Architektur steht nie allein – Gottfried Böhm zum 100. Geburtstag

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Architekturgeschichte
  • Technisches Rathaus in Bergisch Gladbach-Bensberg (2014)

    Technisches Rathaus in Bergisch Gladbach-Bensberg (2014)

    Copyright-Hinweis:
    Knieps, Elmar / Landschaftsverband Rheinland
    Fotograf/Urheber:
    Elmar Knieps
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Ansicht der Godesburg von Bad Godesberg aus (2018).

    Ansicht der Godesburg von Bad Godesberg aus (2018).

    Copyright-Hinweis:
    Weber, Florian / Landschaftsverband Rheinland
    Fotograf/Urheber:
    Florian Weber
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Der Architekt Gottfried Böhm feierte im Januar 2020 seinen 100. Geburtstag. Zu diesem besonderen Anlass fanden und finden zahlreiche Veranstaltungen, Vorträge und Ausstellungen statt, die Böhms Lebenswerk im angemessenen Rahmen umfassend darstellen und die ihn als Person mit aller Anerkennung und aller erdenklichen Ehre, die er und sein außergewöhnliches Werk verdienen, würdigen. Mit diesem Beitrag möchten wir uns der Schar der Gratulanten anschließen, denn wir sehen eine Gemeinsamkeit zwischen Böhms Herangehensweise an den Architekturentwurf von der einen Seite, der Seite des Bauens, der Erschaffung von Orten, und dem Selbstverständnis von KuLaDig von der Seite, der Auswahl von Gebautem und der Erklärung von Orten. Schnittpunkt / Anknüpfungspunkt beider Ansätze ist die Betrachtung von Gesamtheiten, denn Bauten stehen immer in einem gegebenen räumlichen Gefüge – in einer Stadt, in einem Dorf oder auch in einem Landschaftsraum.

Gottfried Böhms besondere, ausdrucksstarke und von der ersten Entwurfsskizze bis ins Detail funktional und konstruktiv durchdachte und im Raumerlebnis so stimmige Architektur steht nie für sich. Sie ist vielmehr bewusst durch ein Thema geprägt, das seine Bauwerke miteinander verbindet: Innen und Außen fließen schwellenlos ineinander über. „Stadt wie Haus - Haus wie Stadt“ nennt es Georg Feinhals, einer seiner langjährigen Assistenten am Lehrstuhl für Stadtbereichsplanung und Werklehre der RWTH Aachen, und stellt den Bezug zu Andrea Palladio her. Das Einzelelement ist ein Teil eines Gesamtkomplexes (Feinhals 1990, S. 53; Palladio 1982, S. 163). Jan Pieper, ebenfalls viele Jahre lang Lehrstuhlassistent bei Gottfried Böhm an der RWTH, spricht von einem Credo in Böhms Entwurfslehre „…, dass Architektur niemals für sich allein entsteht, sondern dass wesentliche Konstituenten der Bauform und der Binnengliederung eines Gebäudes von seinem städtebaulichen Umfeld vorgegeben werden.“ (Pieper 2010, S. 16-17).

Bedeutsam ist also der Zusammenhang, denn Architektur ist kein solitäres ausgestelltes Kunstwerk, vielmehr bestimmt - bei Erfüllung von Raumprogramm, funktionaler Stimmigkeit und sinnvoller Konstruktion – wesentlich das bauliche Umfeld den Entwurf und damit die Bauform bis hin zur Binnengliederung des jeweiligen Objektes.
Durch diesen Schwung, diese Zwiesprache, durch diese Bewegung, die das Bauwerk vorgibt, entfaltet die Architektur ihre räumliche Dimension. In der Aufnahme der Umgebung, in der Antwort und Interpretation entsteht Architektur in engem Wechselspiel mit dem Vorhandenen, es entsteht eine Architektur, die sich öffnet, die einlädt, auffordert, leitet, die hinführt, verbindet, die durch Einsatz von Konstruktion, Material, Form, Licht und Farbe im Gehen zum Erlebnis wird und die in der Nutzung, vor allem in der Bewegung, vollends erst wahrgenommen und erfahren wird. Im Wechselspiel entsteht die Gesamtheit.

Das Fachinformationssystem KuLaDig setzt an der Gesamtheit an: in der Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen ist es ein Ziel, im Austausch und in der Ergänzung von Informationen die Zwischenräume und Übergänge zu erklären, die Einbindung von Objekten sowohl im städtischen als auch im landschaftlichen Raum zu bestimmen und damit den Wert des Ganzen zu definieren. Denn das Einzelne ist Teil des Ganzen und nur verständlich aus dem Zusammenhang.

Objekte erschaffen (Gottfried Böhm) - Objekte erklären (KuLaDig).

Fünf prominente Beispiele aus Böhms architektonischem und städtebaulichem Werk zeigen die Einbindung, die Bewegung und die Übergänge in seiner Architektur:


(Elke Janßen-Schnabel, 2020)

Literatur

Feinhals, Georg / Kauhsen, Bruno (Hrsg.) (1990)
Der Aachener Dom – Entwurfsprinzipien für die Architektur heute? In: Architektur – Zusammenhänge. Festschrift für Gottfried Böhm, S. 53-59. München.
Kauhsen, Bruno (Hrsg.) (1990)
Architektur – Zusammenhänge, Festschrift für Gottfried Böhm. München.
Palladio, Andrea / Beyer, Andreas (Hrsg.) (1986)
Die vier Bücher zur Architektur - I quattro libri dell'architettura. (nach der Ausgabe Venedig 1570 aus dem Italienischen übertragen von Andreas Beyer). Darmstadt.
Pehnt, Wolfgang (1999)
Gottfried Böhm. (Studio-Paperback.) Basel. Online verfügbar: Inhaltsverzeichnis, abgerufen am 29.04.2020
Pieper, Jan (2010)
Unter den Augen von Gottfried Böhm. In: Bauwelt, Heft 4, 2010, S. 12-23. o. O.
Voigt, Wolfgang (Hrsg.) Deutsches Architekturmuseum (Hrsg.) (2006)
Gottfried Böhm. Katalogbuch anlässlich der Ausstellung "Felsen aus Beton und Glas. Die Architektur von Gottfried Böhm" vom 26. August bis 5. November 2006. Berlin.

Architektur steht nie allein – Gottfried Böhm zum 100. Geburtstag

Schlagwörter
Fachsichten
Architekturgeschichte

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Architektur steht nie allein – Gottfried Böhm zum 100. Geburtstag”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-311651 (Abgerufen: 4. Juni 2020)
Wir verwenden Cookies, um die Nutzbarkeit unserer Seiten zu optimieren. Falls Sie mit der Speicherung von Cookies nicht einverstanden sind, finden Sie weitere Informationen auf unserer Internetseite.
Seitenanfang