Streuobstwiese Flittard Nord

am Naturschutzgebiet Flittarder Rheinaue

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Streuobstwiese Flittard Nord (2014)

    Streuobstwiese Flittard Nord (2014)

    Copyright-Hinweis:
    NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln
    Fotograf/Urheber:
    Hannah Brüggemann
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  • Blick von der Aue auf die Wiese (2014)

    Blick von der Aue auf die Wiese (2014)

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    Streuobstwiese Flittard Nord (2014)

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Schon seit Jahrhunderten bilden Streuobstwiesen einen prägenden Bestandteil der Kulturlandschaft. Sie dienten früher der Selbstversorgung der Menschen, die vom Obst der Wiesen ein ganzes Jahr lang profitierten. Es gab frische Früchte für Salate im Sommer und Spätsommer, viel eingekochtes Obst, von dem im Winter gegessen wurde und zahlreiche Gerichte, deren Rezepte Obst beinhaltete.

Heutzutage haben die leider so selten gewordenen Streuobstwiesen eine andere Bedeutung für die Bevölkerung bekommen. Sie dienen meist nicht mehr der Selbstversorgung, sondern stellen einen schützenswerten Lebensraum dar. Da sich viele Tier- und Pflanzenarten im Laufe der Jahre auf diesen Lebensraum eingestellt und sich ihm angepasst haben, ist er für deren Überleben so wichtig geworden. Gleichzeitig führte das immer geringer werdende Vorkommen von Streuobstwiesen dazu, dass sie als eine der artenreichsten Lebensräume Mitteleuropas auf der Roten Liste stehen. Ein hochstämmiger Obstbaum bietet auf mehreren Stockwerken Lebensraum für viele seltene Vögel, Kleinsäuger und Insekten, wie unter anderem den Steinkauz, Grün- und Buntspecht, Siebenschläfer und Fledermäuse.

Standortbedingungen
Eine Besonderheit dieser Streuobstwiese im nördlichen Bereich der Flittarder Rheinaue ist, genau wie bei der südlichen Wiese, ihr Standort. Die Aue ist für Obstbäume ein sehr untypischer Standort, da sie durch einen hohen Wasserstand und regelmäßige Überflutungen gekennzeichnet ist, Obstbäume feuchten Untergrund aber eher schlecht vertragen.

Damit ein Obstbaum gedeiht, gesunde und kräftige Triebe ausbildet und viele leckere Früchte trägt, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein, denn Obstbäume können nicht an jedem beliebigen Standort stehen. Im Allgemeinen gelten sonnige und luftige Plätze ohne Staunässe im Boden und mit geringer Frostgefahr als optimal. Dabei sind frühblühende Arten wie Aprikosen, Pfirsiche, Süßkirschen und Birnen stärker spätfrostgefährdet als spätblühende Arten.

Von besonderer Bedeutung für Obstbäume ist die Anzahl der Sonnenstunden, beginnend mit dem Zeitpunkt der Blüte bis zur Ernte des Obstes. Eine hohe Sonneneinstrahlung sorgt dafür, dass die Blätter nach dem Regen schneller trocknen und nicht mehr so anfällig gegenüber Pilzkrankheiten wie zum Beispiel Schimmel, sind. Außerdem beeinflusst die Temperatur während der Blütezeit die Befruchtung, danach das Wachstum von Früchten, Blättern und Trieben. Wichtig für die Befruchtung ist der Insektenflug (also auch die für die Befruchtung so bedeutenden Bienen) der bei niedrigen Temperaturen stark abnimmt oder sogar vollständig zum Erliegen kommen kann.

Auf Schattenhängen finden sich daher normalerweise keine Streuobstwiesen, ebenso wenig wie in Mulden und engen Tälern, da dort Kaltluft nur schlecht abziehen kann und dauerhaft niedrigere Temperaturen vorherrschen. Außerdem besteht in Tälern und in der Nähe von Bachläufen die Gefahr von Staunässe oder sehr feuchten Böden, was den allermeisten Obstbäumen auch nicht gut bekommt. Ein zu hoher Wassergehalt im Boden beeinträchtigt die Durchlüftung des Bodens, was wiederum die Atmung der Wurzeln stark erschwert. Auf längere Zeit führt dies zu einem stark eingeschränkten Wachstum, Früchte und Wurzeln fangen an zu faulen, was unter Umständen das Absterben des gesamten Baumes zur Folge haben kann.

Streuobst in der Aue
Hier in der Rheinaue wurde vor 15 Jahren von städtischer Seite diese Wiese, sowie eine zweite Wiese etwas weiter südlich, im Rahmen der Umsetzung des Pflege- und Entwicklungskonzeptes für das Naturschutzgebiet Flittarder Rheinaue angelegt. Bei der Wahl der Sorten wurden historische Sorten wie Rheinischer Bohnapfel, Clapps Liebling, Mirabelle von Nancy oder Große Grüne Reneklode gewählt. Insgesamt stehen auf der um die 5.200 m² großen Fläche 90 Bäume, darunter Äpfel, Birnen und Pflaumen.

Artenübersicht:
  • Apfel: Rheinischer Bohnapfel, Jakob Lebel, Kaiser Wilhelm, Rote Sternrenette, Rote Goldparmäne, Rheinischer Winterrambur, Gelber Edelapfel
  • Birne: Clapps Liebling, Conference, Gellerts Butterbirne, Gräfin von Paris, Gute Graue, Gute Luise, Pastorenbirne
  • Pflaume: Mirabelle von Nancy, Wangenheims Frühzwetsche, Große Grüne Reneklode, Ontariopflaume
(Hannah Brüggemann, NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln, 2014)

Quelle
persönliches Gespräch mit Herrn Ulrich Brandenburg über die Streuobstwiesen im äußeren Grüngürtel, 07.08.2014

Internet
www.bauemotion.de: Obstbäume richtig pflanzen (abgerufen 31.03.2014)

Literatur

Baker, Harry (1980)
Obst anbauen. Ravensburg.
Janssen, Helmut / Kennel, Winfried / Winter, Fritz u.a. (1992)
Lucas' Anleitung zum Obstbau. Stuttgart.

Streuobstwiese Flittard Nord

Schlagwörter
Ort
51061 Köln - Flittard
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1999
Koordinate WGS84
50° 59′ 57,18″ N, 6° 58′ 10,3″ O / 50.99922°, 6.96953°
Koordinate UTM
32U 357526.38 5651700.18
Koordinate Gauss/Krüger
2568102.54 5652007.24

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„Streuobstwiese Flittard Nord”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-108497-20141124-2 (Abgerufen: 19. August 2018)
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