Toilettenanlage „Siebenzylinder“ in der Siedlung Kunstfeld

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 00′ 36,55″ N: 7° 02′ 7,87″ O 51,01015°N: 7,03552°O
Koordinate UTM 32.362.188,81 m: 5.652.790,69 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.572.717,71 m: 5.653.286,87 m
  • Toilettenanlage "Siebenzylinder" in der früheren Arbeitersiedlung Kunstfeld im Köln-Dünnwalder Wald (2026).

    Toilettenanlage "Siebenzylinder" in der früheren Arbeitersiedlung Kunstfeld im Köln-Dünnwalder Wald (2026).

    Copyright-Hinweis:
    Knöchel, Franz-Josef, Landschaftsverband Rheinland / CC BY 4.0
    Fotograf/Urheber:
    Franz-Josef Knöchel
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  • Wohngebäude in der ältesten erhaltenen Arbeitersiedlung im Rheinland, der Siedlung Kunstfeld in Köln-Dünnwald (2026), auch Standort der Sprengstofffabrik Sternenberg bis zu deren verheerender Explosion 1870.

    Wohngebäude in der ältesten erhaltenen Arbeitersiedlung im Rheinland, der Siedlung Kunstfeld in Köln-Dünnwald (2026), auch Standort der Sprengstofffabrik Sternenberg bis zu deren verheerender Explosion 1870.

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    Knöchel, Franz-Josef, Landschaftsverband Rheinland / CC BY 4.0
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    Franz-Josef Knöchel
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  • Straßennamensschild "Hornpott" in der Siedlung Kunstfeld in Köln-Dünnwald (2026), der Name geht auf eine gleichnamige Horn- und Knochenmühle zurück, die hier einst Rinderhörner zu Kämmen verarbeitete.

    Straßennamensschild "Hornpott" in der Siedlung Kunstfeld in Köln-Dünnwald (2026), der Name geht auf eine gleichnamige Horn- und Knochenmühle zurück, die hier einst Rinderhörner zu Kämmen verarbeitete.

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    Knöchel, Franz-Josef, Landschaftsverband Rheinland / CC BY 4.0
    Fotograf/Urheber:
    Franz-Josef Knöchel
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Die vor Ort liebevoll „Siebenzylinder“ genannte historische Toilettenanlage steht in der Siedlung Kunstfeld in Dünnwald, die als älteste erhaltene Arbeitersiedlung im Rheinland gilt.

Die Siedlung Kunstfeld wurde ab 1820 eigens für die Arbeiter der dort bereits seit ein paar Jahren ansässigen chemischen Produktion errichtet. Die von anderen Ortschaften abseitige Lage erklärt sich nicht zuletzt dadurch, dass die Herstellung chemischer Erzeugnisse meist mit starkem Geruch – wenn nicht sogar Gestank! – verbunden ist und sich hier zuvor bereits der so genannte „Hornpott“ befand, eine vermutlich ebenfalls nicht den besten Duft verbreitende Horn- und Knochenmühle, die Rinderhörner zu Kämmen verarbeitete.

Wohl auch, weil der Kontext naturgemäß etwas anrüchig ist, liegt keine spezielle Überlieferung zu hygienischen Einrichtungen in der historischen Siedlung Kunstfeld vor. Laut Bilz (2020) verfügte diese jedoch über „– für damalige Verhältnisse unüblich – gute sanitäre Anlagen“, während Köhler (1989) ergänzend dazu berichtet, dass die Versorgung des Orts mit fließendem Leitungswasser in großen Teilen erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Dynamit Nobel AG erfolgte.
Davon unbenommen darf angenommen werden, dass „wilde Geschäfte“ in Büschen und Sträuchern bereits im 19. Jahrhundert verpönt waren und es neben den zumindest in einzelnen Wohnhäusern vorhandenen Toiletten auch entsprechende Aborte in den Betriebsstätten gab.
Über das genaue Alter des „Siebenzylinders“ liegen keine Informationen vor. In dem kleinen Gebäude mit einer Grundfläche von etwa 2 mal 9 Meter befinden sich nebeneinander gleich sieben Einzelkabinen mit den lange Zeit üblichen „Plumpsklos“. Bei diesen Trockentoiletten ohne Wasserspülung „plumpsen“ die Fäkalien in eine Grube unter der Sitzfläche und verbleiben dort, bis diese geleert wird.
Jede Kabine hat eine Holztür mit dem traditionellen herzförmigen Loch in der Tür.

Baudenkmal
Laut einer Informationstafel des Dünnwalder Bürgervereins vor Ort soll der „Siebenzylinder“ als einzige Toilettenanlage in Deutschland als Denkmal geschützt sein, ein eigener Eintrag in die Denkmalliste liegt jedoch nicht vor. Es darf angenommen werden, dass die Toilettenanlage zusammen mit dem benachbarten früheren Wohnhaus geschützt ist, das heute als Gaststätte „Waldschenke“ genutzt wird (Denkmalnummer 5186 / DE_05315000_A_5186, Eintragung vom 10. August 1989).

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2026)

Quelle
Freundliche Hinweise von Frau Brigitte Fest, Dünnwalder Bürgerverein von 1899 e.V., 2026.

Internet
de.wikipedia.org: Siedlung Kunstfeld (abgerufen 30.03.2026)
www.duennwalder.de: Audioguide des Dünnwalder Bürgervereins von 1899 e.V., Hornpott (abgerufen 30.03.2026)
de.wikipedia.org: Liste der Baudenkmäler im Kölner Stadtteil Dünnwald (abgerufen 30.03.2026)
www.stadt-koeln.de: Interaktive Karte der Kölner Denkmäler (abgerufen 30.03.2026)
nsg.naturschutzinformationen.nrw.de: Naturschutzgebiet Am Hornpottweg (K-014) (abgerufen 30.03.2026)

Literatur

Bilz, Fritz (2020)
Das Kunstfeld in Dünnwald: Arbeiterwohnungen von 1820. (Werkstatt für Ortsgeschichte Köln-Brück, 20. Juli 2020.) o. O.
Brandt, August / St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Köln-Dünnwald (Hrsg.) (1988)
Dünnwald. Die Säkularisation des Kloster (1803). Dorf und Pfarrei im 19. Jahrhundert. Köln.
Köhler, Jürgen (1989)
Ein Ort der Ruhe und Erholung - Kunstfeld. Eine noch erhaltene Arbeitersiedlung am Stadtrand von Köln. o. O. Online verfügbar: www.ig-hornpott.de, Kunstfeldheft (PDF), abgerufen am 30.03.2026

Toilettenanlage „Siebenzylinder“ in der Siedlung Kunstfeld

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Siedlung Kunstfeld / Am Kunstfeld
Ort
51069 Köln - Dünnwald / Deutschland
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1820

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Toilettenanlage „Siebenzylinder“ in der Siedlung Kunstfeld”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360039 (Abgerufen: 4. April 2026)
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