Bibliothek Germania Judaica

Kölner Bibliothek zur Geschichte des deutschen Judentums

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 56′ 3,27″ N: 6° 56′ 57,01″ O / 50,93424°N: 6,94917°O
Koordinate UTM 32.355.896,97 m: 5.644.515,10 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.566.766,44 m: 5.644.760,40 m
  • Blick auf die 1979 errichtete Zentrale der Kölner Stadtbibliothek im Kulturquartier am Josef-Haubrich-Hof (2015).

    Blick auf die 1979 errichtete Zentrale der Kölner Stadtbibliothek im Kulturquartier am Josef-Haubrich-Hof (2015).

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    Aranas, Uwe / CEphoto / CC BY-SA 3.0
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Die Germania Jucaica (GJ) ist eine wissenschaftliche Spezialbibliothek zur Geschichte des deutschsprachigen Judentums. Ihr Anliegen ist es, „die Öffentlichkeit nicht nur über die Geschichte des Judentums in Deutschland zu informieren, sondern auch das jüdische Leben heute in seiner Vielfalt zu zeigen.“ (www.stadt-koeln.de)
Die Bestände der GJ sind ein Teil der Kölner Stadtbibliothek, die 1890 als Volksbibliothek eröffnet und 1966 in Stadtbücherei Köln umbenannt, seit 1979 ihre Zentrale im Kulturquartier am Josef-Haubrich-Hof in unmittelbarer Nähe des Neumarkts hat. Die Bestände der Germania Jucaica befinden sich hier im 3. Stockwerk.

Gründung der GJ
Die Germania Jucaica wurde nach einer ab Januar 1958 erfolgten ersten Ideenfindung im Jahr 1959 „aus der Erkenntnis, dass die Öffentlichkeit nur unzureichend über die Geschichte des Judentums in Deutschland informiert ist“ auf Initiative von Kölnern als privater Verein bzw. Bürgerinitiative gegründet. Gemeinsamer Wunsch war die Schaffung eines wirksamen Instruments gegen den knapp 15 Jahre nach dem Ende der NS-Terrors immer noch virulenten Antisemitismus in Deutschland.
Zeitnah wurden während der so genannten „antisemitischen Schmierwelle“ Ende der 1950er Jahre zahlreiche jüdische Einrichtungen geschändet, u.a. 1959 die Düsseldorfer Synagoge mit Hakenkreuz-Schmierereien und die Kölner Synagoge mit Hakenkreuzen und der Aufschrift „Deutsche fordern: Juden raus“.
Wohl auch inspiriert durch den Besuch des bedeutenden Religionsphilosophen Martin Buber (1878-1965) am 17. Juni 1958 in Köln, von dem die Idee der Germania Jucaica unterstützt wurde, waren die Gründer der Überzeugung, „dass Unkenntnis Vorurteile begünstigt und wollten eine Einrichtung schaffen, die den nachfolgenden Generationen Zeugnis geben kann von Geschichte und Kultur des deutschen Judentums“. Man fühlte nicht nur eine Verantwortung für das überkommene Erbe des deutschen Judentums, sondern auch die Verpflichtung gegenüber „den Nachfolgegenerationen der Deutschen, die ihre Geschichte nicht ohne die Geschichte der Juden verstehen werden.“ (www.stadt-koeln.de)

Zu den Gründervätern der Germania Jucaica gehörten u.a.

  • Heinrich Böll (1917-1985), bedeutender Schriftsteller der deutschen Nachkriegszeit und späterer Nobelpreisträger für Literatur 1972,
  • Ernst Brücher (1925-2006), Verleger des Kölner DuMont-Kunstbuchverlags,
  • Kurt Hackenberg (1914-1981), von 1955 bis 1979 Beigeordneter für Kunst und Kultur der Stadt Köln,
  • Paul Schallück (1922-1976), Kölner Schriftsteller und
  • Wilhelm Unger (1904-1985), Kölner Journalist.

Als wichtiger Förderer der GJ wurde in den Festvorträgen 2019 auch wiederholt der Kölner Bankier Iwan-David Herstatt (1913-1995) genannt. Viele personelle und natürlich auch inhaltliche Überschneidungen gab es – und gibt es bis heute – mit der 1958 gegründeten Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

Der erste Standort der Germania Jucaica war eine Wohnung in der Kölner Merlostraße im Agnesviertel in Neustadt-Nord, wo man den Grundstock einer Literatursammlung zusammentrug. Die ersten etwa 180 Bände waren zumeist Geschenke von der Londoner Wiener Library for the Study of the Holocaust and Genocide und der New Yorker Memorial Library des Leo Baeck Instituts.
Mitte der 1970er Jahre übernahmen das Land Nordrhein-Westfalen (bis 2005) und die Stadt Köln den größten Teil der Kosten der Germania Jucaica und sicherten damit deren Bestand.
Mit dem 1979 erfolgten Umzug in die neu errichtete Kölner Zentralbibliothek erfüllte sich „der Anspruch der Gründerväter, dass die Bibliothek für alle zugänglich sein sollte“ durch die nunmehr größere Aufmerksamkeit und den beträchtlichen Zuwachs an Nutzungen – so die Judaistin Annette Haller (1958-2017), die die GJ seit 1993 leitete (dies. in Gelber u.a. 2009, S. 494).

Bestände
Primäres Sammelgebiet der Germania Judaica ist die lokale und regionale Literatur zur Geschichte des deutschsprachigen Judentums in Deutschland seit der Frühen Neuzeit.
Als wichtige weitere Sammlungsschwerpunkte gelten darüber hinaus auch die allgemeine jüdische Geschichte und Kultur mit Themen im Kontext des historischen und des modernen Antisemitismus, die Geschichte des Zionismus und der Konflikte im Nahen Osten (Israel / Palästina) sowie die Darstellung des Judentums in Literatur, Kunst und Film.
Mit etwa 90.000 Bänden besitzt die Germania Judaica die größte jüdische Sammlung in Deutschland und in Europa. Darüber hinaus sind ca. 500 deutsche und jüdische Zeitungen und Zeitschriften verfügbar und die Bibliothek pflegt rund 100 entsprechende Abonnements.

Als thematische Spezialbibliothek versteht die Germania Judaica ihre Aufgabe jedoch nicht nur im Sammeln, Bewahren und Bereitstellung ihrer Literaturbestände. Darüber hinaus steht die GJ auch in einem aktiven und produktiven Austausch mit anderen Fachinstitutionen im In- und Ausland und der breiten Öffentlichkeit.

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2019)

Quelle
Festvorträge anlässlich der Jubiläumsveranstaltung ‚60 Jahre Germania Jucaica 1959-2019‘ am 30.10.2019 in Köln.

Internet
www.stadt-koeln.de: Germania Jucaica, Kölner Bibliothek zur Geschichte des Deutschen Judentums e. V. (abgerufen 04.11.2019)
de.wikipedia.org: Germania Jucaica (abgerufen 04.11.2019)
www.koelnische-gesellschaft.de: Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V. (abgerufen 06.11.2019)

Literatur

Gelber, Mark H.; Hessing, Jakob; Jütte, Robert (Hrsg.) (2009)
Integration und Ausgrenzung. Studien zur deutsch-jüdischen Literatur- und Kulturgeschichte von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart / Festschrift für Hans Otto Horch zum 65. Geburtstag. Tübingen.
Wilhelm, Jürgen (Hrsg.) (2008)
Das große Köln-Lexikon (2. Auflage). S. 170, Köln.

Bibliothek Germania Judaica

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Josef-Haubrich-Hof 1
Ort
50676 Köln - Altstadt-Süd
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1959

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Bibliothek Germania Judaica”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-299104 (Abgerufen: 13. November 2019)
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