Viktoriabad in Bonn

erstes Hallenbad in Bonn

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Fachsicht(en): Denkmalpflege, Architekturgeschichte
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 44′ 6,4″ N: 7° 06′ 17,26″ O 50,73511°N: 7,10479°O
Koordinate UTM 32.366.263,14 m: 5.622.081,73 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.578.037,30 m: 5.622.761,55 m
  • Fassade mit Kunstharzfenster des Viktoriabads am Bonner Belderberg (2013)

    Fassade mit Kunstharzfenster des Viktoriabads am Bonner Belderberg (2013)

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    Gerhard Geiß
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  • Schwimmhalle des alten Bonner Victoriabads (1906).

    Schwimmhalle des alten Bonner Victoriabads (1906).

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  • Schwimmhalle des alten Victoriabads in Bonn (1915)

    Schwimmhalle des alten Victoriabads in Bonn (1915)

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  • Bonner Schwimmverein zur Eröffnung des Viktoriabads (1906)

    Bonner Schwimmverein zur Eröffnung des Viktoriabads (1906)

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  • Werbeplakat von Adolfo Hohenstein, Städtisches Victoriabad / Bonn (1910)

    Werbeplakat von Adolfo Hohenstein, Städtisches Victoriabad / Bonn (1910)

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  • Innenraum des Bonner Viktoriabads mit Blick auf das Kunstharzfenster (2012)

    Innenraum des Bonner Viktoriabads mit Blick auf das Kunstharzfenster (2012)

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  • Denkmalgeschütztes Kunstharzfenster im Bonner Viktoriabad (2013)

    Denkmalgeschütztes Kunstharzfenster im Bonner Viktoriabad (2013)

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    Gerhard Geiß
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  • Detail der Glasmalerei auf dem Kunstharzfenster im Bonner Viktoriabad (2012)

    Detail der Glasmalerei auf dem Kunstharzfenster im Bonner Viktoriabad (2012)

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  • Signatur (WJ.70) des Künstlers Wilhelm Jungeherz auf dem Kunstharzfenster des Viktoriabads in Bonn.(2021)

    Signatur (WJ.70) des Künstlers Wilhelm Jungeherz auf dem Kunstharzfenster des Viktoriabads in Bonn.(2021)

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  • Skulptur "Bonner Wand Relief" von Günter Ferdinand Ris für das Bonner Viktoriabad (2021)

    Skulptur "Bonner Wand Relief" von Günter Ferdinand Ris für das Bonner Viktoriabad (2021)

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  • Ehemaliger Eingang zum Viktoriabad, Blick auf das Stadtmuseum Bonn und das Café Blau (2016)

    Ehemaliger Eingang zum Viktoriabad, Blick auf das Stadtmuseum Bonn und das Café Blau (2016)

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  • Hinweis auf das Programm der "Vaterländischen Festspiele 1927" in Bonn, die vom 26. Juni bis 3. Juli 1927 in verschiedenen Bonner Sportstätten ausgerichtet wurden (General-Anzeiger vom 25. Juni 1927).

    Hinweis auf das Programm der "Vaterländischen Festspiele 1927" in Bonn, die vom 26. Juni bis 3. Juli 1927 in verschiedenen Bonner Sportstätten ausgerichtet wurden (General-Anzeiger vom 25. Juni 1927).

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    unbekannt / Sammlung Klaus Rick
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    unbekannt (Sammlung Klaus Rick)
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Das erste Hallenbad Bonns wurde 1906 als repräsentativer Bau im Stil der Neurenaissance errichtet, um dort ganzjährig Schwimmsport, Schauschwimmen und Heilbäder zu ermöglichen. 1971 wurde dieser Bau durch eine sachlich gehaltene Architektur ersetzt, die durch eine Frontfassade hervorsticht mit einem großflächigen, mittlerweile denkmalgeschützten Glasgemälde aus Kunstharz von Wilhelm Jungherz aus dem Bauatelier Gottfried Böhm. Seit 2010 steht das Viktoriabad leer. Der Schwimmbadbetrieb wurde zugunsten einer Umgestaltung des umgebenden Viktoriaviertels eingestellt, die sich jedoch weiterhin in Aushandlung befindet.

Tradition des Rheinschwimmens am Anfang des 20. Jahrhundert in Bonn
Kleine Geschichte des Victoriabads als erstes Bonner Hallenbad (1906-1969)
Neubau des Viktoriabads 1971
Kunst am Bau oder Kunst als Bau: ein Glasfenstergemälde von Wilhelm Jungherz aus dem Bauatelier Gottfried Böhm
Viva Viktoria! - Ein umkämpfter Ort im Bonner Zentrum

Tradition des Rheinschwimmens am Anfang des 20. Jahrhundert in Bonn
Schon früh im 19. Jahrhundert bildete sich eine Schwimmkultur in Bonn heraus, die eng mit dem Rhein verbunden war. Vor dem Alten Zoll zwischen den beiden Fährgassen wurde der erste von bald mehreren Schwimmplätzen eröffnet. In den 1890er-Jahren kamen die sogenannten „Badeschiffe“ dazu, die es als geschlossene Badeanstalten zu bestimmten Zeiten auch Frauen erlaubten zu schwimmen. So entwickelten sich die Bäder am Rhein zum Treffpunkt für die schwimmende Jugend in Bonn, woraus sich 1905 der erste Bonner Schwimmverein gründete. Beim Schwimmen im Rhein war man allerdings stark abhängig von der Witterung, und der Wassersport musste im Winter pausiert werden. Das wachsende Interesse am Schwimmen war dabei nur ein Aspekt, der zum Bau des ersten Hallenbads in Bonn führte. Außerdem wollte man durch ein öffentliches Bad zur Hygiene und Körperpflege in der Stadtbevölkerung beitragen. Ein Großteil der Bonner*innen hatte Anfang des 20. Jahrhunderts keine Möglichkeiten im eigenen Wohnraum zum Baden und zur umfassenden Körperhygiene.
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Kleine Geschichte des Victoriabads als erstes Bonner Hallenbad (1906-1969)
Das Victoriabad wurde auf einer der ältesten Siedlungsflächen in Bonn errichtet. Hier haben sich in Zeiten der römischen Besatzung ein Lager und im späten Mittelalter das Franziskanerkloster befunden. Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster in preußische Verwaltungsgebäude umgewandelt. Der weitläufige Innenhof und der alte Kreuzgang der ehemaligen Klosteranlage ließen jedoch noch Freiraum in dem Karee, sodass an dieser Stelle 1903 mit dem Bau des ersten Hallenbads von Bonn zentral gegenüber der Universität begonnen wurde. Die Baupläne des Victoriabads im Stil der Neurenaissance stammen von dem Stadtbaumeister Rudolf Schultze (1854-1935), und die künstlerische Gestaltung des Innenraums ist größtenteils auf den Bildhauer und Maler Karl Menser (1872-1929) zurückzuführen. Das Schwimmbad sollte zwar auch als repräsentativer Austragungsort von Wettkämpfen und Schauschwimmen dienen, jedoch konnte der Außenbau wegen des Standorts im Innenhof sehr schlicht gehalten werden. Das Eingangsportal an der Franziskanerstraße und die Innenausstattung weckten dagegen in der detailreichen Dekoration und durch die hochwertigen Baumaterialien Assoziationen mit Thermenanlagen der römischen Antike. Insbesondere die ausladenden Treppenaufstiege und die Arkadenbögen mit korinthischen Säulen, die die zwei großen Schwimmbecken umrahmten, erschienen in ihrer Form fast tempelartig.

Das Schwimmbad hatte eine Vorhalle mit Kasse und Wäscheausgabe. Im Untergeschoss befanden sich Wannen- sowie Duschbäder für Männer für die tägliche Hygiene, und im Obergeschoss lagen die Schwitz- und Heilbäder. Im Erdgeschoss befanden sich eine Schwimmhalle für Frauen (18 x 8 Meter) mit vorgelagerten Wannenbädern und einem Ruheraum sowie die Schwimmhalle für Männer (21 x 11 Meter). Die Halle für Frauen hatte eine umlaufende Galerie, die in zwei Geschosse unterteilt war mit großem Mittelschiff, einem kleinen Seitenschiff und Nischen mit Sitzbänken. Die Farben der Bodenplatten und Mamorsäulen waren in kräftigem Rot und Grün gehalten. Die Schwimmhalle der Männer war etwas größer mit zwei Seitenschiffen und großem Mittelschiff, das vom Tageslicht durchflutet wurde. Ein aus wasserspeienden Phantasiewesen gestalteter Brunnen sorgte für einen ständigen Zulauf von frischem Wasser in das große blau geflieste Schwimmbecken.

Am 1. Februar 1906 wurde das Hallenbad zeremoniell eröffnet mit einem Schauschwimmen und Kürspringens des Bonner Schwimmvereins vor geladenen Gästen wie der Namensgeberin Prinzessin Victoria Schaumburg-Lippe, Schwester des damaligen Kaisers Wilhelm II., dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz, dem Regierungspräsidenten und dem Bonner Oberbürgermeister Wilhelm Spiritus. Am 8. Februar durften dann rund 300 Bonner Stadtbewohner das städtische Hallenbad einweihen. In der Badeordnung der damaligen Zeit ist ein strikt begrenzter Aufenthalt vermekt: Der Besuch „in der Schwimmhalle darf einschließlich des Aus- und Ankleidens 50 Minuten nicht überschreiten“. Disziplin wurde außerdem in der angemessenen Bekleidung und im Umgang mit Hygiene gefordert: Verboten sei „das Baden ohne Badehosen oder Schwimmanzug ... ebenso das Betreten des äußeren Umganges in halb oder ganz entkleidetem Zustande. Unsaubere, mit Hautausschlag, Haarkrankheiten oder anderen Anstoß erregenden Krankheiten behaftete Personen werden zu den Schwimm- und Heilbädern nicht zugelassen.“

Während des Ersten Weltkriegs wurde das Schwimmbad insbesondere für Verwundete und Soldaten offen gehalten. 1918 musste es dann wegen Kohlemangel geschlossen werden. Die Schwimmbecken wurden geleert und dienten bis zur temporären Übernahme durch die Besatzungsmächte als Kartoffellager.
Mit der Einführung des Schwimmunterrichts an Bonner Schulen im Jahr 1924 nutzten auch vermehrt Schulklassen das Victoriabad. Außerdem wandelten sich in den 1920er-Jahren die Ausstattung und die Bademöglichekeiten in den privaten Wohnungen stark, wodurch sich auch die Ansprüche an das Hallenbad veränderten. So wurden beispielsweise die Wannenbäder durch weitere Heilbäder, elektrische Wasserbäder oder Trockenraum-Inhalatorien ersetzt.

1943 und 1944 wurde das Victoriabad durch Bombenangriffe stark beschädigt. Der Wiederaufbau begann mit der Männerschwimmhalle zügig, aber provisorisch und angepasst an den Materialmangel der Nachkriegszeit. Bis Ende 1950 waren die Sanierungsarbeiten an beiden Schwimmhallen und dem Heilbädertrakt abgeschlossen. Knapp 20 Jahre später entschied man sich dann zu einem Neubau des Hallenbads am gleichen Standort, um auf den Bedarf der annwachsenden Stadtbevölkerung der vorläufigen Hauptstadt der Bundesrepublik zu reagieren und um die Technik und die Architektur dem Zeitgeist der 1970er-Jahre anzupassen.
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Neubau des Viktoriabads 1971
Mit dem Neubau ging auch eine angepasste Schreibweise einher: Aus dem c in „Victoria“ mit Bezug zur Namensgeberin, der Prinzessing Victoria Schaumbur-Lippe, wurde ein k. Das neue Viktoriabad konnte das alte in seiner Funktion vollständig ersetzen, aber zeigt eine gänzlich andere, fast gegensätzliche Architektursprache: Die historisierende Ornamentik des alten Bades wurde abgelöst durch eine klare, sachliche und an der Funktionalität orientierten Formensprache. Der Entwurf der Stahlbetonkonstruktion stammt von dem Architekten Goswin Weltring. Der Neubau orientierte sich wieder stärker am Grundriss des ehemaligen Franziskanerklosters, sodass Grünflächen und ein großer Parkplatz im Innenhof für Autos der Badegäste eingeplant werden konnten. Der neue Heilbädertrakt wurde entlang der Franziskanerstraße ausgerichtet, und das Hallenbad mit Mehrzweck- und Lehrschimmbecken entstand mit Front zum Belderberg.
Mit der Wiedereröffnung 1971 ist das Viktoriabad neben dem Frankenbad, dem Kurfürstenbad, der Beueler Bütt und dem Hardtbergbad das fünfte Hallenbad der Stadt gewesen. Bedeutend war es über die Jahrzehnte wegen der zentralen Lage und dem Charakter eines Sport- und Familienbads. Außerdem war der Boden des Schwimmbeckens höhenverstellbar, womit sich das Bad an die körperlichen Bedarfe verschiedener Schwimmer*innen anpassen ließ.
In den 1990er-Jahren wurde der Heilbädertrakt wegen mangelnder Nachfrage aufgegeben. Die frei gewordene Fläche wird bis heute durch das Stadtmuseum Bonn, durch die Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus (An der Synagoge e.V.) sowie durch das Café Blau genutzt.
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Kunst am Bau oder Kunst als Bau: ein Glasfenstergemälde von Wilhelm Jungeherz aus dem Bauatelier Gottfried Böhm
Die 240 Quadratmeter große Fensterfront hin zum Belderberg (30 x 8 Meter) wurde nicht durch den Architekten des Bades gestaltet, sondern im Rahmen eines eigenen Planungswettbewerbs im Bauatelier Gottfried Böhm von Wilhelm Jungherz entworfen. Die Fensterfassade sollte für angenehme Lichtverhältnisse in der Schwimmhalle sorgen, einen Sicht- und Lärmschutz bieten und der hohen Luftfeuchtigkeit im Schwimmbad standhalten. Umgesetzt wurde die technische Planung in Zusammenarbeit mit der Kölner Glaswerkstatt Boltz & Miesen. Dieser Planung entsprechend hält ein großes Stahlrahmenskelett das Gewicht der 296 Kunstharzscheiben, die zusammen ein buntes Gemälde bilden. Die Glasmalerei trägt den Namen „Geysirlandschaft mit roter Sonne“ und zeigt in abstrahierter Form Wellen und Wasserfontänen im roten Licht einer tiefstehenden Sonnenkugel. Die Farbwirkung entsteht ähnlich wie bei Kirchenfenstern in der Wechselwirkung zwischen dem Innen- und dem Außenraum: So leuchtet das bunte Harzfenster bei Tageslicht von außen nach innen und bei künstlicher Innenbeleuchtung am Abend von innen nach außen hin zum Belderberg. Das Wasser im Schwimmbecken des Hallenbads stand ebenso durch Lichtreflektionen mit der Fenstermalerei in Wechselwirkung.
2013 wurde die Fensterfront bestehend aus Kunstharzfenster und den rahmenden Travertinplatten unter Denkmalschutz gestellt. In der Zeitschrift der Denkmalpflege im Rheinland wurde zum Wert der Fensterfront erläutert: „Das Fenster zeichnet sich nicht allein durch seine ungewöhnliche Größe, sondern auch durch seine besondere Technik aus, denn es entstand nicht aus einzelnen Stücken oder aufgemalten Motiven, sondern die Malerei wurde flüssig, quasi ‚al-fresco' aufgetragen. [...] Durch die neue Technik war es dem Künstler möglich, malerischer vorzugehen als in herkömmlichen Glasmalereiverfahren. Auf Konturen wird weitgehend verzichtet, so dass die Farbe dominiert. Dadurch entsteht eine geradezu impressionistische Farbwirkung.“ (Schyma 2013).
Etwa zeitgleich in ähnlicher Technik wurden auch die Kunstharzfenster in der Kirche Christi Auferstehung in Köln-Lindenthal von Gottfried Böhm entworfen. In einigen Quellen taucht daher Gottfried Böhm selbst auch als Künstler des Kunstharzfensters am Viktoriabad auf. Die Signatur WJ.70, die sich auf der Innenseite des Fensters am rechtsunteren Rand finden lässt, weist jedoch auf den Autoren Wilhelm Jungherz und die Entstehungszeit 1970 hin. Wilhelm Jungherz war als künstlerischer Mitarbeiter im Bauatelier Gottfried Böhm tätig und übernahm die Planung und Umsetzung des Glasgemäldes.

Ein weiteres Kunstwerk wurde für den Neubau des Viktoriabads von dem Bildhauer Günter Ferdinand Ris 1972 geschaffen: das Bonner Wand Relief. Es befindet sich oberhalb der Durchfahrt zum Innenhof an der Franziskanerstraße. In der raumgreifenden Skulptur laufen zwei Bänder aus Edelstahl wellenförmig aufeinander zu. Am Punkt des Aufeinandertreffens der Wellen bildet sich eine Aufwerfung. Motivisch nimmt auch dieses Kunstwerk eindeutigen Bezug zum Wasser und damit zum Schwimmbad.
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Viva Viktoria! - Ein umkämpfter Ort im Bonner Zentrum
Seit Ende Mai 2010 wird im Viktoriabad nicht mehr geschwommen. Nachdem die technische und auch bauliche Instandhaltung über Jahre vernachlässigt wurde, mussten die Betriebsanlagen des Hallenbads wegen Baufälligkeit stillgelegt werden. Die Schließung des Bades steht im Kontext größerer stadtpolitischer Entwicklungsprozesse wie dem Vorhaben, das zentral gelegene Viktoriaviertel durch eine veränderte Nutzung aufzuwerten, sowie der städtischen Finanzknappheit infolge von baulichen Großprojekten (z.B. dem Bau des World Conference Centers).

Zum Erhalt des Hallenbads in seiner Funktion und seiner Architektur gründete sich der Verein „Unser Viktoriabad e.V.“, der sich stark für die denkmalrechtliche Würdigung der Glasfensterfront einsetzte. Auch der Verein „Viva Viktoria e.V.“ setzte sich durch ein Bürgerbegehren im Jahr 2015 gegen den Bau einer Shoppingmall und dem damit verbundenen Abriss des ehemaligen Schwimmbads ein. Angeschlossen wurde im Jahr 2017 eine Bürgerwerkstatt zur Förderung der Bürger*innenbeteiligung in dem Planungsprozess rund um das Viktoriaviertel. Das beschlossene Strukturkonzept sieht eine Beibehaltung der kleinteiligen, gemischten Nutzung durch Einzelhandel, Gastronomie und Wohnraum vor.
Im Juni 2021 wurde dieses Konzept noch einmal im Bereich des alten Viktoriabads modifiziert. Hier wird in Zukunft eine neue Bibliothek der Universität Bonn als „Forum des Wissens“ entstehen, deren Bau die denkmalgeschützte Fassade in angemessener Form einbinden soll.
Derzeit dient das leerstehende Schwimmbecken als Veranstaltungsort beispielsweise für Klanginstallationen des Bonner Kunstmuseums oder für Ausstellung durch das „Vorum Viktoriabad“. Was bei einem geplanten Abriss des Viktoriabad-Komplexes mit den Ausstellungs- und Archivflächen des Stadtmuseums und der Gedenkstätte und auch mit der Ris-Skulptur passiert, steht im Augenblick noch offen.
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(Nele Steffen, LVR-Redaktion KuLaDig, 2021)

Quellen
Stefanie Pasternok: Viktoriabad (Bacherlorarbeit, Kunsthistorisches Institut der Universität Bonn, 2014)

Freundliche Hinweise und Innenaufnahmen des Viktoriabads von Herrn Gerhard Geiß und von Herrn Alexander Kleinschrodt (Werkstatt Baukultur Bonn).

Internet
www.swb-konzern.de: Stadtwerke Bonn -1906 Erstes Hallenbad (abgerufen 15.08.2021)
ssfbonn.de: Schwimm- und Sportfreunde Bonn 1905 e.V. - Chronik 1905-1955 (abgerufen 15.08.2021)
www.viktoriabad.de: „Unser Viktoriabad e.V.“ - Geschichte (abgerufen 15.08.2021)
viva-viktoria.de: „Viva Viktoria e.V.“ - Über uns (abgerufen 15.08.2021)
general-anzeiger.de: General Anzeiger (29.06.21): Rat gibt grünes Licht für Uni-Projekt im Viktoriakarree (abgerufen 15.08.2021)
www.bonn.de: Stadt Bonn: Bürgerwerkstadt Viktoriakaree (abgerufen 15.08.2021)

Literatur

Höröldt, Dietrich (1989)
Geschichte der Stadt Bonn in vier Bänden. Bonn.
Pasternok, Stefanie (2015)
Viktoriabad. (Architekturführer der Werkstatt Baukultur Bonn Band 5.) Berlin.
Schyma, Angelika (2013)
Das Kunstharzfenster im Viktoriabad Bonn. In: Denkmalpflege im Rheinland, Nr.30, S. 126-130. o. O.

Viktoriabad in Bonn

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Franziskanerstraße 9
Ort
53111 Bonn - Zentrum
Fachsicht(en)
Denkmalpflege, Architekturgeschichte
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1906

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Nele Steffen: „Viktoriabad in Bonn”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-341991 (Abgerufen: 4. Juli 2022)
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