Der Rhein zwischen den Bonner Stadtteilen Schwarzrheindorf/Vilich-Rheindorf und Graurheindorf (2010).
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Abbildung der Holländischen Schantz Pfaffenmütz zwischen Köln und Bonn im Rhein erbauen (1620).
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Die Sieg im Mündungsbereich zum Rhein, fotografiert vom Kemper Werth aus (2023).
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Altkarte Siegmündung (1747/1751)
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Ein auf einem Ast sitzender Eisvogel an einem Gewässer bei Wesel (2008).
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Der Rhein zwischen den Bonner Stadtteilen Schwarzrheindorf/Vilich-Rheindorf (links) und Graurheindorf (rechts) (2010). Links ist die Siegmündung am Kemper Werth, im Hintergrund die Friedrich-Ebert-Brücke sowie die Erhebungen des Ennert und des Siebengebirges zu sehen.
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"Abbildung der Holländischen Schantz Pfaffenmütz zwischen Köln und Bonn im Rhein erbauen. Anno 1620" von Unbekannt - Herzog August Bibliothek, Deutschland.
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Die Sieg im Mündungsbereich zum Rhein, fotografiert vom Kemper Werth aus (2023).
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Gezeichnete farbige Altkarte (1747/1751) des Bereiches der Siegmündung. Abgebildet sind u.a. Ansichten der Doppelkirche Schwarzrheindorf und Haus Gymnich (Wolfsburg), der Kirchen von Mondorf und Bercheim, die Orte Müllenhoffen, Geislahr, Meindorff, das Stifft Vilich und Dorff Eschmar mit Mühle sowie ganz unten mittig die so genante Pfaffen-Muetz.
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Ehmans, M. / Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland - RW Karten Nr. 2448/3
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Ein auf einem Ast sitzender Eisvogel an einem Gewässer bei Wesel (2008).
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Hans Glader
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Das Kemper Werth, historisch auch „Pfaffenmütz“ genannt, ist eine Halbinsel an der Mündung der Sieg in den Rhein. Während das Werth heute ein wichtiges Biotop für verschiedene Tierarten darstellt, besaß die „Pfaffenmütz“ im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) als militärstrategischer Stützpunkt überregionale Bedeutung, um den sich niederländische und spanische Truppen bekämpften. Weitere historische Bezeichnungen und Schreibweisen sind Cumper Werth, Comper Werth und Isabelleninsel.
Lage und Flussbegradigung Das Kemper Werth befindet sich am rechtsrheinischen Ufer im Bonner Ortsteil Schwarzrheindorf/Vilich-Rheindorf. An der nördlichen Spitze der Halbinsel mündet die Sieg in den Rhein. Das Werth wird im Südwesten vom Rhein, im Südosten und Osten von der Bundesautobahn 565 sowie im Nordosten und Norden von der Siegaue begrenzt. Die heutige Halbinsel war ursprünglich eine Rheininsel, die bei Niedrigwasser mit dem südlich benachbarten Commenthuern Werd zu einer Doppelinsel verbunden war. Früher besaßen Rhein und Sieg noch viele Seitenarme und Mäander. Im Zuge der Rheinregulierung des 19. Jahrhunderts führten wasserbauliche Eingriffe wie Begradigungen, Buhnenbau und Uferfixierungen zu veränderten Strömungsverhältnissen. An der Sieg geschah dies nicht zuletzt auch wegen des Baus der Siegbahnstrecke. Der zwischen Kemper Werth und Festland verlaufende Nebenarm verlor zunehmend an Durchströmung, verlandete infolge von Sedimentablagerungen und bildete schließlich eine feste Verbindung zum linken Rheinufer, wodurch das Kemper Werth zur Halbinsel wurde.
Die Entwicklung der Rheinregulierung und die Auswirkungen auf die Rheininseln sind auch anhand verschiedener historischer Kartenwerke ersichtlich. So erkennt man auf der Topographischen Aufnahme der Rheinlande (1801-1820) von Tranchot und von Müffling und auf der Preußischen Uraufnahme (1836-1850) unter anderem noch die Doppelinsel inklusive Kemper Werth, während nach der Flussbegradigung auf der Preußischen Neuaufnahme (1891-1912) nur noch die Halbinsel zu sehen ist.
Eingebettet in das Naturschutzgebiet „Siegmündung“ (Nr. BN-005) stellt das Kemper Werth ein landesweit bedeutendes Brut-, Rast-, Nahrungs-, Durchzugs- und Überwinterungsgebiet für viele Vogelarten wie Eisvogel, Knickente, Schwarzmilan, Uferschwalbe, Nachtigall und Pirol dar.
Der Dreißigjährige Krieg an der Sieg Das Kemper Werth tauchte zwischen den Jahren 1620 und 1624 häufig in den „frühneuzeitlichen Schlagzeilen“ auf. So berichtete die Aviso Relation oder Zeitung, eine der ersten deutschsprachigen Zeitungen, oftmals von der sogenannten „Pfaffenmütz“. Diese war eine Inselfestung, die von niederländischen Truppen zu Beginn des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648) auf dem Kemper Werth erbaut wurde. Aufgrund der an die Kopfbedeckung von katholischen Geistlichen erinnernde damalige Form der Insel wurde sie „Pfaffenmütz“ oder auch „Pfaffenhütlein“ genannt. Der sich schon bald auf ganz Europa auswirkende Krieg ließ auch den Achtzigjährigen Krieg zwischen Spanien und den Vereinigten Provinzen der Niederlande wieder aufflammen. Beide hatten sich ab 1609 in einem zwölfjährigen Waffenstillstand befunden, bereiteten sich aber schon Jahre vor dessen Auslaufen auf weitere Kriegshandlungen vor, auch im Rheinland. So belagerten spanische Truppen die niederländisch besetzte Festung Jülich, um von dort aus in die Generalstaaten einfallen zu können. Niederländische Einheiten wiederum nahmen die Burgen Blankenburg sowie Windeck ein und sicherten sich mit dem Bau der „Pfaffenmütz“ einen Stützpunkt am Rhein.
Die Festung „Pfaffenmütz“ auf dem Kemper Werth Die Aviso meldete am 29. Oktober 1620, dass niederländische Truppen Kanonen, Munition und Baumaterial auf das Kemper Werth gebracht und dort mit der Errichtung von Häusern und einer Windmühle begonnen hatten. Die Inselfestung umfasste darüber hinaus das Haus des Kommandanten, ein Magazin, ein Lagerhaus und zwei Brunnen. Mit Munition versorgte sich die Pfaffenmütz-Besatzung selbst, indem sie aus Holzkohle, Schwefel und Salpeter Schwarzpulver herstellte. Insbesondere der Kölner Kurfürst Ferdinand von Bayern (1577-1650, amtierte ab 1612) war wegen der Präsenz der rund 3.000 niederländischen Soldaten in nächster Nähe zu seinen Residenzen Bonn und Brühl besorgt. Auch der Reichsstadt Köln und dem Herzogtum Berg bereitete die Besatzung der Pfaffenmütz Probleme, vor allem in Bezug auf den ins Stocken geratenen Rheinhandel und die marodierenden Soldaten, die Dörfer bis ins tiefere Bergische Land überfielen (vgl. Artikel zum 6. August 1622 im dk-blog).
Belagerung und Ende der Festung Im Juli 1622 begann schließlich die kaiserliche Belagerung der Pfaffenmütz durch General Heinrich von dem Bergh (1573-1638), der an der Siegmündung Schanzen errichten ließ. Nach ständigem Beschuss, empfindlichen Treffern der Magazine und des Lazaretts sowie die Vergiftung der Brunnen durch „Jauchegranaten“ und Krankheitsausbrüchen kapitulierte die niederländische Besatzung schließlich am 27. Dezember 1622. Heinrich von dem Bergh gewährte den Soldaten freien Abzug.
Bis 1624 war die Festung von spanisch-kaiserlichen Truppen besetzt, die ebenso wie zuvor die Niederländer Überfälle auf die umliegenden Dörfer verübten und von der lokalen Bevölkerung Abgaben einforderten. Nach der Aufgabe der Anlage setzte ein fortschreitender Verfall ein. Für das Jahr 1643 ist überliefert, dass Untertanen der Stifte Schwarzrheindorf und Vilich die Insel kreuzweise durchgruben. Heinrich Brodeßer und Helmut Schulte deuten dieses Vorgehen als gezielte Maßnahme, um zu verhindern, dass die Insel im weiterhin andauernden Dreißigjährigen Krieg erneut militärisch befestigt würde (Brodeßer/Schulte 1974, S. 107). Dies kann auch als Hinweis darauf verstanden werden, dass die Festungszeit der „Pfaffenmütz“ noch lange im Kollektivgedächtnis der hiesigen Bevölkerung verankert blieb.
Hinweis Die Siegmündung Kemper Werth mit archäologischen Festungsresten der „Pfaffenmütz“ ist wertgebendes Merkmal des historischen Kulturlandschaftsbereiches Rheinaue bei Schwarzrheindorf, Siegmündung (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 438).
(Samuel Dreßen, Digitales Kulturerbe LVR, 2026)
Quelle Mercurius Belgico-Germanus [...], Band 2, s.l. 1633, S. 397, online verfügbar unter digitale-sammlungen.de (abgerufen 26.01.2026).
Internet dkblog.hypotheses.org: „Die Reichsstadt Köln beschwert sich wegen der Pfaffenmütz“, in: dk-blog (Text Michael Kaiser, 02.08.2022, abgerufen 19.01.2026) nsg.naturschutzinformationen.nrw.de: Naturschutzgebiet Siegmündung, Nr. BN-005 (abgerufen 19.01.2026) rundschau-online.de: „Als die Sieg dreimal in den Rhein floss“ (Text Stefan Villinger, Kölnische Rundschau vom 04.09.2021, abgerufen 26.01.2026) naturregion-sieg.de: Naturparadies. Die Sieg (abgerufen 26.01.2026) rhein-sieg-kreis.de: Naturschutzgebiet Siegaue – Habitat für gefährdete Vogelarten (abgerufen 26.01.2026)
Niederkassel. Beiträge, Stiche, Bilder, Fotos zu Geschichte und Kultur der Orte Lülsdorf, Ranzel, Niederkassel, Uckendorf, Stockem, Rheidt, Mondorf. S. 93-130, Niederkassel.
Ennen, Edith / Höroldt, Dietrich (Hrsg.) (1989)
Die kurkölnische Residenz Bonn und ihr Umland in einem Jahrhundert der Kriege. In: Bonn als kurkölnische Haupt- und Residenzstadt 1597–1794, (Geschichte der Stadt Bonn 3.) S. 15-203. S. 141-149, Bonn.
Kaiser, Michael / Ehrenpreis, Stefan (Hrsg.) (2002)
Überleben im Krieg – Leben mit dem Krieg. Zur Alltagsgeschichte des Dreißigjährigen Krieges in den niederrheinischen Territorien. In: Der Dreißigjährige Krieg im Herzogtum Berg und seinen Nachbarregionen, (Bergische Forschungen 28.) S. 181–233. Neustadt an der Aisch.
Kaiser, Michael / Rutz, Andreas (Hrsg.) (2016)
Generalstaatische Söldner und der Dreißigjährige Krieg. Eine übersehene Kriegspartei im Licht rheinischer Befunde. In: Krieg und Kriegserfahrung im Westen des Reiches 1568-1714, (Herrschaft und soziale Systeme in der frühen Neuzeit 20.) S. 65-100. Göttingen.
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