Die Arbeitersiedlung Kunstfeld
In der zwischen 1801 und 1828 erarbeiteten Topographischen Aufnahme der Rheinlande findet sich vor Ort bereits der Eintrag einer „Fabrick“ im Westen des Waldgebiets Maikammer in der Schlebuscher Heide. In der nur wenig jüngeren Preußischen Uraufnahme (1836-1850) wird die Gemarkung dann als „Hornpott“ geführt - dieser Name rührt von einer Horn- und Knochenmühle her, die hier Rinderhörner zu Kämmen verarbeitete und den entstehenden Abfall als Dünger verkaufte (Trimborn 2002).
Der Name des hier entstehenden kleinen Ortes Kunstfeld geht wiederum auf die hier in der Zeit ab um 1820 hergestellten „künstlichen“ Chemieprodukte zurück.
Da die Herstellung chemischer Erzeugnisse in der Regel mit starkem Geruch verbunden ist, führte dies immer wieder zu Klagen der Dorfbevölkerungen im Umfeld früher Chemie-Produktionsstätten. Im Jahr 1820 verbot die Kölner Bezirksregierung dem Unternehmen von Johann Gottfried Wöllner und Friedrich Mannes die Produktion innerhalb der Dorfgrenzen von Dünnwald. Wöllner und Mannes hatten zeitweise in Gebäuden der während der Franzosenzeit 1802/03 aufgelösten Abtei Altenberg und des Klosters Dünnwald neben weiteren chemischen Erzeugnissen den für preußische Uniformen benötigten Textilfarbstoff „Berliner Blau“ hergestellt. Wegen der Auflagen erwarb man nun etwa einen Kilometer nördlich des früheren Klosters Dünnwald ein Gelände von 20 Morgen (5 Hektar) Größe am damaligen Schlebuscher Haidweg, wo sich zuvor über mehrere Jahrhunderte hin ein Gehöft „Backeshof“ befunden hatte (de.wikipedia.org).
Den Angaben des Sprengstoffexperten Friedrich Trimborn (2002) zufolge hatte die chemische Fabrik im Kunstfeld bereits 1817 ihren Betrieb aufgenommen: „1820 gründeten der Remscheider Unternehmer Christian Woellner und Friedrich Mannes auf dem Kunstfeld einen (weiteren?) Betrieb mit etwas anderem Produktionsprogramm“ - darunter ab 1835 auch Kölnisch Wasser. Nach Doppelfeld und Kellenbenz (Kölner Wirtschaft 1975) wurde die Firma Buntfarben von Mannes und Wöllner zwischen 1820 und 1840 betrieben.
Da es sich im Zuge der Fabrikgründung offenbar als schwierig erwies, Arbeitskräfte aus der Umgebung zu finden, ließen die Unternehmer die Siedlung errichten, deren günstige Wohnungen größer als üblich waren und sogar über Gärten zur Selbstversorgung verfügten. Laut Bilz (2020) verfügte die Siedlung bereits früh über „für damalige Verhältnisse unüblich gute sanitäre Anlagen“, während Köhler (1989) ergänzend dazu berichtet, dass die Versorgung des Orts mit fließendem Leitungswasser in großen Teilen erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Dynamit Nobel AG erfolgte, die hier in den 1930ern Grundstücke und Betriebsstätten übernommen hatte.
Laut Kölner Wirtschaft (1975) existierte im Kunstfeld ferner die Firma eines Chemiefabrikanten Ed. Halbach aus Wald bei Solingen und um die 1830er ließen sich dann die Brüder Benjamin und Friedrich Sternenberg nieder, die Farben und andere chemische Produkte wie Salmiak herstellen. Neben diesen chemischen Betrieben bestanden im Kunstfeld ab um 1820/30 weitere Manufakturen und in einigen Häusern wurden in Heimarbeit Textilien gewoben. Eine 1871 von Louis Scherz und Rudolf Morsbach gegründete Feilenhauerei war bis in die 1920er in Betrieb. Das heutige Restaurant „Waldschenke“ mit Biergarten entstand im Jahr 1894 als örtliche Schankwirtschaft.
Ab 1869 produzierten die Brüder Sternenberg in einer Sprengstofffabrik offenbar illegal Dynamit (vgl. dort). Das Werk wurde bereits im Januar 1870 durch eine gewaltige Explosion fast völlig zerstört. 15 Arbeiter fanden den Tod und alle Häuser der Siedlung wurden beschädigt:
„Alle Fenster waren zersplittert und die Gefache aus den Fachwerkhäusern herausgerissen. Sogar im benachbarten Dünnwald zersprangen die Fensterscheiben.“ (Hinweise Montkowski 2024)
Nach dem tragischen Unglück hatte sich eine breite Bewegung in der Dünnwalder Bevölkerung gebildet, die erfolgreich eine Wiederaufnahme der Herstellung von Sprengstoff blockierte. Einzig der Schornstein der Fabrik blieb noch viele Jahre als Mahnmal für die Toten stehen, ist heute aber nicht mehr erhalten.
Zwischen 1827 und 1900 stieg die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner im Kunstfeld von 48 auf 179 Personen und Dutzende weitere Menschen kamen hierhin zur Arbeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl dann auf ca. 500 (darunter auch Ausgebombte und Flüchtlinge, die in einem Lager untergebracht waren) und für Ende der 1980er-Jahre werden ca. 115 angeführt (Köhler 1989).
Objektgeometrie, Baudenkmale, Hinweis
Die hier verzeichnete Geometrie beruht auf der knapp 3 Hektar Fläche einnehmenden Darstellung der Siedlung in der historischen Preußischen Neuaufnahme (1891-1912). Der Umfang des Örtchens hat sich bis heute nicht wesentlich verändert (vgl. Kartensichten).
Zahlreiche Wohn- bzw. Geschäftshäuser mit an diesen angeschlossenen Wirtschaftsgebäuden sowie eine Gartenanlage der Siedlung wurden zwischen 1984 und 1991 durch Eintragungen in die Denkmalliste als Baudenkmale geschützt.
Die Siedlung ist wertgebendes Merkmal des historischen Kulturlandschaftsbereiches Siedlung Kunstfeld bei Dünnwald (Regionalplan Köln 436).
(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2026)
Quellen
- Freundliche Hinweise von Frau Brigitte Fest, Dünnwalder Bürgerverein von 1899 e.V., 2026.
- Freundliche Hinweise von Herrn Walter Montkowski aus Arbeiten der Geschichtswerkstatt Köln-Brück und zu einer Ausstellung der Stadtgeschichtlichen Vereinigung Leverkusen, 2024 und 2026.
Internet
de.wikipedia.org: Siedlung Kunstfeld (abgerufen 30.03.2026)
www.duennwalder.de: Audioguide des Dünnwalder Bürgervereins von 1899 e.V. (abgerufen 30.03.2026)
de.wikipedia.org: Liste der Baudenkmäler im Kölner Stadtteil Dünnwald (abgerufen 30.03.2026)
www.stadt-koeln.de: Interaktive Karte der Kölner Denkmäler (abgerufen 30.03.2026)