Synagoge Glockengasse Köln

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Historische Aufnahme der Kölner Synagoge in der Glockengasse (1896).

    Historische Aufnahme der Kölner Synagoge in der Glockengasse (1896).

    Copyright-Hinweis:
    gemeinfrei
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Historische Chromolithographie: Außenansicht der Kölner Synagoge in der Glockengasse (etwa 1861).

    Historische Chromolithographie: Außenansicht der Kölner Synagoge in der Glockengasse (etwa 1861).

    Copyright-Hinweis:
    gemeinfrei
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Zeitgenössisches Porträt des Isaac Offenbach (1779-1850), wohl aus der Mitte des 19. Jahrhunderts

    Zeitgenössisches Porträt des Isaac Offenbach (1779-1850), wohl aus der Mitte des 19. Jahrhunderts

    Copyright-Hinweis:
    unbekannt / gemeinfrei
    Fotograf/Urheber:
    unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Die Bronzeplatte an der Oper am Offenbachplatz erinnert an den Standort der alten Synagoge in der Kölner Glockengasse (2011).

    Die Bronzeplatte an der Oper am Offenbachplatz erinnert an den Standort der alten Synagoge in der Kölner Glockengasse (2011).

    Copyright-Hinweis:
    Plups / CC BY-SA 3.0
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Ausschnitt aus der Karte "Kirchliche Organisation und Verteilung der Confessionen, Übersicht über die Kölner Kirchen (...) c. 1610" (1894).

    Ausschnitt aus der Karte "Kirchliche Organisation und Verteilung der Confessionen, Übersicht über die Kölner Kirchen (...) c. 1610" (1894).

    Copyright-Hinweis:
    LVR-Redaktion KuLaDig / gemeinfrei
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Die Synagoge in der Glockengasse wurde 1857-1861 nach Plänen des Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner auf dem Grundstück eines früheren Klosters errichtet. Finanziert wurde der Bau von dem Bankier Abraham Oppenheim. Während der Novemberpogrome 1938 wurde das Gotteshaus zerstört.

Nach der Vertreibung 1424 konnten sich Juden erst wieder in der französischen Zeit ab 1798 in Köln niederlassen. Die Zahl der jüdischen Bewohner stieg schon im 19. Jahrhundert rapide an. Erst 1861 erhielt die Gemeinde Korporationsrechte (Reuter 2007, zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Köln seit dem frühen 19. Jahrhundert vgl. den Eintrag Synagoge an der Roonstraße).

Das erste Bethaus in der Glockengasse
Zunächst benutzten die 1801 wieder gegründete Kölner jüdische Gemeinde ein Bethaus, das sich auf dem Grundstück des säkularisierten Klarissenklosters Maria im Tempel in der Glockengasse befand (vormals in der Pfarrei St. Columba, die Nr. 41 auf dem Kartenausschnitt „Kirchliche Organisation… c. 1610“, vgl. Abbildung). Dieses Gebetshaus war aber rasch durch das stetige Anwachsen der jüdischen Gemeinde überlastet.
Wohl seit den 1820er Jahren übte hier Isaac Ben-Juda Eberts (1779-1850, auch Eberstadt) das Amt des Kantors (hebräisch Chasan = Vorbeter) der Synagogengemeinde aus und nahm vertretungsweise auch Aufgaben des Rabbiners wahr (Kaufmann 1998, S. 58). Der als Musiker und Komponist tätige Eberts änderte 1806 seinen Familiennamen nach seinem Geburtsort in „Offenbach“. Sein in Köln geborener Sohn Jakob, der spätere Komponist Jacques Offenbach (1819-1880), gilt als Begründer der modernen Operette. Isaac Offenbachs Grab auf dem jüdischen Friedhof in Deutz ist bis heute erhalten.

Der Synagogen-Neubau 1857-1861
Ein großzügige Spende von 600.000 Talern des jüdischen Bankiers Abraham Oppenheim (1804-1878) aus der bedeutenden Kölner Familie Oppenheim, ermöglichte den Bau eines neuen Gotteshauses der Kölner Synagogengemeinde in der Glockengasse.
Der Mäzen Oppenheim bekundete am 10. Juni 1856 seine Absicht, „auf dem ganzen Terrain in der Glockengasse eine der Stadt Köln würdige Synagoge auf seine alleinigen Kosten erbauen zu lassen, um sie der jüdischen Gemeinde als Geschenk zu übergeben“. (de.wikipedia.org, Glockengasse)

Für die Planung konnte der Architekt und Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner (1802-1861) gewonnen werden. Der Grundstein für das im Maurischem Stil entworfene Gebäude auf dem vormaligen Klostergrundstück Glockengasse Nr. 5-7 wurde am 30. Juni 1857 gelegt. Die Einweihung erfolgte nach vier Jahren Bauzeit am 29. August 1861.

Die Synagoge in der Glockenstraße gilt als frühestes Beispiel für einen überkuppelten Zentralbau über einem griechischen Kreuz.
„Die neue Synagoge hatte eine mit glänzenden Kupferplatten gedeckte Kuppel und eine helle Sandsteinfassade mit roten Querstreifen. Die Ornamentik des Inneren war der Alhambra Granadas nachempfunden. Das neue Haus, das auch von den Kölnern positiv bewertet wurde, bot im Gebetsraum Sitzplätze für 226 Männer und 140 Frauen.“ (de.wikipedia.org, Jüdische Geschichte in Köln)

Nur sechs Jahre nach ihrer Eröffnung brannte die Synagoge 1867 aus und wurde nach alten Plänen rekonstruiert.

Die Zerstörung des Gotteshauses 1938 und 1943
Wie die anderen Kölner Synagogen wurde auch das Gotteshaus in der Glockengasse im Zuge der nationalsozialistischen Novemberpogrome 1938 geschändet und teilweise niedergebrannt.
Dem katholischen Priester Bernhard Friedrich Gustav Meinertz (1873-1959) gelang es, die aus dem Jahr 1902 stammende Tora aus der brennenden Synagoge zu retten. Er versteckte die Schriftrolle in seinem Haus und übergab sie nach dem Krieg der wiedergegründeten Kölner Synagogengemeinde. Als Motivation für seine Tat gab Meinertz an: „Hier wird nicht nur die Bibel der Juden zerstört, sondern auch die Bibel der Christen. Es ist die gleiche, nämlich das Alte Testament.“ (de.wikipedia.org, Gustav Meinertz)
Die Tora wird heute an einen Ehrenplatz in einer Vitrine in der Synagoge an der Roonstraße verwahrt.

Das Trümmergrundstück der bei einem Bombenangriffe auf Köln am 29. Juni 1943 vollständig zerstörten Synagoge und des ehemaligen Stadttheaters ging 1943 in den Besitz der Stadt über. Zwischen 1955 und 1957 entstand hier die Oper an dem nach dem Komponisten Jacques benannten Offenbachplatz.

Gedenken
An den ehemaligen Standort der Synagoge erinnert heute eine Bronzetafel an der Fassade des Opernhauses. Die von dem Bildhauer und Maler Jürgen Hans Grümmer (1935-2008, auch Hansjürgen) gestaltete Tafel zeigt die Lage des früheren Gotteshauses auf einem Plan des Viertels und darunter die Inschrift:
„An dieser Stelle stand die 1857-61 / nach Entwürfen von Dombaumeister / E. Zwirner erbaute Synagoge
Ein Geschenk von A. Oppenheim / zerstört am 9. Nov 1938“


(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2018)

Internet
de.wikipedia.org: Synagoge Glockengasse (abgerufen 24.04.2018)
de.wikipedia.org: Jüdische Geschichte in Köln (abgerufen 24.04.2018)
de.wikipedia.org: Glockengasse (abgerufen 24.04.2018)
de.wikipedia.org: Gustav Meinertz (abgerufen 24.04.2018)
www.sgk.de: Synagogengemeinde Köln (abgerufen 24.04.2018)
www.koelner-offenbach-gesellschaft.org: Kölner Offenbach-Gesellschaft e.V. (abgerufen 24.04.2018)

Literatur

Kaufmann, Jacobo (1998)
Isaac Offenbach und sein Sohn Jacques oder "Es ist nicht alle Tage Purim". (Conditio Judaica 21.) Tübingen.
Pracht, Elfi (1997)
Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil I: Regierungsbezirk Köln. (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern im Rheinland 34.1.) Köln.
Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) S. 56, Bonn.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 438-439, Köln.

Synagoge Glockengasse Köln

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Glockengasse 7
Ort
50667 Köln - Altstadt-Nord
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1857 bis 1861, Ende 1938
Koordinate WGS84
50° 56′ 17,5″ N, 6° 57′ 5,19″ O / 50.93819°, 6.95144°
Koordinate UTM
32U 356068.82 5644950.06
Koordinate Gauss/Krüger
2566920.5 5645202.07

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Synagoge Glockengasse Köln”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-277991 (Abgerufen: 15. August 2018)
Wir verwenden Cookies, um die Nutzbarkeit unserer Seiten zu optimieren. Falls Sie mit der Speicherung von Cookies nicht einverstanden sind, finden Sie weitere Informationen auf unserer Internetseite.
Seitenanfang