Synagoge an der Roonstraße in Neustadt-Süd

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 55′ 55,4″ N: 6° 56′ 11,39″ O / 50,93206°N: 6,9365°O
Koordinate UTM 32.354.999,88 m: 5.644.297,01 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.565.878,79 m: 5.644.505,98 m
  • Innenraum der Kölner Synagoge in der Roonstraße, Blick auf den Toraschrein und die Bina (Toralesepult) (2007)

    Innenraum der Kölner Synagoge in der Roonstraße, Blick auf den Toraschrein und die Bina (Toralesepult) (2007)

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  • Kölner Synagoge in der Roonstraße (2006).

    Kölner Synagoge in der Roonstraße (2006).

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Die jüdische Gemeinde in Köln seit dem frühen 19. Jahrhundert
Nach der Vertreibung 1424 konnten sich Juden erst wieder in der französischen Zeit ab 1798 in Köln niederlassen. Die Zahl der jüdischen Bewohner stieg schon im 19. Jahrhundert rapide an. Erst 1861 erhielt die Gemeinde Korporationsrechte. In der Zeit der Weimarer Republik war Köln die fünftgrößte jüdische Gemeinde in Deutschland. 1930 umfasste der Synagogenbezirk Köln auch Rondorf, Merheim rechtsrheinisch, Bergisch Gladbach, Bensberg, Overath, Odenthal, Heumar, Wahn und Rösrath. 1933 existierten im heutigen Kölner Stadtgebiet sieben Synagogen, zahlreiche Betsäle und sieben Friedhöfe.
Eine neue jüdische Gemeinde entstand in Köln direkt nach der Befreiung 1945. Zunächst versammelte sie sich im ehemaligen jüdischen Krankenhaus (Israelitisches Asyl), 1959 wurde die umgebaute Synagoge Roonstraße eingeweiht. 2003/04 konnte ein zweites Gemeindezentrum im ehemaligen Israelitischen Asyl in Betrieb genommen werden, wo sich ebenfalls eine kleine Synagoge befindet.
Gemeindegröße
um 1815:
119 (1806) / 133 (1808), um 1880: 5919 (1885), 1932: 19500 / 14819 (1933), 2006: 4857 / etwa 100 (Gescher LaMassoret) (vorstehende Angaben nach Reuter 2007).

Jüdische Liberale Gemeinde Gescher LaMassoret in Riehl
Die 1996/1997 gegründete Jüdische Liberale Gemeinde Gescher LaMassoret (hebräisch für Brücke zur Tradition) in Köln-Riehl unterhält eine eigene kleine Synagoge und belegt bei Bedarf ihr zugewiesene Begräbnisparzellen (u.a. auf dem Kölner Westfriedhof).
„Die im Juni 1997 in München gegründete Union progressiver Juden in Deutschland (UpJ) ist eine religiöse Vereinigung, der sich eine kleine Jüdische liberale Gemeinde in Köln-Riehl verbunden fühlt. Sie hat etwa 50 Mitglieder und nennt sich 'Jüdische Liberale Gemeinde Köln Gescher LaMassoret e.V.' Die Gemeinde bietet neben regelmäßigen Gottesdiensten Unterricht für Kleinkinder, Jugendliche und Erwachsene an.“ (de.wikipedia.org, Jüdische Geschichte in Köln)

Bethaus / Synagoge
Zunächst benutzten die Kölner Juden ein Bethaus, das sich auf dem Grundstück eines säkularisierten Klosters befand. 1861 wurde die Synagoge Glockengasse als erster moderner Synagogenbau eingeweiht (1938 zerstört), 1899 die Synagoge Roonstraße (1938 stark beschädigt). 1884 wurde außerdem eine Synagoge für die orthodoxe Austrittsgemeinde Adass Jeschurun eingeweiht (1938 zerstört).
Nach 1945 wurde zunächst ein Betsaal im ehemaligen Israelitischen Asyl eingerichtet. Am 20. September 1959 wurde die 1958/59 nach Entwürfen der Architekten Schreiterer und Below völlig umgebaute Synagoge in der Roonstraße gegenüber dem Rathenauplatz eingeweiht.
„Während der Architekt Helmut Goldschmidt an der äußeren Gestalt der Synagoge kaum Veränderungen vornahm, wurde das Innere umgebaut. Elemente des alten Synagogenbaus sind noch erkennbar.“ (Synagogen NRW 1999)
Nur wenige Wochen nach ihrer Einweihung beschmierten an Heiligabend 1959 zwei Mitglieder der Deutschen Reichspartei (DRP) die Synagoge mit Hakenkreuzen und der Aufschrift „Deutsche fordern: Juden raus“. Dies war der Beginn von hunderten ähnlicher Vorfälle, die von Bundeskanzler Adenauer in seiner Neujahrsansprache thematisiert wurden und als „antisemitische Schmierwelle“ Bekanntheit erlangten.

Heute vereint das Gebäude unter seinem Dach neben der großen Synagoge eine ganze Reihe weiterer Einrichtungen, darunter das Rabbinat, das Jugendzentrum Jachad („Einung“), eine Krabbelgruppe „Die Roonis“, ein koscheres Restaurant, eine Mikwe und Unterrichtsräume.
„Der Große Gemeindesaal wird für Feste und Veranstaltungen unterschiedlichster Art genutzt. Hier treffen sich aber auch regelmäßig Gemeindemitglieder, wie etwa einmal im Monat der Senioren- und Freundschaftsclub ESRA. (...) Ein kleines Museum informiert über die Geschichte der jüdischen Gemeinde Kölns.“ (www.sgk.de)

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2011/2019)

Internet
de.wikipedia.org: Synagoge Köln (abgerufen 22.06.2011)
de.wikipedia.org: Jüdische Geschichte in Köln (abgerufen 22.06.2011)
de.wikipedia.org: Liste von Anschlägen auf Juden und jüdische Einrichtungen im deutschsprachigen Raum nach 1945 (abgerufen 19.08.2019)
www.gescherlamassoret.de: Jüdische Liberale Gemeinde Köln Gescher LaMassoret e.V. (abgerufen 23.07.2014)
www.sgk.de: Synagoge Roonstraße (abgerufen 15.02.2018)

Literatur

Pracht, Elfi (1997)
Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil I: Regierungsbezirk Köln. (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern im Rheinland 34.1.) S. 242-291, Köln.
Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) S. 56, Bonn.
(1999)
Die Synagogen der jüdischen Gemeinden Nordrhein-Westfalen. In: Brocke, Michael (Hrsg.): Feuer an Dein Heiligtum gelegt. Zerstörte Synagogen 1938 (Beilage), S. 13, Bochum.

Synagoge an der Roonstraße in Neustadt-Süd

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Roonstraße
Ort
50674 Köln - Neustadt-Süd
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1959

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„Synagoge an der Roonstraße in Neustadt-Süd”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-12407-20110622-18 (Abgerufen: 19. September 2019)
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