Naturschutzgebiet „Flittarder Rheinaue“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln, Leverkusen
Kreis(e): Köln, Leverkusen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Flittarder Rheinaue (2014)

    Flittarder Rheinaue (2014)

    Copyright-Hinweis:
    NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln
    Fotograf/Urheber:
    Hannah Brüggemann
    Medientyp:
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Flittard bedeutet fließende Erde. Der Name weist auf die Hochwassergefährdung hin, welcher die Stadt Zeit ihres Bestehens ausgesetzt war. Das im Jahr 989 über einen dortigen Hof erstmals erwähnte Flittard (HbHistSt NRW 2006, S. 604, die Urkunde ist allerdings „eventuell gefälscht“) liegt als kleines Bauern- und Fischerdorf direkt am Fluss. Die Menschen sind auf den Strom als Ernährer angewiesen – sie sind zu jeder Jahreszeit von ihm abhängig.

Anthropogene Einwirkungen auf den Lauf des Rheins
Ursprünglich hatte der Rhein bei Köln noch einen anderen Verlauf als heute. Ein Seitenarm floss durch die Stadt, vom Heumarkt über den jetzigen Alter Markt. Wegen des etwas verzweigteren und mäandrierenden Charakters des Rheins zu dieser Zeit hatte er eine geringere Fließgeschwindigkeit als später. Schon die Römer begannen mit der Zuschüttung dieses Arms um neues Stadtgebiet zu gewinnen. Seitdem wurde der Rhein stetig weiter ausgebaut und begradigt, der Verkehr sowie alle anderen anthropogenen Einflüsse nahmen zu.

Der Rhein gewann in seinem künstlichen Bett an Geschwindigkeit, ehemals unbebaute Areale entlang des Ufers wurden versiegelt. Flittard und der Nachbarort Stammheim hatten seit jeher ein instabiles Flussufer. Es war geprägt von Abbrüchen und Erdrutschen. Diese Phänomene wurden durch den begradigten Fluss verstärkt. Mehrere schwere Hochwasserkatastrophen haben die Gemeinden erlebt. Die Pegelstände lagen dabei zwischen 10,52 und 13,64 Metern. Zu den schlimmsten Katastrophen zählt das Hochwasser vom Winter 1784. Am schlimmsten betroffen war der Ort Mülheim, doch auch in Flittard hat es Schaden angerichtet. In dem harten Winter war der Rhein komplett vereist, sodass die Bevölkerung ihn im Januar noch als Rodelfläche nutzte. Durch starke Regenfälle stieg dann der Pegel so weit an, dass sich das Eis im Februar in Bewegung setzte. Die Wassermassen mit riesigen Eisblöcken bahnten sich ihren Weg durch die Ortschaften und hinterließen ein Bild der Zerstörung. Zum Schutz der Bevölkerung wurden 1851 erst steinerne Schutzmauern aufgebaut und dann Buhnen im Rhein angelegt. Im Jahr 1894 wurde dann beschlossen einen Schutzdeich zu errichten. Innerhalb von zwei Jahren wurde der Stammheim-Flittarder Damm aufgeschüttet.

Entstehung der Rheinaue
Vor dem Damm in Richtung Wasser befindet sich eine kleine Auenlandschaft. Dieser Bestandteil des Uferbereichs wurde vom Deich ausgespart und dient nun ebenfalls dem Hochwasserschutz. Gerade in der Nähe von dichtbesiedelten Gebieten sind Auen von essentieller Bedeutung um dem Fluss die Möglichkeit zu bieten, gezielt über die Ufer zu treten und dadurch bewohnte Bereiche zu verschonen. Flora und Fauna von Au-Wiesen sind auf das Wechselspiel von Überflutung und Trockenfallen angewiesen. Da solche Gebiete immer seltener werden, finden sich hier viele seltene und gefährdete Arten. Daher wurde die Flittarder Rheinaue als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Ökologie der Aue
In der Aue leben viele unterschiedliche Arten: Im sandigen und steinigen Untergrund an der Wasserkante finden sich kleine Schnecken, Würmer und Muscheln, der Röhrichtbereich bietet vielen Fischen und Vögeln Unterschlupf und Nistgelegenheit. Teichrohrsänger, Haubentaucher und verschiedene Entenarten fühlen sich im dichten Schilf sicher. In der Dämmerung huschen Fledermäuse über das Wasser auf der Suche nach Insekten. Tagsüber jagen hier Falken und Bussarde, die die hohen Bäume des Auwaldes als Aussichtsplattform und Standort für ihre Horste benötigen. Auwälder sind Wälder in der Nähe eines Flusslaufs, die durch regelmäßige Überschwemmungen geprägt sind. Dabei werden sie in zwei Waldgesellschaften unterschieden, die Hart- und die Weichholzaue. Die Weichholzaue wird häufiger überschwemmt und besteht in der Regel aus Erlen, Pappeln und Weiden. Die Hartholzaue schließt sich daran an, sie steht aufgrund ihrer landeinwärts gerichteten Lage seltener für lange Zeit unter Wasser. Zu den charakteristischen Baumarten zählen Stieleichen, Eschen und Ulmen.

Je nach Größe der Aue wird sie mancherorts auch als Parkanlage oder landwirtschaftliche Fläche genutzt, wobei hier eine extensive Bewirtschaftung klar im Vordergrund stehen muss. In der Flittarder Rheinaue findet eine Beweidung durch Pferde statt, sowie die Nutzung einer Teilfläche als Ackerland. Diese Nutzung läuft aber bald aus, die Fläche soll daraufhin in Grünland umgewandelt werden. Die Nutzung dieser Aueflächen für die Landwirtschaft hat hier Tradition. Seit dieser Uferabschnitt des Rheins besiedelt wurde, haben die Menschen ihre Ackerflächen am Ufer durch Landgewinnungsmaßnahmen vergrößert.

Im nördlichen Teil befindet sich noch ein Altarm des Rheins. Er gehört zu den wichtigen Elementen der Aue, da er als stehendes, regelmäßig überflutetes Gewässer einen besonderen Charakter aufweist, der ihn vom Rhein unterscheidet. Für viele Vögel und andere Tiere stellt er einen einmaligen und schützenswerten Lebensraum dar. Entstanden ist er aus einer ehemaligen Insel, die später dem Ufer zugeführt wurde um den Rhein maximal schiffbar zu gestalten.

(Hannah Brüggemann, NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln, 2014)

Hinweis
Die Flittarder Rheinaue ist wertgebendes Merkmal des historischen Kulturlandschaftsbereiches „Flittarder Rheinaue, Schlosspark Stammheim“ (Regionalplan Köln 343).

Quelle
Persönliches Gespräch mit Herrn Manfred Hebborn über Geschichte , Flora und Fauna der Flittarder Rheinaue, 23.01.2014.

Internet
www.bilderbuch-koeln.de: Das Flittarder Werth (abgerufen 14.07.2014)
www.ksta.de: Die große Mülheimer Flutkatastrophe (abgerufen 14.07.2014)
de.wikipedia.org: Flittard (abgerufen 14.07.2014)

Literatur

Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. Stuttgart.
Schweizer, Günther / Kraas, Frauke / Zehner, Klaus / Geographisches Institut der Universität Köln (Hrsg.) (2004)
Köln und der Kölner Raum. Ein geographischer Exkursionsführer. In: Kölner Geographische Arbeiten 83, Teil 2: Themen-Exkursionen, o. O.

Naturschutzgebiet „Flittarder Rheinaue“

Schlagwörter
Ort
51061 Köln - Flittard
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Koordinate WGS84
50° 59′ 48,24″ N, 6° 58′ 16,16″ O / 50.99673°, 6.97115°
Koordinate UTM
32U 357632.92 5651420.78
Koordinate Gauss/Krüger
2568220.38 5651732.35

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„Naturschutzgebiet „Flittarder Rheinaue“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-107491-20141111-2 (Abgerufen: 21. November 2018)
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