Herrenhaus Villa Oppenheim und Rennbahn Fühlingen

Haus Fühlingen, Oppenheimpalais

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Das auch als "Haus Fühlingen" oder "Oppenheimpalais" bekannte frühere Guts- und Herrenhaus "Villa Oppenheim" in Köln-Fühlingen (2011).

    Das auch als "Haus Fühlingen" oder "Oppenheimpalais" bekannte frühere Guts- und Herrenhaus "Villa Oppenheim" in Köln-Fühlingen (2011).

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  • Das frühere Guts- und Herrenhaus "Villa Oppenheim" in Köln-Fühlingen hinter dem verschlossenen Eingangsportal zur Neusser Landstraße hin (2011).

    Das frühere Guts- und Herrenhaus "Villa Oppenheim" in Köln-Fühlingen hinter dem verschlossenen Eingangsportal zur Neusser Landstraße hin (2011).

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  • Luftaufnahme des Naherholungsgebiets "Fühlinger See" im Norden von Köln aus östlicher Blickrichtung (2012).

    Luftaufnahme des Naherholungsgebiets "Fühlinger See" im Norden von Köln aus östlicher Blickrichtung (2012).

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Am Fühlinger See befindet sich ein verfallendes Gutshaus, in dem Geister spuken sollen… Gleich gegenüber lag früher eine dazu gehörende Pferderennbahn. Beides gehörte zum Besitz der bedeutenden Kölner Familie (von) Oppenheim.

Lage und Ausdehnung von Gutshof und Rennbahn
Exkurs: die Familie (von) Oppenheim und die Privatbank Sal. Oppenheim Jr. & Cie.
Herrenhaus, Gestüt und Rennbahn
Aktuelle Situation: Spukhaus, Pläne zur Instandsetzung und Schutz als Baudenkmal
Internet

Lage und Ausdehnung von Gutshof und Rennbahn
Auf einem großen Teil der Fläche des heutigen Naherholungsgebiets „Fühlinger See“ im Kölner Stadtteil Fühlingen zeigen die historischen Karten der zwischen 1891 und 1912 erarbeiteten Preußischen Neuaufnahme ein Herrenhaus mit großflächigen Anlagen und Gärten sowie eine „Rennbahn“ auf der gegenüberliegenden Seite der vormaligen „Grande Route de Neuss à Cologne“, der späteren Neusser Landstraße bzw. Bundesstraße B 9. Die älteren Karten der „Topographischen Aufnahme der Rheinlande“ (Tranchot / von Müffling) aus den Jahren 1801-1828 wie auch die Karten der zwischen 1836 und 1850 erarbeiteten Preußischen Uraufnahme zeigen das Areal noch unbebaut (vgl. die historischen Kartenansichten).

Um das Jahr 1884 kaufte der Kölner Bankier Eduard Freiherr von Oppenheim (1831-1909) von der Gemeinde Fühlingen wenige hundert Meter südlich des Ortes 186 Morgen Land, auf der er ein Gutshaus sowie ein Gestüt mit Pferderennbahn „zu Trainingszwecken“ anlegen ließ. Der Erlös aus dem Grundverkauf soll es Fühlinger Bevölkerung ermöglicht haben, die 1887/88 errichtete Kirche St. Marien zu erbauen.
Da das Flächenausmaß des Morgen im 19. Jahrhundert regional sehr variierte – der Kölner Feldmorgen rechnet diesen zu 1.700 Quadratmeter, der preußische Neue Morgen zu 2.552 Quadratmeter, der Rheinländische Morgen wiederum zu 3.176 Quadratmeter (Trapp 1996) – ist von einer Gesamtfläche zwischen rund 316.000 und 590.000 Quadratmeter auszugehen (zwischen 31,6 und 59 Hektar; die hier entsprechend der Preußischen Neuaufnahme verzeichnete Objektgeometrie umfasst rund 53 Hektar).
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Biographischer Exkurs: die Familie (von) Oppenheim und die Privatbank Sal. Oppenheim Jr. & Cie.
Die Familie Oppenheim war bereits im 18. Jahrhundert im Frankfurter Bankgeschäft tätig. Sie stammte ursprünglich aus dem Ort Oppenheim im heutigen Landkreis Mainz-Bingen (Rheinland-Pfalz) und war ein Zweig der auf Amschel Oppenheim (ca. 1450-1505) zurückgehenden jüdischen Familie.
Ein späterer Nachfahre, Salomon Oppenheim junior (1772-1828), beschloss 1798 die Geschäfte des von ihm 1789 in Bonn begründeten Kommissions- und Wechselhauses (ab 1904 Privatbank Sal. Oppenheim Jr. & Cie.) nach Köln zu verlegen, wo sich nach der Aufhebung des seit 1424 verhängten Ansiedlungsverbots für Juden besseren Geschäftschancen boten.
Innerhalb von nur wenigen Jahren stieg das Haus Oppenheim zur zweitgrößten Bank der Stadt auf, gleich hinter dem 1791 gegründeten Bankhaus Schaaffhausen (A. Schaaffhausen’scher Bankverein). Mit Salomon Oppenheim wurde 1822 erstmals ein Jude in die Kölner Handelskammer aufgenommen, andere Familienmitglieder waren Teil des Kölner Stadtrats. Die wohlhabende und hoch angesehene Familie wurde in den 1860er Jahren zu österreichischen und preußischen Freiherren „von Oppenheim“ geadelt. Auch der der erste moderne Synagogenbau in Köln geht auf eine Oppenheim’sche Stiftung zurück: die durch die Förderung von Abraham Oppenheim (1804-1878) erbaute und 1861 eingeweihte Synagoge in der Glockengasse. Gleichzeitig förderte die Familie aber auch aktiv die 1880 abgeschlossene Vollendung des Kölner Doms (Arens 2016).
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Bankiersfamilie dann als „Mischlinge 2. Grades“ diskriminiert. Für das als „jüdisch“ eingestufte Bankhaus fand sich mit dem Bankier und vormaligen Teilhaber Robert Pferdmenges (1880-1962) ein verlässlicher Treuhänder, der die Existenz der Bank über die Zeit der NS-Diktatur hinaus sichern konnte.
Nach mehr als zwei Jahrhunderten geriet nach 2008 auch das Traditionshaus Sal. Oppenheim Jr. & Cie. AG & Co. KGaA im Strudel der Finanzkrise(n) und als Großaktionär des im Sommer 2009 insolvent gegangenen Warenhaus- und Touristikkonzerns Arcandor (vormals KarstadtQuelle AG) in eine beträchtliche Schieflage. Nach 221 Jahren in Familienbesitz wurde die Privatbank im März 2010 im Zuge eines Notverkaufs als Tochtergesellschaft von der Deutschen Bank übernommen, die Sal. Oppenheim seitdem als formal eigenständiges Institut weiterführt.
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Herrenhaus, Gestüt und Rennbahn
Das auch „Villa Oppenheim“ genannte Herrenhaus wird teils auch auf „um 1880“ datiert, es umfasste zweieinhalb Geschosse und besaß eine Loggia mit Freitreppe.

Mit dem 1869 gegründeten und nach einem ehemaligen Rittergut benannten Gestüt Schlenderhan im rund 30 Kilometer entfernten Quadrath-Ichendorf (Stadt Bergheim) besaßen die von Oppenheim bereits das seinerzeit (und bis heute) bedeutendste deutsche Vollblutgestüt. Aufgrund der Verfolgung der Familie jüdischen Ursprungs in der NS-Zeit musste das Gestüt Schlenderhan 1942 zwangsweise an die SS verkauft werden.
Das Anwesen in Fühlingen hingegen verkaufte noch sein Erbauer Eduard von Oppenheim bereits 1907 wieder. Die Rennbahn wurde von dem nachfolgenden Besitzer abgeholzt und teilweise ausgebaggert. Im Jahr 1963 wurde das Gelände dann von der Stadt Köln aufgekauft und 1967 wurden die hinteren Seitenflügel des Herrenhauses und die Reithalle abgerissen. Beides hängt offenbar mit den seit den frühen 1960er Jahren bestehenden Planungen des „neuen“ Kölner Stadtteils Chorweiler zusammen, denen Mitte der 1960er Jahre auch die Versuchsstrecke der ALWEG-Einschienen-Schnellbahn südlich von Fühlingen zum Opfer fiel. Diese Hochgeschwindigkeitsbahn befand sich seit 1951 auf dem selben Areal wie die frühere Pferderennbahn. Auch die ALWEG-Trassen wurden unmittelbar nach dem Scheitern des Projekts 1966/1967 zugunsten des Naherholungsgebiets für Chorweiler eingeebnet, dessen nahegelegenes Zentrum in den 1970er Jahren als typisches Beispiel der Städte- und Wohnungsbaupolitik dieser Epoche entstand.
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Aktuelle Situation: Spukhaus, Pläne zur Instandsetzung und Schutz als Baudenkmal
Durch das Äußere der inzwischen immer mehr verfallenen Villa Oppenheim bedingt sowie durch zahlreiche – in ihrem Wahrheitsgehalt zumeist aber eher kaum gesicherte – schaurige Geschichten von Todesfällen rund um das Haus, gilt das Gebäude seit geraumer Zeit als Spukhaus und „Anziehungspunkt für Geisterjäger“ (koeln.de und spukorte.de).
Seit etwa 2008 tauchten wiederholt Berichte über eine geplante Renovierung des Herrenhauses auf, um dieses als Luxusresidenz oder als Komplex mit Mietwohnungen herzurichten. Bis heute sind jedoch keine entsprechenden Arbeiten an der Villa zu beobachten.

Als „(Rest einer) Hofanlage (Haus Fühlingen)“ (Neusser Landstr. 5) ist das Gutshaus seit dem 1. Juli 1980 als Denkmal geschützt (Kölner Denkmalliste, Stand: 16. August 2012, UDB-Nr. 506).

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2016)
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Internet
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Die Familie Oppenheim – eine rheinische Bankiersdynastie (abgerufen 11.05.2016)
www.koeln.de: Die schaurige Geschichte von Haus Fühlingen (abgerufen 11.05.2016)
www.spukorte.de: Haus Fühlingen, Köln (abgerufen 11.05.2016)
de.wikipedia.org: Oppenheim (Kölner Familie) (abgerufen 11.05.2016)

Literatur

Arens, Detlev (2016)
Das ist Köln - Dom, Altstadt, Untergrund. S. 234-236, Rheinbach.
Trapp, Wolfgang (1996)
Kleines Handbuch der Maße, Zahlen, Gewichte und der Zeitrechnung. Mit Tabellen und Abbildungen. (Universal-Bibliothek 8737.) S. 230-232, Stuttgart.

Herrenhaus Villa Oppenheim und Rennbahn Fühlingen

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Neusser Landstraße 5
Ort
50769 Köln - Fühlingen
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Karten
Historischer Zeitraum
Beginn 1880 bis 1884
Koordinate WGS84
51° 01′ 52,62″ N, 6° 54′ 21,21″ O / 51.03128°, 6.90589°
Koordinate UTM
32U 353162.96 5655390.53
Koordinate Gauss/Krüger
2563591.67 5655517.6

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Empfohlene Zitierweise
„Herrenhaus Villa Oppenheim und Rennbahn Fühlingen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-251777 (Abgerufen: 26. Mai 2018)
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