Helios AG für elektrisches Licht und Telegraphenanlagenbau in Ehrenfeld

Helios-Elektrizitäts Aktiengesellschaft, zeitweise Helios Automobilbau AG, Rheinlandhalle

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 56′ 58,54″ N: 6° 54′ 53,66″ O / 50,94959°N: 6,9149°O
Koordinate UTM 32.353.537,87 m: 5.646.289,51 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.564.336,69 m: 5.646.437,74 m
  • Blick vom Heliosturm auf das Werk der Helios-Elektrizitäts AG und die Industriestadt Ehrenfeld (um 1900)

    Blick vom Heliosturm auf das Werk der Helios-Elektrizitäts AG und die Industriestadt Ehrenfeld (um 1900)

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  • Das Gelände der früheren Helios-Elektrizitäts AG in Köln-Ehrenfeld mit der Rheinlandhalle im Vordergrund und dem Helios-Leuchtturm dahinter (2016).

    Das Gelände der früheren Helios-Elektrizitäts AG in Köln-Ehrenfeld mit der Rheinlandhalle im Vordergrund und dem Helios-Leuchtturm dahinter (2016).

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  • Der Leuchtturm der früheren Helios-Elektrizitäts AG in Köln-Ehrenfeld mit abendlicher Beleuchtung (2012).

    Der Leuchtturm der früheren Helios-Elektrizitäts AG in Köln-Ehrenfeld mit abendlicher Beleuchtung (2012).

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Die Helios AG entstand 1882 als Nachfolgerin einer 1870 gegründeten Gesellschaft für elektrisches Licht und Telegraphenbau Barthel Berghausen und Cie. Bei Helios wurden zeitweise auch Fahr- und Flugzeuge hergestellt.

Die Helios-Elektrizitäts Aktiengesellschaft
Erhaltene Gebäude
Fahrzeug- und Flugzeug-Produktion
Lage und Objektgeometrie
Internet, Literatur

Die Helios-Elektrizitäts Aktiengesellschaft
Die Helios-Elektrizitäts AG für elektrisches Licht und Telegraphenanlagenbau entstand 1882 als Nachfolgerin einer 1870 gegründeten Gesellschaft für elektrisches Licht und Telegraphenbau Barthel Berghausen und Cie. Sitz und Produktionsstandort des Betriebs war die damals noch selbständige Industriestadt Ehrenfeld (die Eingemeindung nach Köln erfolgte im Jahr 1888).
Aus ersten, noch kleineren Betriebs- und Produktionsräumen auf dem Firmengelände entwickelte sich im Laufe der 1880er Jahre eine Fabrik. Diese besaß bereits seit Anfang der 1890er Jahre eine erste, allerdings noch weniger repräsentative Test- und Vorführanlage für Leuchtfeuer, die 1894/95 durch den bis heute erhaltenen Leuchtturmbau ersetzt wurde. Das kreisrunde Markenzeichen der AG zeigte eine halbstrahlende Sonne als Symbol der Energiequelle des Lebens.
Produkte waren Elektrizitätswerke, elektrische Einrichtungen, Dynamos sowie Leuchten, Lampen und der Bau und die Ausrüstung von Leuchttürmen und -feuern. Unter anderem stellte Helios 20 Leuchtfeuer zur Befeuerung des 1895 als Kaiser-Wilhelm-Kanal eröffneten heutigen Nord-Ostsee-Kanals her sowie die elektrischen Einrichtungen für die Leuchtfeuer Roter Sand, Borkum, Campen und Wangerooge.
In den Blütejahren standen bei Helios etwa 700 Beschäftige unter Vertrag und das Aktienkapital betrug 43 Millionen Mark (Mikloweit 2002, S. 78).
„Bis heute sind Hinterlassenschaften des Unternehmens in Köln zu finden. Zum Beispiel lieferte Helios den Wechselstrommotor für die Hafendrehbrücke am Malakoffturm (Schokoladenmuseum), der mit 8 PS Leistung die drei Zylinderpumpen für die Drehvorrichtung antrieb.“

Nachlassende Nachfrage und Verlustgeschäfte machten das Unternehmen bereits um die Jahrhundertwende zum Sanierungsfall. Im Jahr 1904 stiegen Siemens und AEG in die Helios AG ein, mussten aber ab 1905 die Liquidation betreiben, die schließlich im November 1907 von der Generalversammlung der Aktionäre beschlossen wurde. Bereits der Eintrag der Firma im Kölner Adressbuch von 1906 verzeichnet diese als Helios-Elektricitäts-Aktiengesellschaft in Liquidation (Greven 1906). Formal wurde die Helios AG 1917 aufgelöst, fand aber erst 1930 mit der endgültigen Schließung des Werks ihr Ende.
Die Fabrikgebäude in der Venloerstraße 379-389 waren bereits 1905 in den Besitz der Cölner Industriewerke GmbH übergegangen, die Teile an verschiedene Firmen vermietete und hier selbst eine Eisengießerei und Werkzeugmaschinenfabrik betrieb (Mikloweit 2002).
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Erhaltene Gebäude
Unmittelbar an der Venloer Straße steht der zentrale Repräsentationsbau des Unternehmens die Firmenverwaltung mit einer Schaufassade in Formen der Neorenaissance. Über dem Hauptportal verweist eine Sonnendarstellung mit einem Frauenkopf im Strahlenkranz auf den Firmennamen, der sich auf den Sonnengott der griechischen Mythologie bezieht. Heute einmalig in Köln ist die in den großzügigen, mit einem Lichtdach versehenen Innenhof eingestellte, über zwei Geschosse reichende, offene Treppe aus Guss- und Schmiedeeisen. Nach Kriegszerstörungen wurden das dritte und vierte Obergeschoß wieder aufgebaut. Auf die Wiederherstellung des hohen Mansarddaches wurde verzichtet. Heute sind nach Umbau Läden, Arztpraxen und Wohnungen in dem Gebäude untergebracht, so dass das Treppenhaus zu den normalen Öffnungszeiten für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

In der weitläufigen, dreischiffigen Montagehalle daneben (heute mehrfach unterteilt) wurde die Ausstattung für Kraftwerke hergestellt und vormontiert. Eine Spezialität des Unternehmens waren Schwungradgeneratoren, die u.a. im Kraftwerk der Stadt Köln am Zugweg eingebaut wurden. Der Bau ganzer Kraftwerksausstattungen u. a. auch für Amsterdam 1888/89, St. Petersburg 1898 und Dresden 1894/95 war eine der Spezialitäten des Unternehmens. Seit 1898 wurden auch Straßenbahnen technisch ausgestattet und auf einem Rundkurs direkt neben der Montagehalle auf dem zur Venloer Straße hin gelegenen Gelände getestet.

Nach dem Konkurs des Unternehmens 1905 produzierten die „Kölner Industrie-Werke GmbH“ in der Montagehalle dann 1923–27 Klein-Autos. Danach wurde die Halle, mit einem Vorhof am Ehrenfeldgürtel versehen, als „Rheinland-Halle“ für vielfältige Veranstaltungen, darunter Radrennen, aber auch politische Kundgebungen genutzt. 1957 eröffnete die Firma Eklöh in der nach vergleichsweise leichten Kriegsschäden wiederhergestellten Halle den ersten deutschen Supermarkt mit Selbstbedienung. Im Kopfbau der Halle zur Heliosstraße befindet sich heute unter anderem das „Zentrum für Alte Musik“.

Nach der Jahrtausendwende konnten Bürgerproteste den Bau einer gigantischen Einkaufs-Mall auf dem Werksgelände verhindern. Neben Gebäuden für Wohnen und Gewerbe soll dort nun die inklusive „Universitätsschule“ entstehen. Die Erhaltung der Denkmäler wurde bestätigt.

Fahrzeug- und Flugzeug-Produktion
Bei Helios wurden zeitweise auch Fahr- und Flugzeuge hergestellt. So fertigte man in den Jahren von 1898 bis 1930 periodisch Erzeugnisse der Delfosse Motorrad-, Flugzeug- & Motorenbau her (rheinische-industriekultur.de).
Nachdem Helios 1903 von der seit 1895 in Müngersdorf produzierenden Firma Motor-Lastwagenfabrik Rudolf Hagen & Cie. (auch Motorlastwagenfabrik Rudolf Hagen & Cie. GmbH) Patente, Lizenzen und Fabrikationsanlagen erworben hatte, produzierte man unter dem Markennamen HELIOS Automobilbau A.G. Köln die vormaligen Hagen-Lastkraftwagen weiter. Bis 1906 entstanden Lastwagen mit 2- oder 4-Zylindermotoren zwischen 10 und 40 PS.

Erst Jahre später, 1923, erfolgte die Neugründung der Helios Automobilbau AG durch Delfosse und die Kölner Industriewerke GmbH mit dem Ziel der „Herstellung von Automobilen eines Einheitstyps nach dem in der amerikanischen Automobilindustrie gewöhnlichen Fabrikationssystem“ (zitiert nach Mikloweit 2002, S. 79) – womit man wohl unzweifelhaft die Serien- und Fließbandproduktion nach dem Vorbild des wenige Jahre später ebenfalls in Köln produzierenden Henry Ford im Blick hatte.
Es entstanden die Fahrzeugtypen H2 und H3, Kleinwagen von 3 Metern Gesamtlänge mit 8 bis 9 PS Motorleistung und einem Gewicht von 350-380 kg. Der Fahrer und ein oder zwei Beifahrer saßen in den Kleinwagen in Tandemanordnung hintereinander. Die Automobile wurden als „billigste Wagen in Anschaffung und Gebrauch (...) deutsche Qualitätsarbeit“ beworben.
Uns mögen heute die Leistungswerte dieser Fahrzeuge fast lächerlich erscheinen, gleichwohl nahm ein Helios am 1926er Eifelrennen in der Klasse G der „Sportwagen, 750 bis 1.100 ccm“ teil und belegte mit einem Fahrer namens Müller nach 8 Runden über 264 km in 4:53,37 Stunden einen respektablen zweiten Platz (eifelrundfahrt1922.de und Mikloweit 2002, bei diesem wohl fehlerhaft auf 1925 datiert).

Obgleich die Firma Helios bereits 1927 „trotz ihres guten Konzepts und eines hoffnungsvollen Starts“ (Mikloweit 2002) aus dem Handelsregister gelöscht wurde, wurden offenbar noch 1928 Fahrzeuge der Helios-Typen H4 mit 16 PS und H1 bzw. H1D mit 36 bzw. 32 PS zugelassen.
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Lage und Objektgeometrie
Neben dem früheren Werksgelände mit der Rheinlandhalle, erinnert vor Ort bis heute der 1894/95 von der Helios-Elektrizitäts AG als Test- und Vorführanlage für Leuchtfeuer errichtete Heliosturm an das Unternehmen. Der auffällige Leuchtturm gilt als eines der Wahrzeichen von Ehrenfeld.
Heute ist das Gelände der ehemaligen Helios AG in Ansätzen noch als früher geschlossener Werksbereich erkennbar, der vom Ehrenfeldgürtel, der Vogelsangerstraße, der Heliosstraße und der Venloer Straße umschlossen wird.

Die hier eingezeichnete Objektgeometrie folgt der Parzelle, wie sie in den in den historischen Karten der Preußischen Neuaufnahme (1891-1912) ausgewiesen ist. Die topographischen Karten TK 1936-1945 und sehr anschaulich auch ein 1938 von einem Kölner Kaufhaus Peters vertriebener „Plan von Köln“ lassen – wenn auch für die Zeit nach Helios – noch deutlich den Anschluss des Geländes an Gleise einer Industriebahn erkennen, die seinerzeit in Richtung Süden/Westen weitere Werksgelände erschlossen hatte und nördlich der Stolberger Straße in die Güterstrecke der Köln-Frechen-Benzelrather Eisenbahn einmündete (vgl. Kartenansicht bzw. landkartenarchiv.de).
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(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2012/2019; Ergänzungen zur Architekturgeschichte (Erhaltene Gebäude) von Walter Buschmann / Matthias Hennies / Alexander Kierdorf, Institut. Industrie-Kultur-Geschichte-Landschaft, 2019)

Internet
www.bv-4.de: Geschichte Helios (abgerufen 16.03.2012)
www.rheinische-industriekultur.de: Helios (abgerufen 19.01.2017)
de.wikipedia.org: Helios AG (abgerufen 16.03.2012)
de.wikipedia.org: Helios Automobilbau (abgerufen 17.01.2019)
de.wikipedia.org: Arthur Delfosse (1883-1956) (abgerufen 19.01.2017)
www.bilderbuch-koeln.de: Abbildung eines Kleinwagens der Helios Automobilbau A.G. von 1926 (abgerufen 17.01.2019)
www.eifelrundfahrt1922.de: Historisches (abgerufen 25.09.2019)
landkartenarchiv.de: Plan von Köln 1938, Verlag Ernst Moißl sen. (abgerufen 09.09.2019)
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Literatur

Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. S. 597-598, Stuttgart.
Mikloweit, Immo (2002)
125 Jahre Automobiles aus Köln. Autos, Motorräder & Flugzeuge (1. Auflage). Köln.
Schäfke, Werner (2011)
Helios – ein Leuchtturm für Ehrenfeld. Köln.
von Greven's Kölner Adressbuch-Verlag (Hrsg.) (1906)
Adreßbuch von Köln und Umgebung 1906 insbesondere auch Mülheim am Rhein und Kalk. S. 262, Köln. Online verfügbar: wiki-de.genealogy.net, Koeln-AB-1906, abgerufen am 14.08.2019

Helios AG für elektrisches Licht und Telegraphenanlagenbau in Ehrenfeld

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Heliosstraße 389
Ort
50825 Köln - Ehrenfeld
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
Keine Angabe
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Auswertung historischer Karten
Historischer Zeitraum
Beginn 1882, Ende 1930

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Helios AG für elektrisches Licht und Telegraphenanlagenbau in Ehrenfeld”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-298035 (Abgerufen: 8. Dezember 2019)
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