsbau für Arbeiter zur Zeit der Industrialisierung: Essen ein Beispiel. Essen.
Stemmrich, Daniel (1981)
Vom Kotten zum Mehrfamilienhaus. Entwicklungsschritte in der Wohnarchitektur, dargestellt an Essener Beispielen des 19. Jahrhunderts. S. 64-98. o. O.

Colonie III, Schlägel-/Eisenstraße in Katernberg

Schlagwörter
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1883
Koordinate WGS84
51° 29′ 23,78″ N, 7° 03′ 25,81″ O / 51.48994°, 7.05717°
Koordinate UTM
32U 365118.83 5706100.13
Koordinate Gauss/Krüger
2573468.54 5706683.82

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„Colonie III, Schlägel-/Eisenstraße in Katernberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-WBuschmann-20100414-0027 (Abgerufen: 18. Oktober 2017)
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