Namensgebend für die Grube war der griechisch-römische Held Castor, ein Sohn des Zeus. Die aus dem Bergwerk hervorgegangene Ortschaft Kastor wird heute aber, der Rechtschreibreform von 1901 folgend, mit „K“ geschrieben.
Lage
Die Lagerstätte
Der Altbergbau
Beginn des industriellen Grubenbetriebs
Blütezeit und Niedergang
Transport und Infrastruktur
Relikte des Bergbaus
Bodendenkmal
Internet und Literatur
Lage
Das Bergwerksgelände erstreckt sich im Vorfeld von Schloss Ehreshoven, jenseits der Agger und am Hang des Höhenrückens, der diese vom westlich benachbarten Sülztal trennt. Es liegt beidseits der Ortschaften Kastor und Westen und erstreckt sich nach Nordosten hin zum Lüdenbacher Siefen. Westen bezeichnet dabei eine kleine Siedlung am alten, oberen Stollen, während Kastor darunter im tieferen Aggertal liegt.
Das Gelände umfasst Hanglagen und Talbereiche der Agger sowie die historischen Standorte der Aufbereitungsanlagen und Stollenmundlöcher. Der größte Teil des Areals gehört heute zum Naturschutzgebiet „Grube Kastor“ (Nr. GM-037), das die für ehemalige Erzgruben typische Offenland- und Haldenvegetation sowie wertvolle Lebensräume für Reptilien, Insekten und Amphibien umfasst.
Die Lagerstätte
Die Lagerstätte ist Teil des „Bensberger Erzreviers“ und weist mehrere metallführende Gangzüge auf. Die beiden wesentlichen sind der stark zinkblendehaltige Castorgang und der stark bleiglanzführende Maxgang. Beide Erzgänge streichen etwa von Westen nach Osten und haben eine bauwürdige Länge von mehreren hundert Metern bei bis zu 10 Metern Mächtigkeit. Vorkommende Erze sind Zinkblende (Zinksulfid), Bleiglanz (Bleisulfid, silberhaltig) sowie Kupfer- und Schwefelkies. Wie bei vielen Gruben im Bensberger Erzrevier lagen die reichsten Erze in den oberen Teufen, was den frühen Bergbau sehr begünstigte. Im Mittelalter war nur der silberhaltige Bleiglanz verwertbar; die Zinkblende konnte erst im 19. Jahrhundert verhüttet werden.
Der Altbergbau
Bei Mutung der Grube im August 1853 zeigten sich die Sachverständigen sehr beindruckt von einem vorangegangen regen Betrieb, „der das Gepräge eines hohen Alters“ trage, von dem aber keine Nachrichten überkommen seien. Ein eindrucksvoller, circa 600 Meter langer Pingenzug auf dem Castorgang stammt anscheinend von einem frühen Tagebau und zeugt bis heute vom intensiven vorindustriellen Bergbau. Die mittelalterlichen Bergleute suchten dabei sehr gezielt nach den silberhaltigsten Bleierzen, was bei der Mutung im 19. Jahrhundert etwas vorwurfsvoll als „Raubbau“ fehlgedeutet wurde.
Prospektionen durch ehrenamtliche Mitarbeitende des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege im Rheinland im Jahr 2020 erbrachten neben mittelalterlichen Keilhauen und Wellenhufeisen und auch einen „Sancta Colonia-Pfennig“ der unter Kaiser Otto III. (980-1002) geschlagen wurde. Demnach könnte der Bergbau hier schon im späten 10. Jahrhundert umgegangen sein. Zudem weisen Keramikfunde und Podien auf eine hochmittelalterliche Bergknappensiedlung im „Staader Siefen“ hin, die aber teilweise von der großen Schachthalde des 19. Jahrhunderts überdeckt wird. Ähnliche mittelalterliche Betriebe vor allem des 12. Jahrhunderts sind von den benachbarten Gruben Bliesenbach und Silberkaule bekannt.
Aus den Bergwerksakten geht hervor, dass auch der obere Stollen der Grube Castor noch „von den Alten“ begonnen worden sei. Demnach ist dieser noch vor Einführung des Sprengstoffs im Spätmittelalter oder in der Frühen Neuzeit händisch vorgetrieben worden. Im 16. Jahrhundert sollen, nach L. Kinne, die Grafen von Nesselrode die Hauptgewerken im Bergbau der Region gewesen sein. Sicher sind diese aber erst 1745 als Betreiber einer Grube „bei Loope“ belegt.
Beginn des industriellen Grubenbetriebs
Im 19. Jahrhundert ermöglichten neue, in Belgien entwickelte Verhüttungsverfahren erstmals eine großtechnische Zinkgewinnung. Infolgedessen setzte ab der Mitte des 19. Jahrhunderts im Bergischen Land eine intensive Phase der Blei- und Zinkförderung ein. Die Grube Castor wurde 1853 vom preußischen Oberbergamt an die belgische Aktiengesellschaft „Vieille Montagne“ verliehen, dem bedeutendsten internationalen Zinkkonzern dieser Zeit. Sie gehörte zu dessen „Direktion Bensberg“ mit Sitz in Immekeppel und wurde vor Ort von einem Obersteiger geführt.
1853 wurde mit der erneuten Aufwältigung des oberen Stollens bei der Ortschaft Westen begonnen. 1856 erfolgte der Ansatz des neuen tiefen Stollens. Dieser setzte direkt in der Talsohle der Aggeraue und somit etwa 40 Meter tiefer als der alte Stollen. Fünf Jahre später war er um 510 Meter vorgetrieben und erreichte die Erzlagerstätte. Am Mundloch des neuen tiefen Stollens errichtete die Gesellschaft neue Betriebsflächen mit einer modernen Aufbereitungsanlage. Die veraltete Aufbereitung am oberen Stollen wurde aufgegeben.
Blütezeit und Niedergang
1868 wurde der Maxgang durch den tiefen Stollen erschlossen, so dass reiche Bleierzmittel gewonnen werden konnten. Damit begann die Blütephase der Grube Castor. Von 1875 bis 1877 wurde ein neuer Maschinenschacht bis zur Sohle des tiefen Stollens abgeteuft, zwischen 1878 und 1886 folgte die Abteufung eines Schachts zur Anlage von drei zusätzlichen Tiefbausohlen.
Mit zunehmendem Betrieb steigerten sich die Beschäftigtenzahlen auf bis zu 400 Personen im Jahre 1883, sanken bis zum Jahr der Schließung aber wieder auf circa 100 Personen, da bereits in den 1890er Jahren die Erzmächtigkeit auf den tieferen Sohlen stark nachließ. 1906 wurde der Abbau eingestellt und die Pumpen wurden stillgelegt, so dass die Grube bis zum tiefen Stollen „absoff“.
Sporadische Versuchsarbeiten in höheren Teufen erfolgten noch bis 1929. Die Aufbereitung wurde für eine mögliche Wiederaufnahme des Betriebs erhalten und tatsächlich wurden noch 1926 noch Erze aus der drei Kilometer entfernten Grube Bruno II bearbeitet. Zu diesem Zweck wurde eine Seilbahn errichtet, die das Erz von dort beförderte. Aufgrund mangelnder Erträge wurde die Seilbahn 1931 demontiert, im folgenden Jahr geschah das gleiche mit den verblieben Betriebsanlagen.
In den 1870er Jahren war Castor zeitweise das größte Bleierzbergwerk der Region und übertraf damit sogar die Produktion der wesentlich größeren Grube Lüderich, die allerdings mehr Zink lieferte. Den Akten nach wurden insgesamt 51.528 Tonnen Bleiglanz und 53.640 Tonnen Zinkblende gefördert, darüber hinaus auch geringere Mengen an Spateisenstein, Kupferkies, Brauneisenstein und Nickelerz.
Die dritte Tiefbausohle erwies sich als weitgehend „taub“ und war somit nicht mehr bauwürdig. Der Betrieb konzentrierte sich daher auf die höheren Sohlen, wo der Maschinenschacht schließlich eine Endteufe von 226 Metern erreichte - 115 Meter unter der Talniederung von Loope-Ehreshoven.
Transport und Infrastruktur
Besondere Bedeutung hatte die 1860 errichtete Hängebrücke Kastor. Sie verband Stollenmundloch und Aufbereitung mit einer Verladerampe am gegenüberliegenden Ufer der Agger, von wo die Erzkonzentrate mit Pferdefuhrwerken nach Siegburg gebracht wurden. 1876 ließ die Betreibergesellschaft die Fahrstraße von Kastor nach Loope ausbauen, um eine bessere Anbindung an die Aggerstraße zu erhalten. Auch der Bau der Aggertalbahn wurde dadurch forciert. Auf Betreiben der Grubendirektion und des Grafen Maximilian von Nesselrode wurde der eigentlich in Loope geplante Bahnhof nach Ehreshoven verlegt, was den Transport der Erze erleichterte. Als die Strecke 1884 eingeweiht wurde, hatte die Förderung ihren Höhepunkt aber bereits erreicht und ließ bald nach.
Relikte des Bergbaus
Der Verlauf der alten Grubenbahn ist teilweise noch gut zu erkennen. Dazu gehört die Hängebrücke Kastor (eine sogenannte Schwungbrücke), die als das originellste technische Denkmal des bergischen Bergbaus gilt. Auf dieser waren noch bis 1950 Schienen verlegt. Spuren der Verladerampe sind noch am gegenüberliegenden südlichen Aggerufer zu erkennen.
Neben der Hängebrücke liegen der alte Klärteich der Grube und das Naturschutzgebiet Grube Kastor mit überwachsenen Abraum- und Bergehalden, die zum Teil eine charakteristische Schwermetallflora aufweisen. Das Naturschutzgebiet schützt hier die wertvollen Offenland- und Haldenbiotope.
In Kastor sind auf dem großen Zechenplatz vor dem Mundloch des tiefen Stollens Reste früherer Arbeiterhäuser, Betriebsgebäude und ein Transformatorenturm erhalten. In dieser Einheit zählt das Ensemble am tiefen Stollen nach Rainer Slotta zu den wichtigsten technischen Denkmälern im Bensberger Erzrevier. Zwischen Kastor und Westen steht noch das markante Obersteigerhaus, das als Wohn- und Verwaltungsbau diente.
Bei Westen ist das verschlossene Stollenmundloch des oberen Stollens sichtbar. Auf dem alten Zechenplatz davor befinden sich drei alte Fachwerkgebäude, die als Ensemble einen Eindruck vom früheren Aussehen der kleinen und mittleren Gruben im Bensberger Erzrevier geben.
In dem entlegeneren Waldgebiet zwischen Westen und Lüdenbach sind die umfangreichen Pingenfelder des vorindustriellen Altbergbaus erhalten.
Bodendenkmal
Das Gelände der ehemaligen Grube Castor ist eingetragenes Bodendenkmal der Gemeinde Engelskirchen (Nr. 148).
(Peter Schönfeld, BGV Rhein-Berg e.V., 2025)
Internet:
bvv-loope.de: Artikel zur Grube Castor des Bürger- und Verschönerungsvereins Loope (abgerufen 19.01.2026)