Schönburg Oberwesel

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Museen
Gemeinde(n): Oberwesel
Kreis(e): Rhein-Hunsrück-Kreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Die Schönburg liegt 130 Meter über dem Rhein, oberhalb von Oberwesel. Nach drei Seiten fällt das Relief fast senkrecht ab. Sie gilt als eine der ältesten Höhenburgen am Mittelrhein. In Nord-Süd-Richtung ist sie 130 Meter lang und umfasst bei einer West-Ost-Ausdehnung von 50 Metern eine Länge von 330 Meter.
Im Jahr 1112 sind die Magdeburger Erzbischöfe als Burgherren urkundlich festgehalten. 1149 ist die „Schönenburg“ im Besitz des Pfalzgrafen Hermann von Stahleck erwähnt. Dieser ließ seinen Rivalen um die Pfalzgrafschaft bei Rhein, Otto II. von Rheineck, im Gefängnisturm der Burg erdrosseln. Allerdings ist die Burg vermutlich viel älter. Ob die Höhenburg aber durch den Reichsministerial Otto von Schönburg gegründete wurde, bleibt nicht nachvollziehbar. Auch über den damaligen Burgherrn ist nichts bekannt.

Trotz der vielen Tauschverträge und Rücktauschungen über die Jahre kamen die Grafen von Schönburg gut mit den jeweiligen Lehnsherren (dem Erzbischof von Magdeburg, dem Kaiser und später dem Trierer Erzbischof) zurecht. Die Geschichte der Schönburg ist durch den großen Machteinfluss der Bewohner eng mit der Stadt Oberwesel verknüpft. Sie hatten unter anderem das Vogteirecht über die Stadt inne und bestimmten über das St. Martinsstift. Bereits im 13. Jahrhundert spaltete sich der Familienstamm in verschiedene Linien auf. Im 14. Jahrhundert bauten die Grafen zu Schönburg die Wohnburg nach und nach zu einer der mächtigsten Garnerbenburgen (die Erben konnten über den Familiensitz nur gemeinsam verfügen) Europas auf. Durch die Garnerbenteilung wurde die Burg in drei Teile untergliedert mit separaten Wohnbereichen und Bergfried. Noch heute sind die Burgdrittel sichtbar. Der älteste Teil der Burg liegt auf einem Felssporn im Norden zur Stadt hin. Im Süden, dem heutigen mittleren Burghof, verlief ein natürlicher Graben, der im 13. Jahrhundert anthropogen verfüllt wurde, um weiteren Bauplatz zu generieren.

So lebten auf der Burganlage zu Höchstzeiten sieben oder acht Familien, die alle weiteres Personal angestellt hatten. Für das Jahr 1340 sind 95 Gemeiner, also Eigentümer eines mittelalterlichen Besitzes namentlich aufgeführt. Zudem kamen noch Tiere für die Versorgung hinzu. Mit der dichteren Besiedelung kam es auch zu Konflikten, die schon mal mit Mord oder Totschlag enden konnten.
Erst mit Erfindung des Schießpulvers und der Kanonengeschosse sowie den zahlreichen Kriegen im 17. Jahrhundert nimmt die Burg größere Schäden, die vorher aufgrund ihrer Lage und der wehrtechnischen Ausstattung lange nicht erobert wurde. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Burg von spanischen, schwedischen, bayerischen und französischen Truppen eingenommen. Die französischen Truppen zerstörten 1689 große Teile der Anlage, die einen noch imposanteren Anblick als heute vermittelte. Als 1719 der letzte männliche Schönburger verstirbt, geht Burg in kurtrierischen Besitz über. Als 1794 die linke Rheinseite an Frankreich fällt, geht die Burg in Staatsbesitz über und wird verkauft. Von da an beginnen fast 150 Jahre im Besitz internationaler Privateigentümer.

1885 kaufte der New Yorker Bankier T. J. Oakley Rhinelander die Burgruine und begann mit dem teilweisen Um- und Aufbau, denn bis ins 19. Jahrhundert diente die Ruine der Bevölkerung als Steinbruch. Die Vorfahren Rhinelanders wanderten Ende des 18. Jahrhunderts in die Vereinigten Staaten aus.

Das Baumaterial der Schönburg ist eine Akkumulation aus verschiedenen Epochen. Heute ist das unverputzte Bruchsteinmauerwerk sichtbar, wohingegen es früher zumindest teilweise verputzt war. Dazu fügen sich Ergänzungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert an, die aus Bruch- oder Backsteinen errichtet wurden. Einige Fachwerkbauten, wie das Pförtner- und Torwärterhaus, sind ebenfalls vorzufinden. Reparaturen und Neubauten nach 1950 wurde mit modernen Materialien umgesetzt.
Nach dem Tod Rhinelanders 1946 kaufte die Stadt 1950 für 35.000 DM die Burg von seinen Nachfahren ab. Dies geschah unter der Bedingung dort eine internationale Begegnungsstätte für Jugendliche, das Kolpinghaus, einzurichten. Der südliche Teil ist an das Burghotel verpachtet. Seit April 2011 ist im Torturm ein interaktives Museum eingerichtet, welches sich mit den Themen Burgenbau, Denkmalschutz und Burgen im Krieg befasst. Die im obersten Stock eingerichtete Aussichtsplattform bietet einen 360° Blick über die Burg, die Hunsrückhöhen und das Rheintal.

Das Baugefüge weist drei unterschiedliche Höhenlagen auf, die von Süden über den Halsgraben mit Holzbrücke erreicht werden können. Das niedrigste Niveau hat der unterste Burghof gleich hinter der hohen Mantelmauer, gefolgt vom mittleren und oberen Burghof. Um auf den mittleren Burghof zu gelangen, muss der trapezförmige Torturm durchschritten werden. Im Norden an den Hof schließt sich der älteste Teil der Burg an, zu dem auch die Flaggenwiese im Norden und die Rheinterrassen im Osten gehören. Von dem siebeneckigen Turm sind nach einem Einsturz von 1880 nur noch Fragmente erhalten. Der obere Burghof wird über eine Treppe zwischen Kapelle und Kemenate erreicht. Der Hof wird begrenzt von dem östlichen Gefängnis- und dem westlichen Barbarossaturm. Zwischen beiden Türmen grenzt das Palas, welches heute die Zimmer des Hotels beherbergt.

(Kira Bublies, Universität Koblenz-Landau, 2016)

Literatur

Arbeitsgemeinschaft für Landschafts- und Umweltschutz und für Denkmalpflege e.V. in der Stadt Oberwesel (Hrsg.) (1992)
Heimat Oberwesel. Zwischen Liebfrauen und St. Martin. Ein Stadtführer. S. 102-111, Oberwesel.
Bornheim gen. Schilling, Werner / Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Hrsg.) (1992)
Oberwesel. (Rheinische Kunststätten 81 (10. durchgesehene Auflage).) S. 17-22, Neuss.
Familie Hüttl (Hrsg.) (o.J.)
Die Geschichte der Schönburg. Bingen.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (1997)
Die Kunstdenkmäler des Rhein-Hunsrück-Kreises. Teil 2.2: Ehemaliger Kreis St. Goar. Stadt Oberwesel. S. 711-781, München, Berlin.
Schulz, Günter (2005)
Dellhofen. Ein Dorf im Wandel der Zeit. S. 106-112, Dichtelbach.
Schwarz, Anton (2004)
Oberwesel. Bilder aus der Geschichte einer kleinen Stadt am großen Strom. S. 105-124, Koblenz.
Schwarz, Anton (2000)
Eine Zeitreise durch Oberwesel. Historischer Stadtführer. S. 102-108, Dielheim.

Schönburg Oberwesel

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Auf Schönburg
Ort
55430 Oberwesel
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Museen
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1112
Koordinate WGS84
50° 06′ 4,32″ N, 7° 43′ 56,12″ O / 50.1012°, 7.73226°
Koordinate UTM
32U 409336.67 5550652.22
Koordinate Gauss/Krüger
3409375.52 5552432.97

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„Schönburg Oberwesel”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-254972 (Abgerufen: 24. Februar 2018)
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