Bis 1861 war der Stollen rund 510 Meter weit in das Gestein getrieben und traf auf die Erzgänge des Castor- und später auch des Maxgangs. Die Erschließung der tieferen Lagerstätten ermöglichte den Abbau von reichen Blei- und Zinkerzen, wodurch die Grube erheblich an Bedeutung gewann. 1872 wurde sie kurzzeitig sogar das produktivste Bleibergwerk im gesamten Bensberger Erzrevier.
Vor dem Mundloch wurde eine neue, moderne Aufbereitungsanlage errichtet, wodurch die aus dem Stollen geförderten Erze sehr einfach in die neue Anlage gebracht werden konnten. Dafür mussten nun allerdings die sogenannten „Berge“, also das übrigbleibende Gestein, von der Aufbereitung hangaufwärts verfrachtet werden, wo sie im Bereich des heutigen Naturschutzgebietesabgekippt wurden.
Der Tiefe Stollen konnte die Erwartungen aber nur wenige Jahrzehnte erfüllen, da die Erzqualität auf den tieferen Sohlen nachließ. Zum Ende des Grubenbetriebs diente er nur noch zur Entwässerung, während stattdessen erneut in höheren Teufen abgebaut wurde. Dort befanden sich aber nur Erzreste, wodurch das Ende des Betriebs absehbar war. 1908 kam es zur ersten Stillegung der Grube, während die Aufbereitung vorerst erhalten blieb.
Ab 1922 führten neue Versuchsarbeiten zu einer geringen Produktion, zwei Jahre später wurden die Erze der benachbarten Grube Bruno II mit einer Seilbahn über die Agger transportiert und in der alten Aufbereitung der Grube Castor bearbeitet. Die Bemühungen blieben aber wenig rentabel und 1929 musste die Grube endgültig geschlossen werden. Die Anlagen wurden in den folgenden Jahren größtenteils abgerissen und verkauft.
Der Zechenplatz vor dem Tiefen Stollen hat in seinem Grundriss viel von seinem ursprünglichen Charakter bewahrt, auch wenn kaum Originalgebäude erhalten sind. Nur der Giebel der Aufbereitungshalle ist noch in der Fassade des benachbarten Transformatorenhauses zu erkennen. Das Mundloch des Tiefen Stollens wird heute von einem vorgesetzten privaten Wohnhaus verdeckt, jedoch ist die Stollendecke von einer darüber laufenden Straße erkennbar.
Neben den alten Klärteichen ist nur ein vor 1895 errichtetes Nebengebäude erhalten. Die ehemaligen Magazingebäude im Westen sind beim Umbau zu Wohngebäuden stark verändert worden. Das benachbarte Obersteigerhaus, welches den Zechenplatz im Osten überragt, ist dagegen noch weitgehend im Originalzustand erhalten. Auch am weiteren Weg zum Oberen Stollen befinden sich zwei ursprüngliche Gebäude, die schon 1874 als „Arbeiterwohnung“ und „Aufseherwohnung“ bezeichnet wurden.
(Peter Schönfeld, BGV Rhein-Berg, 2026)