Burg Windeck

Neu-Windeck, „castrum novum in windecke“

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Windeck
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 48′ 50,34″ N: 7° 34′ 44,64″ O 50,81398°N: 7,57907°O
Koordinate UTM 32.399.897,58 m: 5.630.101,80 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.399.932,35 m: 5.631.913,86 m
  • Ruine der Burg Windeck im Siegtal (2005)

    Ruine der Burg Windeck im Siegtal (2005)

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  • Nicolaus Christian Hohe: "Windeck am Anfang des 19. Jahrhunderts" (frühes 19. Jahrhundert), Stahlstich.

    Nicolaus Christian Hohe: "Windeck am Anfang des 19. Jahrhunderts" (frühes 19. Jahrhundert), Stahlstich.

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  • Luftaufnahme der Burgruine Windeck im Siegtal (2011).

    Luftaufnahme der Burgruine Windeck im Siegtal (2011).

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  • Ruine der Burg Windeck im Siegtal (2024).

    Ruine der Burg Windeck im Siegtal (2024).

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  • Palaswand der Burgruine Windeck mit Blick ins Siegtal (2024).

    Palaswand der Burgruine Windeck mit Blick ins Siegtal (2024).

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In der Gemeinde Windeck befinden sich die Ruinen der ehemals ausgedehnten, militärstrategisch bedeutenden Burg Neu-Windeck. Wenn auch nur noch als Ruine erhalten, ist die Burg eine prägende Landmarke im Mittellauf des Siegtals und Wahrzeichen der Gemeinde.

Lage und Objektgeometrie
Eine thüringische Grenzfeste an der Sieg
Burg Windeck als Verwaltungssitz von Amt Windeck
Das Ende der Burg Windeck
Burg Windeck als Ruine
Baubeschreibung und Erhaltungszustand
Baudenkmal, Hinweis
Internet, Literatur

Lage und Objektgeometrie
Die Ruinen der Burg Neu-Windeck befinden sich auf dem Grat eines als Schlossberg bezeichneten Höhenzuges im Ortsteil Altwindeck der Gemeinde Windeck. Der Schlossberg liegt oberhalb eines durch den Bau der Siegbahnstrecke abgetrennten Altarms der Sieg, der heute als schutzwürdiges Biotop „Krummauel“ des Naturschutzgebiets „Siegaue in den Gemeinden Windeck, Eitorf und der Stadt Hennef“ (SU-026) ausgewiesen ist.
300 Meter südlich von Burg Neu-Windeck befand sich die ebenfalls im Hochmittelalter erbaute Motte Alt-Windeck, die jedoch bereits vor dem Jahr 1300 wüst fiel und heute ein Bodendenkmal (Nr. 14) der Gemeinde ist.
Die Objektgeometrie umfasst das Gelände der Ruinen der Burg Neu-Windeck.

Eine thüringische Grenzfeste an der Sieg
Die Baujahre der Burgen Neu-Windeck und Alt-Windeck sind nicht bekannt. Die erste urkundliche Erwähnung beider Burgen erfolgte gemeinsam in einer Urkunde vom 24. März 1174, in der Kaiser Friedrich I. Barbarossa die Belehnung Graf Engelberts I. von Berg mit Neu-Windeck durch Graf Heinrich Raspe III. aus der thüringischen Landgrafendynastie der Ludowinger bestätigte. Barbarossa differenzierte, dass nur Neu-Windeck und nicht Alt-Windeck Gegenstand des Lehnsakts war (castrum novum de Windecke et non vetus).
Im Zuge der ludowingischen Heiratspolitik der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts fielen im Jahr 1137 umfangreiche Besitzungen an die thüringischen Landgrafen. Zuvor heirateten Landgraf Ludwig I. und sein jüngerer Bruder Heinrich Raspe I. Hedwig von Gudensberg und deren Mutter Kunigunde von Bilstein, zu deren Streubesitz auch die Windecker Burgen gehörten.

Die Belehnung des Grafen Engelberts I. von Berg mit Neu-Windeck geschah vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen mit den Grafen von Sayn. Diese dehnten ihren Machtbereich im Siegtal gegen Ende des 12. Jahrhunderts zunehmend aus, zum Beispiel mit der Errichtung der Burg Blankenberg. Die Grafen von Berg sollten von Neu-Windeck aus, nunmehr Grenzfeste geworden, den weiteren Einfall der Sayn in das Siegtal verhindern.
Im Jahr 1188 verkauften die Ludowinger die Burgen Neu-Windeck und Alt-Windeck an den Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg, welcher die Burg später an das einst verfeindete Haus Sayn mit dem mittlerweile ehelich an die Ludowinger gebundenen Grafen Heinrich III. übertrug. Nach dem kinderlosen Ableben Heinrichs, wurde Graf Adolf IV. von Berg 1247 mit Neu-Windeck belehnt, was den Beginn einer steten bergischen Verwaltung der Burg einleitete.
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Burg Windeck als Verwaltungssitz von Amt Windeck
Auch wenn sich Alt- und Neu-Windeck im 13. Jahrhundert nominell im kurkölnischen Besitz befanden, standen die Burgen in der Verfügungsgewalt der Grafen von Berg. Aufgrund wirtschaftlicher Probleme stellte Neu-Windeck für die Landesherren häufig ein wichtiges Pfandobjekt dar.

In der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde Neu-Windeck zum Sitz des Amts Windeck, eine Verwaltungseinheit im bergischen Territorium. Von hier aus verwaltete ein vom Landesherrn eingesetzter Amtmann die Güter und Einkünfte, führte die niedere Gerichtsbarkeit aus und war für den Schutz der Straßen und Dörfer verantwortlich. Die Position des Amtmanns wurde häufig von Angehörigen des niederen Adels besetzt. Für Windeck ist insbesondere das bergische Adelsgeschlecht von Nesselrode hervorzuheben, welche über mehrere Jahrhunderte Amtmänner in Windeck stellten (vgl. Tabelle bei Krause 2006, S. 33). Diese übernahmen im 15. und 16. Jahrhundert häufig Instandhaltungsmaßnahmen an der baufällig gewordenen Burg. In dieser Zeit entstanden zudem in der Umgebung einige Burghäuser und Rittergüter wie Burg Mauel oder Haus Broich, die teilweise als Ministerialensitze fungierten. Dadurch beeinflusste die Burg Windeck in ihrer Funktion als Amtssitz die umliegende Kulturlandschaft des Siegtals nachhaltig.
Zum Amt Windeck gehörten im Jahr 1555 die Gerichte Windeck, Much und Eckenhagen, die Kirchspiele Dattenfeld, Leuscheid, Wiehl, Hain, Nümbrecht, Morsbach und das Rheinamt sowie das Hofgeding Rosbach (Krause 2006, S. 13f). Wegen offener Grenzfragen zu einigen dieser Besitzungen befanden sich die bergischen Herzöge bis zum Siegburger Vergleich 1604 mit den Grafen von Sayn-Sayn und Sayn-Wittgenstein im Konflikt (vgl. Holdt 2008, S. 15), wodurch Burg Windeck ihre Relevanz als Grenzfeste auch in der Frühen Neuzeit beibehielt.

Ein letzter Ausbau von Neu-Windeck erfolgte zwischen 1602 und 1609, bei dem der jülich-bergische Hofbaumeister Johann von Pasqualini, ein Enkel des Alessandro Pasqualini, die Burganlage um eine moderne Bastion auf der Nordseite erweiterte.
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Das Ende der Burg Windeck
Im kriegsintensiven 17. Jahrhundert war die Burg Windeck militärstrategisches Ziel verschiedener Parteien und wurde mehrmals belagert, was letztlich das Ende ihrer Nutzung zur Folge hatte.

Im Zuge des Jülich-Klevischen Erbfolgestreits nahm der in Waldbröl wohnhafte und mit Kurbrandenburg verbündete Obrist Heinrich Quadt von Isengarten im Jahr 1609 die Burg mit angeheuerten Söldnern ein. Folglich wurde der katholische Amtmann Bertram von Nesselrode abgesetzt und durch protestantischen Quadt ersetzt.
Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde Neu-Windeck von Truppen des Herzogs von Pfalz-Neuburg zurückerobert. 1632 erfolgte die Einnahme durch schwedische Soldaten, bevor sie 1635 wieder an den bergischen Herzog zurückgegeben wurde. Eine fünfwöchige Belagerung Anfang 1646 durch französisch-hessische Truppen endete mit der Erstürmung der Grenzfeste, wobei der Hauptturm gesprengt und die Ringmauer eingerissen wurde. Darauf folgte eine erneute erfolgreiche Belagerung, diesmal durch kaiserliche Truppen, welche die Burg im Juni 1648 schleifen ließen.

Die erneute Zerstörung Neu-Windecks durch französische Truppen im Jahr 1672 bedeutete das Ende der jahrhundertelang regional bedeutsamen Festung. Der Sitz des Windecker Amtmanns wurde von da an dauerhaft nach Denklingen verlegt.

Burg Windeck als Ruine
Fortan war die Burg nur noch als Ruine erhalten. Im Jahr 1852 erwarb Oskar Danzier, der Landrat des ehemaligen Kreises Waldbröl, die Ländereien auf dem Windecker Schlossberg. Erst durch ihn wurden Aufräumungsarbeiten durchgeführt, um an der südöstlichen Seite ein Landhaus zu errichten. Dieses wurde durch Beschuss im Zweiten Weltkrieg zerstört und ist nicht mehr erhalten.

1961 ging der Schlossberg samt Ruinen in den Besitz des Rhein-Sieg-Kreises über, der umfangreiche Sanierungsarbeiten durchführte. Bei archäologischen Untersuchungen zwischen 1987 und 1997 wurde der Grundriss der Burg freigelegt sowie Keramik-, Metall- und Werksteinfunde sichergestellt, die seitdem im Heimatmuseum Altwindeck ausgestellt werden.
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Baubeschreibung und Erhaltungszustand
Die Burg Neu-Windeck zählt typologisch zu den Abschnitts- und Frontturmburgen. Die zweigeteilte Höhenburg gliedert sich in Vor- und Hauptburg und erstreckt sich von Norden nach Süden über rund 120 Meter Länge. Der Zugang erfolgte über mehrere Tore auf der Südostseite. Zur Anlage gehörte eine Burgkapelle mit romanischer Apsis, die später umgebaut wurde und reich ausgestattete Bodenfliesen mit dem Wappen der Familie von Nesselrode aufwies.

Zentrales Element der Burg ist der 13,6 Meter hoch erhaltene runde Hauptturm, der durch eine starke Mantelmauer von 4 Metern gesichert wurde. Aufgrund seiner Dimensionen kommt sowohl eine Nutzung als Bergfried als auch als Wohnturm in Betracht (Friedhoff 2006, S. 73). Die Datierung des Turms ist unsicher, möglicherweise stammt er aus der hochmittelalterlichen Gründungsphase der Burg in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Der Burghof ist von einer mit Flanken- und Schalentürmen gesicherten Ringmauer im Westen und der Palaswand im Osten begrenzt.
Die Kernburg wurde durch eine umfangreiche Zwingeranlage mit Flankentürmen gesichert.
Den letzten Ausbau der Befestigung bildete eine frühneuzeitliche Bastion aus dem frühen 17. Jahrhundert, die ebenfalls erhalten geblieben ist.

Die Relikte aus vielen verschiedenen Jahrhunderten verdeutlichen die lange strategische Bedeutung, welche die Burg Windeck in der umstrittenen Grenzlandschaft des mittleren Siegtals besaß. Hier konkurrierten vom Hochmittelalter bis in die Frühe Neuzeit verschiedenste Akteure - Thüringen, die bergischen Grafen und Herzöge, Kurköln, Sayn, Hessen oder Frankreich - um die Vorherrschaft am Rande des Bergischen Landes. Die Betrachtung der Bau- und Besitzgeschichte offenbart somit eine überregionale Relevanz der nur noch in Ruinen erhaltenen Burg Windeck und die politischen Dynamiken der jeweiligen Zeitabschnitte.
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Baudenkmal, Hinweis
Die Burgruine Windeck ist ein eingetragenes Baudenkmal der Gemeinde Windeck (BauD 78) und wertgebendes Merkmal des historischen Kulturlandschaftsbereiches Siegtal bei Schladern (Regionalplan Köln 470).

(Samuel Dreßen, Digitales Kulturerbe LVR, 2026)

Internet
ebidat.de: Burg Windeck in der EBIDAT-Datenbank des Europäischen Burgeninstituts (abgerufen 07.01.2026)
nsg.naturschutzinformationen.nrw.de: Naturschutzgebiet Siegaue in den Gemeinden Windeck, Eitorf und der Stadt Hennef (SU-026) (abgerufen 08.01.2026)
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Literatur

Friedhoff, Jens (2006)
Die Burgen Alt- und Neu-Windeck. Zwei Burggründungen der Landgrafen von Thüringen am Mittellauf der Sieg. In: Burgen und Schlösser. Zeitschrift für Burgenforschung und Denkmalpflege 47, S. 66-76. o. O.
Holdt, Ulrike (2008)
Die Entwicklung des Territoriums Berg. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, V.16.) Bonn.
Krause, Peter Heinz (2006)
Kanonendonner und Pesthauch. Zur Geschichte der Burg/Feste Windeck an der Sieg und ihrer Rolle im bergischen Amt Windeck unter den Nesselrodern 1431 bis 1663. Siegburg.

Burg Windeck

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
An der Burgruine
Ort
51570 Windeck - Altwindeck
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1174

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
Samuel Dreßen: „Burg Windeck”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356825 (Abgerufen: 19. Januar 2026)
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