Kloster Marienburg bei Pünderich

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Zell (Mosel)
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Historische Postkarte von um 1900 mit einem Blick vom Moselberg Prinzenkopf in südöstlicher Richtung über die Moselschleife Zeller Hamm und die Marienburg bei Zell an der Mosel, links im Hintergrund der Ort Merl.

    Historische Postkarte von um 1900 mit einem Blick vom Moselberg Prinzenkopf in südöstlicher Richtung über die Moselschleife Zeller Hamm und die Marienburg bei Zell an der Mosel, links im Hintergrund der Ort Merl.

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Auf dem Petersberg thront auf etwa 200 Höhenmetern die Marienburg, ein ehemaliges Kloster der Augustiner-Chorfrauen und heutige Jugendbildungsstätte des Bistums Trier. Der Berggrat formt gemeinsam mit der „Zeller Hamm“ eine Halbinsel welche von einer circa 14 Kilometer langen Moselschleife umflossen wird.

Die ersten Befestigungsanlagen auf dem Petersberg
Die Gründung des Klosters im 12. Jahrhundert
Missstände und Auflösung des Klosters
Gebäudenutzung vom 17. bis 19. Jahrhundert
Die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg
Der Zeitraum von 1950 bis 2015
Quellen / Internet

Die ersten Befestigungsanlagen auf dem Petersberg
Bei der Erbauung von Befestigungsanlagen und Kirchen auf dem Petersberg wurden im Verlauf der Geschichte spätrömische Funde innerhalb der Erdschichten räumlich verlagert und mit mittelalterlichen Relikten durchmischt. Ursprünglich stand hier auf der Anhöhe anscheinend ein römischer Stützpunkt. Dieser war auch zu späteren Zeiten stets von militärisch-strategischer Bedeutung, da die Mosel als Wasserstraße eine wichtige Versorgungsader darstellte. Der Berggrat bot einen guten Ausblick und war leichter zu verteidigen, vor allem da er lange Zeit nur vom Nordwesten aus zugängig war. Im siebten Jahrhundert schenkte der Frankenkönig Dagobert I. (um 608-639) dem Trierer Erzstift eine Burg auf dem Petersberg, welche als „Kurtrierer Burg“ bezeichnet wurde. Somit gehörte die Burg zum Herrschaftsgebiet des Erzbischofs von Trier.
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Die Gründung des Klosters im 12. Jahrhundert
Zu Beginn des 12. Jahrhunderts war die Burg zunächst Eigentum des Pfalzgrafen Wilhelm von Ballenstedt (1112-1140) gewesen. Als dieser ohne Erben im Jahre 1140 verstarb, nutzte der Trierer Erzbischof Albero von Montreuil (circa 1080-1152, Amtszeit 1132-1152) die Gelegenheit, die Burg wieder in Besitz des Erzstifts zu bringen. Die Bedeutung des Besitzes lag darin begründet, dass der Pfarrbezirk der Peterskirche auch politische Macht über den zugehörigen Gerichtsbezirk verlieh und sich zudem strategisch zwischen Trier und Koblenz befand. Der Erzbischof wollte zum einen die Verwaltung der Marienburg durch die Augustiner-Chorherren von Springiersbach und zum anderen die Ausweitung der Seelsorge im Sinne des Erzbistums auf den gesamten Pfarrbezirk gewährleisten. Papst Honorius II. (um 1060-1130) bestätigte daher, dass die Einkünfte und Verwaltung von Kirche sowie Pfarrbezirk im Jahre 1142 der Eifler Augustiner-Chorherrenabtei Springiersbach übertragen werden sollten.

In den Folgejahren wurde die Schenkung im Jahre 1143 auch durch Papst Innozenz II. (1088-1143) und mit Zustimmung des deutschen Königs Konrad III. (circa 1093-1152) im Jahre 1144 bekräftigt. Der Abt des Eifler Klosters, Richard von Springiersbach (vor 1100-1158), hatte jedoch eigene Pläne und gründete auf der Marienburg noch vor dem Jahre 1145 das Kloster der Augustiner-Chorfrauen. Er ließ die baufällige Peterskirche abreißen und an ihrer Stelle eine neue Kirche errichten. Das Kloster Marienburg nutzte diese Kirche gleichzeitig als Kapelle und besaß das Patrozinium der Jungfrau Maria. Der Begriff „Patrozinium“ bedeutet „Schutzherrschaft“. Die Schutzheiligen einer kirchlichen Einrichtung bezeichnet man je nach Geschlecht als Patronin oder Patron. Die Patronin des Klosters war somit die Jungfrau Maria. Die heute noch vorhandenen Reste der Befestigungsanlagen sowie die Erwähnung des Namen „castrum Mariae” im Jahre 1145 belegen des Weiteren die Existenz der Burg auf dem Gelände.

Die neue Kirche wurde im Jahre 1157 als Gotteshaus für die Orte Pünderich, Merl, Zell und Kaimt eingeweiht. Später war sie jedoch nur noch die Mutterkirche von Pünderich, da die anderen Orte eigene Pfarrsitze erhielten. Der Trierer Erzbischof Hillin von Falmagne (1100-1169, Amtszeit 1152-1169) stritt sich später mit dem Pfalzgrafen Konrad den Staufer (um 1134-1195) um die Marienburg, bis schließlich Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1122-1190) im Jahre 1161 eingriff und der Pfalzgraf statt der Marienburg die Ehrenburg bei Brodenbach zugesprochen bekam. Einige Weinbauflächen Pünderichs waren zeitweise im Besitz des Klosters Springiersbach, des Klosters Marienburg, des Stifts St. Simeon in Trier und teilweise auch im Besitz der Benediktinerabtei Maria Laach.
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Missstände und Auflösung des Klosters
Zwischen 1193 und 1200 wurde der Pfarrsitz und das Hochgericht durch den Trierer Erzbischof Johann I. (um 1140-1212, Amtszeit 1189-1212) nach Zell verlegt, da ihm die Macht der Augustiner auf der Marienburg ein Dorn im Auge war. Das Kloster Marienburg erhielt zudem stets ein Drittel des “trockenen Zehnten„ (Getreide, Gemüse und Früchte) sowie ein Drittel des “nassen Zehnten„ (Wein). Bei dem “Zehnten„ handelte es sich um 10 % der erwirtschafteten Naturalien. Der Rest des Zehnten wurde an herrschende Herzöge, Grafen und andere Klöster abgegeben.

Aufgrund der Missernten und Hungersnöte infolge von Klimaveränderungen sowie aufgrund von wiederkehrenden Epidemien im Spätmittelalter sanken die Einkünfte des Klosters Marienburg. Im 14. Jahrhundert hatte es zu viele Niederschläge gegeben und im 15. Jahrhundert herrschte eine “kleine Eiszeit„. Einige der adeligen Ordensfrauen kamen in Notzeiten in benachbarten Klöstern unter. Die Marienburg war gut mit Mauern und Türmen ausgestattet, weswegen der Trierer Erzbischof Richard von Greiffenklau zu Vollrads (1467-1531, Amtszeit 1511-1531) aufgrund der militärisch relevanten Lage innerhalb des Kurstaates bei Papst Leo X. (1475-1521) die Aufhebung des Klosters beantragte. In den Jahren 1514-1515 bewilligte der Papst den Antrag. Die zwölf Klosterfrauen mit ihrer Äbtissin Ottilia von Kesselstatt wollten jedoch nicht in das Kloster Stuben umziehen, weshalb das Kloster Marienburg erst im Jahre 1515 aufgehoben wurde, als den Ordensfrauen eine angemessenen Rente zugesprochen wurde und diese auf Gut Mulay, einem Gut des Springiersbachers Klosters bei Reil, eine neue Bleibe fanden.

Im Jahre 1518 wurde das Taufbecken der Marienburg hinunter ins Dorf Pünderich gebracht. 1529 wurde schließlich eine Dorfkirche erbaut, damit die Beichte und alle weiteren Zeremonien dort abgehalten werden konnten. Erst nach 1569 erhielt Pünderich die Pfarrechte. Aufgrund von Religions-und Bürgerkriegen kam es Ende des 16. Jahrhunderts zu Plünderungen und Gewaltverbrechen durch meuternde Soldaten.
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Gebäudenutzung vom 17. bis 19. Jahrhundert
Im Dreißigjährigen Krieg 1618 bis 1648 wurden zunächst die Befestigungsanlagen der Marienburg durch die Schweden besetzt. Später wurden Teilbereiche der Burg durch die Franzosen zerstört. Die katholischen Franzosen hatten sich nämlich letztendlich mit den protestantischen Schweden gegen den deutschen Kaiser verbündet. Die Bauern vernachlässigten aufgrund der Gefahren ihre Felder und es herrschte Nahrungsmangel. Das Gebiet litt ebenfalls unter dem Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697) und weitere Zerstörung durch französische Truppen. Bauern mussten ihre eigenen Felder unter Gewaltandrohung aus Trier zerstören, damit diese nicht den feindlichen Truppen in die Hände fielen. Nach einigen guten Weinjahren gab es ab 1690 zudem wieder Missernten aufgrund von Frostschäden (vgl. www.rheinische-geschichte.lvr.de, 1609-1794).
Die Kirche auf dem Gelände der Marienburg wurde bis zum Jahre 1797 als Wallfahrtsort genutzt und im barocken Stil wie die Burg wiederaufgebaut. Danach erfolgten jedoch erneut Plünderungen und die Zerstörung von Turm und Bedachung durch die Französischen Revolutionstruppen. Anfang des 19. Jahrhunderts versteigerte der französische Staat den Besitz für 1.075 Francs an Jodokus Crossius, einen Wundarzt aus Zell. Die Marienburg wechselte daraufhin mehrmals private Besitzer und verfiel immer mehr zur Ruine.
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Die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg
Bis in die 1930er Jahre wurde das Kirchenschiff als Kulisse für gastronomische Zwecke genutzt. Während dieser Zeit erinnerte nur eine Madonnenstatue im Chorraum an die vorherige und jetzige Nutzung als Kirche. Während des Zweiten Weltkriegs war der Petersberg, auf dem die Marienburg steht Kriegsschauplatz, auf dem es zu Kämpfen zwischen den Amerikanern und Deutschen kam. (vgl. den Ehrenfriedhof der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges in der Nähe des Prinzenkopfes).
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Der Zeitraum von 1950 bis 2015
Am 25. Februar 1950 kam es dann zu dem Verkauf des kompletten Anwesens mit Kirchenruine an das Bistum Trier, um so der Marienburg wieder ihren ursprünglichen sakralen Zweck zurückzugeben. Gut sieben Jahre später am 8. September 1957 bekam das Gotteshaus durch den Bischof Matthias Wehr seine erneute kirchliche Weihe. In den Jahren 1963/1964 erfolgte der Neubau eines zusätzlichen zweiten Hauses, welches terrassenförmig in den Berg hinein gebaut wurde. Im Jahr 1996 zog nach über 200 Jahren wieder ein Priester auf die Marienburg ein, es war Regionaljugendpfarrer Joachim Keil.
Zur Errichtung eines Jugendbildungszentrums auf der Marienburg mit der Aufgabe verschiedene Angebote in den Bereichen politischer, sozialer, religiöser und musisch-kultureller Jugendbildung anzubieten, kam es am 1. Oktober 2000. Gleichzeitig wurde das genannte Anwesen durch die Trägergesellschaft Bistum Trier TBT mbH renoviert. Zwei Jahre später 2003 übernahm diese auch die Bewirtschaftung des Café-Restaurants Marienburg.

Im Jahr 2006 erfolgte eine grundlegende Umstrukturierung der Kinder- und Jugendpastorale des Bistums Trier. Konsequenz hieraus war die Schließung aller drei Jugendzentren am 31. März. Davon betroffen war auch die Marienburg. Mit dieser Schließung endete eine erfolgreiche internationale Bildungsarbeit insbesondere im musisch-kulturellen Bereich, die jedoch bereits einen Tag später mit der Fachstelle plus für kirchliche Kinder- und Jugendarbeit mit einer Kirche der Jugend auf der Marienburg weitergeführt wurde, da man das Erbe der Marienburg erhalten wollte. Die Leitung übernahm jetzt Jugendpfarrer Jan Lehmann. Die Marienburg hat momentan (2015) eine Kapazität von insgesamt 100 Betten, die sich auf drei Gebäude verteilen und neben Einzelbett-Zimmern und Zweibettzimmern noch 2 Sechsbettzimmer, 6 Vierbettzimmer und ein Apartment anzubieten haben. Außerdem gibt es zusätzlich noch zehn Tagungsräume, die jeweils eine unterschiedliche Größe und eine Personen-Kapazität von 15 bis 130 vorzuweisen haben.
Zudem kann der Besucher auf der Marienburg noch einen Flügel, zwei Klaviere, einen Meditationsraum, zwei Clubräume und einen Freizeitraum antreffen. Im Außenbereich findet der Besucher ein Grillplatz, ein großes Sachbrettfeld, ein Trampolin und mehrere gemütliche Plätze mit herrlichem Ausblick auf die Mosel und die Weinreben. Jedes Jahr zu Christi Himmelfahrt hat die Marienburg Tag der offenen Tür, bei dem zur Marienburger Kirmes eingeladen wird.

Das ehemalige Kloster Marienburg, mit “spätgotischem Chor„, ist als geschütztes Kulturdenkmal ausgewiesen (Denkmalverzeichnis Kreis Cochem-Zell, S. 50).

(Vanessa Bindarra und Karolina Paus, Universität Koblenz-Landau, 2015)
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Quellen
Gespräche und freundliche Hinweise von Herrn Winfried Schneiders (Co-Autor der Dorfchronik), 2015.

Internet
www.marienburg-jugendbildung.de: Jugendbildungsstätte auf der Marienburg (abgerufen 03.11.2015, Inhalt nicht mehr verfügbar 16.05.2018)
www.rheinische-geschichte.lvr.de: 1609 bis 1794 - Vom jülisch-klevischen Erbfolgestreit bis zum Ende des Ancien Regime (abgerufen 29.11.2015).
www.puenderich.de (abgerufen 29.11.2015)
de.wikipedia.org: Marienburg (Mosel) (abgerufen 06.11.2015)
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Literatur

Burger, Robert; Busch, Alois / Gemeinde Pünderich (Hrsg.) (2009)
Geschichte der Pfarrei „Maria Himmelfahrt“ in Pünderich. In: Busch, Alois; Gilles, Karl-Josef; Schneider, Winfried: Pünderich. Geschichte eines Moseldorfes, (Ortschroniken des Trierer Landes 51.) S. 433-438. Trier.
Busch, Alois; Gilles, Karl-Josef; Schneiders, Winfried / Gemeinde Pünderich (Hrsg.) (2009)
Pünderich, Geschichte eines Moseldorfes. (Ortschroniken des Trierer Landes 51.) Trier.
Friderichs, Alfons (1991)
Klöster im Landkreis Cochem-Zell. Cochem.
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2014)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Cochem-Zell (Denkmalverzeichnis Kreis Cochem-Zell, 31. März 2014). S. 50, Koblenz. Online verfügbar: denkmallisten.gdke-rlp.de, Cochem-Zell, abgerufen am 26.11.2015
Gilles, Karl-Josef (2004)
Entlang der Mosel: Von Koblenz bis Trier 1880-1920. S. 44, Erfurt.
Schneiders, Winfried / Gemeinde Pünderich (Hrsg.) (2009)
Die spätantike Befestigung auf der Marienburg. In: Busch, Alois; Gilles, Karl-Josef; Schneiders, Winfried: Pünderich. Geschichte eines Moseldorfes, (Ortschroniken des Trierer Landes 51.) S. 20-23. Trier.

Kloster Marienburg bei Pünderich

Schlagwörter
Ort
56862 Pünderich
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Fernerkundung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1100
Koordinate WGS84
50° 02′ 36,48″ N, 7° 08′ 13,32″ O / 50.04347°, 7.13703°
Koordinate UTM
32U 366611.06 5545126.23
Koordinate Gauss/Krüger
2581489.96 5545863.32

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„Kloster Marienburg bei Pünderich”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-244684 (Abgerufen: 27. Mai 2018)
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