Ehrenmal für die Opfer der Shoah aus Köln auf dem jüdischen Friedhof Bocklemünd

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Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 58′ 16,6″ N: 6° 52′ 17,75″ O 50,97128°N: 6,8716°O
Koordinate UTM 32.350.565,69 m: 5.648.787,35 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.561.264,86 m: 5.648.813,04 m
  • Frontansicht des Denkmals für die 11.000 Kölner Opfer der Shoah an der zentralen Sichtachse auf dem Neuen jüdischen Friedhof Bocklemünd (2026). Der damalige Vorsitzende der Synagogen-Gemeinde Köln, Moritz Goldschmidt, gab 1948 den Anstoß zum Ehrenmal. Sein Sohn, der Architekt Helmut Goldschmidt, setze es um.

    Frontansicht des Denkmals für die 11.000 Kölner Opfer der Shoah an der zentralen Sichtachse auf dem Neuen jüdischen Friedhof Bocklemünd (2026). Der damalige Vorsitzende der Synagogen-Gemeinde Köln, Moritz Goldschmidt, gab 1948 den Anstoß zum Ehrenmal. Sein Sohn, der Architekt Helmut Goldschmidt, setze es um.

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  • Fronansicht des Denkmals für die 11.000 Kölner Opfer der Shoah an der zentralen Sichtachse auf dem Neuen jüdischen Friedhof Bocklemünd (2026). Die mittlere Gedenktafel an der Säule erinnert an Dr. Isidor Caro, den letzten Rabbiner der Synagogen-Gemeinde vor der Shoah. Die beiden seitlichen Gedenktafeln gedenken auf Deutsch und Hebräisch der 11.000 aus Köln stammenden Opfer der Shoah.

    Fronansicht des Denkmals für die 11.000 Kölner Opfer der Shoah an der zentralen Sichtachse auf dem Neuen jüdischen Friedhof Bocklemünd (2026). Die mittlere Gedenktafel an der Säule erinnert an Dr. Isidor Caro, den letzten Rabbiner der Synagogen-Gemeinde vor der Shoah. Die beiden seitlichen Gedenktafeln gedenken auf Deutsch und Hebräisch der 11.000 aus Köln stammenden Opfer der Shoah.

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  • Frontansicht des Denkmals für die 11.000 Kölner Opfer der Shoah an der zentralen Sichtachse auf dem Neuen jüdischen Friedhof Bocklemünd (2026). Es wurde 1948 von der Synagogen-Gemeinde aufgestellt, die sich unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wieder gegründet hatte.

    Frontansicht des Denkmals für die 11.000 Kölner Opfer der Shoah an der zentralen Sichtachse auf dem Neuen jüdischen Friedhof Bocklemünd (2026). Es wurde 1948 von der Synagogen-Gemeinde aufgestellt, die sich unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wieder gegründet hatte.

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  • Die Gedenktafel am linken Flügel des Denkmals für die 11.000 Kölner Opfer der Shoah an der zentralen Sichtachse auf dem Neuen jüdischen Friedhof Bocklemünd (2026). Sie trägt die hebräische Inschrift.

    Die Gedenktafel am linken Flügel des Denkmals für die 11.000 Kölner Opfer der Shoah an der zentralen Sichtachse auf dem Neuen jüdischen Friedhof Bocklemünd (2026). Sie trägt die hebräische Inschrift.

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  • Nahaufnahme der Gedenktafel für Dr. Isidor Caro am Denkmal für die 11.000 Kölner Opfer der Shoah an der zentralen Sichtachse auf dem Neuen jüdischen Friedhof Bocklemünd (2026). Dr. Caro war der letzte Rabbiner der Synagogen-Gemeinde vor der Shoah. Er wurde 1942 gemeinsam mit seiner Ehefrau Klara aus Köln deportiert und im Ghetto Theresienstadt ermordet.

    Nahaufnahme der Gedenktafel für Dr. Isidor Caro am Denkmal für die 11.000 Kölner Opfer der Shoah an der zentralen Sichtachse auf dem Neuen jüdischen Friedhof Bocklemünd (2026). Dr. Caro war der letzte Rabbiner der Synagogen-Gemeinde vor der Shoah. Er wurde 1942 gemeinsam mit seiner Ehefrau Klara aus Köln deportiert und im Ghetto Theresienstadt ermordet.

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  • Der rechte Flügel des Denkmals für die 11.000 Kölner Opfer der Shoah an der zentralen Sichtachse auf dem Neuen jüdischen Friedhof Bocklemünd (2026). Die Gedenktafel trägt die deutsche Inschrift: Zum Andenken an die ueber 11000 Schwestern und Brueder unserer Gemeinde, die als Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns fuer das Judentum in den Jahren 1933-1945 gefallen sind. Synagogen Gemeinde Köln.

    Der rechte Flügel des Denkmals für die 11.000 Kölner Opfer der Shoah an der zentralen Sichtachse auf dem Neuen jüdischen Friedhof Bocklemünd (2026). Die Gedenktafel trägt die deutsche Inschrift: Zum Andenken an die ueber 11000 Schwestern und Brueder unserer Gemeinde, die als Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns fuer das Judentum in den Jahren 1933-1945 gefallen sind. Synagogen Gemeinde Köln.

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  • Das Denkmal für die 11.000 Kölner Opfer der Shoah sowie das gegenüberliegende Denkmal für die im Novemberpogrom zerstörten Kölner Synagogen an der zentralen Sichtachse auf dem Neuen jüdischen Friedhof Bocklemünd (2026).

    Das Denkmal für die 11.000 Kölner Opfer der Shoah sowie das gegenüberliegende Denkmal für die im Novemberpogrom zerstörten Kölner Synagogen an der zentralen Sichtachse auf dem Neuen jüdischen Friedhof Bocklemünd (2026).

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Das 1948 eingeweihte Ehrenmal befindet sich auf der mittigen Sichtachse zwischen dem Eingangsportal und dem Denkmal des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Ihm gegenüber steht das Denkmal zur Erinnerung an die Zerstörung der Kölner Synagogen.

Initiative
Gestaltung
Eine kleine Geschichte der jüdischen Gemeinden im neuzeitlichen Köln …
… im Kaiserreich
… in der Weimarer Republik
… während und nach der Shoah
Dr. Isidor Caro und Klara Caro
Internet

Initiative
Moritz Goldschmidt war in der unmittelbaren Nachkriegszeit der Vorsitzende der Synagogen-Gemeinde, die sich zu diesem Zeitpunkt aus wenigen Personen zusammensetzte, die Verfolgung und Krieg in Köln überlebt hatten. Er gab den Anstoß zum Ehrenmal, das sein Sohn, der Architekt Helmut Goldschmidt (1918-2005), umsetze. Goldschmidt junior war auch für den Wiederaufbau der Synagoge in der Roonstraße verantwortlich.

Gestaltung
Das Ehrenmal steht auf einem niedrigen Sockel. Es besteht aus einer Säule von etwa drei Metern Höhe mit quadratischem Grundriss in der Mitte, an deren unterem Ende die Steintafel zum Gedenken an Dr. Isidor Caro angebracht ist:
„Unserem letzten von 1908-1942 amtierenden Rabbiner Dr. Isidor Caro, der mit vielen Gemeindemitgliedern den Märtyrertod in Theresienstadt fand.
In dankbarer Verehrung. Synagogen Gemeinde Köln.“


Am oberen Ende ist ein Davidstern eingemeißelt. Rechts und links wird die Säule von zwei flachen Steinquadern flankiert, auf denen Tafeln aus Metall angebracht sind. Die linke Tafel trägt die hebräische und die rechte Tafel die deutsche Inschrift:
„Zum Andenken an die ueber 11000 Schwestern und Brueder unserer Gemeinde, die als Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns fuer das Judentum in den Jahren 1933-1945 gefallen sind.
Synagogen Gemeinde Köln.“
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Eine kleine Geschichte der jüdischen Gemeinden im neuzeitlichen Köln …
Während des sogenannten Judenbanns des Kölner Stadtrates von 1424 bis 1798 durften sich jüdische Menschen nicht in Köln niederlassen. In dieser Zeit bildeten sich im Rheinland zahlreiche kleinere „Landjudengemeinden“ sowie größere jüdische Gemeinden auf der rechten Rheinseite. Deutz und Mülheim wurden erst 1888 nach Köln eingemeindet. Sie befanden sich zur Zeit des „Judenbanns“ im kurkölnischen beziehungsweise bergischen Machtbereich und außerhalb des Einflussbereichs des Kölner Stadtrates.
Nach dem Ende des Banns zogen zahlreiche jüdische Menschen nach Köln, um die Lebensbedingungen für sich und ihre Familien zu verbessern. Unter ihnen waren auch Unternehmer wie Salomon Oppenheim.

… im Kaiserreich
Im Laufe des 19. Jahrhunderts blühten die jüdischen Gemeinden und es entstanden die beiden großen Synagogen in der Glockengasse (1861) und in der Roonstraße (1899) sowie mehrere kleinere Synagogen und Bethäuser.
1871 erhielten jüdische Menschen im Deutschen Reich die bürgerlichen Rechte, die christliche Personen bereits selbstverständlich besaßen.
Insbesondere ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Gemeinden diverser. Auf der Flucht vor wiederholten Pogromen im Zarenreich kamen viele jüdische Personen nach Köln und in andere deutsche Städte. Die Gemeinden unterschieden sich außerdem zunehmend in ihrer religiösen Ausrichtung zwischen orthodox und liberal.
Nach dem Ersten Weltkrieg setzte die Kölner Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten den gefallenen jüdischen Soldaten ein Denkmal auf dem Neuen jüdischen Friedhof Bocklemünd.

… in der Weimarer Republik
Bis zum Ende der Weimarer Republik entstanden außerdem zahlreiche Einrichtungen und Angebote, darunter das einzige jüdische Gymnasium im Rheinland, Jawne, das an die orthodoxe Gemeinde Adass Jeschurun in der Sankt Apern-Straße angeschlossen war, sowie das Israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache an der Silvanstraße in Ehrenfeld. 1933 hatte die Synagogen-Gemeinde Köln über 18.000 Mitglieder. Insgesamt lebten in der Domstadt circa 19.500 jüdische Kölner*innen.
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… während und nach der Shoah
Die antisemitische Diskriminierung begann in Köln bereits 1933 mit den sogenannten Judenboykotten und Enteignungen jüdischer Geschäftsinhaber*innen, der „Arisierung“. Durch die Nürnberger Gesetze von 1935 verschärfte sich die Lage weiter. Die meisten jüdischen Menschen verloren ihre Lebensgrundlage, konnten ihre Berufe nicht mehr ausüben und waren vollständig von nicht-verfolgten Teilen der Gesellschaft isoliert. In den Gemeinden, Verbänden und Vereinen reagierte man unterschiedlich: Während sich Mitglieder der Zionistischen Vereinigung für Deutschland um Dr. Max Isidor Bodenheimer (1865-1940, vgl. hier) bereits früh auf eine Emigration nach Palästina (der Staat Israel entstand 1948) vorbereiteten, hofften vor allem Personen, die sich als Deutsche jüdischen Glaubens verstanden, zunächst auf eine Verbesserung der Situation.
Während der Novemberpogrome 1938 wurden alle sechs Synagogen sowie weitere jüdische Einrichtungen geplündert, zerstört und vielfach in Brand gesteckt. SA-Angehörige überfielen jüdische Kölner*innen in ihren Wohnungen und richteten dort weitreichende Zerstörungen an. Überall im Land wurden insgesamt circa 30.000 jüdische Personen, vor allem Männer, in frühe Konzentrationslager verschleppt. Vom 7. bis zum 13. November wurden reichsweit zwischen 1.000 und 2.000 jüdische Menschen ermordet.
Nach den Pogromen verschärfte sich die Ausgrenzung und Verfolgung abermals. Jüdische Menschen verloren ihren Schutz als Mieter*innen und wurden in sogenannten Judenhäusern sowie in Sammellagern wie in Brauweiler und Müngersdorf konzentriert. Im Oktober 1941 begannen die Deportationen jüdischer Personen aus Köln und dem Umland in Ghettos und Konzentrationslager.
Von den etwa 19.500 jüdischen Kölner*innen überlebten etwa 8.500 Menschen, zumeist im Exil. Eine Gruppe von etwa 50 Personen überlebte in Köln selbst in Verstecken und fand sich nach dem Ende des Kriegs im teilweise unzerstörten Israelitischen Krankenhaus zusammen. Bis 1959 gab es eine provisorische Synagoge in der Ottostraße, dann konnte die wiederhergestellte Synagoge in der Roonstraße bezogen werden.
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Dr. Isidor Caro und Klara Caro
Dr. Isidor Caro (1877-1943) wurde in Znin im heutigen Polen (damals Deutsches Reich) in eine Gelehrtenfamilie geboren. Er studierte am Rabbinerseminar in Berlin und kam 1908 nach Köln, um Rabbiner der Synagogengemeinde zu werden. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Klara (1886-1979, geborene Beerman) aus Berlin war er seelsorgerisch in Gefängnissen tätig.
Mitte der 1930er hatte das Ehepaar Caro mehrere Möglichkeiten, Deutschland unter anderem Richtung Palästina zu verlassen, nahm diese aber aus Pflichtgefühl gegenüber der Gemeinde nicht wahr. Der damals 18-jährige Sohn Hermann war bereits 1933 nach London emigriert. Drei Jahre später folgte ihm seine Schwester Rut. Hermann erholte sich 1943 in einer Klinik in den Niederlanden von einer schweren Erkrankung. Von dort wurde er deportiert und bei seiner Ankunft in Auschwitz vergast.
Isidor und Klara Caro wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo Isidor an Unterernährung verstarb und zunächst aufgrund seiner Verdienste in der Seelsorge im Ghetto ein Einzelgrab erhielt. 1944 wurden die Urnen aus dem Ghetto auf Befehl der Nazis in die Elbe geworfen.
Klara Caro überlebte in Theresienstadt und kam am 5. Februar 1945 im Zuge der durch den Schweizer Politiker Jean-Marie Musy geführten Freilassungsgeschäfte mit den Nationalsozialisten mit einem Transport in die Schweiz. Von dort emigrierte sie, um mit ihrer Tochter in New York zu leben, wo sie 1979 verstarb.

(Antonia Frinken, LVR-Abteilung Digitales Kulturerbe, 2026)

Internet
de.wikipedia.org: Isidor Caro (aufgerufen 31.03.2026)
de.wikipedia.org: Klara Caro (aufgerufen 08.04.2026)
de.wikipedia.org: Helmut Goldschmidt (aufgerufen 08.04.2026)
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Literatur

Becker-Jákli, Barbara / NS-Dokumentationszentrum Köln (Hrsg.) (2012)
Das Jüdische Köln. Geschichte und Gegenwart. Ein Stadtführer. Köln.
Heid, Ludger (Hrsg.) (1992)
Wegweiser durch das jüdische Rheinland. (Eine Publikation des Salomon-Ludwig-Steinheim-Instituts für Deutsch-Jüdische Geschichte.) Berlin.

Ehrenmal für die Opfer der Shoah aus Köln auf dem jüdischen Friedhof Bocklemünd

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Venloer Straße 1152
Ort
50829 Köln - Vogelsang / Nordrhein-Westfalen
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Vor Ort Dokumentation
Historischer Zeitraum
Beginn 1948

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„Ehrenmal für die Opfer der Shoah aus Köln auf dem jüdischen Friedhof Bocklemünd”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360043 (Abgerufen: 9. April 2026)
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