Stadtteil Köln-Neuehrenfeld

Stadtteil 402 im Kölner Stadtbezirk 4 Ehrenfeld

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 57′ 32,29″ N: 6° 55′ 26,76″ O / 50,95897°N: 6,9241°O
Koordinate UTM 32.354.213,01 m: 5.647.313,69 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.564.969,74 m: 5.647.488,72 m
  • Der restaurierte historische Flügel des ehemaligen israelitischen Asyls in Köln-Neuehrenfeld (2009). Heute befindet sich hier das Wohlfahrtszentrum der jüdischen Gemeinde.

    Der restaurierte historische Flügel des ehemaligen israelitischen Asyls in Köln-Neuehrenfeld (2009). Heute befindet sich hier das Wohlfahrtszentrum der jüdischen Gemeinde.

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    Marie-Luise Preiss
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  • Ausschnitt der "Schweid(t)karte" oder "Cöllnischer Schweidt" von 1609 des Abraham Hogenberg; die Karte zeigt die "Keyserliche Freye Reichs Statt Kölln" samt Umland und Vororten.

    Ausschnitt der "Schweid(t)karte" oder "Cöllnischer Schweidt" von 1609 des Abraham Hogenberg; die Karte zeigt die "Keyserliche Freye Reichs Statt Kölln" samt Umland und Vororten.

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  • Kartenausschnitt "Burgbann von Köln, nebst den Grenzen der Bauerbänke, 1789" aus dem Geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz (1894).

    Kartenausschnitt "Burgbann von Köln, nebst den Grenzen der Bauerbänke, 1789" aus dem Geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz (1894).

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    Wilhelm Fabricius
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Der Kölner Stadtteil Neuehrenfeld gehört zum Stadtbezirk 4 Ehrenfeld. In Neuehrenfeld leben heute auf einer Fläche von 2,55 Quadratkilometern etwa 24.000 Menschen (23.387 Einwohner zum 31.12.2009 bzw. 24.178 zum 31.12.2019 nach stadt-koeln.de).
Der heutige Stadtteil grenzt im Westen an die Orte - bzw. heutigen Stadtteile - Ossendorf, Bickendorf und Ehrenfeld sowie im Osten an Bilderstöckchen und die Kölner Neustadt.

Der Name Neuehrenfeld bzw. (Neu-) Ehrenfeld
Frühe Ortsgeschichte vom Mittelalter bis zur Franzosenzeit
Franzosenzeit und preußische Zeit
Kölner Stadtteil
Charakteristik und Akzente des Stadtteils
Internet und Literatur

Der Name Neuehrenfeld bzw. (Neu-) Ehrenfeld
Der Siedlungsname Neuehrenfeld - vereinzelt findet sich auch noch die ältere Schreibung „Neu-Ehrenfeld“ - bezieht sich wie auch bei Ehrenfeld auf die einstige Kölner Torburg „Ehrentor“ bzw. „Ehrenpforte“ der mittelalterlichen Stadterweiterung von um 1250. Auch anderenorts wurden bereits seit römischer Zeit besonders repräsentative Stadttore als „Ehrentor“ (lateinisch porta honoris) benannt. In Köln lag dieses als letztes von gleich drei hintereinander angelegten Toren am Ende der stadtauswärts nach Westen führenden heutigen Straßen Ehrenstraße und Breite Straße am Friesenwall (Signon 2006, S. 131).

Frühe Ortsgeschichte vom Mittelalter bis zur Franzosenzeit
Neuehrenfeld geht auf eine frühere Siedlung „Subbelrath“ mit einem gleichnamigen Hof zurück. Im Mittelalter stand das Subbelrather Gebiet zusammen mit Ossendorf unter dem Einfluß des Kölner Ursulastifts. Diesem wurde durch eine Schenkung des Erzbischofs Warin (+985, auch Warinus, Kölner Erzbischof von 976 bis 985) urkundlich bezeugt zum 25. Oktober 980 zum Unterhalt der Schwestern (sanctimoniales) ein Herrenhof (curtis dominicata) in Ossendorf übertragen (Neuheuser 1978, S. 137).
Ebenso WIlhelm Janssen (ders. 2008, S. 45): „Ossendorf (Amt Hülchrath): 976/84 an das Stift St. Ursula geschenkt. Die Äbtissin erwarb zu einer unbekannten Zeit die Vogtei und baute den dortigen Stiftsbesitz zur Herrlichkeit aus.“

Landesherrlich-politisch gehörte Subbelrath im ausgehenden Mittelalter und während der Frühen Neuzeit zur Unterherrschaft Ossendorf im Kurkölnischen Amt Hülchrath. Dieses Amt wiederum geht auf die vormalige Grafschaft Hülchrath zurück, die zwischen 1314 und 1331 nach Erbteilungen, Verkauf und Verpfändung an das Kölner Erzstift gelangt war (Janssen 2008, S. 32, Nr. 114).

Ein Ossendorfer Weistum (ein Verzeichnis über Besitzungen, Rechte usw.) von 1573 nennt die Gemarkungen „Sobbelrader Heck“ bzw. „Sobbelrader hekken“ (Neuheuser 1978, S. 144) und in der auf 1609 datierten Kölner Schweidtkarte des Abraham Hogenberg (~1578-1653) findet sich eine Siedlung „Sobbelrad“ eingezeichnet.
In dieser Germarkung weist auch die kleine Karte Burgbann von Köln, nebst den Grenzen der Bauerbänke, ein Auschnitt aus der Karte der politischen und administrativen Eintheilung der heutigen preussischen Rheinprovinz für das Jahr 1789 im Geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz von Wilhelm Fabricius (1894), das Örtchen „Subbelrath“ aus, während die große Hauptkarte den Ort hingegen als „Subbelrather Hof“ zeigt. In nochmals abweichender Benennung wird die Ortschaft „Subbelratherhof“ dann in Fabricius' Erläuterungen zu der 1789er-Karte nicht mehr zur Herrlichkeit Ossendorf, sondern der Erbvogtei zu Köln zugerechnet (Fabricius 1898, S. 77-78 u. 101, Nrn. 344 u. 355).
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Franzosenzeit und preußische Zeit
Im Zuge der Besetzung des linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen während der Franzosenzeit im Rheinland (1794 bis 1815) wurde das Amt Hülchrath aufgelöst und hier die Mairie (Bürgermeisterei) Müngersdorf eingerichtet, die zum Kanton Weiden im Arrondissement de Cologne im Département de la Roer gehörte.

Nach der Franzosenzeit ging das Neuehrenfelder Gebiet mit der nunmehrigen Bürgermeisterei Müngersdorf in den 1816 neu begründeten preußischen Landkreis Köln über. In der mit Stichtag 20. April 1816 erstellten Auflistung der Bürgermeistereien wird Müngersdorf mit neun Orten angeführt: Müngersdorf, Bickendorf, Bocklemünd, Mechtern, Melaten, Mengenich, Morsdorf, Ossendorf und Subbelrath; für Subbelrath werden dabei lediglich 17 Einwohner genannt (Kisky u.a. 1966, S. 13).
Die historischen Karten der Topographischen Aufnahme der Rheinlande (1801-1828) zeigen für diese Jahrzehnte im Bereich des heutigen Stadtteils Neuehrenfeld bei den dort von Nord nach Süd namentlich benannten Gemarkungen „Schieffersburg“, „An Coellen weeg“ und „Cöllnes feld“ noch keinerlei Siedlungstätigkeit. Einzig im Südwesten - an der heutigen Grenze zu Ehrenfeld - findet sich wie gehabt die Kleinsiedlung „Subelrath“, die in gleicher Form und Größe in der zwischen 1836 und 1850 erarbeiteten Preußischen Uraufnahme als „Subbelrather Hof“ eingetragen ist.
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Kölner Stadtteil
Nachdem bereits zum 1. Januar 1867 die Ortschaften Ehrenfeld und Subbelrath zu einer „besondere[n] Gemeinde mit dem Namen Ehrenfeld“ wurden, erfolgte zum 8. Oktober 1879 eine endgültige Teilung der Bürgermeisterei Müngersdorf in die zwei Bürgermeistereien Müngersdorf und Ehrenfeld (welches zugleich Stadtrechte verliehen bekam).
Wie auch andere Stadt- und Landgemeinden, wurden Ehrenfeld und Müngersdorf zum 1. April 1888 im Rahmen der „zweiten Grenzveränderung der ersten Eingemeindungsaktion“ als Stadtteile nach Köln eingemeindet (Kisky u.a. 1966, S. 18-20). Neuehrenfeld entstand „um 1900 … im Rahmen der nördlichen Erweiterung des Stadtteils Ehrenfeld … jenseits der Bahnstrecke nach Aachen (Wilhelm 2008).
Etwas unklar bleibt, welche Teile des ebenfalls zum 1. April 1888 neu eingerichteten Stadtteils - erst im Jahr 1954 erhielt dieser auch offiziell den Namen Neuehrenfeld - zuvor Subbelrath oder Ossendorf zugerechnet wurden. Diese Bereiche waren, so wie die meisten anderen Gebiete vor der damaligen Kölner Stadtgrenze, bis weit ins 19. Jahrhundert nur spärlich bebaut und noch bis in die 1980er-Jahre wurde „das Viertel zwischen Subbelrather- und Nußbaumerstraße auch von offizieller Stelle ‚Subbelrath' genannt“ (www.ksta.de).
Der lange Zeit namensgebende Subbelrather Hof musste später dem Straßenbau im Bereich Ehrenfeldgürtel / Subbelrather Straße weichen, entstand aber im Jahr 1933 „neu“ durch die Umbennenung des knapp 6 Kilometer entfernten historischen Widdersdorfer Petershofs in Neu-Subbelrather Hof.

Die Blätter der Preußischen Neuaufnahme (1891-1912) lassen dann deutlich den offenbar mit der Stadtteilwerdung einhergehenden Wandel erkennen. Die Karten zeigen zwar nach wie vor noch kaum Wohnsiedlungen, dafür aber gleich mehrere Gewerbeansiedlungen: Neben einer Fabrik sind nun bereits drei Ziegeleien und ein großer Schlachthof ausgewiesen.
Ab den 1910er-Jahren wuchs Neuehrenfeld durch hochwertige Siedlungsbauten „für eine anspruchsvolle Bevölkerung“ (Wilhelm 2008), während gleichzeitig eine dichte Begrünung in Form von Alleen, Plätzen, Gärten, Wiesen und dem heute zu Bilderstöckchen gehörenden 18,4 Hektar großen Blücherpark angelegt wurde.
In den topographischen Karten TK 1936-1945 ist schließlich ein großer Bereich mit zwischenzeitig entstandenen Wohnsiedlungen im Zentrum des Stadtteils zu sehen (vgl. die entsprechenden Kartenansichten).
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Charakteristik und Akzente des Stadtteils
Die Domstadt selbst bezeichnet ihren Stadtteil Neuehrenfeld heute als ein „Viertel von starker kölscher Eigenart mit Namen, die an eine bewegte Geschichte in Fernost erinnern.“ (www.stadt-koeln.de, Neuehrenfeld)
So bezieht sich der Name des sogenannten „Chinesen-Veedels“ in Neuehrenfeld auf die Wohnsiedlungen und Straßennamen rund um den Takuplatz. Dieser wurde 1913 zur Erinnerung an einen militärischen Erfolg aus dem Jahr 1900 benannt: Im Zuge des Eingreifens der europäischen Großmächte in den chinesischen Boxeraufstand hatte das kaiserliche Kanonenboot „Iltis“ maßgeblich zur Eroberung der chinesischen Taku-Forts beigetragen.
Der nach dem österreichischen Dichter Nikolaus Lenau (1802-1850) benannte, etwa 1.500 Quadratmeter große Lenauplatz gilt als das Zentrum von Neuehrenfeld. Ihn ziert der Max-und-Moritz-Brunnen mit seiner von dem Kölner Bildhauer Hein Derichsweiler (1897-1972) geschaffenen Brunnenplastik aus Eisenguss. Diese ist eine Stiftung der Bürgervereinigung Köln-Ehrenfeld und wurde am 23. Juli 1960 durch den damaligen Oberbürgermeister Theodor „Theo“ Burauen (1906-1987) eingeweiht.
„Neuehrenfeld verfügt, nicht zuletzt durch den Zuzug von Migranten aus vielen Ländern, heute über ein vielfältiges Spektrum kleiner Handwerksbetriebe, Geschäfte, Restaurants, Weinstuben und sogenannter Szenekneipen.“ (de.wikipedia.org)

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2021)

Internet
www.stadt-koeln.de: Neuehrenfeld (abgerufen 15.11.2021)
www.stadt-koeln.de: Kölner Stadtteilinformationen. Zahlen 2019 (PDF-Datei, 2,5 MB, Stand 31.12.2019, abgerufen 15.11.2021)
www.stadt-koeln.de: Kölner Stadtteile in Zahlen, 2. Jahrgang 2010 (PDF-Datei 1,6 MB, Stand 31.12.2009, abgerufen 15.11.2021)
www.stadt-koeln.de: Suche in der Kölner Denkmalliste (abgerufen 15.11.2021)
www.ksta.de: Versunkene Stadtteile - Die Keimzelle von Ehrenfeld (Text Karine Waldschmidt, Kölner Stadt-Anzeiger vom 06.08.2014, abgerufen 15.11.2021)
de.wikipedia.org: Neuehrenfeld (abgerufen 15.11.2021).
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Literatur

Fabricius, Wilhelm (1898)
Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz. (2 Bände, Nachdruck 1965). Bonn.
Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. Stuttgart.
Janssen, Wilhelm (2008)
Die Entwicklung des Territoriums Kurköln: Rheinisches Erzstift. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, V.14-15.) Köln.
Kisky, Hans; Köllen, Johann; Steimel, Robert (1966)
Siegel und Wappen, Burgen und Schlösser im Landkreis Köln. Festschrift zum 150jährigen Bestehen am 16. April 1966. Köln-Zollstock.
Neuheuser, Hanns Peter (1978)
Das Ossendorfer Recht im 16. Jahrhundert. In: Archiv und Geschichte, Festschrift Rudolf Brandts, hrsg. von der Archivberatungsstelle des Landschaftsverbands Rheinland, S. 137-154. Köln und Bonn.
Signon, Helmut (2006)
Alle Straßen führen durch Köln. 3. von Klaus Schmidt überarbeitete und aktualisierte Ausgabe. S. 107 ff., 131 f. u. 146 ff., Köln.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 333, Köln.

Stadtteil Köln-Neuehrenfeld

Schlagwörter
Ort
50823 Köln - Neuehrenfeld
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Auswertung historischer Karten
Historischer Zeitraum
Beginn 1888 bis 1954

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Empfohlene Zitierweise
„Stadtteil Köln-Neuehrenfeld”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343166 (Abgerufen: 19. Januar 2022)
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