Hansahochhaus in Neustadt-Nord

Hansaturm

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Architekturgeschichte
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 56′ 56,6″ N: 6° 57′ 5,5″ O 50,94906°N: 6,95153°O
Koordinate UTM 32.356.108,39 m: 5.646.157,76 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.566.910,92 m: 5.646.410,62 m
  • Das Hansahochhaus in Köln vom Hansaring aus gesehen (2021).

    Das Hansahochhaus in Köln vom Hansaring aus gesehen (2021).

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    Julian Weller / CC BY 4.0
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  • Das Hansahochhaus in Köln im Abendlicht mit Leuchtreklame (2021).

    Das Hansahochhaus in Köln im Abendlicht mit Leuchtreklame (2021).

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    Julian Weller / CC BY 4.0
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  • Fassadenschmuck am Hansahochhaus in Köln (2021).

    Fassadenschmuck am Hansahochhaus in Köln (2021).

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  • Das Hansahochhaus in Köln vom Inneren Grüngürtel aus gesehen (2021)

    Das Hansahochhaus in Köln vom Inneren Grüngürtel aus gesehen (2021)

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Das Hansahochaus, benannt nach seinem Standort am Hansaring, ist das erste Hochhaus Kölns und wurde 1924-1925 nach den Plänen des Architekten Jacob Koerfer (1875-1930) gebaut.

Vorgeschichte
Der Bau des Hansahochhauses geht auf die Initiative des Architekten Jacob Koerfer zurück. Koerfer hatte bis 1906 selbst im städtischen Hochbauamt Kölns gearbeitet und war als Architekt bereits bekannt, nachdem der Industriehof in der Krebsgasse und der Schwerthof am Neumarkt nach seinen Plänen gebaut worden waren.
Im Januar 1924 warb Koerfer bei der Stadt darum am Hansaring eine Autogarage für 150 Autos und ein Büro- und Ausstellungsgebäude zu errichten. Seine ersten Planungen sahen dabei noch kein Hochhaus, sondern ein Gebäude mit fünf Etagen vor. Als Standort hatte Koerfer einen Spielplatz am Hansaring ausgesucht. Der, seiner Meinung nach, zu feuchte und somit nicht nutzbare Spielplatz ließ zudem vom Hansaring aus den Blick auf den Güterbahnhof und die hochliegende Bahntrasse frei, an deren Standort sich heute der Mediapark befindet. Der Bereich des heutigen Mediaparks war damals ein Güterbahnhof (vergleiche Preußische Neuaufnahme im Kartentool). Koerfer wollte diese Lücke im Straßenbild schließen und fand rasch Zustimmung für seine Pläne. Nachdem der Städtebauausschuss der Stadtverordneten-Versammlung das Wilhelm-Marx-Haus, ein Hochhaus in Düsseldorf, besichtigt hatte, stimmte man Koerfers Plänen zu und forderte sogar, dass der Turmbau eine Etage mehr als geplant haben solle. Kurz darauf stimmte auch der Minister für Volkswohlfahrt dem Bau zu und schon im März 1924 wurde mit dem Bodenaushub begonnen. Dass das Ministerium dem Bau eines Hochhauses überhaupt zustimmen konnte, ging dabei auf eine Ausnahmeregelung des deutschen Wohlfahrtsministeriums aus dem Jahr 1912 zurück, welche die Baugenehmigung von Hochhäusern gestattete.

Bau
Die Baugrube war etwa 60 Meter breit, 77 Meter lang und 3,50 Meter tief. Aus statischen Gründen musste die Grube im Bereich des ehemaligen Festungsgrabens 10,80 Meter tief ausgehoben werden. Die Baugrube wurde nicht mit Kränen, sondern von Hand und mit zweirädrigen Pferdekippkarren ausgeschaufelt. An manchen Tagen wurde bei einer Arbeitszeit von zehn Stunden bis zu 500 Kubikmeter Erde abgetragen. Die restlichen Bauarbeiten waren jedoch weitgehend mechanisiert, sodass der Rohbau nach nur fünf Monaten fertiggestellt werden konnte - geplant hatte man mit acht Monaten. Für die Fassade hatte Koerfer einen rot- und braunvioletten oldenburgischen Maschinenklinker gewählt. Für die Fenstergewände und Fensterpfeiler hingegen wurde grüner Muschelkalk verwendet. Im Juni 1925, nach 15 Monaten Bauzeit, wurde das Hochhaus eingeweiht und war mit 65 Metern für kurze Zeit das höchste (profane) Hochhaus in Europa.
Der gesamte Bau ist im Stil des Backsteinexpressionismus gehalten und besteht aus einem dreizehnachsigen, siebengeschossigen Hauptbau und einem dreiachsigen, 16-geschossigen Turm, der auf den Hauptbau aufgesetzt ist. Ein dritter Baukörper war als Kino geplant. Dieser Saalbau schließt an den Hauptbau auf der dem Hansaring abgewandten Seite an. Der Bau als Ganzes ist kubisch und terrassenförmig strukturiert. Zwischen den Fenstern in der zweiten Etage befanden sich ursprünglich fünf Plastiken von Franz Albermann (1877-1959) und Joseph Pabst (1879-1950), welche die fünf Kontinente repräsentieren sollten. Die Plastiken sind jedoch verschollen und wurden nicht ersetzt.
Zu dem Saalbau, der als Kino genutzt werden sollte, gehörte auch ein Café-Restaurant, dessen Innenräume mit Wandmalereien von Richard Seewald (1889-1976), Professor für Wandmalerei und Graphik an der Kölner Werkschule, gestaltet wurden. Der mit Palisanderholz vertäfelte Kinosaal verfügte über ein modernes Belüftungs- und Beleuchtungssystem mit 15.000 Lampen. Neben einem regulären Aufzug verfügt das Hansahochhaus auch über einen bis heute funktionsfähigen Paternoster-Aufzug.

Rezeption und Nutzung
Klemens Klemmer, der Biograph von Jacob Koerfer, verweist auf mehrere Zeitungsartikel, die darauf hindeuten, dass sowohl das Hochhaus als auch Kino und Café bei den Kölner*innen Anklang fanden. Es finden sich jedoch auch andere Zeitungsartikel, zum Beispiel aus dem Kölner Tageblatt vom 08.01.1925 und vom 03.02.1925, die den Bau recht negativ beurteilen. Der Architekt Koerfer erhielt 1926 von der Technischen Hochschule Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig für den Bau des Hansahochhauses die Ehrendoktorwürde.
Im Geschäftshaus befanden sich Ausstellungsräume der Adler-Automobile, während der Kinosaal vom Emelka-Kino genutzt wurde. Das Kino ist heute nicht mehr vorhanden, an seiner Stelle befindet sich jetzt ein Parkhaus. Zwischen 1944 und 1945 wurden der dritte und der vierte Stock des Hauses von der Reichsbahn als Zwangsarbeitslager verwendet. Über 800 Zwangsarbeiter*innen wurden dort unter unwürdigen Bedingungen untergebracht und mussten schwere und gefährliche Aufräum- und Reparaturarbeiten an Bahnanlagen vornehmen.
In den 1960er Jahren befanden sich unter anderem die Räumlichkeiten der Bibliothek Germania Judaica, die sich inzwischen in der Kölner Zentralbibliothek am Josef-Haubrich-Hof befindet, in dem Hansahochhaus. Derzeit wird das Hochhaus als Hotel genutzt. Außerdem ist das Gebäude, nicht zuletzt wegen der auffälligen orangen Leuchtreklame an der Spitze des Turmes, für die Nutzung der Ausstellungsräume durch das Elektrofachgeschäft Saturn bekannt. Fritz und Anni Waffenschmidt eröffneten im Juli 1961 nur wenig entfernt am Hansaring 79-81 auf zunächst 120 m2 Geschäftsfläche den ersten Saturn-Markt überhaupt. 1977 zog Saturn dann mit den meisten Abteilungen in den Komplex des Hansahochhauses um (frdl. Hinweis Herr Kievernagel). In den 1970er Jahren machte der Markt mit einer großen Schallplattenauswahl in Selbstbedienung auf sich aufmerksam, die selbstbewusst als „größte Schallplatten-Schau der Welt“ beworben wurde. Heute ist der Markt Teil der MediaMarktSaturn-Elektronik-Fachmarktkette.

Baudenkmal
Das „Verwaltungs- und Geschäftshaus“ (Hansaring 97 in Neustadt-Nord) wurde zum 03. Juni 1988 mit der laufenden Nummer 4631 in die Kölner Denkmalliste eingetragen (www.stadt-koeln.de).

(Julian Weller, LVR-Redaktion KuLaDig / Abteilung Digitales Kulturerbe, 2021)

Quellen
  • Das erste Kölner Hochhaus, in: Kölnische Zeitung, Abendausgabe 19.02.1924, Nr. 126 (abgerufen unter zeitpunkt.nrw, 02.11.2021)
  • Ein Hochhaus am Hansaring, in: Kölnische Zeitung, Beilage zur Abend-Ausgabe 29.03.1924, Nr. 228a (abgerufen unter zeitpunkt.nrw, 02.11.2021)
  • Ein Hochhaus am Hansaring, in: Stadtanzeiger, 29.03.1924, Nr. 150 (abgerufen unter zeitungsausschnitte.ub.uni-koeln.de, 02.11.2021)
  • Das Hochhaus am Hansaring, in: Kölner Tageblatt, 08.01.1925, Nr. 12 (abgerufen unter zeitungsausschnitte.ub.uni-koeln.de, 02.11.2021)
  • Der Figurenschmuck des Hochhauses am Hansaring, in: Kölner Tageblatt, 03.02.1925, Nr. 56 (abgerufen unter zeitungsausschnitte.ub.uni-koeln.de, 02.11.2021)
  • Freundlicher Hinweis von Uli Kievernagel, Köln, 2023.

Internet
preussen-im-rheinland.de: Hansahochhaus in Köln (abgerufen 02.11.2021)
baukunst-nrw.de: Hansahochhaus (abgerufen 02.11.2021)
ardmediathek.de: Ein Besuch in der Bibliothek „Germania Judaica“ in Köln (abgerufen 11.11.2021)
stadt-koeln.de: GERMANIA JUDAICA - Kölner Bibliothek zur Geschichte des Deutschen Judentums e. V. (abgerufen 11.11.2021)
www.koeln.de: „Made in Cologne“ stellt Produkte und Unternehmen vor. Was Köln in der Welt bekannt macht (erstellt 27.05.2015, abgerufen 16.05.2022)
stadt-koeln.de: Suche in der Denkmalliste (abgerufen 11.11.2021, Inhalt nicht mehr verfügbar 18.01.2024)
www.stadt-koeln.de: Interaktive Denkmalkarte Köln (abgerufen 18.01.2024)
rundschau-online.de: Gründer von Saturn Kölner Unternehmer Fritz Waffenschmidt gestorben (abgerufen 15.11.2021)
saturn.de: Saturn - Unternehmen (abgerufen 15.11.2021)
www.youtube.com: Das Hansa-Hochhaus bei 4'29 min. in den historischen Filmaufnahmen „Köln vor dem Krieg“ der Dokumentation „Das alte Köln in Farbe“ (abgerufen 30.05.2022)
www.koeln-lotse.de: Das Hansahochhaus - in Rekordzeit errichteter Prestigebau (Uli, der Köln-Lotse vom 27.05.2023, abgerufen 30.05.2023)

Literatur

Jung, Werner (2006)
Das moderne Köln. (Der historische Stadtführer.) S. 66-67, Köln.
Klemmer, Klemens (1987)
Jacob Koerfer (1875-1930). Ein Architekt zwischen Tradition und Moderne. (Beiträge zur Kunstwissenschaft 13.) S. 119-135, 222-223, München.
Kramp, Mario; Soénius, Ulrich (Hrsg.) (2015)
Made in Cologne – Kölner Marken erobern die Welt. Köln (2. aktualisierte u. erweiterte Neuauflage).
Post, Anita / Fischli, Bruno (Hrsg.) (1990)
Paläste der Zerstreuung und "Kinos für Jedermann" (1918-1933). In: Vom Sehen im Dunkeln - Kinogeschichten einer Stadt, S. 47-54. Köln.
Weyer, Anselm (2021)
Architekturführer Köln. S. 221-223, Berlin.

Hansahochhaus in Neustadt-Nord

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Hansaring 97
Ort
50670 Köln - Neustadt-Nord
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Architekturgeschichte
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 0 bis 0, Ende 0 bis 0

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Julian Weller: „Hansahochhaus in Neustadt-Nord”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343141 (Abgerufen: 1. März 2024)
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