Stadtteil Bad Bodendorf

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Sinzig
Kreis(e): Ahrweiler
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Zufahrt zum Soldatenfriedhof bei Bad Bodendorf (2014)

    Zufahrt zum Soldatenfriedhof bei Bad Bodendorf (2014)

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  • Landwirtschaftliche Flächen bei Sinzig-Bad Bodendorf (2014)

    Landwirtschaftliche Flächen bei Sinzig-Bad Bodendorf (2014)

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  • Landwirtschaftliche Flächen und Ortsrand von Sinzig-Bad Bodendorf (2014)

    Landwirtschaftliche Flächen und Ortsrand von Sinzig-Bad Bodendorf (2014)

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  • Glas des Bodendorfer Thermal-Sprudel (um 1960)

    Glas des Bodendorfer Thermal-Sprudel (um 1960)

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  • Ehemalige Weinbergsflächen am westlichen Ortsrand von Sinzig-Bad Bodendorf (2014)

    Ehemalige Weinbergsflächen am westlichen Ortsrand von Sinzig-Bad Bodendorf (2014)

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  • Neu angelegter Weinberg bei Sinzig-Bad Bodendorf (2014)

    Neu angelegter Weinberg bei Sinzig-Bad Bodendorf (2014)

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  • Streuobstwiese westlich von Sinzig-Bad Bodendorf (2014)

    Streuobstwiese westlich von Sinzig-Bad Bodendorf (2014)

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  • Ehemalige Weinbergsflächen westlich von Bad Bodendorf (2014)

    Ehemalige Weinbergsflächen westlich von Bad Bodendorf (2014)

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  • Burg Bodendorf, von Süden her gesehen (2014)

    Burg Bodendorf, von Süden her gesehen (2014)

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  • Burg Bodendorf, von Nordosten her gesehen (2014)

    Burg Bodendorf, von Nordosten her gesehen (2014)

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  • Teilansicht der Sankt Sebastianus Kirche in Sinzig-Bad Bodendorf (2014)

    Teilansicht der Sankt Sebastianus Kirche in Sinzig-Bad Bodendorf (2014)

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Bad Bodendorf ist Stadtteil von Sinzig, heute jedoch kein Kurort mehr; der Namensbestandteil „Bad“ ist geblieben und steht für eine inzwischen vergangene Phase der jüngeren Ortsgeschichte.

Geschichte bis zum 18. Jahrhundert
Das 19. Jahrhundert
Entwicklung der Infrastruktur
Entwicklung zum Kurort
Das 20. Jahrhundert
Die Nachkriegszeit

Geschichte bis zum 18. Jahrhundert
Die erste Erwähnung des Ortes datiert auf das Jahr 893. Es wird jedoch eine Römersiedlung in der Gemarkung vermutet. Die Römersiedlung wurde im Zuge der Völkerwanderung aufgegeben. Im Frühmittelalter kam es zu einer erneuten Besiedlung, wobei aber davon auszugehen ist, dass diese Siedlungsperioden nicht direkt aufeinander folgten. Aus der fränkischen Zeit um 500 stammt eine Grabstätte, die 1941 gefunden wurde. Es gibt einige weitere Funde, die für eine Besiedlung dieses Gunstraums sprechen. Das Gebiet gehörte in der karolingischen Zeit zum Ahrgau und war somit Teil des Herrschaftsbereich „Francia Rinensis“. Die erste Erwähnung des Orts findet sich im Prümer Urbar von 893 und betrifft Weinberge in Bad Bodendorf.

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde in Bodendorf durch Nicolo von Bodendorf eine Wasserburg errichtet, die noch heute existiert. Zusammen mit der nahegelegenen Burg Landskrone sicherte sie die Aachen-Frankfurter Heerstraße. Ab 1533 war die Burg unbewohnt und dem Verfall überlassen, bis sie 1608 wieder in Stand gesetzt wurde. Im Dreißigjährigen Krieg wurden 1642 Burg, Kirche und das Dorf von kaiserlichen Truppen unter der Führung von General von Weerth geplündert und in Brand gesetzt. Nach dem Krieg wurde die Burg erneut in Stand gesetzt. Das heutige Bild der Burg wird allerdings von den Umbaumaßnahmen des Jahres 1751 dominiert.
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Das 19. Jahrhundert
Auf den frühen Karten sind bei Bodendorf breite Auen zu erkennen. Diese konnten hier nur entstehen, weil das Tal sich dort verbreiterte. Die Ahr hat im mittleren und oberen Bereich nur ein enges Tal. Die Ahr trat in der Talweitung mit den Auenflächen regelmäßig über die Ufer. Dies erklärt auch den Abstand des historischen Ortskerns zur Ahr. Auf der Tranchotkarte kann ein Mühlgraben erkannt werden, der in der Nähe von Lohrsdorf von der Ahr abzweigt, entlang der heutigen B 266 verlief und beim heutigen Ehrenfriedhof wieder in die Ahr floss. Entlang des Grabens befanden sich zeitweise drei Mühlen, von denen die letzte 1941 bei einem Bombenangriff zerstört wurde.

Um 1860 begannen Regulierungs- und Begradigungsmaßnahmen entlang der gesamten unteren Ahr. Diese wurde um 1900 abgeschlossen und hiermit erhielt die Ahr ihren heutigen geraden Verlauf. Durch die Meliorationsmaßnahmen veränderte sich die Landschaft stark, denn nun wurden Entwässerungsgräben und Bewässerungsgräben für die Wiesen angelegt. Altarme wurden zugeschüttet und Streuobstwiesen und Viehweiden angelegt. Heute ist der Ahrmündungsbereich noch immer von diesen Anlagen geprägt.
Nach 1844 wurde Bodendorf, damals noch kein Kurort, als Ort mit stark ausgeprägter Landwirtschaft beschrieben. Das breite Ahrtal bietet an dieser Stelle mit seinen guten Böden ideale Voraussetzungen für die Landwirtschaft. So existierten zu jener Zeit große Ackerflächen (Felder), Weiden, Wiese, Obstwiesen und Weinberge (Haffke 1979). Dies galt in dieser Zeit aber auch für den gesamten Bereich zwischen Remagen und Sinzig, die so genannte „Goldene Meile“ (Tranchotkarte 1803-1813). Heute sind die Weinberge in Bad Bodendorf weitestgehend verschwunden, nur die alten Mauern der Weinbergsterrassen, die noch in den waldgeprägten Hängen zu finden sind, zeugen von der ursprünglichen Nutzung.
Diese und andere Beschreibungen von Bodendorf entstammen Reiseführern aus dieser Zeit, denn in der Romantik zog es die Menschen nicht nur an den Rhein, sondern auch in das Ahrtal - damals wie heute wegen der Landschaft und des Weines.
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Entwicklung der Infrastruktur
Die Anreise in der frühen Phase des Tourismus erfolgte zunächst über Dampfschiffe, die in Remagen Halt machten, und von da aus ging es per Kutsche oder Wagen weiter. Auch hier liegt eine Parallele zur heutigen Zeit vor, denn heute befindet sich in Remagen der Bahnhof, der sowohl vom Ahrtal angefahren wird als auch Teil der linksrheinischen Bahnstrecke ist.

Beim Vergleich der Tranchotkarten (1803-1813) mit der preußischen Ur- (1845) und Neuaufnahme (1895) fällt das verbesserte Straßennetz entlang des Rheins auf, das später auch im Ahrtal verbessert wurde. Die Anbindung des Ahrtals an die linksrheinische Bahnstrecke erfolgte 1880. Am 18. September 1880 fuhr der erste Personenzug und ab dem 1. Oktober 1880 wurden auf der Strecke auch Güter transportiert. Die Anreise war sowohl Köln als auch von Coblenz (Koblenz) möglich. Das Mittelrheintal war bereits 1860 mit Eisenbahnverbindungen erschlossen worden.
Im Zusammenhang mit dem Schliefen-Plan hatte die Ahrstrecke die strategische Bedeutung als Zusatzstrecke für den Aufmarsch im Westen. Neben dieser militärische Bedeutung diente die Streck als Verbindung zwischen Köln und Trier und konnte das Eisenerz aus Lothringen (damals noch bis 1919 zum Deutschen Reich gehörig) über diese Strecke ins Ruhrgebiet gelangen.

Mit dem aufkommenden Eisenbahnverkehr nahm die Bedeutung des Weinbaus im Ahrmündungsbereich wegen anderer Verdienstmöglichkeiten und aufgrund des gleichzeitig auftretenden Schädlingsbefalls durch die Reblaus weiter ab. Die Winzer konnten die Weinberge nicht mehr bewirtschaften und stellten sie auf Obstplantagen um, die jedoch weit weniger Ertrag brachten und ihre Situation nicht verbesserten. Um ihren Lebensstand zu erhalten mussten die Landwirte neben der Landwirtschaft noch einen anderen Beruf ausüben oder auf Erdbeeranbau als Unterkultur in den Obstplantagen umstellen. Diese Bewirtschaftungsform wurde 1901 erstmals in Bodendorf eingeführt.
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Entwicklung zum Kurort
In dieser Zeit des Wandels und des Umbruchs fielen auch die ersten Initiativen in Bodendorf einen Kurbetrieb zu etablieren. Auf dem rechten Ahrufer gegenüber dem alten Ortskern befindet sich eine Mineralquelle, die schon seit dem 16. Jahrhundert bekannt war. Die Quelle war nach einem Hochwasser Anfang des 19. Jahrhunderts verschlammt. Die Lage, die immer noch bekannt war, zwischen den bekannten Quellen in Sinzig und Neuenahr, ließ eine erfolgreiche Bohrung wahrscheinlich erscheinen. Bis zum Ersten Weltkrieg fanden Bohrungen statt, jedoch war nach dem ersten Bohrversuch die Quelle noch nicht gewinnbringend. Der zweite Versuch war zunächst ein Erfolg. Jedoch verschloss sich die Quelle wegen falscher Verrohrung wieder. Sie konnte wieder durch eine erfolgreiche Sprengung freigelegt werden. Der Fremdenverkehr profitierte von der Quelle, jedoch wurden die Bemühungen durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 zunächst beendet.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam es in Bodendorf nicht zu einer bedeutenden Änderung der Einwohnerzahl: 1828 hatte Bodendorf 460 Einwohner, 1895 bereits 551 Einwohner.

Nur wenige Jahre vor dem Einbruch des Weinbaus wurde der Winzerverein in Bodendorf gegründet. Das Konzept der Winzergenossenschaft war im Ahrtal bereits 1868 entstanden. In Mayschoß befindet sich die 1868 gegründete und damit älteste Winzergenossenschaft Deutschlands.
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Das 20. Jahrhundert
Nach dem Ersten Weltkrieg 1919 begann in Bodendorf die Förderung von Kohlensäure und deren Verflüssigung. Der aufkommende Handel mit Kohlensäure wurde 1922 eingestellt, als ein Konkurrent aus Koblenz dem Unternehmer eine Abfindung zahlte mit der Übereinkunft, nur noch den Bodendorfer Sprudel mit Kohlesäure zu versorgen.
Bis zu diesem Zeitpunkt wurden bis auf die Kohlensäure-Verflüssigungsanlage keine weiteren Gebäude auf der rechten Ahrseite bei Bodendorf gebaut. Es gab neben der vorhandenen Furt jedoch einen Fußgängersteg über die Ahr. So konnte nun 1924 das erste Haus auf der rechten Seite, ein Wohnhaus mit Gastwirtschaft, gebaut werden. Dieses Haus bildete auch den Ursprung des Kurbetriebs in Bodendorf. Zwischen 1924 und 1925 wurden bei dem Gasthaus fünf Badezellen eingerichtet. Dort konnte man in dem Quellwasser baden. Das Wasser wurde mit ca. 21°C gefördert und wurde für die Gäste noch erwärmt.

Trotz der zunächst primitiven Einrichtung hatte das Bad einen großen Zulauf, auch von Kurgästen aus Bad Neuenahr. Der Kurbetrieb wuchs und erweiterte sich, dazu kamen andere Anwendungen, wie Naturheilkunde oder eine radiumhaltige Quelle, der „Mathias-Brunnen“. Es wurde weiterhin eine 31°C warme Quelle erschlossen.
Ein Fremdenverkehrsverein wurde gegründet. Da die Landwirtschaft nicht mehr von vielen Familien betrieben wurde, fiel dieses Betätigungsfeld für die Bodendorfer Frauen größtenteils weg. Sie konzentrierten sich nun auf die Vermietung von Gästezimmern, um etwas dazu zu verdienen. 1935 darf sich Bodendorf „Heilbad“ nennen. 1937 erweiterte man das oben erwähnte Gasthaus, das nunmehr über 22 Badewannen verfügte, mit einem Thermal-Freischwimmbad.
In dieser Zeit entstand das Unternehmen „Bodendorfer Mineralwasser“. Das hier abgefüllte Mineralwasser wurde vor allem im Ruhrgebiet abgesetzt.

Die Bevölkerung wuchs in den Jahren 1905 bis 1939 langsam von 583 auf 698 Einwohner. Im gleichen Zeitraum nahm die Zahl der Häuser um etwa 30 zu. Jedoch hatten sich die Standorte der Neubauten verlagert. Baute man vor der Errichtung der Thermalquelle ausschließlich am Ortskern, so verschoben sich die Neubauten nun in Richtung der Quelle oder sogar auf die gegenüberliegende Ahrseite.

Wie schon der Erste Weltkrieg bedeutet auch der Zweite Weltkrieg einen Bruch in der Entwicklung des Kurorts. In dieser Zeit fällt auch der Bau der Umgehungsstraße von Bodendorf, die heutige B 266. Diese war jedoch nicht an den modernen Verkehr angepasst. Die Umgehung wurde 1940 von französischen Kriegsgefangenen fertiggestellt. Eben in diesem Jahr wurde auch eine befahrbare Holzbrücke über die Ahr errichtet.
Gerade die Schienenanlagen, die für einen wirtschaftlichen Wandel gesorgt hatten, führten im Zweiten Weltkrieg zu verstärkten Bombardierungen. Die Bahn diente gegen Ende des Kriegs als Nachschublinie für den Westwall und wurde daher vermehrt angegriffen.
Am 7. März 1945 endete für Bodendorf mit der Einnahme durch die Amerikaner der Zweite Weltkrieg. Einige besonnene Bürger hatten das Dorf den Amerikanern friedlich übergeben, um Zerstörungen zu verhindern. Die Amerikaner richteten zwischen Sinzig und Remagen zwei Gefangenenlager ein. Bis zur Schließung der Lager starben dort 1090 Männer. Um deren Begräbnis zu organisieren, wurde bei Bodendorf die Fläche zur Errichtung eines Friedhofs, der noch heute existiert, beschlagnahmt. Insgesamt wurden hier 1213 Soldaten beerdigt.
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Die Nachkriegszeit
Nach dem Krieg wurde Bodendorf Teil der französischen Besatzungszone, aus der das Land Rheinland-Pfalz hervorging. Der Fremdenverkehr lag am Boden und die Gebäude des Bodendorfer Sprudels waren weitestgehend zerstört. Mit der Währungsreform 1948 und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland verbesserte sich die Lage. Die geringe Anzahl an Unterkünften limitierte die Anzahl der Kurgäste.
Das Unternehmen „Bodendorfer Mineralwasser“ konnte sich wieder erholen. Im Rahmen der Restitution wurde nach dem Krieg die Abfüllanlage des Unternehmens demontiert. In der Folge wurde eine kleinere und weniger moderne Anlage organisiert und installiert. Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs konnte man die Kapazitäten des Unternehmens steigern und bereits 1951 eine neue Abfüllanlage in Betrieb nehmen.

Landwirtschaftlich betrachtet hatte Bodendorf sich vom „Weindorf“ in ein „Erdbeerdorf“ entwickelt, so wurde anstatt des regionstypischen Weinfestes ein Erdbeerfest gefeiert. Mangels Konkurrenz hatte Bodendorf sich zu einem wichtigen Lieferanten von Erdbeeren für Bonn entwickelt. Mitte der 1950er Jahre wurden auf etwa acht Hektar Land von rund 100 Erdbeerproduzenten in einer Saison etwa 303.000 Deutsche Mark erwirtschaftet. 600 bis 800 Körbchen wurden täglich nach Bonn geliefert. Im Jahr 1960 verfaulte witterungsbedingt fast die gesamte Erdbeerernte. Sinkende Preise in den Folgejahren führten zur fast vollständigen Einstellung des Anbaus. Von den acht Hektar wurden 1965 nur noch 0,5 Hektar mit Erdbeerkultur bewirtschaftet. Im Zuge der Aufgabe von landwirtschaftlichen Betrieben wurden 3 Jahre später die letzten Weintrauben in Bodendorf gekeltert.
Mit dem Wirtschaftswunder der 1950er Jahre wuchs die Besucherzahl rapide an und mit ihr auch die zur Vermietung angebotene Bettenzahl. Jedoch verschob sich das Übernachtungsangebot in Richtung „Kurgebiet“ und etwa die Hälfte, genauer gesagt 165 von 368 der 1956 angebotenen Betten wurden nicht mehr im Nebenerwerb angeboten, sondern von acht größeren Betrieben.
Das Unternehmen „Bodendorfer Mineralwasser“ wechselte 1967 den Besitzer (der Krupp-Konzern wurde Eigentümer) und kam zum Tönissteiner Brunnen. Der Erwerb diente allerdings dazu, das Bodendorfer Unternehmen stillzulegen und somit einen Konkurrenten auszuschalten. Hiermit endete auch die gegenseitige Werbung von Mineralwassers und Kurort Bodendorf.
Die Kurgäste blieben nicht nur Gäste, sondern wurden zum Teil auch Einwohner oder erwarben Flächen im wachsenden Bodendorf, um damit zu spekulieren. Mit den Besuchern und den neuen, durch das städtische Leben geprägten Einwohnern veränderte sich das ganze Dorf. Mitte der 1950er Jahre wohnten dort nunmehr über 1.000 Menschen, bis 1966 stieg die Einwohnerzahl weiter auf 1.500 an.

Im Zuge der Gebietsreform in Rheinland-Pfalz von 1970 wurde Bodendorf Ortsteil der Stadt Sinzig. Wobei Sinzig sich engagierte, Bodendorf zum „Bad“-Titel zu verhelfen. Dieses Engagement war erfolgreich: 1972 erhielt Bodendorf das Prädikat „Bad“ und wurde zu Bad Bodendorf.
In den Jahren danach setzte ein Niedergang ein. 2014 schließlich verlor Bodendorf den „Bad“-Titel, weil keine Kureinrichtungen mehr in Betrieb sind.
In der Karte dargestellt ist die heutige Siedlungsfläche von Bad Bodendorf, im Norden, links der Ahr, der historische Ortstern mit seinen Erweiterungen und im Süden, rechts der Ahr, das so genannte Kurgebiet.
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(Jan Hansen, Universität Koblenz-Landau, 2014)

Quelle
Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2011): Landschaft im Wandel (LaWa) vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, dargestellt auf der Grundlage der amtlichen Topographischen Karten 1:25000, Blatt 5409 Linz am Rhein - Historische Kartenblätter von 1808-1997

Internet
www.bad-bodendorf.de: Bad Bodendorf (abgerufen 25.05.2014)

Literatur

Haffke, Jürgen (2013)
Bad Neuenahr. 150 Jahre Kur und Wellness als Faktoren der Stadtentwicklung. In: Koblenzer Geographisches Kolloquium 35, S. 41-59. Koblenz.
Haffke, Jürgen (2012)
Der Image-Wandel im Tourismus des Ahrtals. Von der „Niederrheinischen Schweiz“ zum „Paradies für Genießer“. In: Koblenzer Geographisches Kolloquium 34, S. 53-68. Koblenz.
Haffke, Jürgen (1993)
Sinzig-Bad Bodendorf. (Rheinische Kunststätten, Heft 383.) Neuss.
Haffke, Jürgen (1979)
Vom Winzerdorf zum Badeort. Bad Bodendorf und sein Fremdenverkehr im 19. und 20. Jahrhundert. Düsseldorf.
Haffke, Jürgen / Koll, Bernhard (1983)
Sinzig und seine Stadtteile - Gestern und Heute. Sinzig.
Kemp, Klaus (1983)
Die Ahrtalbahnen. Freiburg.

Stadtteil Bad Bodendorf

Schlagwörter
Ort
53489 Sinzig - Bad Bodendorf
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 50 bis 893
Koordinate WGS84
50° 33′ 28,35″ N, 7° 13′ 9,49″ O / 50.55787°, 7.2193°
Koordinate UTM
32U 373869.4 5602174.65
Koordinate Gauss/Krüger
2586445.62 5603173.46

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„Stadtteil Bad Bodendorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-93489-20140525-2 (Abgerufen: 19. August 2018)
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