Fußballstadion „Et Höffge“ in Dellbrück

Heimspielstätte von Preußen Dellbrück, heutiger Preußen-Dellbrück-Weg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 58′ 31,74″ N: 7° 03′ 36,35″ O / 50,97548°N: 7,0601°O
Koordinate UTM 32.363.811,53 m: 5.648.890,10 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.574.498,20 m: 5.649.454,66 m
  • Historische Postkarte "Preußen Dellbrück" (undatiert).

    Historische Postkarte "Preußen Dellbrück" (undatiert).

    Copyright-Hinweis:
    Joachim Brokmeier (Sammlung Brokmeier)
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    unbekannt
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Obgleich die letzten höherklassigen Spiele hier bereits vor 1949 stattgefunden hatten, ist die Erinnerung an das Stadion „Et Höffge“ durch den als „rechtsrheinische Kultmannschaft“ geltenden Fußballverein SC Preußen Dellbrück und dessen Meisterschafterfolge in der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg lokal auch heute noch durchaus präsent.
Seit dem 22. Oktober 2006 erinnern der Straßenname „Preußen-Dellbrück-Weg“ und eine hier aufgestellte Gedenktafel an den Verein und seine einstige Spielstätte „Höffge“ (auch „Höffje“, kölsch für „kleiner Hof“).

Das legendäre Stadion „Höffge“
Lage
Weitere Spielstätten von Preußen Dellbrück
Der Sport-Club Preußen Köln-Dellbrück e. V.
Berühmte Spieler des SC Preußen Dellbrück
Internet, Literatur

Das legendäre Stadion „Höffge“
Die Sportstätte entstand 1922 überwiegend durch Eigenleistung von Mitgliedern des örtlichen Fußballvereins FV 1912 in Dellbrück an der Einmündung der Heidestraße in die Bergisch Gladbacher Straße, der heutigen Bundesstraße B 506.
Zeitgenössische Bilder zeigen jedoch keinen festen Stadionbau, sondern lediglich zu behelfsmäßigen Zuschauertribünen aufgeschüttete Erdwälle, die von einem Maschendrahtzaun als Absperrung umgeben sind. Das „kleine und sehr enge“ Stadion hatte ein Spielfeld, „das von einem ‚satten Rasen‘ weit entfernt war“. Dennoch drängten sich hier regelmäßig 6.000 und bei wichtigen Spielen sogar bis zu 12.000 Zuschauer (vgl. etwa die Aufnahmen bei Skrentny 2015, Zitat ebd., S. 84-85).
Einem erweiternden Ausbau standen die Lage mitten im Ort an der Hauptdurchgangsstraße und die benachbarte Hermann-Göring-Kaserne der Luftwaffe (1936-1945) im Wege. Diese war nach Kriegsende vorübergehend als Sammellager für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter genutzt worden und wurde ab 1945/46 von der belgischen Besatzungsarmee als Kwartier Becquevort bzw. ab 1949 bis 2003 als Kaserne Moorslede übernommen und ausgebaut (www.foerderverein-kaserne-moorslede-ev.de). Heute dient das inzwischen bundeseigene Gelände als u.a. Sitz der Generalzolldirektion des Zollkriminalamts (ZKA).
Da der Spielbetrieb im „Höffge“ durch einen Gerichtsbeschluss auf die Amateur- und Jugendmannschaften beschränkt wurde, verfügte der SC Preußen bereits seit um 1948/49 über kein eigenes Stadion mehr, so dass die Oberligamannschaft nach Müngersdorf bzw. Riehl umziehen musste (vgl. nachfolgend).

Wegen der sportlichen Erfolge des SC Preußen um 1950 gab es Planungen für ein 25.000 Zuschauer fassendes rechtsrheinisches Stadion auf der Merheimer Heide: „Die Fundamente der Tribüne waren bereits betoniert und der Rasen eingesät, doch anstelle des Stadions befindet sich dort heute das Autobahnkreuz Merheim“ (Skrentny 2015, S. 85).
Im Jahr 1952 untersagte ein Gericht endgültig und vollständig den Spielbetrieb im „Höffge“ (ebd., S. 84 und www.mythos-preussen-dellbrueck.de). In der Folge wurden die Flächen der früheren Sportstätte für Wohnbebauung genutzt, die heutige Wohnsiedlung entstand Ende 2006.
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Lage
Auf den historischen topographischen Karten der TK 1936-1945 ist „Et Höffge“ zwar nicht namentlich benannt, aber als „Sp. Pl.“ verzeichnet. Ebenfalls als „Sportpl.“ zeigt das Meßtischblatt 5008, Mülheim am Rhein von 1936 die Sportstätte noch, die dann im Falk-Plan Köln von 1959 schon nicht mehr eingetragen ist.
Der Stollfuß-Plan Köln von 1967 zeigt Wohnbebauung im Bereich einer damaligen „Osenauer S[traße].“, deren Verlauf in etwa dem des 2006 benannten heutigen „Preußen-Dellbrück-Weg“ entspricht (vgl. Kartenansicht und www.landkartenarchiv.de).

Weitere Spielstätten von Preußen Dellbrück
Nach der Aufgabe des „Höffge“ traten die Fußballer des SC Preußen vor zumeist immer noch 6.000 bis 8.000 Zuschauern auf der Müngersdorfer Radrennbahn an. Für Spitzenspiele wich man auf die dortige Hauptkampfbahn des Sportparks aus. Hier spielte der heimatlose Erstligist zwar teils immer noch vor bis zu 23.000 Fans – etwa gegen die lokalen Konkurrenten 1. FC Köln oder Fortuna Düsseldorf –, aber die Anhänger hatten wegen der gut 15 Kilometer Entfernung zum eigenen „Veedel“ stets das Gefühl von Auswärtsspielen (Skrentny 2015, S. 80 u. 85).
In den Jahren von 1952 bis 1954 diente die Rasenfläche des „Riehler Kessels“ im Inneren des Ovals der „nur“ rund 6 Kilometer von Dellbrück entfernten Riehler Radrennbahn als Spielstätte der Preußen (unser-quartier.de).
Die hohen Nutzungskosten für die Ausweichspielstätten bei gleichzeitig sinkenden Zuschauerzahlen stellten eine beträchtliche finanzielle Belastung für den Verein dar, die den Klub in Schulden stürzte und schließlich zu dessen Ende durch Fusion mit anderen Vereinen führte (vgl. nachfolgend). Traditioneller Heimspielort der aus Preußen Dellbrück hervorgegangenen späteren Vereine SC bzw. FC Viktoria ist bis heute das Stadion Höhenberg.
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Der Sport-Club Preußen Köln-Dellbrück e. V.
Am 6. April 1912 erfolgte die Gründung des Fußball-Klub Preußen im Örtchen Dellbrück, das seinerzeit noch zur Bürgermeisterei Merheim gehörte und zum 1. April 1914 nach Köln eingemeindet wurde.
Der FK wurde zunächst im Januar 1919 auf Fußball Verein FV 1912 und dann 1926 in Sport-Club Preußen Dellbrück umbenannt. Der aufgrund seiner Vereinsfarben auch die „Schwarz-Weißen“ genannte SC trug seine Spiele der Mittelrheinmeisterschaft und der Oberliga West im „Höffge“ aus.
Nach einem dramatischen Abstiegskampf mit gleich vier Entscheidungsspielen schieden die Preußen jedoch aus der erst zur Saison 1947/48 als Eliteliga im westdeutschen Fußball inklusive Westberlin eingerichteten Oberliga aus, die bis zur Einführung der Fußball-Bundesliga 1963 die höchste deutsche Spielklasse war.

Da der seinerzeit mit sechs deutschen Meisterschaften zwischen 1934 und 1942 ruhmreiche Gelsenkirchener FC Schalke 04 nach der Saison 1948/49 eigentlich aus der Oberliga West in die Zweitklassigkeit hätte absteigen müssen, wurde diese „rein zufällig“ für die Folgespielzeit von 13 auf 16 Plätze aufgestockt. Dadurch durfte auch Preußen Dellbrück an den Aufstiegsspielen teilnehmen. Hierbei gelang nicht nur die Rückkehr in das Fußball-Oberhaus der Oberliga West – die „Sensationsmannschaft“ der Preußen beendete die Saison 1949/50 sogar als Tabellenzweiter. Damit waren die Dellbrücker für die Endrunde der deutschen Fußballmeisterschaft 1949/50 qualifiziert, die in K.-o.-Spielen auf neutralen Plätzen ausgetragen wurde.
Als größter Vereinserfolg des SC Preußen Dellbrück gilt das Erreichen des Halbfinals 1950, wo man erst im Wiederholungsspiel gegen Kickers Offenbach unterlag (ausgetragen in Oberhausen, deutscher Meister wurde später im Berliner Olympiastadion der VfB Stuttgart). Der 1948 gegründete 1. FC Köln hatte gleichzeitig die Qualifikation für die Meisterschaftsrunde verpasst – in diesen Jahren war der „Effzeh“ nur der zweite Club in der Domstadt.

Nach diesen Erfolgsjahren blieben jedoch größere Triumphe beim SC Preußen aus. Während die Nachwuchsfußballer der A-Jugend 1955 westdeutscher Meister wurden, geriet die erste Mannschaft der Dellbrücker zur Oberliga-Saison 1955/56 in akute Abstiegsgefahr. Der sportliche Niedergang und die zunehmende Verschuldung durch die verhängnisvolle Kombination von hohen Stadionkosten und gleichzeitig sinkenden Zuschauerzahlen (www.ksta.de) führten schließlich zur am 10. Juli 1957 vollzogenen Fusion mit dem rechtsrheinischen SC Rapid Köln zum SC Viktoria Köln. Hiermit sollte auch der sollte der zunehmenden Dominanz des 1. FC Köln Einhalt geboten werden.
Der SC Viktoria ging zwischen 1994 und 2020 im heutigen FC Viktoria Köln 1904 e.V. auf.
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Berühmte Spieler des SC Preußen Dellbrück

  • Der wohl bekannteste Spieler des SC Preußen war der in Dellbrück geborene Fritz Herkenrath (1928-2016). Der wegen seines eigentlichen Berufs auch „fliegender Schulmeister“ genannte Torwart hatte sich 1946 dem SC angeschlossen und absolvierte für diesen 75 Oberligaspiele, bevor er sich zur Saison 1951/52 dem damaligen Oberliganachbarn 1. FC Köln anschloss und nach erneutem Wechsel mit Rot-Weiss Essen 1953 den DFB-Pokal und 1955 die deutsche Meisterschaft gewann. Als Nationalspieler kam Herkenrath zwischen 1954 und 1958 auf 21 Länderspiele und erreichte bei der Fußball-WM 1958 in Schweden den vierten Rang. In Essen war er von 1956 bis 1961 als Sportlehrer an der Grundschule auf der Krupp'schen Margarethenhöhe tätig, bevor er nach seinem Karriereende 1962 sogar als Professor an die Sportfakultäten der Technischen Hochschule Aachen und der Universität Düsseldorf berufen wurde.
  • Als Oberligaspieler blieb Josef „Jupp“ Schmidt (1922-2007) in Erinnerung, der bereits als Kind für die Preußen spielte und von 1947 bis 1952 der erfolgreichen ersten Mannschaft angehörte. Nach seiner aktiven Zeit begann Schmidt seine Trainerkarriere beim SC, den er bereits in der Saison 1951/52 als Spielertrainer geführt hatte.
  • Sein langjähriger Mannschaftskamerad Heinz Schlömer (1923-1983) absolvierte 1949-1958 bei Preußen Dellbrück und dem Fusionsverein SC Viktoria Köln insgesamt 232 Pflichtspiele in denen er als Defensivspieler beachtliche 27 Tore erzielte (Angaben nach www.weltfussball.de, andere Quellen nennen sogar 32 Treffer).
  • Ebenfalls für Preußen (1953-1957) und die Viktoria (1957-1962) stürmte Heinz Lorenz (*1929), der in 206 Spielen insgesamt 101 Tore erzielte und in Saison 1954/55 mit 21 Treffern Torschützenkönig der Oberliga West wurde (ebd., a.a.O. werden 23 Tore genannt).
  • Auch die kölsche Ikone Hans „Jean“ Löring (1934-2005), der langjährige Mäzen und Präsident des SC Fortuna Köln, lief zwischen 1955 und 1961 in insgesamt 127 Spielen für beide Vereine auf und erzielte dabei 11 Tore.
  • Aus den Reihen des SC stammten ferner der Theaterintendant Jürgen Flimm (*1941) und der Publizist und Politiker Michael Naumann (*1941, Kulturstaatsminister 1998-2001), die beide in ihren jungen Jahren für die Preußen spielten.
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(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2021)

Internet
www.weltfussball.de: Preußen Dellbrück, Historische Kader (und weitere Seiten, abgerufen 25.03.2021)
www.buergervereindellbrueck.de: Festschrift und DVD „100 Jahre SC Preußen-Dellbrück“ (abgerufen 25.03.2021)
www.mythos-preussen-dellbrueck.de: S.C. Preussen Dellbrück, Geschichte (abgerufen 26.03.2021)
www.ksta.de: „Preussen Dellbrück – Erinnerungen an einen Mythos“ (Sven Winterschladen, Kölner Stadt-Anzeiger vom 31.05.2010, abgerufen 26.03.2021)
www.foerderverein-kaserne-moorslede-ev.de: Förderverein Kaserne Moorslede Köln Dellbrück e.V., Geschichte der Kaserne (abgerufen 25.03.2021)
unser-quartier.de: Riehler Geschichte: Wiedereröffnung der Riehler Radrennbahn (abgerufen 25.03.2021)
www.landkartenarchiv.de: Meßtischblatt 5008, Mülheim am Rhein, 1:25.000, 1936 (abgerufen 25.03.2021)
www.landkartenarchiv.de: Falk-Plan Köln, 15. Auflage von 1959 (abgerufen 25.03.2021)
www.landkartenarchiv.de: Stollfuß-Plan Nr. 51 Köln, 1:20.000, 1967 (abgerufen 25.03.2021)
de.wikipedia.org: Preußen Dellbrück (abgerufen 25.03.2021)
de.wikipedia.org: Fußball-Oberliga 1947/48 (und weitere Spielzeiten, abgerufen 25.03.2021)
de.wikipedia.org: Kaserne Moorslede (abgerufen 25.03.2021)
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Literatur

Skrentny, Werner (2015)
Es war einmal ein Stadion. Verschwundene Kultstätten des Fußballs. S. 84-85, Göttingen.
Skrentny, Werner (2001)
Das große Buch der deutschen Fussballstadien. Göttingen.

Fußballstadion „Et Höffge“ in Dellbrück

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Bergisch Gladbacher Straße / Heidestraße
Ort
51067 Köln - Dellbrück
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1922, Ende 1948 bis 1952

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Empfohlene Zitierweise
„Fußballstadion „Et Höffge“ in Dellbrück”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-329485 (Abgerufen: 17. Oktober 2021)
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